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Meerzwiebel bis Mêhlbrey (Bd. 3, Sp. 142 bis 144)
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Artikelverweis Die Meerzwiebel, plur. die -n, ein Zwiebelgewächs, dessen Zwiebel oft die Größe eines Kinderkopfes erreicht, und eine sehr heftige und anhaltende Schärfe besitzet; Scilla maritima L. Bey andern Squilla. Sie hat den Nahmen entweder, weil sie an den sandigen Meerufern des mittägigen Europa wohnet, oder auch, weil sie über Meer zu und gebracht wird. Von einigen wird sie Mäusezwiebel genannt.
 
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Das Mêhl, des -es, plur. inus. zarter, zu einem unfühlbaren Pulver gemahlener Staub, besonders der nahrhafte Staub dieser Art der Getreidearten, Hülsenfrüchte u. s. f. nach der vermittelst des Beutels davon geschiedenen Kleye. Ungebeuteltes Mehl wird Schrot, und in einigen Oberdeutschen Gegenden Ohs, Aas,

[Bd. 3, Sp. 143]


Ähß genannt. Rockenmehl, Gerstenmehl, Weitzenmehl, Bohnenmehl, Erbsenmehl, Erdäpfelmehl u. s. f. Der Weitzen gibt ein feines, gesundes Mehl. Mehl mahlen. Schwarzes Mehl, dasjenige Rockenmehl, welches aus dem sechsten und letzten Gange kommt. Gegrabenes Mehl, eine Art dem Mehle in der äußern Gestalt ähnlichen Bolus, welche von dem gemeinen Volke zuweilen in Theuerungen, aber zu seinem großen Schaden, gegessen worden. In weiterer Bedeutung werden zuweilen auch andere zu einem unfühlbaren und dem Mehle ähnlichen Staube getriebene oder zermalmte Körper Mehl genannt. Dergleichen ist das Wurmmehl, oder das von den Holzwürmern zu einem zarten Staube zermalmte Holz, das Bohrmehl, das von dem Bohrer klein gemalmete Holz oder Stein, das Pochmehl in den Hüttenwerken u. s. f. In einigen Gegenden werden auch die Sägespäne Sägemehl genannt.
   Anm. Im Nieders. und Dän. Meel, bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern Mähl, bey dem Ottfried Melo, bey dem Tatian Meleuue, und noch in einer Schwäbischen Urkunde von 1479 Melbe, im Angels. Mealawe, im Engl. Meal, im Schwed. Mjöl, im Slavon. Mlanie, im Pohln. Mieleny, im Alban. Miel, im Lat. Mola, im Griech. μαλερον. Es ist ein sehr naher Geschlechtsverwandter von Malm, Mulm, Mull, und stammet unmittelbar von mahlen ab, wenn es nicht vielmehr das Stammwort von diesem ist; denn aus den Zusammensetzungen Mehlbeere, Mehlbirn u. s. f. erhellet, daß dieses Wort eine gewisse Art der mürben, weichen Beschaffenheit überhaupt bedeutet, und in dieser Rücksicht ein Geschlechtsverwandter von molsch, mürbe u. s. f. ist. Wenn es im Tatian heißt, schüttelt then Melin fon iuuaren fuozen, den Staub, so ist hier allem Ansehen nach Mulm zu lesen, welches durch das dem Worte Mehl ungewöhnliche männliche Geschlecht wahrscheinlich wird.
 
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Die Mêhlbahn, plur. die -en, bey den Müllern, die innere Seite des Laufes mit dem darin befindlichen Mehle. In manchen Gegenden ist dem Müller die Mehlbahn gelassen, d. i. was sich an der innern Seite des Laufes vom Mehle anlegt.
 
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Die Mêhlbank, plur. die -bänke, eben daselbst, eine Bank, wodurch das Mehlloch gehet.
 
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Der Mêhlbatzen, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. im Bergbaue einiger Gegenden, der Nahme eines mehlichten Kalksteinen, welcher sich wie Kreide schneiden lässet, dergleichen sich in dem Flötzgebirge zwischen Ilmenau und Plauen befindet. An andern Orten, wird auch der ähnliche weiche und mehlichte Speckstein Mehlbatz oder Mehlbatzen genannt. Siehe Batzen.
 
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Der Mêhlbaum, des -es, plur. die -bäume, der Nahme verschiedener Staudengewächse, welche mehlichte Früchte oder Beeren tragen. 1) Einer Art des Hagedornes, welche in der Schweiz und den nördlichen Gegenden Europens einheimisch ist, und rothe, süße, aber unschmackhafte Beeren träget; Crataegus Aria L. Mehlbeerbaum, Meerkirschbaum, Atlaßbaum, Speyerlingsbaum, Weißläuben, Sperberbaum. Seine Beeren sind unter dem Nahmen der Mehlbeeren, und Mehlfäßchen bekannt. 2) Des Weißdornes, Crataegus Oxyacantha L. welcher auch Hagedorn und Mehldorn heißt. Seine mehlichten Beeren sind gleichfalls unter dem Nahmen der Mehlbeeren, Mehlfäßchen, unsrer lieben Frauen Birnlein bekannt. 3) Des Schlingbaumes, Viburnum Lantana L. welcher gleichfalls Mehlbeerbaum, und Faulbaum heißt, so wie seine Beeren Mehlbeeren, Schling- oder Schlungbeeren, Haubeeren, Kaulbeeren, Schießbeeren, Patschernen, Scherpken genannt werden. 4) Der Amerikanische und Afrikanische Mehlbaum, Lantana Camara und

[Bd. 3, Sp. 144]


Lantana Africana L. trägt eine mehlichte Steinfrucht, welche eine zweyfächerige Nuß enthält.
 
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Der Mêhlbêêre, plur. die -n, eine Benennung verschiedener mehlichten Arten von Beeren. 1) Der Beeren des Speyerlingsbaumes, Crataegus Aria L. S. Adelung Mehlbaum 1. 2) Des Weißdorns, Crataegus Oxyacantha, S. Mehlbaum 2. 3) Des Schlingbaumes, Viburnum Lantana, S. Mehlbaum 3. 4) Der Preußelbeeren, Vaccinium Vitis Idaea, S. Preußelbeere. 5) Der wilden Johannis-Beeren, Ripes alpinum, welche auch Mehldrosseln genannt werden, S. Johannis-Beere. 6) Der Sandbeeren, Arbutus Uva Ursi, welche bey Zelle Moorbeeren heißen. Und vielleicht noch anderer mehr. Alle Standen, welche diese Beeren tragen, werden alsdann auch Mehlbeersträuche genannt. S. auch Mehlbaum.
 
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Der Mêhlbeutel, des -s, plur. ut nom. sing. in den Mühlen, der Beutel, durch das Mehl gebeutelt wird, und welcher gemeiniglich nur der Beutel schlechthin heißt, S. dieses Wort.
 
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Die Mêhlbirn, plur. die -en, eine Art mehlichter Birnen, welche das Mittel zwischen dem Pyrus Crataegus und den Mespeln ist, und auch Lazerolen-Birn genannt wird; Pyrus irregularis L.
 
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Der Mêhlbihrer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, eine Art des Bohrers, das von dem Meißelbohrer gemachte Bohrmehl damit heraus zu hohlen, um die Beschaffenheit des Gesteines zu erkennen.
 
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Der Mêhlbrey, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein aus Mehl gekochter Brey; ein Mehlmuß, Pappe, Nieders. Pampe.

 

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