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Meistersänger bis Mêlde (Bd. 3, Sp. 169 bis 171)
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Artikelverweis Der Meistersänger, oder Meistersinger, des -s, plur. ut nom. sing. eine alte Art zunftmäßig eingerichteter Dichter oder vielmehr Reimer, welche wie andere Handwerker Meister und Lehrlinge unter sich haben, und noch in Nürnberg, Straßburg und einigen andern Oberdeutschen Städten zünftig sind. Sie stammen von den ehemahligen Dichtern des Schwäbischen Zeitalters oder den so genannten Minnesingern ab, und singen ihre Meistergesänge oder Meisterlieder in ihren Zechen und Singeschulen, oder feyerlichen Versammlungen, nach gewissen angenommenen Meistertönen her.
 
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Die Meisterschaft, plur. die -en, ein ehedem sehr übliches, jetzt aber größten Theils veraltetes Wort. Es bedeutete, 1) den Zustand, die Eigenschaft, die Würde eines Meisters, ohne Plural; wo es fast in allen Bedeutungen dieses Wortes vorkommt. So wohl für Vorzug, Rang.
   Vil stolzer ist min meisterschaft
   Denne din gros unfluemikeit,
   der Burggr. v. Riedenb.
   Wer e hat volbracht sin werk mit kraft
   Dem wart die meisterschaft,
   ebend. Als auch für Oberherrschaft, Überlegenheit.
   Den andern teil den git mir mine kraft
   Vnd mine grosse meisterschaft,
   ebend. Besonders überlegene Geschicklichkeit, Erfahrung, Wissenschaft, Kunst; in welchem Verstande es noch im 16ten Jahrhunderte häufig vorkommt. Auch für Lehre, Unterweisung, Zucht war es ehedem üblich. Von der akademischen Magister-Würde kommt es noch zuweilen im Scherze vor. Am üblichsten ist es noch von dem Zustande, der Würde eines Handwerksmeisters. Die Meisterschaft rechtmäßig erlangen, das Meisterrecht. 2) Mehrere Meister; ehedem gleichfalls in den meisten Bedeutungen dieses Wortes. So heißt die Obrigkeit bey dem Hornegk die Meisterschaft. Der Burggraf von Riedenburg nennet die Gelehrten an des Kaisers Hofe des Keisers meisterschaft. In einigen Städten führet nur noch zuweilen eine Handwerkszunft oder Innung den Nahmen der Meisterschaft.
 
Artikelverweis Der
Meisterstreich, des -es, plur. die -e, ein meisterhafter Streich, der Streich eines Meisters, d. i. einer mit überlegener Geschicklichkeit, Erfahrung und Wissenschaft begabten Person. Sich durch einen Meisterstreich aus einer Verlegenheit wickeln.
 
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Das Meisterstück, des -es, plur. die -e. 1) Überhaupt, ein Stück, d. i. ein Werk, eines Meisters, einer in ihrem Fache mit überlegener Kunst, Geschicklichkeit, Wissenschaft oder Erfahrung begabten Person, ein vortreffliches Stück; ein Meisterwerk. So nennet man eine vortreffliche Rede, ein vorzüglich schönes Gedicht, einen meisterhaften Streich u. s. f. Meisterstücke. In engerer Bedeutung ist es das beste unter mehrern vorzüglichen Werken Einer Person. Der Mensch ist das Meisterstück der Natur. 2) Bey den Handwerkern ist es dasjenige Stück Arbeit, welches ein Gesell verfertigen muß, wenn er das Meisterrecht erhalten will. Das Meisterstück machen. Da es denn in weiterer Bedeutung auch wohl von einem jeden Werke gebraucht wird, welches man zum Beweise seiner Geschicklichkeit, Einsicht oder Erfahrung verfertiget.
 
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Der Meistertag, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern, derjenige Tag, an welchem sich die Meister eines Handwerkes versammeln.
 
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Die Meisterwurz, plur. inus. eine Pflanze, welche auf den Schweizerischen Alpen einheimisch ist; Imperatoria L. Engl. Masterwort, Dän. Messerurt. Sie hat den Nahmen vermuthlich den überaus heilsamen Kräften ihrer gewürzhaften scharfen Wurzel zu danken, welche noch jetzt für das wirksamste schweiß- und urintreibende Mittel gehalten wird. Bey dem Camerarius heißt sie Magistrantia, bey andern Ostrutium, Astrutium, Astrentium, daher sie auch in einigen Deutschen Gegenden Ostritz, Astenz, Astranz, Magistranz, ingleichen Kaiserwurz und Wohlstand genannt wird.
 
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Die Melancholīe, (viersylbig,) plur. die -n, (fünfsylbig,) aus dem Griech. und Latein. Melancholia. 1) Ein hoher Grad der Traurigkeit oder Schwermüthigkeit, besonders so fern sie ihren Sitz in einer fehlerhaften Beschaffenheit des Körpers hat; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. 2) Bey einigen neuern Schriftstellern wird es oft von einer jeden traurigen Empfindung des Gemüthes, und demjenigen Zustande desselben, da es zu solchen Empfindungen geneigt ist, gebraucht.
 
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Melanchōlisch, -er, -te, adj. et adv. mit der Melancholie behaftet, in derselben gegründet. 1) In der ersten engern Bedeutung des Hauptwortes. Ein melancholischer Mensch. Melancholisch seyn, werden. 2) In der zweyten weitern Bedeutung, für traurig, der Empfindung des Gemüthes nach, schwermüthig, diese Empfindung so wohl verrathend als auch veranlassend; in der letztern

[Bd. 3, Sp. 171]


Bedeutung besonders in der höhern Schreibart. In melancholischen Gängen von Laub will ich irren, Geßn.
 
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Die Melāne, ein Raubvogel, S. Adelung Milane.
 
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Die Melanzāne, plur. die -n, aus dem Ital. Melanzana, eine Art in Italien einheimischer Gold- oder Liebesäpfel, welche bey uns nur in den Gewächshäusern angetroffen werden, und eine länglich runde apfelförmige Frucht von gelber, aschgrauer, grüner oder röthlicher Farbe haben.
 
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Die Mêlde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n. 1) Eine Pflanze; Atriplex L. Es gibt mehrere Arten derselben. Die Rosenmelde, Atriplex rosea, ist in dem mittägigen Europa einheimisch. Die Gartenmelde, Atriplex hortensis, ist aus der Tartarey in unsere Gärten gekommen, und kann mit andern Kräutern wie ein Gemüse gegessen werden. Die gemeine Melde oder Waldmelde, Atriplex patula, wächset in den Gartenländern und auf den Rainen, so wie die Meermelde, Atriplex littoralis, an den nördlichen Seeküsten, und die Staudenmelde, Atriplex Halymus, in dem südlichen Europa. 2) Die stinkende Melde, Chenopodium Vulvaria L. welche an den Mauern und ungebaueten Orten wächset, und auch Hundsmelde, Bockskraut, Mautzenkraut und Maunzenkraut heißt, verräth ihren widrigen Geruch schon durch ihren Nahmen. 3) Der rothe Gänsefuß, Chenopodium rubrum L. führet in einigen Gegenden den Nahmen der wilden Melde, Dänisch Skovmeld, so wie der weiße Gänsefuß, Chenopodium album L. den Nahmen der weißen Melde, und das Chenopodium viride und hybridum L. den Nahmen der kleinen und breiten Waldmelde.
   Anm. Beyde Arten von Pflanzen, das Chenopodium so wohl als Atriplex heißen auch im Dänischen Meld, Miäld, im Norweg. Melde, und in den gemeinen Deutschen Mundarten Melte, Malten, Milte u. s. f. Schon im Griech. war μελιτεια, dem Scholiasten des Theophrastes zu Folge, ειδος βοτανς γλυκιζουσς. Das Stammwort scheinet milde zu seyn, weil diese Pflanzen weich und milde anzufühlen sind.

 

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