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Meiß bis Meisterdruck (Bd. 3, Sp. 164 bis 167)
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Artikelverweis Der Meiß, des -es, plur. die -e, ein nur im Forstwesen einiger Gegenden übliches Wort, ein Gebau, einen Hau, oder einen Schalg zu bezeichnen. Einen Wald in gewisse Meiße theilen, in Haue oder Gehaue. Daher das zusammen gesetzte abmeißen, abtreiben, abhauen. Es scheinet zu dem Worte Maße zu gehören, so fern es einen abgemessenen oder abgetheilten Bezirk bedeutet, oder mit noch mehrerer Wahrscheinlichkeit zu dem Geschlechte des Wortes Meißel, Messer u. s. f. so daß es mit Hau oder Gehau gleichbedeutend ist. S. das folgende. Im Oberd. wird es Mais und maisen geschrieben.
 
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1. Die Meißel, plur. die -n, Diminut. das Meißelchen, im Oberd. Meißelein, bey den Wundärzten, ein aus geschabter Leinwand gedreheter kleiner Cylinder, oder ein solches Bäuschlein, in die Wunden zu legen. An andern Orten die Schleiße, der Pensel, am Rheine Trasel, in Österreich Würzel, Nieders. die Wieke, Franz. Charpie. Ohne Zweifel mit dem folgenden von meißen, schneiden, hauen, schaben, und der Ableitungssylbe -el, ein Ding, so daß es, so wie das Franz. Charpie, von dem Nieders. scharben, scherben, eigentlich ein geschabtes Ding, und in engerer Bedeutung, geschabte Leinwand bezeichnet. Bey einigen ist es auch im männlichen Geschlechte üblich, der Meißel.
 
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2. Der Meißel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Meißelchen, Oberd. Meißellein, ein Werkzeug zum Schneiden, Hauen oder Stechen; in welchem Verstande es nur noch in engerer Bedeutung von verschiedenen schmalen mit einem langen Häfte versehenen Werkzeugen dieser Art gebraucht wird. Die Bildhauer nennen alle strählerne Werkzeuge, Holz oder Stein vermittelst des Schlägels zu bearbeiten, Meißel. Die Meißel der Tischler und Zimmerleute sind von ähnlicher Art und werden zuweilen auch Stämmeisen und Durchschläge genannt. Ein Meißel mit gekrümmter und hohler Schneide heißt bey den Tischlern und Drechslern ein Hohleisen, so wie der Stechbeutel, der erstern ein an der Schärfe breit und schief geschliffener Meißel ist, das Holz mit der Faust gerade zu bestoßen. Die flachen mit schräger Schneide versehenen Dreheisen der Drechsler führen gleichfalls den Nahmen der Meißel, und bey den Feilenhauern werden alle Werkzeuge ohne Häft, die Feilen damit gitterförmig zu hauen, Meißel genannt. Die ähnlichen Werkzeuge, in Metall damit zu graben oder stechen, welche bey andern Metallarbeitern Grabstichel oder Bunzen heißen, führen bey den Schwertfegern den Nahmen der Meißelchen, so wie die runden Hauer bey den Klämpenern Meißel heißen. Im Bergbaue ist der Meißel ein Eisen mit einem langen Häfte, dasjenige, was sich in dem Ofenloche angesetzet hat, damit abzustoßen.
   Anm. Im Dän. Meisel. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe -el, welche ein Werkzeug bedeutet, von dem veralteten Zeitworte meißen, schneiden, hauen, graben, stechen, gebildet, welches ein Intensivum oder Iterativum von meiden, mähen, schneiden, zu seyn scheinet, oder doch genau damit verwandt ist. Meißel und Messer sind eigentlich nur in der Mundart verschieden. S. Adelung Meißeln, Metzeln, Metzcher, 1. Meiden, Mähen u. a. m.
 
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Der Meißelbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, eine Art des Erdbohrers mit einer meißelförmigen Schneide, in Kalk- oder anderes Gestein damit zu bohren.
 
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Meißeln, verb. reg. act. 1) Ein Diminutivum oder Frequentativum von dem veralteten meißen, schneiden; in welchem Verstande es nur noch in einigen Fällen üblich ist. In der Pferdewartung nennet man das Beschneiden der allzu langen Ohren der Pferde

[Bd. 3, Sp. 165]


meißeln. Zu den Bleich- oder Kleibewerken müssen in die Riegel Fugen gemeißelt (in den gemeinen Mundarten gemöselt) werden, die Kleibestangen darein zu zwängen. 2) In engerer Bedeutung, mit dem Meißel bearbeiten; unmittelbar von dem vorigen Hauptworte Meißel, wo es in den Zusammensetzungen abmeißeln, aufmeißeln, ausmeißeln u. s. f. am üblichsten ist. So auch die Meißelung. S. Messer, Metzcher, Metzeln und 1. Meiden.
 
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Meist, adj. et adv. welches der Superlativ von dem Comparative mehr, und dem veralteten Positive meh, viel, groß, ist, so daß meist für mehist stehet. Es wird so wohl von der größten Menge, als auch von dem größten Grade der Intension unter mehrern Mengen oder Graden gebraucht. Die meisten Stimmen gelten. Er hat das meiste Geld gewonnen. Den meisten Verstand, das meiste Ansehen haben. Eigentlichen Collectivis wird es seltener vorgesetzet. Der meiste Theil, besser, der größte Theil. Der meiste Haufe, 2 Macc 11, 12, der größte Theil des Haufens. Ingleichen in Gestalt eines Hauptwortes. Wir haben das Meiste gegeben. Die Meisten oder die meisten, die meisten Menschen. Das Meiste oder meiste biethen. Wie auch in adverbischer Gestalt mit dem gewöhnlichen am. Am meisten geben, leiden, thun. Wer am meisten gesündiget hat, wird auch am meisten gestraft. Für gemeiniglich, am häufigsten, ist es nur noch im gemeinen Leben üblich. Das pfleget am meisten im Sommer zu geschehen. So wie auch aufs meiste für auf das höchste im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Jemand oder zween oder aufs meiste drey, 1 Cor. 14, 27. In der gewöhnlichen adverbischen Gestalt der Beywörter kommt es nur in der niedrigen Sprechart, besonders Niedersachsens, vor. Ich bin meist fertig, größten Theils, beynahe, fast. Es ist meist alles bezahlet. Etwas gewöhnlicher ist im Hochdeutschen meistens, S. dasselbe. Das Schwed. mest wird auf eben diese Art gebraucht.
   Anm. Bey dem Kero und Willeram meist, bey dem Ulphilas maists und mist, im Angels. maest, im Schwed. mest, im Dän. meest, im Engl. most, im Griech. μεισον, im Lat. maximus. S. Adelung Mehr.
 
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Meistbiethend, adj. et adv. welches im gemeinen Leben und der gerichtlichen Schreibart, für der am meisten biethende, größten Theils als ein Hauptwort üblich ist. Etwas den Meistbiethenden verkaufen, denen, welche am meisten biethen.
 
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Meistens, adv. welches in der vertraulichen Sprechart für das niedrige meist, größten Theils, meisten Theils, üblich ist. Er hat mir diese Bücher meistens verschafft, Gell. Die Engländer sind meistens freygebig, dem größten Theile nach. Eben diese Eitelkeit ist meistens das Werk seiner Schmeicheley, Dusch. Man schmeichelt sich meistens vergebens, den Wissenschaften außer der Ehe besser zu leben, Gell. Nieders. meistlik, bey den Schwäbischen Dichtern meistig.
 
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Meistentheils, richtiger getrennt meisten Theils, adv. in der vertraulichen Sprechart, wie meistens, dem meisten und größten Theile nach, größten Theils, wofür man in der anständigern Schreibart auch wohl mehrentheils gebraucht. Ich habe es meisten Theils beysammen.
 
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Der Meister, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Meisterinn, ein altes Wort, welches in folgenden Bedeutungen vorkommt.
   1. Überhaupt, der vornehmste unter mehrern Einer Art, der Vorgesetzte; eine nur noch in einer großen Menge von Zusammensetzungen übliche Bedeutung, wo es Vorgesetzte von allen Arten des Ranges und der Würde bedeutet. Dergleichen sind, Hofmeister, Forstmeister, Jägermeister, Feldzeugmeister, Rittmeister, Bürgermeister, Baumeister, Bettmeister, Brunnenmeister, Büchsenmeister, Capell-Meister, Küchenmeister, Proviant-Meister,

[Bd. 3, Sp. 166]


Kellermeister, Münzmeister, Schulmeister, Mauermeister, Postmeister, Schatzmeister, Bothenmeister, Zahlmeister, und hundert andere mehr, wo es bald einen Vorgesetzten mehrerer Personen Einer Art, bald aber auch gewisser Sachen bezeichnet. Für sich allein ist es in dieser Bedeutung, wenigstens in der anständigen Schreibart, veraltet. Bey dem Willeram heißt die vornehmste Kirche unter mehrern, Meisterinna. Nur der Abdecker oder Feldmeister wird an einigen Orten noch Meister schlechthin genannt, S. Adelung Meisterey.
   2. In engerer Bedeutung.
   1) Der vornehmste der Macht nach, der Herr, der Macht und Stärke nach, Schwed. Mestare; eine ihrem ganzen Umfange nach gleichfalls veraltete Bedeutung. Jemanden für seinen Meister erkennen, dessen überlegene Stärke einräumen; im gemeinen Leben. In der vertraulichen Sprechart ist diese Bedeutung, nur noch in einigen Arten der Ausdrücke üblich, wo es im männlichen Geschlechte allein von beyden Geschlechtern gebraucht wird, und im Singular am üblichsten ist. Sich von etwas Meister machen, ohne Artikel, sich dessen bemeistern. Die Feinde haben sich von der Stadt Meister gemacht. Meister von etwas seyn, es in seiner Gewalt haben. Den Meister spielen, mit überlegener Macht wirken. Die Russen spielten in dem letzten Türkenkriege überall den Meister. Seiner selbst nicht Meister seyn, sich nicht in seiner Gewalt haben, gleichfalls ohne Artikel. Cholerische Gemüther sind ihrer selbst selten Meister. Dorinde ist niemahls über ihre Begierden Meister.
   2) Den Kenntnissen, und besonders der Geschicklichkeit nach. (a) Überhaupt, wo es gleichfalls nur noch in einigen Fällen üblich ist. Einen großen Künstler, einen in seiner Wissenschaft vorzüglich erfahrnen Mann, pflegt man oft einen großen Meister, einen Meister in seiner Kunst, in seinem Fache, in seiner Wissenschaft, und wenn es eine Person weiblichen Geschlechtes ist, eine Meisterinn zu nennen, ohne daß diesem Worte hier etwas von dem Verächtlichen der folgenden Bedeutung eines Handwerksmeisters anklebte. Die Meisterinn der Lieder, heißt die Nachtigall mehrmahls bey den Dichtern. Ehedem pflegte man auch die Doctores und Magistros auf Universitäten im Deutschen nur Meister zu nennen, welche Bedeutung aber veraltet ist. Meister Fuchs, heißt der Fuchs noch im Scherze wegen seiner überlegenen List. (b) In engerer Bedeutung. (α) Ein Künstler, besonders ein Künstler von vorzüglicher Geschicklichkeit. Thubalkain, der Meister in allerley Erz und Eisenwerk, 1 Mos. 4, 22. Der war ein Meister in Erz, 1 Kön. 7, 14. Wie zwo Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat, Hohel. 7, 1. Im Hochdeutschen ist es auch hier veraltet, außer wenn es in der vorigen Bedeutung gebraucht wird, einen Künstler von vorzüglicher Geschicklichkeit zu bezeichnen. (β) Ein Handwerker, welcher sein Handwerk gehörig erlernet, und sich das Recht erworben hat, Gesellen und Lehrlinge halten zu dürfen, entweder wegen seiner überlegenen Erfahrung, oder auch in der folgenden Bedeutung, so fern er dem Lehrlinge entgegen gesetzet wird. Dessen Ehegattinn die Meisterinn. Es wird in dieser Bedeutung, welche überhaupt dem ganzen Worte einen niedrigen Nebenbegriff verursacht hat, nur von den eigentlichen Handwerkern gebraucht, dagegen bey Künstlern und andern ähnlichen Lebensarten die Ausdrücke Principal, und in Beziehung auf den Lehrling, Lehrherr u. s. f. üblich sind. Meister werden, sich auf die gebräuchliche Art das Recht erwerben, ein Handwerk öffentlich treiben und Gesellen und Lehrlinge halten zu dürfen. Der Dorfmeister, ein Handwerksmeister auf einem Dorfe, zum Unterschiede von einem Stadtmeister. Im Franz. heißt daher ein Handwerk und in weiterer Bedeutung eine jede Hantirung Metier, ehedem Mestier, im Ital. Mestiere. (γ) Ein Lehrer, im

[Bd. 3, Sp. 167]


Gegensatze des Schülers; der Lehrmeister. Der Herr wird ausrotten, beyde Meister und Schüler, Malach. 2, 12. Der Jünger ist nicht über seinen Meister, Matth. 10, 24. Ihr sollt euch nicht lassen Meister nennen, Matth. 23, 10. Bist du ein Meister in Israel? Joh. 3, 10. Vermuthlich hat man es um der vorigen Bedeutung willen auch in diesem Verstande veralten lassen, denn wenn noch jetzt ein Schüler seinen Lehrer seinen Meister nennet, so geschiehet es nur noch im vertraulichen Scherze. Doch gebraucht man es noch in einigen Zusammensetzungen von solchen Personen, welche in gewissen freyen Künsten Unterricht ertheilen. Dergleichen sind Sprachmeister, Rechenmeister, Zeichenmeister Tanzmeister, Exercitien-Meister, Schreibemeister u. s. f. Wenn es von Künstlern, im Gegensatze des Schülers, zuweilen auch noch außer der Zusammensetzung gebraucht wird, z. B. in die Hände eines schlechten Meisters fallen, so scheinet es hier vielmehr die allgemeinere Bedeutung eines Kunsterfahrnen zu haben.
   3. In weiterer Bedeutung, derjenige, welcher ein Werk hervor gebracht hat, im Gegensatze des Werkes; so wohl um der überlegenen Kenntniß und Geschicklichkeit, als auch um der überlegenen Gewalt willen. Als wenn ein Werk spräche von seinem Meister: er hat mich nicht gemacht, Es. 29, 16. Das Werk lobet den Meister, Sir. 9, 24.
   Anm. In den meisten der obigen Bedeutungen schon seit des Kero Zeiten Meistar, im Engl. Master, im Schwed. Mestare, im Isländ. Meistare, im mittlern Lat. Meistralis, im Wallis. Meistri, im Wend. Mojster, im Französ. Maitre, im Ital. Maestro, im Wallach. Mastoru, und Alban. Mjestar. Es ist wegen des hohen Alters und weiten Umfanges dieses Wortes nicht wahrscheinlich, daß es, wie man gemeiniglich behauptet, aus dem Lat. Magister entlehnet worden; glaublicher aber, daß es ein gleichzeitiger Seitenverwandter desselben ist. So wie Meier, von dem alten Positivo meh, mei, groß, viel, vornehm, und der Ableitungssylbe -er, eine Person männlichen Geschlechtes, gebildet ist, so ist auch Meister sehr regelmäßig aus dem Superlativo meist und eben dieser Ableitungssylbe zusammen gesetzet. S. Meier und das verwandte Macht.
 
Artikelverweis 
Der Meisterdruck, des -es, plur. die -e, in der Mahlerey, ein großer, kühner, bedeutender Druck des Pinsels, welcher die Hand eines Meisters, d. i. eines erfahrnen, großen Künstlers, zu erkennen gibt. S. Adelung Meister 2. 2) (a).

 

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