Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mäuseholz bis Mäusepulver (Bd. 3, Sp. 124 bis 126)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Das Mäuseholz, des -es, plur. inus. ein Nahme verschiedener holzartigen Gewächse. 1) Des Je länger je lieber, Solanum Dulcamara L. welches auch Alpranken, Hintschkraut und Bittersüß genannt wird, und fast wie Mäuse riecht. 2) Des Lederholzes, eines Amerikanischen staudenartigen Gewächses, dessen Holz so weich und zähe als Bley ist; Dirca L.
 
Artikelverweis 
Die Mausekatze, plur. die -n, eine Katze, in Betrachtung ihrer Neigung zu mausen oder Mäuse zu fangen. Eine gute Mausekatze, welche die Mäuse gut wegfänget.
 
Artikelverweis 
Das Mäusekorn, des -es, plur. inus. S. Adelung Mäusegerste.
 
Artikelverweis 
Das Mäusekraut, des -es, plur. inus. ein Nahme, 1) des Fadenkrautes; Filago L. 2) Einiger Arten der Ruhrpflanze. Kleines Mäusekraut mit schwarzen Blumen; Gnaphalium uliginosum L. Sumpfruhrpflanze. Großes Mäusekraut mit schwarzen Blumen; Gnaphalium sylvaticum L.

[Bd. 3, Sp. 125]



 
Artikelverweis 
Das Mǟuselóch, des -es, plur. die -lcher, ein Loch, so fern es der Eingang zu dem Aufenthalt einer oder mehrerer Mäuse ist. Sich vor Furcht in ein Mäuseloch verkriechen wollen, von einem hohen Grade der Furcht.
 
Artikelverweis 
1. Mausen, verb. reg. recipr. welches nur von den Vögeln, Krebsen, und in einigen Gegenden auch von den Seidenwürmern gebraucht wird. Die Vögel mausen sich, wenn die im Julio oder August die Federn verlieren oder neue bekommen, (bey den Jägern sich verfedern,) die Krebse, wenn die eine neue Schale bekommen, und die Seidenwürmer, wenn sie ihre Haut ablegen. Doch sagt man von den letztern so wie von allen Thieren, welche ihre Haut ablegen, lieber sich häuten, wie von haarigen Thieren, wenn sie neue Haare bekommen, sich haaren. Figürlich sagt man auch im gemeinen Leben, es habe sich jemand gut heraus gemauset, oder gemaustert, wenn er sich gut gekleidet, gut geputzt, sich eine bessere Kleidung angeschaffet hat; wo es doch vielmehr zu dem alten mustern, kleiden, und Musterung, die Tracht, zu gehören scheinet, S. dasselbe.
   Anm. In einigen Gegenden auch mussen, mausern, maustern, im Schwabensp. muzsen, und mit der den Niedersachsen gewöhnlichen Vertauschung des s mit dem t, muten, mutern, mütern, welche letzten besonders von den Krebsen üblich sind, im Holländ. muyten, im Franz. mit Ausstoßung des t, muër, wo es auch von den Hirschen gebraucht wird, wenn sie ihr Geweih abwerfen, im Engl. to mew, im Ital. mutare, im Lat. mutare, nehmlich pennas. Da alle Thiere zu der Zeit, wenn sie sich mausen, stille und eingezogen sind, so könnte man es mit Muße zu dem alten Nieders. musen, stille nachdenken, rechnen; S. Kalmäusern. Allein es ist wahrscheinlicher, daß es mit dem Lat. mutare Eines Geschlechtes ist, und überhaupt wechseln, vertauschen bedeutet, S. Mutschieren. Wachter hat dieses schon bemerket, nur das zum Beweise von ihm angeführte Muthschein gehöret nicht hierher, S. dieses Wort. In den Monseeischen Glossen sind Muzgiwati Kleider zum Abwechseln. Mausen ist also eigentlich der allgemeine Ausdruck, welcher das sich haaren und häuten mit einschließt, ob er gleich nur in engerm Verstande in den angeführten Fällen üblich ist. Krebse, welche sich gemauset, d. i. eine neue Schale bekommen haben, heißen daher Mauser, in den Niederdeutschen Sprecharten Müter, Muterkrebse, und verderbt Mutterkrebse. Übrigens ist von den Vögeln in diesem Verstande auch sich federn, Nieders. sich feddern, sich rauhen, im Nieders. rugen, rüeln, rülen, Schwed. rugga, üblich, entweder, weil sie alsdann ein rauhes, posteriges Ansehen haben, oder auch von dem Holländ. ruiten, vertauschen. In Liefland sagt man dafür, die Vögel krippen sich. S. die Mause.
 
Artikelverweis 
2. Mausen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Mäuse fangen. Die Katze mauset gut, schlecht. Die Eulen mausen des Nachts. Der Fuchs muß oft aus Noth mausen gehen, Mäuse fangen. Die Katze läßt das Mausen nicht. Nieders. musen, Holländ. muysen. 2. Als ein Activum. 1) Beschleichen; in welcher Bedeutung es nur noch bey den Jägern üblich ist, wenn sie ein Wild mit List beschleichen. 2) In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, in der Stille, mit listiger Geschwindigkeit wegstehlen. Die Katzen mausen oft das Fleisch aus den Töpfen. Das Geld ist mir gemauset worden. Sich auf das Mausen legen. Das Hauptwort die Mausung ist nicht üblich.
   Anm. In einigen Oberdeutschen Gegenden mauschen, im Nieders. musen, im Dän. muse, bey den ältesten Franken mosen, indem schon im Salischen Gesetze Mosdo die Beraubung ist. Es ist in der Bedeutung des Stehlens keine Figur von mausen, Mäuse fangen, sondern ein Seitenverwandter desselben, und ein

[Bd. 3, Sp. 126]


Wort, welches die Stille, die heimliche Geschwindigkeit, welche man mit dem Mausen alle Mahl verbindet, eigentlich ausdruckt, wie aus der Bedeutung des Beschleichens, aus dem verwandten Nieders. musen, nachdenken, (S. Adelung Kalmäuser,) und aus dem Hauptworte Muße erhellet; welcher Begriff auch der Stammbegriff in dem Worte Maus seyn kann. Im Meklenb. ist für mausen auch furren üblich, welches mit dem Lat. furari genau überein kommt.
 
Artikelverweis 
Das Mäusenêst, des -es, plur. die -er, ein Nest, welches sich die Mäuse machen. Von der Nieders. Bedeutung dieses Wortes. S. 2. Maus.
 
Artikelverweis 
Das Mäuseohr, des -es, plur. die -en, Diminut. das Mäuseöhrchen, Oberd. Mäuseöhrlein, eigentlich das Ohr oder Öhrchen einer Maus. Figürlich. 1) An den Pferden werden die schönsten und regelmäßigsten Ohren Mauseohren oder Mäuseohren genannt; zum Unterschiede von den fehlerhaften Hasenohren, Eselsohren oder Scholohren. 2) Eine Pflanze, deren längliche kleine rauche Blätter den Ohren einer Maus gleichen, Myosotis L. ist unter dem Nahmen des Mäuseöhrchens oder Mäuseöhrleins bekannt. Das Vergiß mein nicht, Myosotis palustris L. ist eine Art davon. Angels. Mus-eare, Engl. Mouseear. Eben diesen Nahmen führet, 3) auch die Haselwurz, oder wilde Narde, Asarum L. Ingleichen, 4) das Nagelkraut, Hieracium Pilosella L. besonders aber das Hieracium auricula L. und endlich 5) der Hohlunderschwamm, Peziza auricula L. welcher auch das Judasohr genannt wird.
 
Artikelverweis 
Der Mäusepfêffer, des -s, plur. inus. eine Art der Roßpoley. von einem üblen Geruche und einem scharfen brennenden Geschmacke, mit welcher man die Ratzen und Mäuse vergiften kann; Stachys silcatica L. Bienensaug, Läusekraut, Speichelkraut, Stephans-Körner.
 
Artikelverweis 
Das Mäusepulver, des -s, plur. inus. S. Adelung Mäusegift.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: