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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mêhlstaub bis Mehrentheils (Bd. 3, Sp. 145 bis 151)
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Artikelverweis Der Mêhlstaub, des -es, plur. inus. Staub von verstäubtem Mehle, in die Luft getriebenes Mehl als ein Staub betrachtet.
 
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Die Mêhlstraube, plur. die -n, in den Küchen, aus Mehl gebackene Strauben, zum Unterschiede von andern Arten, siehe Straube.
 
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Die Mêhlsuppe, plur. die -n, eine aus Mehl gekochte Suppe.
 
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Der Mêhlthau, des -es, plur. doch nur von dessen Erscheinung zu mehrern Zeiten, die -e, in der Landwirthschaft, eine weißliche Materie, welche sich wie ein Mehl oder weißer Staub auf die Gewächse legt, dieselben verdirbt, und, wie man lange geglaubt, mit dem Thau vom Himmel fallensoll; zum Unterschiede von dem kleberigen Honigthaue. Die neuern Naturforscher schreiben den Mehlthau gewissen Insecten, besonders aber den Blattläusen zu, andere aber leiten ihn, wenigstens gewisse Arten desselben, von einer Stockung in den Säften der Gewächse her. Auch der weiße Staub, welchen die untersten vertrockneten Blätter

[Bd. 3, Sp. 146]


der Künbisse bekommen, ist unter dem Nahmen des Mehlthaues bekannt, ob er gleich unstreitig nicht von einem Thaue herrühret. An dem Getreide wird der Mehlthau, wenn er aus einem dem Honigthaue ähnlichen gelbrothen kleberigen Staube bestehet, auch der Rost genannt, Franz. Rouille, Ital. Robbiga, Ruggine.
   Anm. Im Oberdeutschen Milthau, Molthau, im Angels. Mildeawe, im Engl. Mildew, im Holländ. Meltaw, im Ital. Melume. Ohne Zweifel wegen des weißen dem Mehle ähnlichen Staubes, obgleich andere dieses Wort bald von Mahl, Makel, Flecken, bald von Milbe u. s. f. hergeleitet haben. Die ältern Schriftstellern begriffen auch den Honigthau, welcher eigentlich rothe Flecken auf den Blättern hinterlässet, unter dem Nahmen des Mehlthaues. Der erstere hieß schon im Griech. μιλτος, welches auch rothe Farbe beudeutete, und in so fern kann es wohl seyn, daß auch Mehlthau zu Mahl, Makel, Flecken, gehöret. In Böhmischen und vielleicht auch in Oberdeutschland wird der Mehlthau Trachten genannt.
 
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Der Mêhlwurm, des -es, plur. die -würmer, die Larve des Mehlkäfers, S. dieses Wort.
 
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Mehr, adj. et adv. welches eigentlich der Comparativ des veralteten Positivi meh, viel, groß, ist, und im Superlative mehreste und meiste hat. Es ist in doppelter Gestalt üblich.
   I. Als ein Nebenwort, wo es überhaupt eine größere Menge bezeichnet.
   1. Eigentlich. So wohl mit ausdrücklicher Meldung dessen, worauf sich die größere Anzahl beziehet, oder dessen, was der Maßstab der Vielheit ist, da denn im Nachsatze alle Mahl als, im Oberdeutschen aber auch denn folget. Das ist mehr als ich brauche. Ich habe mehr als nöthig ist. Er thut mehr als er soll. Ich habe es dir mehr als zehn Mahl gesagt. Er ist mehr als 50 Jahr alt. Ich bekomme nicht mehr als du. Alte Leute sagen oft mit einem Worte mehr, als die Jugend in zehen Jahren nicht fassen kann, Gell. besser, als die Jugend in zehen Jahren fassen kann. Oder so, daß dasjenige, worauf sich die Mehrheit beziehet, darunter verstanden wird. Drey Mahl mehr, zehn Mahl mehr. Es ist ein wenig mehr. Etwas mehr. Noch mehr. Was wollen sie mehr? Ich kann nicht mehr essen. Was konnte ich mehr thun? Ich sage nichts mehr davon. Das hat etwas mehr zu bedeuten. Ich habe nicht mehr. Ich habe nichts mehr. Dasjenige, um wie viel die Sache der Menge nach mehr ist, stehet nach Maßgebung des Zeitwortes in der ersten oder vierten Endung, gemeiniglich ohne, selten mit um. Das Haus kostet hundert Thaler mehr, oder um hundert Thaler mehr. Ich gebe keinen Häller mehr. Ich gebe zehen Thaler mehr. Ich habe nun eine Grund mehr, ihn nicht zu sprechen. Das ist ein Trost mehr.
   2. Figürlich. 1) Die Wiederhohlung zu bezeichnen, wo es bejahender Weise nur selten vorkommt. Willst du es mehr thun? Willst du mehr sündigen? Am häufigsten mit der Verneinung. Sündige hinfort nicht mehr, nicht wieder, nicht öfter. Nicht mehr thun, ist die beste Buße. Niemahls mehr, oder nimmermehr. 2) Einen geendigten Zustand zu bezeichnen, gleichfalls nur mit der Verneinung. Ich bin nicht mehr dein Freund. Ich sehe ihn nicht mehr. Ich höre niemand mehr. Hast du nichts mehr zu thun? Unser Freund lebt nicht mehr. Das stehet jetzt nicht mehr in unserm Vermögen. Es regnet nicht mehr. Ich kann nicht mehr essen, sehen, gehen u. s. f. Im Oberdeutschen wird dieses nicht mehr häufig in nimmer zusammengezogen. Er lebt nimmer. 3) Mit einigen andern Bey- und Nebenwörtern der Zeit, der Menge,

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der Beschaffenheit u. s. f. doch auch nur verneinungsweise, bedeutet es einen Zusatz, für über dieß, ferner u. s. f. Unsere Trennung wird nicht lange mehr dauern. Der Frost wird so gar lange nicht mehr anhalten. Es wird so viel nicht mehr seyn. Es ist kein Mensch mehr da. Ein Gott ist und keiner mehr, 5 Mos. 4, 35. Sage mir kein Wort mehr. 4) Einen größern Vorzug, eine größere Würde zu bezeichnen. Er ist mehr als du, er ist vornehmer. Mehr seyn wollen als andere Leute. Gott ist mehr denn ein Mensch, Hiob 33, 12. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise? In den alten Bremischen Statuten sind die Mehren die Vornehmern. 5) Eine Intension oder größere innere Stärke der Handlung zu bezeichnen, wo im Positive viel oder sehr stehet. Ich liebe ihn jetzt mehr als vorher. Er gilt mehr bey und aus als bey euch. Ich muß meine Sorge mehr auf ihn richten, als auf dich. Du hast es mehr mir als ihm zuzuschreiben. Daran ist mehr dein Glück, als dein Verstand Schuld. Solche Leute sind mehr zu bedauern, als zu verachten. Man muß Gott mehr gehorchen, denn den Menschen, Apostelg. 5, 29. Um so viel mehr, aus dieser oder folgender Ursache desto stärker. S. auch Vielmehr. Wohin auch einige besondere Arten des Ausdruckes gehören. (a) Mehr und mehr, noch häufiger immer mehr und mehr, ehedem je mehr und mehr, je länger, je stärker.
   Wir wollen mehr und mehr Gott dankbar seyn,
   Opitz. Er gefällt mir immer mehr und mehr. Mer unde mer, Willeram. (b) Das ist nicht mehr als billig, das ist vollkommen billig. Das Hundert war schon mehr als voll, Less. reichlich voll. (c) Mehr als zu oft, mehr als zu viel, mehr als zu groß u. s. f. überflüssig oft, viel, groß. Die Sache ist mehr als zu gewiß. O, ich kenne mich mehr als zu wohl. Sie gefallen ihm mehr als zu sehr. Was nachmahls mehr als zu oft geschahe. Ich fürchte, daß mir diese unglückliche Entdeckung schon mehr als zu bekannt ist, Gell. (d) Je mehr ich der Sache nachdenke, desto mehr finde ich dich schuldig. Je mehr er hat, je mehr er haben will. Endlich, 6) dienet dieses Nebenwort auch in einigen Fällen Comparative zu machen; und zwar, (a) wenn das Beywort keinen eigenen Comparativ leidet, oder derselbe den Wohlklang beleidiget. Sey künftig meiner mehr eingedenk. Wohin besonders die Mittelwörter gehören. Ein noch mehr geliebtes Kind. Da denn der Superlativ mit am meisten gemacht wird. (b) Wenn die Vergleichung vermittelst zweyer Nebenwörter ausgedruckt wird. Mein Herz ist mehr traurig, als lustig. Gott mehr gütig als gerecht denken, ist eben so viel, als Gott entehren, Gell. In andern Fällen ist der Gebrauch dieses Wortes statt des Comparatives eine unzeitige Nachahmung des Französischen, wo die Comparative nicht anders als mit plus gemacht werden können. Nur muß man nicht das für Comparative halten, wo 7) eine größere Intension der ganzen Handlung oder des ganzen Zustandes ausgedruckt wird. Nichts spricht ihn davon mehr frey, als seine Jugend. Jeder Mensch ist frey, und nie muß er es mehr seyn, als wenn es die Wahl seines Glückes betrifft.
   II. Als ein Beywort, welches wieder auf gedoppelte Art gebraucht wird.
   1. Als ein unabänderliches Beywort, welches doch nur in der ersten und vierten Endung, so wohl des Singulars als Plurals stehen kann, und sein Hauptwort bey sich haben muß, d. i. als ein wahres Beywort nicht absolute stehen kann, außer bey einigen Fürwörtern. Es ist in dieser Gestalt die abgekürzte dritte Declination der Beywörter; mehr für mehres, wie viel für vieles. Es bezeichnet alsdann alle Mahl einen größern Grad der Menge und der Intension, und zwar auf eine so unbestimmte Art, daß es

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weder einen Artikel vor, noch ein Fürwort unmittelbar nach sich leidet. Gib mir ein wenig mehr Geld. Mehr Leute habe ich nie gesehen. Nie habe ich mehr Schmerzen empfunden. Sie haben ja weit mehr Verdienste als ich. Ich habe ihm auf mehr als Eine Art gedienet. Es besitzet immer ein Mensch mehr Einsicht, als der andere. Du hast mehr Glück als Verstand. Deine Bestimmung erfordert mehr Eingezogenheit, mehr Stille und Ruhe des Geistes. Selten stehet es in dieser Bedeutung vor einem Hauptworte der dritten Endung. Seit zehen und mehr Jahren.
   Ist der Ausdruck so bestimmt, daß das Hauptwort einen Artikel oder ein Fürwort vor sich hat, oder statt dessen ein Fürwort stehet, so gebraucht man (a) entweder ein Vorwort. Mehr von dieser Waare. Schicken sie mir mehr von diesen Leuten. Oder (b) das mehr tritt hinter das Hauptwort, welches alsdann, besonders in der edlern und höhern Schreibart, alle Mahl in der zweyten Endung stehet. Es wird des Holzes nicht mehr werden. Und was der Dinge mehr sind. Ich habe des Zeuges mehr, als ich brauche. Es müßte denn ein Vorwort eine andere Endung erfordern. So gehts mit andern Dingen mehr. Das Fürwort solch leidet das mehr so wohl vor als nach sich. Ich habe solcher Leute mehr gesehen, oder mehr solche Leute, oder mehr solcher Leute, oder auch solche Leute mehr. Es gibt solcher Leute mehr. Ich habe solche Mädchen mehr vor mir gehabt, Gell.
   Dieß und viel anders mehr gab mir der Argwohn ein,
   Weiße. Nur wenn das Hauptwort von einem Fürworte vertreten wird, so muß solches alle Mahl voran und in der zweyten Endung stehen. Ich habe dessen mehr als nöthig ist. Unsrer sind mehr als der eurigen. Es kommen ihrer noch mehr. Wo doch zuweilen auch ein Vorwort Statt findet. Es kommen noch mehr von ihnen.
   2. Als ein abänderliches Beywort, welches ein eigener Comparativ ist, welcher in gedoppelter Bedeutung gebraucht wird.
   1) Ein absolute Vielheit, d. i. mehr als Eins, zu bezeichnen, ohne zu bestimmen, ob solches mehr viel oder wenig sey. Indeser Bedeutung, in welcher es dem Eins entgegen gesetzet ist, scheinet es erst in den neuern Zeiten eingeführet zu seyn. Es leidet in derselben den bestimmten Artikel, ohne ihn doch nothwendig zu erfordern. Die mehrere Zahl, der Plural, im Gegensatze der einfachen, oder des Singulars. Ich habe ihn zu mehrern Mahlen gesehen, mehrmahls, mehr als Ein Mahl. Die zusammen gesetzten Maschinen bestehen aus der Verbindung mehrerer einfacher Maschinen.
   2) Als ein wahrer Comparativ, von einer größern Menge, und von einem größern Grade der Intension. So wohl conjunctive und mit dem Hauptworte, doch nur in der zweyten und dritten Declination der Beywörter, folglich ohne den bestimmten Artikel. Einige mehrere Aufmerksamkeit wäre hier wohl nöthig gewesen, für einige größere. Dazu wird eine mehrere Anstrengung der Seelenkräfte erfordert. Besonders in der dritten Declination der Beywörter, wo man es in der edlern und anständigern Schreibart gern für das unabänderliche mehr gebraucht. Eine Sache mit mehrern Fleiße verrichten, mit mehr Fleiß. Es braucht noch mehrere Gewißheit. Wir wollen es mit mehrern Worten erklären.
   Ein Fuchs,
   Der oft mit mehrerm Glück als Rechte
   Der schnellen Hunde Spur entging,
   Lichtw. Es ist hier eine Nachahmung der Oberdeutschen Kanzelleyen, welche dieses declinable mehrer dem indeclinablen mehr gern vorziehen,

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vermuthlich aus keiner andern Ursache, als weil es um eine Sylbe länger ist. Im Hochdeutschen folget ihnen, wie schon gesagt worden, die edlere Schreibart darin zuweilen nach, obgleich die Zusammenkunft zweyer und dreyer r nicht alle Mahl den besten Wohllaut macht.
   Als auch absolute und ohne Hauptwort, für welchen Fall dieses mehrer eigentlich bestimmt ist, indem das kürzere mehr sich nur selten auf diese Art gebrauchen lässet. Es stehet alsdann, doch nicht ohne Unterschied, bald im Singular, collective, bald auch im Plural. Das thun mehrere, d. i. Menschen. Ich habe es mehrern gesagt, mehrern Menschen. Republikanische Regierungen, wo eine große That von mehrern bemerket wird. Das soll künftig mit mehrerm erläutert werden, weitläufiger, mit mehrern Worten. Ein mehrers kann ich dir jetzt nicht geben. In den Kanzelleyen ist man mit diesem absoluten Beyworte noch freygebiger. Solches haben wir des mehrern ersehen, umständlicher, weitläufiger. Diese Anstalten zeigen des mehrern, daß u. s. f. Wo man es auch sogar als ein Nebenwort gebraucht. Wir müssen hierin um so mehrers ansuchen, um so viel mehr.
   Der eigentliche Superlativ von diesem Comparativ heißt der mehreste, so wie er von dem alten meh, meiste lautet, welches aus meheste zusammen gezogen ist. Er ist mit dem letzten völlig gleichbedeutend, nur mit dem Unterschiede, daß man ihn in der edlen und anständigen Schreibart dem, obgleich ohne Noth für niedriger gehalten meist gern vorzuziehen pflegt. Der mehreste Theil, der meiste Theil. Die mehresten Stimmen gelten lassen, die meisten. Das kränkt mich am mehresten, am meisten.
   Viele, besonders Oberdeutsche Schriftsteller, gebrauchen statt beyder Superlativen gern den Comparativ mehrer. Das mehrere Theil wußte nicht, warum sie zusammen kommen waren, Apostelg. 19, 32. Ihrer bestanden das mehrere Theil auf dem Rath, Kap. 27, 12. Welches auch wohl Hochdeutsche Schriftsteller aus einer eingebildeten Zierlichkeit nachahmen. Die mehrern Stimmen gelten lassen.
   Anm. Dieses alte Wort lautet, so fern es eine größere Menge oder Intension bedeutet, schon seit dem 7ten und 8ten Jahrhunderte im Oberdeutschen mer, mera, im Niedersächsischen und Dänischen meer, im Engl. more, im Angels. mare, und im Schwed. mer. Wenn man unser heutiges mehr und mehrer genau untersucht, so scheinen beyde von zwey verschiedenen, obgleich genau verwandten Stämmen herzukommen. Das Nebenwort und abänderliche Beywort mehr ist, so fern es eine größere Menge bedeutet, der Comparativ von dem uralten aber veralteten Stammworte meh, ma, viel, groß; Comparat. meher, zusammen gezogen mehr; Superl. meheste, zusammen gezogen meiste, für mehste. Dieses meh, ma, welches so wohl groß als viel bedeutete, lautet noch bey der Winsbeckinn me, im Epirotischen maa, im Wallis. muÿ, und ist mit unserm Macht, Menge, Mast, Mastbaum, Mauer, Manch, michel, groß, Meister, dem Lat. magis, multum, magnus, major, maximus, dem alten Gothischen maiza, mais, mehr, dem Griech. μεγας, μειζων, dem Hebr. 05de05d005ea, hundert, und andern genau verwandt, welche insgesammt durch allerley Ableitungssylben davon herstammen. Von diesem ma, me, stammet vermittelst des Ableitungslautes r ein neues Beywort her, welches im Positive mar, mehr lautet, und gleichfalls groß und viel bedeutet, und unter andern auch noch bey dem Hornegk sehr häufig vorkommt, auch noch in dem Wallachischen mare, groß, vorhanden ist. Dieser im Deutschen veraltete Positiv scheinet noch in denjenigen Bedeutungen des Nebenwortes mehr zum Grunde zu liegen, wo es keine eigentliche

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Vergleichung voraus setzet. Von ihm kommen der Comparativ mehrer, der also kein neuer Comparativ von der zweyten Staffel mehr ist, und der Superlativ mehreste her. Dieses mar, mehr, im Comparat. mehrer, bedeutete ehedem auch groß, in welchem Verstande es im Oberdeutschen, und besonders in der Schweizerischen Mundart noch häufig vorkommt. Ob der mehrere Stadt, Bluntschli. Das mehrere Spital, ebend. das größere. Meriris, maioris, Kero, bey welchem auch Meririn die Verfahren, Majores, sind. Ja noch 1477 heißt die älteste in Augsburg die mehrere der Geburt. Ehedem war mehr auch ein Bindewort, welches aber bedeutete, und noch in dem Holländ. maer, in dem Franz. mais, und Ital. ma vorhanden ist, im Hochdeutschen aber nicht mehr gehöret wird.
 
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* Das Mehr, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches, im Oberdeutschen aber noch gebräuchliches Abstractum von dem vorigen Beyworte. 1) Die Mehrheit, d. i. die größere, überlegene Menge; wo es besonders von der Mehrheit der Stimmen und ohne Plural gebraucht wird. Durch da Mehr Bürgermeister werden, durch die meisten Stimmen. Etwas mit gemeinen Mehr thun, mit der Mehrheit der Stimmen. 2) Die Sammlung der Stimmen, das Votiren. Ein Mehr machen, die Stimmen sammeln, Umfrage halten. Ein Gegenmehr machen, über die entgegen gesetzte Sache die Stimmen sammeln. Man konnte lange zu keinem Mehr kommen, zu keinem Votiren. Daher auch die daselbst üblichen Zeitwörter übermehren, überstimmen, abmehren, durch die meisten Stimmen abschaffen, verwerfen, ermehren, durch die meisten Stimmen beschließen.
   Anm. Mit dem eigentlichen Ableitungslaute der Abstracten ist bey dem Ottfried thie Mera die Menge. Wenn die Mehr und die Mehrung in den vorigen Jahrhunderten einiger Gegenden die feyerliche Handlung bedeutete, da die Truppen die Kriegs-Artikel beschworen, wo auch das Zeitwort mehren in diesem Verstande üblich war, so ist solches nur eine Figur der vorigen Bedeutung, so fern dazu ehedem die meisten Stimmen nöthig waren. In einer Hessischen Reiter-Bestallung von 1570 heißt es Art. 106: »Es soll auch diese Bestallung und Artikel zur Zeit der ersten Musterung öffentlich den gemeinen Reutern im freyen Felde unter fliegenden Fahnen fürgelesen, darauf durch sie gemehret werden, wie von Alters gebräuchlich.« Und Art. 108: »Gleichergestalt sollen alle Reuter gleich sowohl zu Haltung obgemelter Bestallung und Articul verbunden seyn, als wenn sie zu Anfang darauf bestellet wären und gemehret hätten.« Womit aber abmehren, abtheilen, nichts als den Klang gemein hat. Siehe 1. Mehren.
 
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Der Mehrbraten, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, besonders bey den Jägern, ein Nahme des Lendenbratens. Vermuthlich von dem Niedersächsischen mör, mürbe, weil diese Stücken ein sehr mürbes und zartes Fleisch haben.
 
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1. * Mehren, verb. reg. act. welches theilen bedeutet, Griech. μειρειν, aber im Hochdeutschen verlatet ist, und nur noch in einigen Gegenden vorkommt, besonders in dem zusammen gesetzten abmehren, abtheilen. Abgemehrte, abgefundene, abgetheilte, Kinder. Daher die Abmehrung, die Abfindung, Abtheilung. S. 3. Mark 1. 1).
 
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2. Mehren, verb. reg. act. 1) Von dem Bey- und Nebenworte mehr, mehr machen, der Zahl und Menge, und zuweilen auch der Intension nach größer machen; bey dem Ottfried und Notker meron. Seyd fruchtbar und mehret euch, 1 Mos. 1, 22, 28. Die Menschen begunten sich zu mehren, Kap. 6, 1. Sein Einkommen mehret sich, Nehem. 9, 37. Die Furcht des

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Herren mehret die Tage, Sprichw. 10, 27. Das Wort Gottes mehrete sich, Apostelg. 12, 24.
   Du sollst dich so gemehrt an Kindern spüren,
   Opitz. Im Hochdeutschen ist dafür das zusammen gesetzte vermehren üblicher; doch kommt das einfache Zeitwort noch zuweilen bey Dichtern vor.
   So wie sich deine Jahre mehren,
   Mehrt dein Verdienst sich um die Welt,
   Gell. 2) * Von dem Hauptworte Mehr, vermittelst eines Mehr, d. i. einer Mehrheit der Stimmen, beschließen; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, S. das Mahr.
   So auch die Mehrung.
 
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Mehrentheils, adv. welches aus des mehrern oder mehresten Theiles, d. i. dem mehresten oder meisten Theile nach, zusammen gezogen ist, und wofür auch meisten Theils und größten Theils und in der Sprache des täglichen Umganges auch meistens üblich ist; Nieders. meistlik.
   Und woraus besteht die Welt?
   Mehrentheils aus Thoren,
   Haged. Mehren stehet hier vermuthlich anstatt des alten Comparativi merren für mehrern. Der mynre Theil soll dem merren folgen, Sachsensp.

 

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