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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
2. Meiner bis Meise (Bd. 3, Sp. 161 bis 163)
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Artikelverweis  2. Meiner, die zweyte Endung des persönlichen Fürwortes ich. Erinnern sie sich meiner. Ich war meiner nicht mehr mächtig. Im Oberdeutschen gebraucht man diese zweyte Endung zuweilen anstatt der dritten. Er näherte sich meiner, für mir. Eben daselbst wird sie sehr häufig in mein zusammen gezogen. Es will sich niemand mein annehmen. Welches auch wohl einige Hochdeutsche Dichter um des Reimes und Sylbenmaßes willen nachahmen.
   Ach, sprach er, ach, erbarmt euch mein,
   Gell.
 
Artikelverweis 
Meinethalben, Meinetwêgen, Meinetwillen, S. 5. Mein I.
 
Artikelverweis 
Der, die, das Meinige, das Abstractum des zueignenden Fürwortes mein, welches alle Mahl den bestimmten Artikel erfordert, und ohne Hauptwort gebraucht wird, ob es sich gleich auf eines beziehet. Mache mit deinen Sachen was du willst, nur laß mir die meinigen. Ingleichen als ein Hauptwort. Ich habe das Meinige gethan, meine Pflicht, ingleichen, was in meinen Kräften war. Ich habe alles das Meinige dabey zugesetzt, mein Vermögen. Es ist das Meinige, mein Eigenthum. Die Meinigen, meine Angehörigen, Verwandten. Ehedem pflegte man dieses Abstractum gern in der, die, das Meine zusammen zu ziehen. Mache mit deinen Sachen was du willst, nur laß mir die meinen. Welche Form zuweilen noch bey den Dichtern vorkommt.
   Laß sehn, spricht Galathe, obs auch die meine sey,
   Gell. Die Meinen, meine Angehörigen. Das Meine, mein Eigenthum, mein Vermögen.
 
Artikelverweis Die
Meinung, plur. die -en, ein Hauptwort, welches nicht das Verbale des Zeitwortes meinen ist, weil es sonst die Handlung des Meinens bedeuten müßte, sondern aus demselben und der Ableitungssylbe -ung, ein Subject, ein Ding, zusammen gesetzet worden, ein von dem Gemüthe gewirktes Ding zu bezeichnen. Es ist jetzt nur noch in folgenden Fällen üblich. 1) Das Urtheil über eine Sache nach wahrscheinlichen Gründen, ohne zu entscheiden, ob dieses Urtheil wahr ist, oder nicht; daher es so wohl gegründete Meinungen gibt, wenn dieses Urtheil aus wahrscheinlichen Sätzen, durch ordentliche mit einander verknüpfte Schlüsse hergeleitet wird, als ungegründete. Einer Meinung seyn, sie

[Bd. 3, Sp. 162]


haben, hegen. Ich bin der Meinung, es werde nicht geschehen. Mit einem andern gleicher Meinung seyn. Andrer Meinung werden. In der Meinung stehen, sie haben. Auf seiner Meinung, bey seiner Meinung bleiben, verharren, davon abgehen, sie verlassen. Jemanden um seine Meinung in einer Sache fragen. Meiner Meinung nach, wie ich dafür halte. Es gibt hierüber allerley Meinungen. Auf eine Meinung gerathen. Jemanden irrige Meinungen beybringen. Jemanden bey seiner Meinung lassen. Meine Meinung geht dahin. Eine übertriebene Meinung von sich selbst haben. Darin bin ich völlig ihrer Meinung. Unrichtige Meinungen erzeugen unrichtige Begierden, Gell. Die wahre Freundschaft setzet allezeit gegenseitige Verdienste voraus, wenigstens die Meinungen derselben, ebend. Jemanden seine Meinung sagen, im gemeinen Leben auch, ihm einen Verweis geben. 2) Die Absicht und Gesinnung; wo der Plural ungewöhnlich ist. Es war nicht meine Meinung, dich zu treffen. Ich habe es nicht in der Meinung gethan. Ich kam her in der Meinung dich zu besuchen. Ich habe es aus keiner bösen Meinung gethan. 3) Der Wille; ein in den Kanzelleyen vorzüglich üblicher Gebrauch, wo es gleichfalls am häufigsten im Singular vorkommt. Und sende zu uns des Königes Meinung über diesem, Esr. 5, 17. Man hat davon auch das zusammen gesetzte die Willensmeinung, um die Zweydeutigkeit des letztern Wortes zu heben.
   Anm. Bey dem Notker Meinungo, bey dem Ottfried, für Absicht, Meinon. Bey andern kommt es mit andern Ableitungssylben vor. Bey dem Ottfried ist Meinta die Absicht, im Wallis. Minnu S. Adelung Meinen und -Ung.
 
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Der Meisch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein nur noch in einigen Fällen übliches Wort, eine Vermischung, einen vermischten Körper zu bezeichnen. 1) Im Österreichischen wird, dem Hueber, zu Folge, der noch nicht lautere Wein Maisch oder Meisch genannt. Bey den Brannteweinbrennern ist der Mösch oder Meisch das mit Wasser und Hefen vermischte Malzschrot, woraus der Branntwein gebrennet wird. 3) In dem Bierbrauen ist der Meisch oder Mösch, in Schlesien Mätsch, das geschrotene und mit heißem Wasser vermengte Malz, welches die Grundlage des Bieres abgibt, und noch von der Würze verschieden ist. Im Schwed. Mäsk. S. Adelung Meischen.
 
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Der Meischbottich, des -es, plur. die -e, in den Brauhäusern, ein Bottich, worin das geschrotene Malz eingemeischet, d. i. mit heißem Wasser vermischet wird; wenn es eine Kufe ist, so heißt sie die Meischkufe, und wenn es ein Faß ist, das Meischfaß.
 
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Meischen, verb, reg. act. rühren, und in engerer Bedeutung, durch Rühren vermischen, welches so wie das Hauptwort Meisch nur noch in einigen Fällen, besonders bey den Bierbrauern, üblich ist. Das Malz meischen, es nach darauf gegossenem heißen Wasser mit der Meischkrücke und dem Rührstecken umrühren, damit es sich gehörig mit dem Wasser vermische, welche ganze Handlung auch einmeischen genannt wird. So auch die Meischung.
   Anm. Im Dän. mädske, es bezeichnet zunächst das Rühren, und kommt darin mit dem Slavonischen miessu, smiessu, rühren, und Griech. μασσειν, überein. Es gehöret gleichfalls zu dem Geschlechte des Wortes mähen, bewegen, von welchem es nur in dem Ableitungslaute verschieden ist. Mit mischen ist es sehr genau verwandt, S. dasselbe. Die im gemeinen Leben üblichen Sprech- und Schreibearten maischen, meuschen, möschen u. s. f. entfernen sich mehr oder weniger von der Abstammung.
 
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Das Mēischfáß, des -sses, plur. die -fässer, S. Adelung Meischbottich. In dem Weinbaue einiger Gegenden wird auch das Faß, in welchem man die Beeren nach der Kelter führet, das

[Bd. 3, Sp. 163]


Meischfaß, genannt. In Thüringen und Franken heißt es die Leithe.
 
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Die Meischkrücke, plur. die -n, eben daselbst, eine Krücke, womit das Malz gemeischet, d. i. umgerühret und mit dem Wasser vermischet wird.
 
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Die Meischkufe, plur. die -n, S. Adelung Meischbottich.
 
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Die Meise, plur. die -n, Diminut. das Meischen, Oberd. Meislein, ein kleiner Sangvogel mit einem dünnen pfriemenförmigen Schnabel und mit Federn bedeckten Nasenlöchern, welcher auf die Zweige der Bäume klettert, und sich von Insecten und Fleisch nähret; Parus L. und Klein. Es gibt ihrer verschiedene Arten, S. Adelung Brandmeise, Kohlmeise, Tannenmeise, Blaumeise, Mönchmeise, Aschmeise, Haubenmeise, Schwanzmeise, u. s. f.
   Anm. Im Nieders. Meeske, im Angels. Mase, im mittlern Lat. Meisa, im Schwed. Måse, im Dän. Musvit, im Engl. Titmouse, Muskin, im Französ. Mesange. Es ist ungewiß, ob dieser Vogel den Nahmen von seinem gemeiniglich schwarzen Kopfe hat, oder von seinem Geschreye, oder von seiner kleinen Gestalt, oder von seiner Gewohnheit, alles zu behacken, von meißeln, wie Maus von dem Benagen, oder auch von einem andern Umstande. In dem ersten Falle würde Meise nach einer sehr gewönlichen Verwechselung des r und s aus Mohr entstanden seyn, wie denn dieser Vogel auch wirklich in einigen Gegenden das Mohrvögelchen genannt wird. Wachter leitet seinen Nahmen von der Kleinheit her, und rechnet ihn zu dem Griech. μειος, klein, so wie ihm zu Folge auch der Lat. Nahme Parus von parvus, und der Schwed. Tetta, Dän. Titling, Engl. Titmouse und Mortitling, von dem Griech. τυτθος, klein, abstammen soll, der aber auch eine Nachahmung seines Geschreyes seyn kann. Ihre glaubt, dieser Vogel habe seinen Nahmen daher, weil er sich gern in Mooren oder sumpfigen Gegenden aufhalte, welches aber wohl nicht gegründet ist, und Frisch, weil er einer Maus ähnlich sey.

 

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