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Mäusegeyer bis 2. Mausen (Bd. 3, Sp. 124 bis 125)
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Artikelverweis Der Mäusegeyer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Geyer, welcher nur Mäuse und Frösche, wenn er es haben kann, aber auch junge Hasen und Vögel fänget. Er ist vermuthlich mit dem oben gedachten Mäusefalken einerley Vogel. S. auch Moosgeyer.
 
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Das Mäusegift, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Körper, welcher den Mäusen ein tödtliches Gift ist. Ingleichen Gift, so fern es zur Vertilgung der Mäuse gelegt wird. Im gemeinen Leben pflegt man daher auch den Arsenik, wegen dieses Gebrauches, nur Mäusegift, Mäusepulver und Ratzenpulver zu nennen.
 
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Der Mäusehabicht, des -es, plur. die -e, S. Mäusefalk.
 
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Der Mäusehafer, des -s, plur. inus. ein Nahme einiger Arten dem Hafer ähnlichen Unkrautes, welches unter andern Getreide wild wächset, aber keine eßbaren Körner bringet. 1) Der Trespe oder Rockentrespe; Bromus secalinus L. S. Adelung Trespe. 2) Des Windhafers, Taubhafers oder Flughafers; Avena fatua L. S. Taubhafer, ingleichen Mäusegerste.
 
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Das Mäuseholz, des -es, plur. inus. ein Nahme verschiedener holzartigen Gewächse. 1) Des Je länger je lieber, Solanum Dulcamara L. welches auch Alpranken, Hintschkraut und Bittersüß genannt wird, und fast wie Mäuse riecht. 2) Des Lederholzes, eines Amerikanischen staudenartigen Gewächses, dessen Holz so weich und zähe als Bley ist; Dirca L.
 
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Die Mausekatze, plur. die -n, eine Katze, in Betrachtung ihrer Neigung zu mausen oder Mäuse zu fangen. Eine gute Mausekatze, welche die Mäuse gut wegfänget.
 
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Das Mäusekorn, des -es, plur. inus. S. Adelung Mäusegerste.
 
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Das Mäusekraut, des -es, plur. inus. ein Nahme, 1) des Fadenkrautes; Filago L. 2) Einiger Arten der Ruhrpflanze. Kleines Mäusekraut mit schwarzen Blumen; Gnaphalium uliginosum L. Sumpfruhrpflanze. Großes Mäusekraut mit schwarzen Blumen; Gnaphalium sylvaticum L.

[Bd. 3, Sp. 125]



 
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Das Mǟuselóch, des -es, plur. die -lcher, ein Loch, so fern es der Eingang zu dem Aufenthalt einer oder mehrerer Mäuse ist. Sich vor Furcht in ein Mäuseloch verkriechen wollen, von einem hohen Grade der Furcht.
 
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1. Mausen, verb. reg. recipr. welches nur von den Vögeln, Krebsen, und in einigen Gegenden auch von den Seidenwürmern gebraucht wird. Die Vögel mausen sich, wenn die im Julio oder August die Federn verlieren oder neue bekommen, (bey den Jägern sich verfedern,) die Krebse, wenn die eine neue Schale bekommen, und die Seidenwürmer, wenn sie ihre Haut ablegen. Doch sagt man von den letztern so wie von allen Thieren, welche ihre Haut ablegen, lieber sich häuten, wie von haarigen Thieren, wenn sie neue Haare bekommen, sich haaren. Figürlich sagt man auch im gemeinen Leben, es habe sich jemand gut heraus gemauset, oder gemaustert, wenn er sich gut gekleidet, gut geputzt, sich eine bessere Kleidung angeschaffet hat; wo es doch vielmehr zu dem alten mustern, kleiden, und Musterung, die Tracht, zu gehören scheinet, S. dasselbe.
   Anm. In einigen Gegenden auch mussen, mausern, maustern, im Schwabensp. muzsen, und mit der den Niedersachsen gewöhnlichen Vertauschung des s mit dem t, muten, mutern, mütern, welche letzten besonders von den Krebsen üblich sind, im Holländ. muyten, im Franz. mit Ausstoßung des t, muër, wo es auch von den Hirschen gebraucht wird, wenn sie ihr Geweih abwerfen, im Engl. to mew, im Ital. mutare, im Lat. mutare, nehmlich pennas. Da alle Thiere zu der Zeit, wenn sie sich mausen, stille und eingezogen sind, so könnte man es mit Muße zu dem alten Nieders. musen, stille nachdenken, rechnen; S. Kalmäusern. Allein es ist wahrscheinlicher, daß es mit dem Lat. mutare Eines Geschlechtes ist, und überhaupt wechseln, vertauschen bedeutet, S. Mutschieren. Wachter hat dieses schon bemerket, nur das zum Beweise von ihm angeführte Muthschein gehöret nicht hierher, S. dieses Wort. In den Monseeischen Glossen sind Muzgiwati Kleider zum Abwechseln. Mausen ist also eigentlich der allgemeine Ausdruck, welcher das sich haaren und häuten mit einschließt, ob er gleich nur in engerm Verstande in den angeführten Fällen üblich ist. Krebse, welche sich gemauset, d. i. eine neue Schale bekommen haben, heißen daher Mauser, in den Niederdeutschen Sprecharten Müter, Muterkrebse, und verderbt Mutterkrebse. Übrigens ist von den Vögeln in diesem Verstande auch sich federn, Nieders. sich feddern, sich rauhen, im Nieders. rugen, rüeln, rülen, Schwed. rugga, üblich, entweder, weil sie alsdann ein rauhes, posteriges Ansehen haben, oder auch von dem Holländ. ruiten, vertauschen. In Liefland sagt man dafür, die Vögel krippen sich. S. die Mause.
 
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2. Mausen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Mäuse fangen. Die Katze mauset gut, schlecht. Die Eulen mausen des Nachts. Der Fuchs muß oft aus Noth mausen gehen, Mäuse fangen. Die Katze läßt das Mausen nicht. Nieders. musen, Holländ. muysen. 2. Als ein Activum. 1) Beschleichen; in welcher Bedeutung es nur noch bey den Jägern üblich ist, wenn sie ein Wild mit List beschleichen. 2) In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, in der Stille, mit listiger Geschwindigkeit wegstehlen. Die Katzen mausen oft das Fleisch aus den Töpfen. Das Geld ist mir gemauset worden. Sich auf das Mausen legen. Das Hauptwort die Mausung ist nicht üblich.
   Anm. In einigen Oberdeutschen Gegenden mauschen, im Nieders. musen, im Dän. muse, bey den ältesten Franken mosen, indem schon im Salischen Gesetze Mosdo die Beraubung ist. Es ist in der Bedeutung des Stehlens keine Figur von mausen, Mäuse fangen, sondern ein Seitenverwandter desselben, und ein

[Bd. 3, Sp. 126]


Wort, welches die Stille, die heimliche Geschwindigkeit, welche man mit dem Mausen alle Mahl verbindet, eigentlich ausdruckt, wie aus der Bedeutung des Beschleichens, aus dem verwandten Nieders. musen, nachdenken, (S. Adelung Kalmäuser,) und aus dem Hauptworte Muße erhellet; welcher Begriff auch der Stammbegriff in dem Worte Maus seyn kann. Im Meklenb. ist für mausen auch furren üblich, welches mit dem Lat. furari genau überein kommt.

 

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