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Mehrentheils bis 2. Meiden (Bd. 3, Sp. 151 bis 152)
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Artikelverweis  Mehrentheils, adv. welches aus des mehrern oder mehresten Theiles, d. i. dem mehresten oder meisten Theile nach, zusammen gezogen ist, und wofür auch meisten Theils und größten Theils und in der Sprache des täglichen Umganges auch meistens üblich ist; Nieders. meistlik.
   Und woraus besteht die Welt?
   Mehrentheils aus Thoren,
   Haged. Mehren stehet hier vermuthlich anstatt des alten Comparativi merren für mehrern. Der mynre Theil soll dem merren folgen, Sachsensp.
 
Artikelverweis * Der
Mehrer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche mehret oder vermehret; ein veraltetes Wort, welches mir noch in dem Titel des Deutschen Kaisers vorkommt, allerzeit Mehrer des Reichs, wo es aber eine verunglückte Übersetzung des Latein. semper Augustus ist, welches man von augere hergeleitet, da es doch einen heiligen, unverletzlichen Kaiser bedeutet. Indessen kommt es in diesem Verstande in den Urkunden der Deutschen Kaiser und Könige doch schon seit dem 13ten Jahrhunderte vor, wo sogar in Französischen Urkunden das Wort Accroissant gebraucht wird. So schreibt sich König Wilhelm 1253 bey dem Martene Th. I. Anecd. S. 1053: Willaumes par la grasse de Dieu roi des Romains et toudis Accroissans; und Kaiser Philipp 1265 bey dem Carpentier in Glossar. v. Accroissant: Philippes par la grace de Dieu empereres de Romanie a touz temps Accroissans.
 
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Die Mehrhaberey, plur. die -en, die ungeordnete Begierde, mehr zu haben.
 
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Die Mehrheit, plur. inus. von dem Bey- und Nebenworte mehr. 1) So fern dasselbe dem Eins entgegen gesetzet ist, der Zustand, da ein Ding mehr als Eines ist, ohne doch zu bestimmen, ob dieses mehr viel oder wenig ist. In diesem Verstande pflegen einige neuere Sprachlehrer den Plural oder die mehrere Zahl auch die Mehrheit zu nennen. 2) Der Zustand, oder die Eigenschaft der größern Menge oder Anzahl. Der Mehrheit der Stimmen. Im Oberd. die Mehrheit, der Mehrtheil.
 
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Mehrmahlig, das Beywort von dem folgenden Nebenworte, was zu mehrern Mahlen ist oder geschiehet. Die mehrmahlige Wiederhohlung einer Sache.
 
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Mehrmahls, adv. zu mehrern Mahlen, mehr als Ein Mahl. Ich habe ihn schon mehrmahls gesehen. Bey einigen irrig mehrmahl oder mehrmahlen, S. 6. Mahl 2. 2).
 
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1. Die Mehrung, plur. inus. das Verbale des Zeitwortes mehren, S. dasselbe.
 
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2. * Die Mehrung, plur. die -en, ein nur in einigen Oberd. Gegenden, z. B. in Österreich, übliches Wort, eine Cloak, oder einen Canal zu Abführung der Unreinigkeiten, eine Abzucht, in Meißen eine Schleuse, zu bezeichnen. Es scheinet aus Meer, Moor; Morast, Sumpf, und der Ableitungssylbe -ing oder -ung zusammen gesetzet zu seyn.
 
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Der Meht, S. Adelung Meth.

[Bd. 3, Sp. 152]



 
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1. * Meiden, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen veraltet ist, ehedem aber schneiden, und in engerer Bedeutung verschneiden, castriren bedeutete. Daher war Meide oder Meiden ehedem ein verschnittenes Pferd, ein Wallach, welches Wort viele Ausleger verkannt, und es bald durch einen Hengst, bald aber auch, wie Frisch, durch ein mittelmäßiges Pferd, ein Pferd von der Mittelgattung erkläret haben. Es stammet mit dem folgenden von mähen ab, so fern solches schneiden bedeutet, S. dasselbe.
 
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2. Meiden, verb. irreg. act. Ich meide, du meidest, er meidet; Imperf. ich mied; Mittelw. gemieden; Imperat. meide. Es bedeutet, 1) eigentlich, einer Person oder Sache aus dem Wege gehen, sich hüthen, daß man sich nicht mit ihr an Einem Orte befinde, ihrer Gegenwart zu entgehen suchen; wofür auch, doch mit einigem Nachdrucke, vermeiden üblich ist. Zu meiden die Stricke des Todes, Sprichw. 13, 14. Ihr könnet wohl wieder Freunde werden, wenn du ihn nicht meidest, Sir. 22, 27. Einen ketzerischen Menschen meide, Tit. 3, 10. Eines Gesellschaft meiden. Man muß ihn meiden, als ein schlagendes Pferd, ihm aus dem Wege gehen. Leide, was du nicht meiden kannst. Das Land, die Stadt, den Hof meiden müssen, denselben nicht zu nahe kommen, sich nicht betreten dürfen. Ich werde von ihm gemieden. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung, vorsetzlich unterlassen, mit Bestrebung der Gelegenheit, der Veranlassung dazu, zu entgehen. Meidet allen bösen Schein, 1 Thess. 5, 22. Schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse, Hiob 2, 3. Die Arbeit, die Sünde, die Trunkenheit, das Laster meiden. Allen Streit zu meiden. Ich mied alle Gelegenheiten dazu. So auch die Meidung.
   Anm. Schon bey dem Kero und Ottfried midan, im Nieders. miden, wo auch midern enthaltsam, schüchtern, fruchtsam ist. Ehedem bedeutete es auch verborgen seyn, ingleichen sih miden bey dem Notker sich schämen, der auch Midunga für Scham gebraucht. In noch mehr thätiger Bedeutung ist bimiden, bey dem Ottfried abwenden, und bey der Winsbeckinn figürlich abmahnen. Das du mit runen midest mih, daß du mich heimlich abmahnest. Aus allem rehellet, daß es ein Abkömmling von mähen ist, so fern solches überhaupt eine gelinde Bewegung bedeutet, daher pimidan in den Monseeischen Glossen durch declinare übersetzt wird. Meiden und fliehen sind daher nur in den Graden der Bewegung unterschieden. Nimmt man die Verwechselung der Buchstaben eines und eben desselben Werkzeuges als etwas Bekanntes an, so ist auch das Lat. vitare ein sehr naher Geschlechtsverwandter davon. Einige geben diesem und dem zusammen gesetzten vermeiden eine reguläre Abwandelung; ich meidete, gemeidet, welche Form auch Hiob 1, 1 Tob. 1, 5, 10 vorkommt. Indessen ist im Hochdeutschen die irreguläre immer noch die üblichste.

 

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