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Mehren bis Meht (Bd. 3, Sp. 150 bis 151)
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Artikelverweis 1. * Mehren, verb. reg. act. welches theilen bedeutet, Griech. μειρειν, aber im Hochdeutschen verlatet ist, und nur noch in einigen Gegenden vorkommt, besonders in dem zusammen gesetzten abmehren, abtheilen. Abgemehrte, abgefundene, abgetheilte, Kinder. Daher die Abmehrung, die Abfindung, Abtheilung. S. 3. Mark 1. 1).
 
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2. Mehren, verb. reg. act. 1) Von dem Bey- und Nebenworte mehr, mehr machen, der Zahl und Menge, und zuweilen auch der Intension nach größer machen; bey dem Ottfried und Notker meron. Seyd fruchtbar und mehret euch, 1 Mos. 1, 22, 28. Die Menschen begunten sich zu mehren, Kap. 6, 1. Sein Einkommen mehret sich, Nehem. 9, 37. Die Furcht des

[Bd. 3, Sp. 151]


Herren mehret die Tage, Sprichw. 10, 27. Das Wort Gottes mehrete sich, Apostelg. 12, 24.
   Du sollst dich so gemehrt an Kindern spüren,
   Opitz. Im Hochdeutschen ist dafür das zusammen gesetzte vermehren üblicher; doch kommt das einfache Zeitwort noch zuweilen bey Dichtern vor.
   So wie sich deine Jahre mehren,
   Mehrt dein Verdienst sich um die Welt,
   Gell. 2) * Von dem Hauptworte Mehr, vermittelst eines Mehr, d. i. einer Mehrheit der Stimmen, beschließen; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, S. das Mahr.
   So auch die Mehrung.
 
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Mehrentheils, adv. welches aus des mehrern oder mehresten Theiles, d. i. dem mehresten oder meisten Theile nach, zusammen gezogen ist, und wofür auch meisten Theils und größten Theils und in der Sprache des täglichen Umganges auch meistens üblich ist; Nieders. meistlik.
   Und woraus besteht die Welt?
   Mehrentheils aus Thoren,
   Haged. Mehren stehet hier vermuthlich anstatt des alten Comparativi merren für mehrern. Der mynre Theil soll dem merren folgen, Sachsensp.
 
Artikelverweis * Der
Mehrer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche mehret oder vermehret; ein veraltetes Wort, welches mir noch in dem Titel des Deutschen Kaisers vorkommt, allerzeit Mehrer des Reichs, wo es aber eine verunglückte Übersetzung des Latein. semper Augustus ist, welches man von augere hergeleitet, da es doch einen heiligen, unverletzlichen Kaiser bedeutet. Indessen kommt es in diesem Verstande in den Urkunden der Deutschen Kaiser und Könige doch schon seit dem 13ten Jahrhunderte vor, wo sogar in Französischen Urkunden das Wort Accroissant gebraucht wird. So schreibt sich König Wilhelm 1253 bey dem Martene Th. I. Anecd. S. 1053: Willaumes par la grasse de Dieu roi des Romains et toudis Accroissans; und Kaiser Philipp 1265 bey dem Carpentier in Glossar. v. Accroissant: Philippes par la grace de Dieu empereres de Romanie a touz temps Accroissans.
 
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Die Mehrhaberey, plur. die -en, die ungeordnete Begierde, mehr zu haben.
 
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Die Mehrheit, plur. inus. von dem Bey- und Nebenworte mehr. 1) So fern dasselbe dem Eins entgegen gesetzet ist, der Zustand, da ein Ding mehr als Eines ist, ohne doch zu bestimmen, ob dieses mehr viel oder wenig ist. In diesem Verstande pflegen einige neuere Sprachlehrer den Plural oder die mehrere Zahl auch die Mehrheit zu nennen. 2) Der Zustand, oder die Eigenschaft der größern Menge oder Anzahl. Der Mehrheit der Stimmen. Im Oberd. die Mehrheit, der Mehrtheil.
 
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Mehrmahlig, das Beywort von dem folgenden Nebenworte, was zu mehrern Mahlen ist oder geschiehet. Die mehrmahlige Wiederhohlung einer Sache.
 
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Mehrmahls, adv. zu mehrern Mahlen, mehr als Ein Mahl. Ich habe ihn schon mehrmahls gesehen. Bey einigen irrig mehrmahl oder mehrmahlen, S. 6. Mahl 2. 2).
 
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1. Die Mehrung, plur. inus. das Verbale des Zeitwortes mehren, S. dasselbe.
 
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2. * Die Mehrung, plur. die -en, ein nur in einigen Oberd. Gegenden, z. B. in Österreich, übliches Wort, eine Cloak, oder einen Canal zu Abführung der Unreinigkeiten, eine Abzucht, in Meißen eine Schleuse, zu bezeichnen. Es scheinet aus Meer, Moor; Morast, Sumpf, und der Ableitungssylbe -ing oder -ung zusammen gesetzet zu seyn.
 
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Der Meht, S. Adelung Meth.

[Bd. 3, Sp. 152]


 

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