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Meisenkloben bis Meißeln (Bd. 3, Sp. 163 bis 164)
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Artikelverweis Der Meisenkloben, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kloben, Meisen damit zu fangen.
 
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Der Meisenkönig, des -es, plur. die -e. 1) Ein Nahme des gemeinen Zaunköniges, welcher auch Winterkönig, Schneekönig, Nesselkönig, Dornkönig u. s. f. genannt wird; Trochlodytes Klein. Die erste Hälfte dieses Wortes scheinet hier nur eine zufällige Ähnlichkeit des Klanges mit Meise, Parus, zu haben, und zu einem andern Stamme zu gehören, es müßte denn der Zaunkönig diesen Nahmen wegen einiger Ähnlichkeit mit der Meise führen. 2) In einigen Gegenden führet die Mönchmeise den Nahmen des Meisenköniges, vielleicht weil sie größer ist, als die übrigen Arten, S. Adelung Mönchmeise. 3) Ingleichen eine Art grüner Grasmücken, mit einer schwarzen Platte auf dem Kopfe, welche einen angenehmen Gesang hat und auch Meisenmönch, Mönch und Schwarzkopf genannt wird. Sie siehet der Hanfmeise sehr ähnlich.
 
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Der Meisenmönch, des -es, plur. die -e, S. das vorige.
 
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Die Meisenpfeife, plur. die -n, Diminut. das Meisenpfeifchen, Oberd. Meisenpfeiflein, ein kleine Pfeife, womit man die Stimme der Meisen nachzuahmen pfleget, wenn man sie in die Kloben oder Kasten locken will.
 
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Der Meisenschlag, des -es, plur. die -schläge, S. Adelung Meisenkasten und Schlag.

[Bd. 3, Sp. 164]



 
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Der Meisentanz, des -es, plur. die -tänze, ein Werkzeug der Vogelsteller, welches aus einem Gestelle mit mehrern auf kleine Stangen gehängten Sprenkeln bestehet, Meisen damit zu fangen.
 
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Der Meiß, des -es, plur. die -e, ein nur im Forstwesen einiger Gegenden übliches Wort, ein Gebau, einen Hau, oder einen Schalg zu bezeichnen. Einen Wald in gewisse Meiße theilen, in Haue oder Gehaue. Daher das zusammen gesetzte abmeißen, abtreiben, abhauen. Es scheinet zu dem Worte Maße zu gehören, so fern es einen abgemessenen oder abgetheilten Bezirk bedeutet, oder mit noch mehrerer Wahrscheinlichkeit zu dem Geschlechte des Wortes Meißel, Messer u. s. f. so daß es mit Hau oder Gehau gleichbedeutend ist. S. das folgende. Im Oberd. wird es Mais und maisen geschrieben.
 
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1. Die Meißel, plur. die -n, Diminut. das Meißelchen, im Oberd. Meißelein, bey den Wundärzten, ein aus geschabter Leinwand gedreheter kleiner Cylinder, oder ein solches Bäuschlein, in die Wunden zu legen. An andern Orten die Schleiße, der Pensel, am Rheine Trasel, in Österreich Würzel, Nieders. die Wieke, Franz. Charpie. Ohne Zweifel mit dem folgenden von meißen, schneiden, hauen, schaben, und der Ableitungssylbe -el, ein Ding, so daß es, so wie das Franz. Charpie, von dem Nieders. scharben, scherben, eigentlich ein geschabtes Ding, und in engerer Bedeutung, geschabte Leinwand bezeichnet. Bey einigen ist es auch im männlichen Geschlechte üblich, der Meißel.
 
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2. Der Meißel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Meißelchen, Oberd. Meißellein, ein Werkzeug zum Schneiden, Hauen oder Stechen; in welchem Verstande es nur noch in engerer Bedeutung von verschiedenen schmalen mit einem langen Häfte versehenen Werkzeugen dieser Art gebraucht wird. Die Bildhauer nennen alle strählerne Werkzeuge, Holz oder Stein vermittelst des Schlägels zu bearbeiten, Meißel. Die Meißel der Tischler und Zimmerleute sind von ähnlicher Art und werden zuweilen auch Stämmeisen und Durchschläge genannt. Ein Meißel mit gekrümmter und hohler Schneide heißt bey den Tischlern und Drechslern ein Hohleisen, so wie der Stechbeutel, der erstern ein an der Schärfe breit und schief geschliffener Meißel ist, das Holz mit der Faust gerade zu bestoßen. Die flachen mit schräger Schneide versehenen Dreheisen der Drechsler führen gleichfalls den Nahmen der Meißel, und bey den Feilenhauern werden alle Werkzeuge ohne Häft, die Feilen damit gitterförmig zu hauen, Meißel genannt. Die ähnlichen Werkzeuge, in Metall damit zu graben oder stechen, welche bey andern Metallarbeitern Grabstichel oder Bunzen heißen, führen bey den Schwertfegern den Nahmen der Meißelchen, so wie die runden Hauer bey den Klämpenern Meißel heißen. Im Bergbaue ist der Meißel ein Eisen mit einem langen Häfte, dasjenige, was sich in dem Ofenloche angesetzet hat, damit abzustoßen.
   Anm. Im Dän. Meisel. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe -el, welche ein Werkzeug bedeutet, von dem veralteten Zeitworte meißen, schneiden, hauen, graben, stechen, gebildet, welches ein Intensivum oder Iterativum von meiden, mähen, schneiden, zu seyn scheinet, oder doch genau damit verwandt ist. Meißel und Messer sind eigentlich nur in der Mundart verschieden. S. Adelung Meißeln, Metzeln, Metzcher, 1. Meiden, Mähen u. a. m.
 
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Der Meißelbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, eine Art des Erdbohrers mit einer meißelförmigen Schneide, in Kalk- oder anderes Gestein damit zu bohren.
 
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Meißeln, verb. reg. act. 1) Ein Diminutivum oder Frequentativum von dem veralteten meißen, schneiden; in welchem Verstande es nur noch in einigen Fällen üblich ist. In der Pferdewartung nennet man das Beschneiden der allzu langen Ohren der Pferde

[Bd. 3, Sp. 165]


meißeln. Zu den Bleich- oder Kleibewerken müssen in die Riegel Fugen gemeißelt (in den gemeinen Mundarten gemöselt) werden, die Kleibestangen darein zu zwängen. 2) In engerer Bedeutung, mit dem Meißel bearbeiten; unmittelbar von dem vorigen Hauptworte Meißel, wo es in den Zusammensetzungen abmeißeln, aufmeißeln, ausmeißeln u. s. f. am üblichsten ist. So auch die Meißelung. S. Messer, Metzcher, Metzeln und 1. Meiden.

 

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