Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
2. Die Maus bis Mäuseêrbse (Bd. 3, Sp. 122 bis 124)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  2. Die Maus, plur. die Mäuse, Diminut. das Mäuschen, Oberd. Mäuslein, ein kleines vierfüßiges, vierzehiges Thier mit einem langen dünnen Schwanze, von welchem es verschiedene Arten gibt, welche theils von dem Orte ihres Aufenthaltes, theils auch von andern Umständen benannt werden. Dahin gehören die Feldmaus, Waldmaus, Wassermaus, Hausmaus, Haselmaus, Reitmaus, Spitzmaus, Fledermaus u. s. f. Eine größere Art Mäuse werden Ratzen genannt, welche sich über dieß noch durch einen kleinen Nagel auf den innern Zehen oder Daumen unterscheiden, welcher den Mäusen fehlet. In engerer Bedeutung werden die Hausmäuse, welche gemeiniglich von aschgrauer Farbe sind, nur Mäuse schlechthin genannt. Die Maus hat mehr als Ein Loch, oder, es müßte eine arme Maus seyn, welche nicht mehr als Ein Loch haben sollte, d. i. kluge Leute wissen sich auf mehr als Eine Art zu helfen. Wenn die Maus satt ist, schmeckt ihr das Korn bitter, Überfluß macht Überdruß. Die blinde Maus, ein Spiel, welches an andern Orten blinde Kuh genannt wird, bey den Griechen und Römern Myinda, S. Adelung Kuh. Der Katzen Scherz ist der Mäuse Tod, mit Tyrannen ist nicht gut scherzen. Er siehet so finster aus, wie ein Topf voll Mäuse, sagt man im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, von einem sauer sehenden Menschen, nach einer sehr dunkeln Figur. Vielleicht gehöret das Wort hier zu Muß, Gemüse, Nieders. Müse, vielleicht ist es aber auch ein Wortspiel, welches durch das Nieders. musen, nachdenken, (S. Muße und Kalmäusern,) veranlasset worden. Im Nieders. sagt man von jemanden, welcher in tiefen Gedanken sitzet, er habe Mäusenester im Kopfe, wo das Wortspiel noch deutlicher ist. Wegen einiger Ähnlichkeit wird ein gemeiniglich mit Haaren bewachsenes Muttermahl gleichfalls eine Maus genannt.
   Anm. Der Nahme dieses Thieres ist sehr alt und ausgebreitet. Bey dem Notker heißt es Muse, im Nieders. und Dän. Muus, im Schwed. und Angels. Mus, im Engl. Mouse, im Isländ. Maus, im Russ. Myseh, im Böhm. Myss, im Pohln. Mysz, im Slavon. Mish, im Pers. Mousçs, im Lat. Mus, im Griech. μνς. Es

[Bd. 3, Sp. 123]


ist ungewiß, ob es seinen Nahmen von seiner nagenden Eigenschaft oder von seiner unmerklichen mit Stille verbundenen Geschwindigkeit hat. Im ersten Falle würde es zu mähen, schneiden, mahlen, molere, dem alten Maß, Speise, mezzan, essen, (siehe Muß,) im zweyten aber zu Muße, dem alten Nieders. musen, nachdenken, (S. Adelung Kalmäuser,) und mähen, movere, gehören. Im Griech. ist μυειν sich schnell verstecken. Wenigstens ist in den Zusammensetzungen mausestill und mausetodt der Begriff der Stille sehr hervor stehend. S. auch 2. Mausen.
 
Artikelverweis 
Die Mausader, plur. die -n, bey den Pferden, die Ader an Nase, weil sie die so genannte Maus berühret, S. 1. Maus.
 
Artikelverweis 
1. Der Mauschel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im gemeinen Leben und im verächtlichen Verstande übliches Wort, einen Juden zu bezeichnen. Es ist ohne Zweifel Jüdisch-Deutschen Ursprunges. Doch bedeutet mauschen in Baiern mausen, d. i. stehlen.
 
Artikelverweis 
2. Der Mauschel, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Kupferhämmern, ein eisernes Werkzeug, einer queren Hand lang, woran sich ein Seil, wie an einem Kolm, befindet, die kleinen Kessel damit zu richten. Die nähere Kenntniß dieses Werkzeuges muß es lehren, ob dessen Nahme aus Muschel verderbt worden, oder ob es zu Maß oder einem andern Stamme gehöret.
 
Artikelverweis 
Die Mause, plur. die -n. 1) Der Zustand der Vögel und mancher Thiere, da ist zu gewissen Zeiten des Jahres ihre Federn oder Schalen verlieren und neue bekommen; ohne Plural. In der Mause seyn oder liegen, sagt man in diesem Falle von den Vögeln und Krebsen. Von den erstern wird es auch die Rauche oder Rauhe, von den Krebsen aber in einigen Niedersächsischen Gegenden, mit der gewöhnlichen Vertauschung des s mit t, die Muke genannt, im mittlern Lat. Muta, Franz. la Muë. 2) Die Zeit, wenn solches zu geschehen pflegt, welche bey den Vögeln der Julius und August ist, auch ohne Plural; die Mausezeit, die Rauhe, Rauche, Rauhzeit, Rauchzeit. 3) Ein besonderes Vogelhaus, worein man die Falken, wenn sie sich mausen, zu setzen pflegt, im Schwabenspiegel Mausekorb, im mittlern Lat. Muta. S. 1. Mausen.
 
Artikelverweis 
Der Mäuseaar, des -en, plur. die -en, S. Mäusefalk.
 
Artikelverweis 
Die Mäusebirn, plur. die -en, eine Art langer, gelber, saftiger aber sehr herber Birnen, daher sie nur zum Kochen taugen; Wadelbirn, Kannenbirn, Ritterbirn, Suselbirn, Strengling.
 
Artikelverweis 
Der Mäusedarm, des -es, plur. inus. oder die Mäusedärme, sing. inus. 1) Ein Nahme, welchen im gemeinen Leben das Vogelkraut, Alsine media L. führet, wegen seiner den Mäusedärmen ähnlichen kleinen Ranken. Von andern wird es Mäusegedärm genannt. S. Adelung Hühnerbiß. 2) Auch der Gauchheil, Anagallis arvensis L. welcher bey andern Hühnerdarm heißt, führet aus einer ähnlichen Ursache diesen Nahmen.
 
Artikelverweis 
Der Mäusedorn, des -es, plur. die -en, ein Staudengewächs, welches in den Hainen Italiens und Frankreichs einheimisch ist; Ruscus L. Brüsch, Brustwurz, Brusken, Rußken, Myrthendorn, Dornmyrthe, stechende Palme. Den Nahmen Mäusedorn hat es vielleicht wegen seines eyförmiges an der Spitze durchbohrten Honigbehältnisses, welches mit dem Kopfe einer Maus einige Ähnlichkeit hat; oder vielmehr, weil die Zweige, wenn sie zu den Speisen gelegt werden, die Mäuse und Fledermäuse von denselben abhalten. Eine in Italien gleichfalls einheimische Art, Ruscus Hypophyllum, ist unter dem Nahmen Zapfenblatt, Aufenblatt, so wie eine andere Art, Ruscus Hypoglossum, unter dem Nahmen Zungenblatt bekannt, welches letztere auch in Österreich angetroffen wird.
 
Artikelverweis 
Der Mäusedrêck, des -es, plur. inus. der kleine, runde, schwarze und feste Koth der Mäuse; Nieders. Musekötel.

[Bd. 3, Sp. 124]



 
Artikelverweis 
Die Mäuseêrbse, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Erven; Orobus L.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: