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Maywurz bis Meeraal (Bd. 3, Sp. 132 bis 134)
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Artikelverweis Die Maywurz, plur. inus. 1) Ein Nahme des Frauenstrauches, Orobanche major L. 2) Der Schuppenwurz, S. dieses Wort.
 
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Die Mechānik, plur. inus. aus dem Griech. und Lat. Mechanica, in der weitesten Bedeutung, die Wissenschaft der Bewegung; die Bewegungskunst oder Bewegungswissenschaft. In engerm und gewöhnlicherm Verstande, die Wissenschaft von der wirklichen Bewegung der festen Körper; zum Unterschiede von der Hydraulik u. s. f. Daher der Mechanicus, welcher diese Wissenschaft verstehet. In weiterer Bedeutung pflegt man auch wohl einen unzünftigen Künstler, welcher allerley mathematische und physikalische Werkzeuge verfertiget, einen Mechanicum zu nennen.
 
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Mechānisch, -er, -te, adj. et adv. 1. Zur Mechanik gehörig, in derselben gegründet. Mechanische Schriften, worin die Mechanik oder einzelne Theile derselben abgehandelt werden. 2. In weiterer Bedeutung. 1) In der Figur, Größe und Beschaffenheit eines Körpers gegründet, und daraus erklärbar. In diesem Verstande sagt man, es geschehe etwas mechanisch, oder es gehe mechanisch zu. Die mechanischen Künste, welche das Bedürfniß der Menschen zum Gegenstande haben; im Gegensatze der schönen Künste. 2) Was vermittelst anderer Werkzeuge als des Zirkels und Lineales geschiehet. Die mechanische Auflösung einer Aufgabe, in der Mathematik; im Gegensatze des geometrisch. 3) Nach Art einer Maschine, welche nur vermittelst von außen angebrachter fremden Kraft wirket, maschinenmäßig, ohne eigene vernünftige Wahl und Bestimmung. Mechanisch handeln.
 
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Mêckern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und die eigenthümliche zitternde Stimme der Ziege und des Ziegenbockes ausdruckt, von welcher es auch eigentlich nur allein gebraucht wird. Die Ziege meckert. Im Dän. mäckre, im Griech. μκασθαι, in einigen Oberdeutschen Gegenden mächzen, im mittlern Lat. nebrinare.
 
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Die Madáille, (sprich Medálje,) plur. die -n, aus dem Franz. Medaille, eine Denkmünze oder Gedächtnißmünze, eine Münze, so fern sie dazu bestimmt ist, eine merkwürdige Begebenheit auf die Nachwelt zu bringen. Eine Medaille von ungewöhnlicher Größe heißt mit einem gleichfalls Französischen Worte, ein Medaillon. Im mittlern Lat. ist Medalla und Medallia ein Häller, wie noch das heutige Maille, im Iberdeutschen ehedem ein Medel. S. 2. Matte und Mattier.
 
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Mediān, ein aus dem Lat. medianus entlehntes und nur in einigen Zusammensetzungen übliches Wort, etwas zu bezeichnen, welches theils in der Mitte zwischen andern Dingen, theils aber auch von mittlern Größe ist, d. i. zwar größer als gewöhnlich, doch nicht das größte seiner Art. Die Median-Ader, in der Anatomie, ein Ast der Leberader, welcher um die Mitte des Armes von derselben entspringet und zwischen der Haupt- und Leberader lieget; Vena mediana. Das Median-Papier, welches in der Größe das Mittel zwischen dem gemeinen Papiere und dem Regal-Papiere hält. Median-Octav, Median-Quart, Median-Folio, groß-octav u. s. f. aber noch nicht so groß als Regal-octav u. s. f.
 
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Die Medicīn, plur. inus. aus dem Lat. Medicina, die Wissenschaft die Gesundheit des menschlichen Körpers wieder herzustellen und zu erhalten; die Heilwissenschaft, Arzeneywissenschaft, im Holländischen die Genesekunst. Daher der Medicīner, des -s, plur. ut nom. sing. welcher sich dieser Wissenschaft auf Universitäten befleißiget, zuweilen, obgleich seltener, auch ein Arzt, der diese Wissenschaft ausübet. Medicīnisch, in derselben gegründet, zu ihr gehörig.
 
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Die Meditatiōn, plur. die -en, aus dem Lat. meditari. Im weitesten Verstande, eine jede Beschäftigung und Anstrengung des

[Bd. 3, Sp. 133]


Gemüthes, Wahrheiten zu erkennen. In engerer, die regelmäßige Vorstellung und Vergleichung mehrerer Wahrheiten und Bemühung, ihren Zusammenhang einzusehen. Das Nachdenken, die Betrachtung. Der Plural ist nur von den auf solche Art heraus gebrachten Wahrheiten oder gehabten Gedanken üblich. In eben diesen Verstande wird im gemeinen Leben auch das Zeitwort meditiren gebraucht.
 
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Die Medūse, plur. inus. in der Mythologie der Alten, der eigenthümliche Nahme einer der drey Gorgonen, welche der Minerva den Rang in der Schönheit streitig machen wollte, daher diese aus Rache ihre Haare in Schlangen verwandelte, und ihren Augen die Kraft gab, alle, die sie ansahe, in Stein zu verwandeln. Perseus überwand sie, hieb ihr den Kopf ab, und weihete ihn der Minerva, die ihn in ihren fürchterlichen Schild setzte, welcher daher auch noch bey unsern Dichtern unter dem Nahmen der Meduse bekannt ist. Figürlich ist das Medusen-Haupt 1) bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches eine Äthiopische Art des Euphorbiums, Euphorbium Caput Medusae L. vermuthlich wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt. Noch häufiger aber, 2) eine Art nackter Würmer mit Gliedmaßen, welche zu den Seesternen gehören, und fünf lange Arme mit vielen Nebenzweigen haben, welche ihnen einige Ähnlichkeit mit dem Schlangenhaupte der Mesduse geben; Asterias Caput Medusae L. Sie werden häufig im Meere angetroffen, aber auch nicht selten auf dem festen Lande versteint gefunden, da sie denn von einigen auch Sterngewächse genannt werden.
 
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Das Meer, des -es, plur. die -e, Diminut. das Meerchen, Oberd. Meerlein. 1) * Überhaupt, eine jede große Masse Wassers, eine Sammlung vielen Wassers. In dieser weitesten im Hochdeutschen ungewöhnlichen Bedeutung heißt in der Deutschen Bibel 1 Kön. 7, 23 f. 2 Kön. 25, 13 u. s. f. das große eherne Wasserfaß in dem Vorhofe des Tempels, nach dem Vorgange des Hebräischen Grundtextes, das eherne Meer. Im Mittlern Lat. kommt in einer Urkunde Herzogs Hugo von Burgund bey dem Du Fresne Mare vitreum gleichfalls von einem gläsernen Gefäße vor. 2) In engerm Verstande, eine beträchtliche Sammlung Wassers auf dem Erdboden, besonders eine solche, auf welcher das Wasser Wellen schläget; in welchem Verstande verschiedene Landseen oder stehende Wassersammlungen, welche keinen sichtbaren Abfluß haben, oder rings um mit Land umgeben sind, ein Meer genannt werden. Dahin gehören nicht nur das todte Meer und das Galiläische Meer im Jüdischen Lande, welche eigentlich beträchtliche Landseen sind, sondern auch das Kaspische Meer in dem nördlichen Asien. Am Niederrheine und in Nieder-Deutschland ist diese Benennung noch sehr üblich, wo mehrere beträchtliche Landseen Meere genannt werden. Dahin gehören das Harlemer Meer in der Provinz Holland, das Lacher Meer im Trierschen, das Steinhuder Meer im Bückeburgischen, welches über eine Meile lang und eine halbe breit ist, und andere mehr. Außer diesen Fällen, in welchen es als ein eigenthümlicher Nahme angesehen wird, ist es im Hochdeutschen in dieser Bedeutung nicht üblich. 3) Am häufigsten und gewöhnlichsten wird die große Sammlung Wassers, welche das feste Land des Erdbodens umgibt, und welches auch die See, das Weltmeer heißt, das Meer schlechthin genannt. Das Wasser, die Fische im Meer. Ein Sturm auf dem Meere Jenseit des Meeres. Auf dem Meere fahren. Im Meere fischen. Ein am Meere gelegenes Land. In vielen Fällen ist es gleichgültig, ob man in diesem Verstande See oder Meer gebraucht, in allen aber nicht. So sagt man nicht zu Meere fahren, zu Meere handeln, eine Reise zu Meer u. s. f. wo nur allein See üblich ist. Überhaupt ist im Niederdeutschen, und der ganzen daher rührenden Seesprache in diesem Verstande das Wort

[Bd. 3, Sp. 134]


See üblicher, so wie Meer den Oberdeutschen am geläufigsten zu seyn scheinet. Einzelne Theile dieses großen Weltmeeres führen im Hochdeutschen häufiger den Nahmen des Meeres als der See, ja einige leiden das letztere Wort gar nicht. Das rothe Meer, das schwarze Meer, das weiße Meer, das mittelländische Meer, das Griechische Meer, das Eismeer, das atlantische Meer, das stille Meer, das Japanische Meer u. s. f. Dagegen in Nordsee, Ostsee, Südersee, Südsee, und andern das Wort See üblicher ist. Figürlich pflegt man, besonders in der höhern Schreibart, auch wohl eine jede große Menge ein Meer zu nennen.
   Wie brausend
   Ein Meer von Feinden ihn umfing,
   Raml. Anm. Dieses alte und sehr weit ausgebreitete Wort lautet bey dem Notker ther Mere, bey dem Ulphilas Marei, im Schwed. und Isländ. Mar, im Angels. Mere, im Bretagnischen Mor, im Lat. Mare, im Böhm. und Russ. More, bey den Krainerischen Wenden Murje, im Lettischen Marrios, im Esthnischen Merri, im Pohln. Morze. Es scheinet den Begriff der Menge, und den damit verbundenen Begriff der Bewegung zu haben, und zu dem Geschlechte unsers mehr, plus, mähren, rühren, sich bewegen, des Griech. μυρειν, fließen, u. a. m. zu gehören. Die figürliche Bedeutung der Menge, in welcher See nicht üblich ist, bestätiget diese Ableitung. Unser Moor und Morast sind nur auf eine entferntere Art damit verwandt, indem selbige zunächst zu der Familie des Wortes mürbe, Nieders. mör, gehören. In der Zusammensetzung bedeutet es theils etwas, was dem Meere eigen ist, von demselben gesagt wird, theils Dinge, welche in und an dem Meere angetroffen werden, theils aber auch Körper, welche über Meer, oder vermittelst der Schifffahrt zu uns kommen, wie in Meerschwein, Meerkatze u. s. f. Viele derselben sind auch mit dem Worte See üblich, viele aber auch nicht, so wie andere nur das See allein leiden.
 
Artikelverweis Der
Meeraal, des -es, plur. die -e, eine große Art Aale, welche sich im Meere aufhalten; Seeal, Conger L. Im Dän. Havaal, von Hav, das Meer.

 

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