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Melōte bis Mêngeprêsse (Bd. 3, Sp. 174 bis 176)
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Artikelverweis Die Melōte, S. Adelung Melilote.
 
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Die Mêmel, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Niedersachsens, ein Nahme der Mehlmilben, welche an andern Orten Memern heißen.
 
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Die Mêmme, S. Adelung Mämme.
 
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* Die Menêrle, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nahme der Maserle, Acer campestre L. aus welchem Worte Menerle vermuthlich verderbt ist. In andern Gegenden sagt man dafür Mewerle.
 
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Die Mênge, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -n, ein Collectivum, eine Vielheit oder große Anzahl mehrerer Dinge Einer Art zu bezeichnen. Etwas in Menge haben.
   Welche Mengen entdeckt mein Blick mit erhabenen Händen!
   Zachar. Die Dinge Einer Art, deren große Anzahl bezeichnet werden soll, stehen, wie gewöhnlich, in der zweyten Endung, mit dem bestimmten Artikel, wenn sie selbst bestimmt ausgedruckt werden. Nach der Menge der Jahre sollt du den Kauf steigern, 3 Mos. 25, 16. Das Land mochte sie nicht ertragen vor der Menge ihres Viehes, 1 Mos. 36, 7. Die Menge des Wassers war unglaublich. Werden aber diese Dinge nur unbestimmt ausgedruckt, oder soll nur angezeiget werden, daß von gewissen Dingen Einer Art eine Menge oder große Anzahl vorhanden sey, so bleibt der bestimmte Artikel weg. Es gibt überall eine Menge armer Leute. Eine Menge Heuschrecken. Eine solche Menge Menschen hatten wir noch nie gesehen. Eine Menge Geldes. Wo statt der zweyten Endung die erste beynahe noch üblicher ist. Eine Menge Geld, Holz, Schnee, Wasser u. s. f. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart wird die Menge so wie die Fülle gern adverbisch gebraucht, für sehr viel, und alsdann stehet es am liebsten hinter dem Genitive. Daß sie Geldes die Menge zu Hause brachten, 2 Chron. 24, 11, für eine Menge Geldes. Wo im Hochdeutschen der Nominativ gleichfalls am üblichsten ist.

[Bd. 3, Sp. 175]


Marmelsteine die Menge, 1 Chron. 30, 2. Allerley Wein die Menge, Nehem. 7, 18. Feuer und Holz die Menge, Es. 30, 33. Arbeit die Menge haben. Waaren die Menge verkaufen. In manchen, doch nicht in allen Fällen, lässet sich statt der ersten oder zweyten Endung auch das Vorwort von gebrauchen. Eine Menge von Leuten, d. i. eine Menge Leute. Die schwere Menge, für, eine sehr große Menge, gehöret in die niedrige Sprechart. Von einem hohen Grade der Intension ist es in der anständigen Sprechart der Hochdeutschen nicht mehr üblich. Durch die Menge der Kraft, Hiob 30, 18. Die Menge des Alters laß Weisheit beweisen, Kap. 32. 7. Er hatte Reichthum und Ehre die Menge, 2 Chron. 15, 5. Wohl aber wird die Menge zuweilen von dem größten Haufen der Menschen, oder doch von einer großen Anzahl Menschen gebraucht. Du sollt nicht folgen der Menge zum Bösen, 3 Mos. 23, 2. Sich zu dem Gesichtskreise der Menge herab lassen, des größten Haufens. Wir müssen den Verstand gewöhnen, sich nicht von den Grundsätzen der Menge verführen zu lassen, Gell.
   Anm. Bey dem Kero Managi, bey dem Ottfried Menigi, bey dem Notker Manigi, bey dem Willeram Menige, im Angels. Menegeo, bey dem Ulphilas Managei, im Dän. Mängde, im Schwed. Mångd, im Isländ. Meingi. Es ist das Abstractum von dem alten manig, viel, jetzt manch, welches mit mein in gemein, mehr, Macht und andern verwandt ist. S. auch Mengen.
 
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* Das Mêngel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Gegenden, z. B. in Bremen, übliches Maß flüssiger Dinge, welches der vierte Theil eines Quartes, oder der sechzehente Theil eines Stückchens ist. Es scheinet zu dem Geschlechte der Wörter Mand oder Mande, ein Korb, Mund u. a. m. zu gehören, oder auch zu dem Lat. Manus, Manipulus. Im mittlern Lat. ist Manna eine Hand voll.
 
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Mêngeln, verb. reg. act. welches das Diminutivum oder auch Iterativum von dem Zeitworte mengen ist, aber nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders im verächtlichen Verstande, gehöret wird, so wie man von mischen in ähnlichem Verstande auch mischeln sagt. In andern Gegenden ist mengeln, so wie mengen, im Kleinen verkaufen, besonders Eßwaaren im Kleinen verkaufen, höken, Ital. mescolare, im mittlern Lat. mangonare. Fische mengen oder mengeln, mit Fischen im Kleinen handeln. Wo denn Menger, Mengeler, Mengling auch einen solchen Höken bedeutet, Ital. Mescolatore.
 
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Die Mêngelwurz, plur. inus. ein Nahme verschiedener ihrer Wurzeln wegen brauchbarer Pflanzen. 1) Der gemeinen Grindwurz, Rumex acutus L. welche auch wilder Ampfer und Mangold genannt wird, aus welchem letztern Nahmen Mengelwurz seiner ersten Hälfte nach herstammet. S. Adelung Mangold. 2) Bey einigen führet auch der Sauerampfer, Rumex Acetosa L. dessen trockene Wurzel roth färbet, den Nahmen der Mengelwurz.
 
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Mêngen, verb. reg. act. mehrere Dinge verschiedener Art unter einander thun. 1) Eigentlich, wo es von trocknen Dingen am üblichsten ist, sie ohne Ordnung unter einander thun, ohne doch, daß sich ihre Bestandtheile mit einander verbinden. Gerste unter den Rocken, Mäusedreck unter den Pfeffer mengen. Das Hundertste in das Tausendste mengen. Gemengtes Getreide, in der Landwirthschaft, wo mehrere Arten unter einander gebauet werden; Mengkorn, Nieders. Mankkorn, im Oberd. Mischkorn, Mischelkorn. Dem Pferde das Futter mengen, das Korn oder den Hafer unter den Häcksel mengen. Sich unter das Volk mengen, der körperlichen Gegenwart nach. Wenn mit der Mengung zugleich die Vereinigung der Bestandtheile verbunden ist, so ist das Zeitwort mischen üblicher, daher man dieses lieber von

[Bd. 3, Sp. 176]


der Vermengung flüssiger Körper gebraucht, als mengen; obgleich es bey ältern Schriftstellern so genau nicht genommen wird. Wohl aber lässet sich mengen gebrauchen, wenn ein trockner Körper mit einem nassen verbunden wird. Eile und menge drey Maß Semmelmehl, knete und backe Kuchen, 1 Mos. 18, 6. Ungesäuerte Kuchen mit Öhle gemengt, 2 Mos. 29, 2. Den Teig einmengen, ist daher in der Hauswirthschaft das zum Teige bestimmte Mehl mit Wasser vermischen. S. Adelung Mischen. 2) Figürlich. Sich in alles mengen, an allem einen unbefugten Antheil haben wollen. Sich in jemandes Gespräch mengen. Sich in fremde Händel mengen, mit dem Nebenbegriff der Unbefugsamkeit, des Vorwitzes. Menge dich nicht in fremde Sachen, Sir. 11, 9. S. auch Mischen, welches auf ähnliche Art gebraucht wird. Im Feldbaue menget sich das Sommergetreide, wenn einige der grünen Ähren anfangen gelb zu werden und zu reifen. So auch die Mengung.
   Anm. Schon in dem Isidor mengan, im Angels. mengean, im Nieders. mank, im Dän. mänge, im Schwed. mäuga, im Engl. to mingle, im Griech. μιγνυειν. Es scheinet nicht unmittelbar von Menge abzustammen, sondern zu dem Nieders. mank, darunter, zu gehören, und durch den eingeschalteten Nasenlaut von machen, verbinden, abzustammen. S. Adelung Gemahl und Mischen.
 
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Das Mếngemāß, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Maß, die Menge der Körper damit zu messen; das körperliche Maß, zum Unterschiede von dem Längen- und Flächenmaße.
 
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Die Mêngeprêsse, plur. inus. auf der Messinghütte zu Goslar, eine Art des Messinges, welches aus einem Pfunde Lauterberger Kupfers und zwey Pfund Galmey verfertiget, aber nicht allein verkauft, sondern zum Zusatze des Tafelmessinges genommen wird; zum Unterschiede von diesem Tafelmessinge und dem Stückmessinge. Die Benennung ist der zweyten Hälfte nach dunkel.

 

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