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Mehrhaberey bis 2. Der Meier (Bd. 3, Sp. 151 bis 152)
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Artikelverweis Die Mehrhaberey, plur. die -en, die ungeordnete Begierde, mehr zu haben.
 
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Die Mehrheit, plur. inus. von dem Bey- und Nebenworte mehr. 1) So fern dasselbe dem Eins entgegen gesetzet ist, der Zustand, da ein Ding mehr als Eines ist, ohne doch zu bestimmen, ob dieses mehr viel oder wenig ist. In diesem Verstande pflegen einige neuere Sprachlehrer den Plural oder die mehrere Zahl auch die Mehrheit zu nennen. 2) Der Zustand, oder die Eigenschaft der größern Menge oder Anzahl. Der Mehrheit der Stimmen. Im Oberd. die Mehrheit, der Mehrtheil.
 
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Mehrmahlig, das Beywort von dem folgenden Nebenworte, was zu mehrern Mahlen ist oder geschiehet. Die mehrmahlige Wiederhohlung einer Sache.
 
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Mehrmahls, adv. zu mehrern Mahlen, mehr als Ein Mahl. Ich habe ihn schon mehrmahls gesehen. Bey einigen irrig mehrmahl oder mehrmahlen, S. 6. Mahl 2. 2).
 
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1. Die Mehrung, plur. inus. das Verbale des Zeitwortes mehren, S. dasselbe.
 
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2. * Die Mehrung, plur. die -en, ein nur in einigen Oberd. Gegenden, z. B. in Österreich, übliches Wort, eine Cloak, oder einen Canal zu Abführung der Unreinigkeiten, eine Abzucht, in Meißen eine Schleuse, zu bezeichnen. Es scheinet aus Meer, Moor; Morast, Sumpf, und der Ableitungssylbe -ing oder -ung zusammen gesetzet zu seyn.
 
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Der Meht, S. Adelung Meth.

[Bd. 3, Sp. 152]



 
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1. * Meiden, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen veraltet ist, ehedem aber schneiden, und in engerer Bedeutung verschneiden, castriren bedeutete. Daher war Meide oder Meiden ehedem ein verschnittenes Pferd, ein Wallach, welches Wort viele Ausleger verkannt, und es bald durch einen Hengst, bald aber auch, wie Frisch, durch ein mittelmäßiges Pferd, ein Pferd von der Mittelgattung erkläret haben. Es stammet mit dem folgenden von mähen ab, so fern solches schneiden bedeutet, S. dasselbe.
 
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2. Meiden, verb. irreg. act. Ich meide, du meidest, er meidet; Imperf. ich mied; Mittelw. gemieden; Imperat. meide. Es bedeutet, 1) eigentlich, einer Person oder Sache aus dem Wege gehen, sich hüthen, daß man sich nicht mit ihr an Einem Orte befinde, ihrer Gegenwart zu entgehen suchen; wofür auch, doch mit einigem Nachdrucke, vermeiden üblich ist. Zu meiden die Stricke des Todes, Sprichw. 13, 14. Ihr könnet wohl wieder Freunde werden, wenn du ihn nicht meidest, Sir. 22, 27. Einen ketzerischen Menschen meide, Tit. 3, 10. Eines Gesellschaft meiden. Man muß ihn meiden, als ein schlagendes Pferd, ihm aus dem Wege gehen. Leide, was du nicht meiden kannst. Das Land, die Stadt, den Hof meiden müssen, denselben nicht zu nahe kommen, sich nicht betreten dürfen. Ich werde von ihm gemieden. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung, vorsetzlich unterlassen, mit Bestrebung der Gelegenheit, der Veranlassung dazu, zu entgehen. Meidet allen bösen Schein, 1 Thess. 5, 22. Schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse, Hiob 2, 3. Die Arbeit, die Sünde, die Trunkenheit, das Laster meiden. Allen Streit zu meiden. Ich mied alle Gelegenheiten dazu. So auch die Meidung.
   Anm. Schon bey dem Kero und Ottfried midan, im Nieders. miden, wo auch midern enthaltsam, schüchtern, fruchtsam ist. Ehedem bedeutete es auch verborgen seyn, ingleichen sih miden bey dem Notker sich schämen, der auch Midunga für Scham gebraucht. In noch mehr thätiger Bedeutung ist bimiden, bey dem Ottfried abwenden, und bey der Winsbeckinn figürlich abmahnen. Das du mit runen midest mih, daß du mich heimlich abmahnest. Aus allem rehellet, daß es ein Abkömmling von mähen ist, so fern solches überhaupt eine gelinde Bewegung bedeutet, daher pimidan in den Monseeischen Glossen durch declinare übersetzt wird. Meiden und fliehen sind daher nur in den Graden der Bewegung unterschieden. Nimmt man die Verwechselung der Buchstaben eines und eben desselben Werkzeuges als etwas Bekanntes an, so ist auch das Lat. vitare ein sehr naher Geschlechtsverwandter davon. Einige geben diesem und dem zusammen gesetzten vermeiden eine reguläre Abwandelung; ich meidete, gemeidet, welche Form auch Hiob 1, 1 Tob. 1, 5, 10 vorkommt. Indessen ist im Hochdeutschen die irreguläre immer noch die üblichste.
 
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1. Der Meier, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in dem zusammen gesetzten Birkenmeier übliches Wort, wo es allem Ansehen nach von mähen, Nieders. meien, schneiden, abstammet, und ein aus einem Birkenstamme geschnittenes Trinkgefäß bezeichnet, S. Adelung Birkenmeier.
 
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2. Der Meier, des -s, oder der Meierich, oder das Meierkraut, des -es, plur. inus. Nahmen verschiedener bey uns wild wachsenden Pflanzen. 1) Des Gauchheils, Anagallis arvensis L. welches zum Unterschiede von andern rother Meier genannt wird. S. Adelung Gauchheil. 2) Des Vogelkrautes, Alsinemedia L. 3) Des Labkrautes, Gallium verum L. welches auch Megerkraut, Waldstroh, unser Frauen Bettstroh, goldener Waldmeister und gelbes Kreuzkraut genannt wird. 4) S. Meierkraut.

[Bd. 3, Sp. 153]



   Anm. Der Grund der Benennung ist dunkel. Einige dieser Gewächse habenzarte, weit auf der Erde herum kriechende Zweige, und da scheinet ihr Nahme von mähen, Nieders. meien, sich bewegen, oder auch von 1. May, ein Zweig, Büschel, abzustammen. Wäre die Abstammung von dem letzten Worte erweislich, so könnte man den Nahmen dieser Pflanzen auch Mayer, Mayerich, Mayerkraut schreiben, wie von vielen wirklich geschiehet. Indessen kann auch das alte ma, mä, mei, niedrig, (S. Adelung Meer, Moor, Morast,) das Stammwort dieses Nahmens seyn, theils so fern einige dieser Gewächse, wie z. B. das Vogelkraut, niedrig bleiben, theils aber auch, so fern sie gern an niedrigen feuchten Orten wachsen. Von ma, me, mei wird mit angehängter Ableitungssylbe -er, welche ein Subject, ein Ding bezeichnet, Meier, und vermittelst der neuen Ableitungssylbe -ich, Meierich.

 

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