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Meinen bis Meischkrücke (Bd. 3, Sp. 159 bis 163)
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Artikelverweis  Meinen, verb. reg. welches seiner eigentlichen Bedeutung nach längst veraltet ist, und nur noch einige figürliche hinterlassen hat, welche insgesammt gewisse Fähigkeiten und Wirkungen der Seele bezeichnen. Es kommt in doppelter Gestalt vor.
   I. Als ein Neutrum, mit Hülfsworte haben. 1) * Sich erinnern; eine der ältesten und vermuthlich auch ersten Bedeutungen, in welcher es das Neutrum von dem Activo mahnen zu seyn scheinet. S. dasselbe. Schon bey dem Ulphilas ist munja und gamunan sich erinnern, so wie bey den ältesten Römern menere, und bey den spätern memini, menisci, comminisci u. s. f.
   2) * Denken, Schwed. mena, bey dem Ulphilas munan, im Angels. maenon; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher man nur noch zuweilen im gemeinen Leben sagt, anders meinen, anders handeln.
   3) In engerer Bedeutung, dafür halten, urtheilen, ohne zu enrscheiden, ob das Urtheil wahr ist oder nicht, so wohl im weitesten Verstande, ohne Rücksicht auf die Gründe, um welcher willen solches geschiehet. Da sie ihn sahen auf dem Meere wandeln, meyyneten sie, es wäre ein Gespenst, Marc. 6, 49. Wer euch tödtet, wird meynen, er thue Gott einen Dienst daran, Joh. 16, 2.
   Dann wird im nähern Glanz ihm (unserm Geiste) deine Gnad erscheinen,
   Und er von die nicht mehr nach Vorurtheilen meinen,
   Gieseke. Als auch im engern Verstande, nach wahrscheinlichen Gründen urtheilen. Man meinet, der Streit werde bald geendiget seyn. Was meinen sie von der Sache? Ich sollte es nicht meinen, d. i. ich glaube, ich vermuthe es nicht. Nun, wenn du meinest, wenn du es für rathsam, thunlich oder wahr hältst. Meinst du, ich werde dir noch gute Worte geben? Meinst du nicht, daß sie für einander geboren sind? Gell. Was meinst du, hab ich recht? ebend. S. auch Vermeinen. In beyden Fällen ist es nur im gemeinen Leben und höchstens in der vertraulichen Sprechart üblich; dagegen in der anständigern dafür glauben, halten, oder ein anderer Ausdruck gebraucht wird. Von glauben ist es außer der Würde des Ausdruckes auch noch darin unterschieden, daß dieses sich auf eines andern Aussage beziehet, ein Activum ist, und daher auch die vierte Endung haben kann, dagegen meinen als ein Neutrum nur absolute gebraucht wird. Hierher gehöret auch die in den gemeinen Sprecharten einiger Provinzen, besonders Thüringens und Frankens, übliche Ausfüllungs-Partikel meeg, welche aus mein ich, d. i. wie ich dafür halte, zusammen gezogen ist, wofür der mehr Oberdeutsche Pöbel halt oder halter gebraucht. Schon Notker sagt, also meinich, für, das ist.
   4) Mit seinen Worten einen gewissen Verstand verbinden; am häufigsten im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Was meinen sie damit? was wollen sie damit sagen? Ingleichen, mit seinen Worten auf jemanden zielen. Ich meine dich. Wen meinest du damit? wen hast du bey diesen Worten in Gedanken? Wo ist meine Braut? Ja, ich weiß nicht, welche sie meinen, Gell. Ehedem wurde es auch sehr häufig für sagen gebraucht, in welchem Verstande schon meinon bey dem Ottfried vorkommt. In der anständigen Sprechart ist es auch hier veraltet, und nur

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noch im gemeinen Leben fragt man zuweilen, wenn man auf eine höfliche Art zu wissen verlangt, was der andere gesagt habe, was meinen sie? oder, wie meinen sie? Es ist in diesen Fällen nur ein Überrest einer seiner sehr alten weitern Bedeutung, nach welcher dieses Wort für bedeuten überhaupt gebraucht wurde; in welchem Verstande es mit dem Schwed. mena, und dem Griech. μνυω, überein kommt.
   Mih wundert was das meine, was das bedeute,
   der Burggraf von Rietenburg.
   Was meinet diner hiute schin,
   der Burggraf von Rietenburg.
    Was meinest du
   Das du hast gelachet nu?
   der Burggraf von Rietenburg. was bedeutet das, daß du jetzt gelacht hast.
   5) Willens seyn, wollen, im Schwed. mena, im Griech. μενειν. Im Deutschen ist, besonders im Oberdeutschen in der Schreibart der Kanzelleyen, in diesem Verstande nur das Mittelwort gemeinet mit dem Zeitworte seyn üblich; gemeinet seyn, Willens, entschlossen seyn. Das lose Volk
   Und ist gemeyut, mich grausam umzubringen,
   Opitz. Ich bin nicht gemeinet, die Sache darauf beruhen zu lassen. Der König war nicht gemeint, diesem Antrage Gehör zu geben. Im Schwed. ist Minne der Wille. In engerm Verstande ist gimeinan bey dem Ottfried befehlen.
   5) Eine gewisse Gesinnung gegen jemanden hegen, deren Beschaffenheit durch ein Nebenwort bestimmet wird, und mit dem Wörtchen es. Er meint es gut mit dir. Es redlich, aufrichtig, treu meinen. Es falsch meinen. Es war so böse nicht gemeint. Ich weiß, sie meinen es gut mit mir. Wir werden stets finden, daß Gott es besser mit dem Menschen meinet, als es der Mensch mit sich meinen kann, Gell.
   Die Sonne meint es gut, sie brennt fast gar zu sehr,
   Gell. Wo es auch in der passiven Form, doch nur unpersönlich gebraucht wird. Es ist so böse nicht gemeinet. Es war recht gut gemeint. Ehedem gebrauchte man es in diesem Verstande auch als ein Activum, mit der vierten Endung der Person. Mit vntrew meinten sie mich zwar, Theuerd.
   Das Volk das du regierest,
   Das dich mit Treuen meynt,
   Opitz.
   Den Gott mit Treuen meynt, den er von Herzen liebt,
   ebend. II. * Als ein Activum, lieben, geneigt, gewogen seyn, jemanden wohl wollen, mit der vierten Endung der Person, und als eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung; ein im Hochdeutschen veralteter Gebrauch, der doch in den vorigen Jahrhunderten, besonders bey den Oberdeutschen Schriftstellern, sehr häufig ist.
   Das si in von herzen meine,
   Marggr. Heinrich v. Meißen.
   Fuege das mih lieplich meine
   Der vil lieben mündel rot,
   Jacob von Warte.
   Wird deine Treu sich deiner Schönheit gleichen,
   Und du mich meynst, wie dich mein Herze liebt,
   Opitz.
   Ich hasse den, der deine Bahn nicht meynt,
   Opitz. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das veraltete Zeitwort minnen, lieben, nur das Intensivum von diesem meinen ist, und bloß einen höhern Grad des Wohlwollens und der Liebe bedeutet, daher ehedem beyde Zeitwörter auch häufig mit einander verbunden wurden.
   Sage der lieben, die ich von herzen minne,
   Sie ist die ich mit ganzen trüwen meine,
   Marggr. Otto von Brandenburg.
   Das ich ir ere minne und meine,
   Heinr. v. Veldig.
   Wer an der Miune valsches iht,
   Damit ich iu meine,
   Rudolph von Rotenburg. S. Adelung Minne.

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   Das Verbale die Meinung ist nicht üblich, denn das Hauptwort dieses Klanges ist auf andere Art gebildet, S. dasselbe an seinem Orte.
   Anm. Im Nieders. meenen, im Angels. maenan. Ehedem hatte dieses alte Zeitwort noch weit mehrere Bedeutungen. Man gebrauchte es für lehren, bestimmen, handeln oder thun u. s. f. Diese letzte scheinet eine der ersten zu seyn, so daß meinen so fern, es handeln oder thun bedeutet, zunächst die damit verknüpfte Bewegung ausdrucken, und also ein Abkömmling von mähen, so fern es ehedem bewegen bedeutete, seyn würde. S. das Activum Mahnen, welches auf ähnliche Art davon herstammet. Da die Nahmen aller Wirkungen des Geistes von körperlichen Bewegungen oder Handlungen entlehnet sind, so wurde meinen auch gar bald von den oben gedachten Handlungen der Seele gebraucht. Ehedem hatte man auch das Hauptwort Min, welches das Gemüth bedeutete, Engl. Mind, Schwed. Mon, Isländ. Mune, und sehr sichtbar mit dem Lat. Mens und Greich. μενος überein kommt; woraus zugleich das hohe Alter dieses Wortes erhellet. S. auch Miene. Viele schreiben dieses Wort und das davon abstammende Hauptwort Meinung mit einem ey, eine Schreibart, welche nichts zu ihrem Behufe anzuführen vermag, und welche über dieß erst im 16ten Jahrhunderte aufgekommen ist.
 
Artikelverweis 
1. Meiner, meine, meines, das zueignende Fürwort relative und ohne Hauptwort gebraucht, S. 5. Mein II.
 
Artikelverweis 
2. Meiner, die zweyte Endung des persönlichen Fürwortes ich. Erinnern sie sich meiner. Ich war meiner nicht mehr mächtig. Im Oberdeutschen gebraucht man diese zweyte Endung zuweilen anstatt der dritten. Er näherte sich meiner, für mir. Eben daselbst wird sie sehr häufig in mein zusammen gezogen. Es will sich niemand mein annehmen. Welches auch wohl einige Hochdeutsche Dichter um des Reimes und Sylbenmaßes willen nachahmen.
   Ach, sprach er, ach, erbarmt euch mein,
   Gell.
 
Artikelverweis 
Meinethalben, Meinetwêgen, Meinetwillen, S. 5. Mein I.
 
Artikelverweis 
Der, die, das Meinige, das Abstractum des zueignenden Fürwortes mein, welches alle Mahl den bestimmten Artikel erfordert, und ohne Hauptwort gebraucht wird, ob es sich gleich auf eines beziehet. Mache mit deinen Sachen was du willst, nur laß mir die meinigen. Ingleichen als ein Hauptwort. Ich habe das Meinige gethan, meine Pflicht, ingleichen, was in meinen Kräften war. Ich habe alles das Meinige dabey zugesetzt, mein Vermögen. Es ist das Meinige, mein Eigenthum. Die Meinigen, meine Angehörigen, Verwandten. Ehedem pflegte man dieses Abstractum gern in der, die, das Meine zusammen zu ziehen. Mache mit deinen Sachen was du willst, nur laß mir die meinen. Welche Form zuweilen noch bey den Dichtern vorkommt.
   Laß sehn, spricht Galathe, obs auch die meine sey,
   Gell. Die Meinen, meine Angehörigen. Das Meine, mein Eigenthum, mein Vermögen.
 
Artikelverweis Die
Meinung, plur. die -en, ein Hauptwort, welches nicht das Verbale des Zeitwortes meinen ist, weil es sonst die Handlung des Meinens bedeuten müßte, sondern aus demselben und der Ableitungssylbe -ung, ein Subject, ein Ding, zusammen gesetzet worden, ein von dem Gemüthe gewirktes Ding zu bezeichnen. Es ist jetzt nur noch in folgenden Fällen üblich. 1) Das Urtheil über eine Sache nach wahrscheinlichen Gründen, ohne zu entscheiden, ob dieses Urtheil wahr ist, oder nicht; daher es so wohl gegründete Meinungen gibt, wenn dieses Urtheil aus wahrscheinlichen Sätzen, durch ordentliche mit einander verknüpfte Schlüsse hergeleitet wird, als ungegründete. Einer Meinung seyn, sie

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haben, hegen. Ich bin der Meinung, es werde nicht geschehen. Mit einem andern gleicher Meinung seyn. Andrer Meinung werden. In der Meinung stehen, sie haben. Auf seiner Meinung, bey seiner Meinung bleiben, verharren, davon abgehen, sie verlassen. Jemanden um seine Meinung in einer Sache fragen. Meiner Meinung nach, wie ich dafür halte. Es gibt hierüber allerley Meinungen. Auf eine Meinung gerathen. Jemanden irrige Meinungen beybringen. Jemanden bey seiner Meinung lassen. Meine Meinung geht dahin. Eine übertriebene Meinung von sich selbst haben. Darin bin ich völlig ihrer Meinung. Unrichtige Meinungen erzeugen unrichtige Begierden, Gell. Die wahre Freundschaft setzet allezeit gegenseitige Verdienste voraus, wenigstens die Meinungen derselben, ebend. Jemanden seine Meinung sagen, im gemeinen Leben auch, ihm einen Verweis geben. 2) Die Absicht und Gesinnung; wo der Plural ungewöhnlich ist. Es war nicht meine Meinung, dich zu treffen. Ich habe es nicht in der Meinung gethan. Ich kam her in der Meinung dich zu besuchen. Ich habe es aus keiner bösen Meinung gethan. 3) Der Wille; ein in den Kanzelleyen vorzüglich üblicher Gebrauch, wo es gleichfalls am häufigsten im Singular vorkommt. Und sende zu uns des Königes Meinung über diesem, Esr. 5, 17. Man hat davon auch das zusammen gesetzte die Willensmeinung, um die Zweydeutigkeit des letztern Wortes zu heben.
   Anm. Bey dem Notker Meinungo, bey dem Ottfried, für Absicht, Meinon. Bey andern kommt es mit andern Ableitungssylben vor. Bey dem Ottfried ist Meinta die Absicht, im Wallis. Minnu S. Adelung Meinen und -Ung.
 
Artikelverweis 
Der Meisch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein nur noch in einigen Fällen übliches Wort, eine Vermischung, einen vermischten Körper zu bezeichnen. 1) Im Österreichischen wird, dem Hueber, zu Folge, der noch nicht lautere Wein Maisch oder Meisch genannt. Bey den Brannteweinbrennern ist der Mösch oder Meisch das mit Wasser und Hefen vermischte Malzschrot, woraus der Branntwein gebrennet wird. 3) In dem Bierbrauen ist der Meisch oder Mösch, in Schlesien Mätsch, das geschrotene und mit heißem Wasser vermengte Malz, welches die Grundlage des Bieres abgibt, und noch von der Würze verschieden ist. Im Schwed. Mäsk. S. Adelung Meischen.
 
Artikelverweis 
Der Meischbottich, des -es, plur. die -e, in den Brauhäusern, ein Bottich, worin das geschrotene Malz eingemeischet, d. i. mit heißem Wasser vermischet wird; wenn es eine Kufe ist, so heißt sie die Meischkufe, und wenn es ein Faß ist, das Meischfaß.
 
Artikelverweis 
Meischen, verb, reg. act. rühren, und in engerer Bedeutung, durch Rühren vermischen, welches so wie das Hauptwort Meisch nur noch in einigen Fällen, besonders bey den Bierbrauern, üblich ist. Das Malz meischen, es nach darauf gegossenem heißen Wasser mit der Meischkrücke und dem Rührstecken umrühren, damit es sich gehörig mit dem Wasser vermische, welche ganze Handlung auch einmeischen genannt wird. So auch die Meischung.
   Anm. Im Dän. mädske, es bezeichnet zunächst das Rühren, und kommt darin mit dem Slavonischen miessu, smiessu, rühren, und Griech. μασσειν, überein. Es gehöret gleichfalls zu dem Geschlechte des Wortes mähen, bewegen, von welchem es nur in dem Ableitungslaute verschieden ist. Mit mischen ist es sehr genau verwandt, S. dasselbe. Die im gemeinen Leben üblichen Sprech- und Schreibearten maischen, meuschen, möschen u. s. f. entfernen sich mehr oder weniger von der Abstammung.
 
Artikelverweis 
Das Mēischfáß, des -sses, plur. die -fässer, S. Adelung Meischbottich. In dem Weinbaue einiger Gegenden wird auch das Faß, in welchem man die Beeren nach der Kelter führet, das

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Meischfaß, genannt. In Thüringen und Franken heißt es die Leithe.
 
Artikelverweis 
Die Meischkrücke, plur. die -n, eben daselbst, eine Krücke, womit das Malz gemeischet, d. i. umgerühret und mit dem Wasser vermischet wird.

 

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