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Melancholīe bis Mêlken (Bd. 3, Sp. 169 bis 173)
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Artikelverweis Die Melancholīe, (viersylbig,) plur. die -n, (fünfsylbig,) aus dem Griech. und Latein. Melancholia. 1) Ein hoher Grad der Traurigkeit oder Schwermüthigkeit, besonders so fern sie ihren Sitz in einer fehlerhaften Beschaffenheit des Körpers hat; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. 2) Bey einigen neuern Schriftstellern wird es oft von einer jeden traurigen Empfindung des Gemüthes, und demjenigen Zustande desselben, da es zu solchen Empfindungen geneigt ist, gebraucht.
 
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Melanchōlisch, -er, -te, adj. et adv. mit der Melancholie behaftet, in derselben gegründet. 1) In der ersten engern Bedeutung des Hauptwortes. Ein melancholischer Mensch. Melancholisch seyn, werden. 2) In der zweyten weitern Bedeutung, für traurig, der Empfindung des Gemüthes nach, schwermüthig, diese Empfindung so wohl verrathend als auch veranlassend; in der letztern

[Bd. 3, Sp. 171]


Bedeutung besonders in der höhern Schreibart. In melancholischen Gängen von Laub will ich irren, Geßn.
 
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Die Melāne, ein Raubvogel, S. Adelung Milane.
 
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Die Melanzāne, plur. die -n, aus dem Ital. Melanzana, eine Art in Italien einheimischer Gold- oder Liebesäpfel, welche bey uns nur in den Gewächshäusern angetroffen werden, und eine länglich runde apfelförmige Frucht von gelber, aschgrauer, grüner oder röthlicher Farbe haben.
 
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Die Mêlde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n. 1) Eine Pflanze; Atriplex L. Es gibt mehrere Arten derselben. Die Rosenmelde, Atriplex rosea, ist in dem mittägigen Europa einheimisch. Die Gartenmelde, Atriplex hortensis, ist aus der Tartarey in unsere Gärten gekommen, und kann mit andern Kräutern wie ein Gemüse gegessen werden. Die gemeine Melde oder Waldmelde, Atriplex patula, wächset in den Gartenländern und auf den Rainen, so wie die Meermelde, Atriplex littoralis, an den nördlichen Seeküsten, und die Staudenmelde, Atriplex Halymus, in dem südlichen Europa. 2) Die stinkende Melde, Chenopodium Vulvaria L. welche an den Mauern und ungebaueten Orten wächset, und auch Hundsmelde, Bockskraut, Mautzenkraut und Maunzenkraut heißt, verräth ihren widrigen Geruch schon durch ihren Nahmen. 3) Der rothe Gänsefuß, Chenopodium rubrum L. führet in einigen Gegenden den Nahmen der wilden Melde, Dänisch Skovmeld, so wie der weiße Gänsefuß, Chenopodium album L. den Nahmen der weißen Melde, und das Chenopodium viride und hybridum L. den Nahmen der kleinen und breiten Waldmelde.
   Anm. Beyde Arten von Pflanzen, das Chenopodium so wohl als Atriplex heißen auch im Dänischen Meld, Miäld, im Norweg. Melde, und in den gemeinen Deutschen Mundarten Melte, Malten, Milte u. s. f. Schon im Griech. war μελιτεια, dem Scholiasten des Theophrastes zu Folge, ειδος βοτανς γλυκιζουσς. Das Stammwort scheinet milde zu seyn, weil diese Pflanzen weich und milde anzufühlen sind.
 
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Mêlden, verb. reg. act. et reciproc. welches das Intensivum oder Frequentativum des veralteten malen ist. Es bedeutet, 1. in der weitesten Bedeutung, seine Gegenwart andern vermittelst des Gehöres merklich machen; als ein Reciprocum. Ein Thier meldet sich, wenn es sich hören lässet, und man daraus dessen Gegenwart erkennet. In diesem Verstande gebrauchen es die Jäger, bey welchen sich der Hirsch meldet, wenn er schreyet, dagegen von dem Schreyen des Thieres auch die Zeitwörter schalten, schmählen, schrecken und bellen üblich sind. Der Wind meldet sich, wenn man sein Daseyn aus dessen Brausen erkennet. In weiterer Bedeutung auch wohl von der Bekanntmachung des Daseyns durch andere Mittel. Der Winter meldet sich, wenn es gegen die Zeit des Winters kalt oder unfreundlich wird. Das Fieber meldet sich, wenn man dessen Ankunft empfindet. 2. In weiterer Bedeutung. 1) Jemandes Ankunft oder Gegenwart ansagen, bekannt machen. Man lässet sich melden, wenn man einem andern seine Gegenwart ansagen lässet, ingleichen, wenn man ihn wissen lässet, daß man ihn besuchen wolle. Sich bey einem melden lassen, zum Besuche. Die Wache muß die eingehenden Personen melden, dem die Wache habenden Officier, oder dem Commendanten ansagen. In engerer Bedeutung, jemandes Gegenwart zu dessen Nachtheile oder doch wider seinen Willen bekannt machen; ihn verrathen. Verbirge die Verjagten und melde die Flüchtigen nicht, Es. 16, 3. Christus bedräuete sie, daß sie ihn nicht meldeten, Matth. 12, 6. In dieser eingeschränkten Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet. Ehedem gebrauchte man es für verrathen überhaupt, daher Judas der Verräther noch im Tatian der Meldar heißt. Das Schwedische

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måla bedeutet gleichfalls verrathen. Ingleichen als ein Reciprocum, sich melden, seine Gegenwart in einer gewissen Absicht dem andern kund thun, es geschehe nun schriftlich oder mündlich. Der Gläubiger meldet sich, wenn er sich als Gläubiger bekannt macht, und seine Bezahlung verlangt. Es haben sich schon viele Gläubiger gemeldet. Wer es gefunden hat, melde sich bey N. N. Man meldet sich bey jemanden, wenn man bey ihm etwas zu bitten, ihm etwas zu hinterbringen, etwas von ihm zu verlangen hat u. s. f. Sich um ein Amt bey der Obrigkeit melden. Ein Beurlaubter muß sich nach seiner Wiederkunft bey seinem Vorgesetzten melden. 2) Nachricht von etwas ertheilen, eine geschehene Sache einem oder mehrern bekannt machen, es geschehe nun schriftlich oder mündlich; bey dem Ottfried meldon. Man hat mir gemeldet, daß dein Bruder gestorben sey. Mein Correspondent meldet mir nichts davon. Es wird von Rom gemeldet, daß der Papst krank sey. Die Sache ist mir schon gemeldet worden. 3) Erwähnen, Meldung thun. Er meldet hiervon nichts. Um nur kürzlich etwas davon zu melden. Ohne Ruhm zu melden, d. i. ihrer, ohne mich selbst zu rühmen, Erwähnung zu thun. Mit Ehren zu melden, nur im gemeinen Leben, salva venia. Die gemeldete, oben gemeldete, mehrmahls gemeldete Sache. 4) * Nennen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Als er seinen Vater melden hörete, nennen.
   Daher die Meldung, plur. inus. so wohl die Handlung des Meldens, als auch die Erwähnung, in der vorigen dritten Bedeutung. Einer Sache Meldung thun, ihrer erwähnen; welche Wortfügung mit der zweyten Endung besser und im Hochdeutschen üblicher ist, als die mit dem Vorworte von, von etwas Meldung thun.
   Anm. Dieses alte Wort lautet schon von des Kero Zeiten an meldon, im Angels. maeldan. Es ist das Intensivum oder Frequentativum von dem alten malen, melen, molen, schallen, dem Gehöre merklich werden und merklich machen, und in engerer Bedeutung, reden, sprechen, Schwed. måla, Hebr. 05de05dc05dc. Den esel molet fine stimme, verräth seine Stimme, einer der Schwäbischen Dichter. Es kommt mit dem alten Latein. mulgare in promulgare überein. Im Angels. ist daher Methel die Sprache, und bey den ehemahligen Gothen in der Krimm malathata sprechen. S. 2. Mahl.
 
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Die Melilōte, plur. inus. der ausländische Nahme einer Art des Steinklees, Trifolium Melilotus L. welcher in den Europäischen Feldern wild wächset, und woraus das Meliloten-Pflaster verfertiget wird. Im gemeinen Leben werden beyde Wörter gemeiniglich in Melote und Meloten-Pflaster verkürzt.
 
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Die Melísse, plur. inus. eine Pflanze, welche einen angenehmen gewürzhaften Geruch hat, und in dem wärmern südlichern Europa einheimisch ist; Melissa officinalis L. Sie hat den Nahmen aus Italien mit zu uns gebracht, welcher vermuthlich zu dem Geschlechte des Lat. Mel, Griech. μελι, Honig, gehöret, so wohl, ihren angenehmen Geruch dadurch zu bezeichnen, als auch, weil die Bienen sehr begierig nach den Blumen sind, daher sie auch Bienenkraut und Honigblume heißt. Wegen ihres angenehmen Geruches wird sie auch Citronen-Kraut, und wegen ihrer Wirkung in Mutterbeschwerungen Mutterkraut, genannt. Daher das Melissenwasser, der Melissengeist u. s. f. Die Türkische Melisse, Dracocephalum Moldavica L. ist eine Art des Drachenkopfes, und übertrifft an starkem Geruche die gewöhnliche Melisse. Die Moluckische Melisse, welche auf den Molucken wächset, ist eine Pflanze eben dieser Ordnung, welche aber ein eigenes Geschlecht ausmacht; Moluccella L. Eine Gattung davon ist die Syrische Melisse, Moluccella laevis L.

[Bd. 3, Sp. 173]



 
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Das Melissenblatt, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche auf den hohen Gebirgen der Schweiz so wohl als Englands einheimisch ist, und in den Blättern der Melisse gleicht; Melittis L.
 
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Mêlk, adj. et adv. in der Landwirthschaft, wirklich Milch gebend. Melke Kühe, Schafe, Ziegen, welche gemolken werden können, Melkkühe, Melkschafe. Melk werden, anfangen Milch zu geben. Frischmelke Kühe, welche erst vor kurzem melk geworden; zum Unterschiede von den altmelken. Engl. milch.
 
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Mêlken, verb. act. welches auf doppelte Art üblich ist. 1) Mit regulärer Abwandelung, streicheln, und in engerm Verstande, ziehend streicheln oder betasten; in welchem Verstande es nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, wo man z. B. jemanden, der gern die Hunde und Katzen streichelt, im verächtlichen Verstande einen Hundemelker und Katzenmelker zu nennen pflegt. 2) Mit irregulärer Abwandelung. Imperf. ich molk; Mittelwort gemolken; Imperat. melke. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Milch durch ein mit Ziehen verbundenes Streicheln aus den Zitzen drücken. Die Kühe, Schafe, Ziegen melken. Die Kühe werden im Sommer drey Mahl gemolken. Daher das Melken, anstatt des ungewöhnlichen Melkung.
   Anm. In der letzten Bedeutung im Nieders. gleichfalls melken, im Angels. melcan, meolcian, im Engl. to milk, im Dän. malke, im Schwed. molka, im Latein. mulgere, und Griech. αμελγειν. Es ist noch eine Frage, ob es in dieser zweyten Bedeutung unmittelbar von Milch abstammet, ungeachtet diese im Nieders. Melk heißet. In der ersten wenigstens hat es mit diesem Worte nichts gemein, sondern ist, so wie das gleich lautende Lat. mulcere, streicheln, und mulgere, melken, ein Abkömmling von mahlen, hin und her bewegen, S. dasselbe. Eher müßte man es von zwey verschiedenen Stämmen ableiten, welches der Unterschied in der Conjugation wahrscheinlich macht. Übrigens pflegen einige Hochdeutsche, welchen melken in der zweyten Bedeutung zu Niedersächsisch klingt, es in milchen zu verderben, dagegen andere es auch im Präsenti irregulär abwandeln, ich melke, du milkst, er milkt, für melkst und melkt. Eine melkende Kuh, für melke oder Milch gebende Kuh, ist ein Fehler gemeiner Mundarten, indem melken als ein Neutrum, für Milch geben, nicht üblich ist.

 

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