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Mêngel bis Mênsch (Bd. 3, Sp. 175 bis 176)
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Artikelverweis * Das Mêngel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Gegenden, z. B. in Bremen, übliches Maß flüssiger Dinge, welches der vierte Theil eines Quartes, oder der sechzehente Theil eines Stückchens ist. Es scheinet zu dem Geschlechte der Wörter Mand oder Mande, ein Korb, Mund u. a. m. zu gehören, oder auch zu dem Lat. Manus, Manipulus. Im mittlern Lat. ist Manna eine Hand voll.
 
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Mêngeln, verb. reg. act. welches das Diminutivum oder auch Iterativum von dem Zeitworte mengen ist, aber nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders im verächtlichen Verstande, gehöret wird, so wie man von mischen in ähnlichem Verstande auch mischeln sagt. In andern Gegenden ist mengeln, so wie mengen, im Kleinen verkaufen, besonders Eßwaaren im Kleinen verkaufen, höken, Ital. mescolare, im mittlern Lat. mangonare. Fische mengen oder mengeln, mit Fischen im Kleinen handeln. Wo denn Menger, Mengeler, Mengling auch einen solchen Höken bedeutet, Ital. Mescolatore.
 
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Die Mêngelwurz, plur. inus. ein Nahme verschiedener ihrer Wurzeln wegen brauchbarer Pflanzen. 1) Der gemeinen Grindwurz, Rumex acutus L. welche auch wilder Ampfer und Mangold genannt wird, aus welchem letztern Nahmen Mengelwurz seiner ersten Hälfte nach herstammet. S. Adelung Mangold. 2) Bey einigen führet auch der Sauerampfer, Rumex Acetosa L. dessen trockene Wurzel roth färbet, den Nahmen der Mengelwurz.
 
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Mêngen, verb. reg. act. mehrere Dinge verschiedener Art unter einander thun. 1) Eigentlich, wo es von trocknen Dingen am üblichsten ist, sie ohne Ordnung unter einander thun, ohne doch, daß sich ihre Bestandtheile mit einander verbinden. Gerste unter den Rocken, Mäusedreck unter den Pfeffer mengen. Das Hundertste in das Tausendste mengen. Gemengtes Getreide, in der Landwirthschaft, wo mehrere Arten unter einander gebauet werden; Mengkorn, Nieders. Mankkorn, im Oberd. Mischkorn, Mischelkorn. Dem Pferde das Futter mengen, das Korn oder den Hafer unter den Häcksel mengen. Sich unter das Volk mengen, der körperlichen Gegenwart nach. Wenn mit der Mengung zugleich die Vereinigung der Bestandtheile verbunden ist, so ist das Zeitwort mischen üblicher, daher man dieses lieber von

[Bd. 3, Sp. 176]


der Vermengung flüssiger Körper gebraucht, als mengen; obgleich es bey ältern Schriftstellern so genau nicht genommen wird. Wohl aber lässet sich mengen gebrauchen, wenn ein trockner Körper mit einem nassen verbunden wird. Eile und menge drey Maß Semmelmehl, knete und backe Kuchen, 1 Mos. 18, 6. Ungesäuerte Kuchen mit Öhle gemengt, 2 Mos. 29, 2. Den Teig einmengen, ist daher in der Hauswirthschaft das zum Teige bestimmte Mehl mit Wasser vermischen. S. Adelung Mischen. 2) Figürlich. Sich in alles mengen, an allem einen unbefugten Antheil haben wollen. Sich in jemandes Gespräch mengen. Sich in fremde Händel mengen, mit dem Nebenbegriff der Unbefugsamkeit, des Vorwitzes. Menge dich nicht in fremde Sachen, Sir. 11, 9. S. auch Mischen, welches auf ähnliche Art gebraucht wird. Im Feldbaue menget sich das Sommergetreide, wenn einige der grünen Ähren anfangen gelb zu werden und zu reifen. So auch die Mengung.
   Anm. Schon in dem Isidor mengan, im Angels. mengean, im Nieders. mank, im Dän. mänge, im Schwed. mäuga, im Engl. to mingle, im Griech. μιγνυειν. Es scheinet nicht unmittelbar von Menge abzustammen, sondern zu dem Nieders. mank, darunter, zu gehören, und durch den eingeschalteten Nasenlaut von machen, verbinden, abzustammen. S. Adelung Gemahl und Mischen.
 
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Das Mếngemāß, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Maß, die Menge der Körper damit zu messen; das körperliche Maß, zum Unterschiede von dem Längen- und Flächenmaße.
 
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Die Mêngeprêsse, plur. inus. auf der Messinghütte zu Goslar, eine Art des Messinges, welches aus einem Pfunde Lauterberger Kupfers und zwey Pfund Galmey verfertiget, aber nicht allein verkauft, sondern zum Zusatze des Tafelmessinges genommen wird; zum Unterschiede von diesem Tafelmessinge und dem Stückmessinge. Die Benennung ist der zweyten Hälfte nach dunkel.
 
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Der Mênger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Mengeln.
 
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Das Mêngsel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut. nom. sing. mehrere unter einander gemengte Dinge, als ein Ganzes betrachtet; im verächtlichen Verstande ein Mischmasch. Im Nieders. Mengels. S. -Sal.
 
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Der Mênnig, des -es, plur. inus. ein sehr lebhafter pomeranzenrother Farbenkörper, welcher eigentlich eine rothe Bleyasche ist, welche durch eine starke Calcination aus dem Bleye oder Bleyweiße erhalten wird. Im Nieders. Mennje, daher auch einige Hochdeutsche dieses Wort im weiblichen Geschlechte gebrauchen, die Mennige; im Schwed. Mönja, im Dän. Mönne, Minie, im Franz. Mine, Mine de plomb; alle aus dem Lat. Minium, welches vermuthlich zu dem Worte Minera gehöret, und eigentlich einen jeden gegrabenen Farbenkörper bedeutet haben kann. Wenigstens wird der Bergzinnober noch bey einigen Mennigfarbe genannt. Wenn es bey dem Notker Ps. 70. V. 13 heißt: Die sih mident daz si rote menge fahent under ougen, welche sich schämen, daß sie unter den Augen roth werden: so scheinet es hier für rothe Farbe, Röthe überhaupt zu stehen, wenn Menge anders hier unser Mennig ist.
 
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Der Mênnoníst, oder Mênnonīt, des -en, plur. die -en, ein Nahme, welchen die Wiederkäufer oder Taufgesinnten in Holland führen, von dem Mennon, einem ihrer ersten Lehrer.
 
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Der Mênsch, des -en, plur. die -en, ein Individuum des menschlichen Geschlechtes, d. i. ein mit einer vernünftigen Seele begabtes Thier. 1. Überhaupt und im weitesten Verstande. Alle Menschen sind sterblich. Christus ist ein Mensch oder ist Mensch geworden, S. Adelung Menschwerdung. Jeder Mensch ist frey, und nie muß er es mehr seyn, als wenn es die Wahl seines Glückes betrifft, Sonnenf. Das ist keinem Menschen

[Bd. 3, Sp. 177]


erlaubt. Das glaubt kein Mensch, niemand. Es ist kein Mensch zu Hause, niemand. Das ist alles, was nur ein Mensch thun kann. Mit dem bestimmten Artikel wird es oft im Singular für ein Mensch, oder auch collective für Menschen gebraucht. Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest? Ps. 8, 5. Das Leben des Menschen ist vieler Gefahr unterworfen. Nur durch Untersuchung der Triebfedern der Natur entledigt sich der Mensch der Knechtschaft der Natur und wird zu einem freyen Weltbürger, Sulz. 2. In engerer Bedeutung, mit einigen Nebenbegriffen. 1) In Absicht auf dessen veränderliche Umstände. (α) In Ansehung des eingeschränkten Zustandes, der anklebenden Schwachheiten. Wir sind alle Menschen, d. i. eingeschränkte, schwache, Fehlern und Irrthümern unterworfene Menschen. (β) In Ansehung des gesellschaftlichen Lebens gesitteter Menschen und der darin gegründeten Pflichten; im Gegensatze des Unmenschen. Erinnere dich, daß du ein Mensch bist.
   Freund unsre Zeit von Eisen
   Ist sehr an Menschen arm, obgleich sehr reich an Weisen,
   Gieseke. S. Adelung Menschlich, welches in diesem Verstande noch üblicher ist. (γ) In Ansehung der Vernunft, durch welche sich der Mensch von allen übrigen sichtbaren Geschöpfen unterscheidet. Die hellen Zwischenräume der Vernunft, die einzigen Augenblicke, worin der Mensch wahrhaftig ein Mensch ist. 2) Der ganze Gemüthszustand des Menschen; doch nur in der biblischen Schreibart und ohne Plural. Der alte Mensch, das natürliche Verderben, im Gegensatze des neuen Menschen, oder der in der Wiedergeburt hervor gebrachten neuen Fertigkeit; beydes, weil sie sich über alle Fähigkeiten des Menschen erstrecken. Der innere Mensch, bey den Mystikern, das Gemüth, im Gegensatze des äußern Menschen, oder des Körpers. Die Übereinstimmung in dem Laute mit dem Latein. Mens ist hier bloß zufällig, indem dieses zu dem Zeitworte meinen gehöret. 3) Eine Person männlichen Geschlechtes; wo es doch gemeiniglich im verächtlichen Verstande üblich ist, wenigstens nur von solchen Personen gebraucht wird, von welchen man ohne besondere Achtung sprechen zu können glaubt. Mit Achtung gebraucht man dafür das Wort Mann, und mit Ehrerbiethigkeit das Wort Herr. Im Plural hat es in dieser Bedeutung nicht Menschen sondern Leute. Ein artiger junger Mensch. Was ist das für ein Mensch? Ein böser, liederlicher, ruchloser Mensch. Es ist ein guter, ehrlicher Mensch. Ein armer Mensch. Also vertheidigen sie den Menschen noch, Gell. Im weiblichen Geschlechte lautet es in einer ähnlichen Bedeutung das Mensch, S. das folgende.
   Anm. Schon bey dem Kero als ein Hauptwort Mennisch, bey dem Ottfried Mennisco, Mennisg, bey dem Notker Mennischo, im Nieders. Minsk, im Dän. Menniske, im Schwed. Menniska, im Isländ. Manneska, im Angels. Mennisc, und schon bey den ältern Ägyptiern Manosch. Es ist ein zusammen gesetztes Wort von Mann, welches ehedem auch einen Menschen bedeutete, wie noch im Isidor Manno und im Engl. Man, und der Ableitungssylbe -isch. Gemeiniglich glaubt man, daß dieses -isch die Endung der Beywörter sey, und daß Mensch anfänglich nur als ein Beywort gebraucht worden, bis es endlich die Gestalt eines Hauptwortes angenommen habe. Es wird solches dadurch wahrscheinlich, weil manniska bey dem Ulphilas und manask bey dem Kero wirklich als ein Beywort vorkommen. Allein, zu geschweigen, daß der Übergang solcher Beywörter in Hauptwörter selten ist, so gibt es auch eine substantive, Ableitungssylbe -isch, wie in Harnisch, dem alten Hiuuisk, die Familie, und vielleicht noch einigen andern. Hier scheinet es das alte Angels. Aesc, alt Schwed. Ask, ein Mann, Mensch, und vielleicht

[Bd. 3, Sp. 178]


in noch weiterer Bedeutung auch ein Ding, ein Geschöpf zu seyn, welches mit dem Hebr. 05d005d905e9, ein Mann, genau überein kommt. Man-ask, Men-isch, und zusammen gezogen Mensch, würde also ein menschliches Geschöpf, ein menschliches Individuum bedeuten. Im Pohln. ist Meszka eine Mannsperson, ein Mann. Bey dem Ottfried heißt ein Mensch auch Gomono, welches mit dem Latein. Homo sehr genau überein kommt. S. Adelung Mann.

 

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