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Maultrommel bis Mausader (Bd. 3, Sp. 121 bis 123)
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Artikelverweis Die Maultrommel, plur. die -n, ein kleines eisernes Werkzeug, welches man in das Maul nimmt oder an die Zähne setzet, und an die daran befindliche stählerne elastische Zunge schlägt, um dadurch einen brummenden Klang hervor zu bringen; die Mundharfe, die Maulbrummel, das Brummeisen, bey dem Gohlius die Schnarre, Lat. Crembalum.
 
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Das Maulwêrk, des -es, plur. inus. in der niedrigen Sprechart, die Gabe zu reden. Ein gutes Maulwerk haben. In der anständigern Sprechart das Mundwerk.
 
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Der Maulwurf, des -es, plur. die -würfe, ein fünfzehiges vierfüßiges Thier in der Größe einer Ratze, welches über der Erde nicht laufen kann, sondern sich in der Erde aufhält, wo es sich mit seinen zum Graben geschickten flachen und schaufeligen Füßen Gänge gräbt. Er lebt von Regenwürmern und gibt seine Gegenwart nahe an der Oberfläche der Erde durch kleine aufgeworfene Erdhügel zu erkennen, welche Maulwurfshügel genannt werden. Talpa L. Er hat kleine Augen und ein blödes Gesicht, ist aber doch nicht ganz blind, ob man ihn gleich zuweilen zum Sinnbild der moralischen Blindheit gebraucht. Daher der Maulwurfsfang, plur. die -fänge, so wohl das Fangen dieses Thieres, als auch ein künstliches dazu bereitetes Werkzeug, eine Maulwurfsfalle; der Maulwurfsfänger, der ein Geschäft daraus macht, sie um Lohn wegzufangen u. s. f.
   Anm. Der Nahme dieses Thieres hat mit Maul, Os, nichts als den zufälligen Klang gemein. Er stammet von Mahl, Meil, ein Haufen, (S. Adelung Meiler,) her, oder noch besser von dem noch im Nieders. üblichen Mull, Molt, lockere, zerriebene Erde, und mullen, zerreiben, zermalmen, wühlen, weil er nicht nur die Erde durchwühlet, sondern auch die von ihm aufgeworfenen Haufen aus sehr lockerer Erde bestehen. Die letztern heißen im Nieders. Multhoop, Holländ. Mulhoop, Engl. Molehill, das Thier selbst aber im Nieders. Mulworp, Molworp, Mulworm, im Holländ. Mol, Molworp, Molworm, im Engl. Mole, Molewarp, im Dän. Muldparpe, im Schwed. Mullwad, Mullwaerpel, Sork, Mullsork, welches seiner letztern Hälfte nach mit dem Lat. Sorex, Griech. υραξ, und dem Oberdeutschen Nahmen Schärmaus überein kommt, im Franz. Mulot; so daß dieses Wort eigentlich einen Erdwerfer bedeutet, wie er denn in einigen Niedersächsischen Gegenden auch wirklich Wöhler, der Wühler, genannt wird. Übrigens heißt er im Oberdeutschen die Schärmaus, Schormaus, Schurmaus, die Schäre, von scharren, im Österreich. die Wühlmaus, im Nieders. Windworpe, Wannaworp, Hundeworp, Winworp, auch im Oberdeutschen eheehedem Wond, Wonne, im Angelsächsischen Vant, im Norweg. Vend, und im Wallis. Gwadd, welche Wörter Junius von dem alten Wan, Mangel, herleitet, und glaubt, daß er diesen Nahmen wegen der ihm von Alters her zugeschriebenen Blindheit habe. Richtiger rechnet man sie zu Wanne, Wange, Wanst, Hund, eine erhabene Fläche, ein Hügel, S. 2. Hund 2).
 
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Der Maúnzenstein, S. Adelung Mutterstein.
 
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Der Maur, des -en, plur. die -en, aus dem Lat. Maurus, für Mauritanus, ein Nahme, mit welchem man in Europa die gesittetern Afrikaner von gemeiniglich dunkelbrauner Farbe belegt, zum Unterschiede von den Schwarzen oder Negern, den südlichern, wildern und schwärzern Einwohnern, ob man gleich beyde im gemeinen Leben unter dem Nahmen der Mohren mit einander verwechselt, S. dieses Wort.
 
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Die Māuráche, plur. die -n, S. Adelung Morchel.
 
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Mauren, verb. reg. act. S. Adelung Mauern.
 
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Der Maurer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte mauern, für Mauerer, ein Handwerker, welcher die Kunst, Mauern und Mauerwerk zu machen, versteht und ausübt; im gemeinen

[Bd. 3, Sp. 122]


Leben nicht so richtig Mäurer, Nieders. Mürker, Mürmann.
 
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1. Die Maus, plur. die Mäuse, noch häufiger aber im Diminut. das Mäuslein, ein Nahme, welchen zuweilen in der Anatomie die fleischigen gemeiniglich länglichen Theile der thierischen Körper bekommen, durch welche die Bewegung einzelner Theile des Körpers bewerkstelliget wird; Lat. Muslulus. Indessen kommen sie doch um der Zweydeutigkeit mit dem folgenden Worte willen, am häufigsten unter dem mehr Lateinischen Nahmen Muskel vor, siehe dasselbe. In engerer Bedeutung ist bey den Pferdeärzten die Maus ein solcher Muskel an jeder Seite der Nase, welcher sich bis an das Auge erstreckt und zur Bewegung der Oberlippe dienet, daher er auch in der Anatomie Elevator labii anterioris heißt.
   Anm. Bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern heißen diese Muskeln Mauen, Fleischmauen. Es ist ungewiß, ob der Begriff der Bewegung in diesem Worte der erste und herrschende ist, indem sie nicht nur die Werkzeuge aller thierischen Bewegung sind, sondern sich auch durch ihre Bewegung von außen kenntlich machen, oder der Begriff der Erhabenheit, oder endlich der Begriff der Weichheit. Im ersten Falle würden Maus und das Oberdeutsche Maue zu mähen, movere, im zweyten zu Mast, Masse, Matte, im dritten aber zu Moos und Muß gehören, S. diese Wörter. So viel ist wohl gewiß, daß es mit dem folgenden nichts als eine zufällige Ähnlichkeit im Klange gemein hat. Bey dem Raban Maurus sind Musi die Seiten des menschlichen Leibes, welche man sonst auch die Weichen nennet, wo es den Begriff der Weichheit hat.
 
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2. Die Maus, plur. die Mäuse, Diminut. das Mäuschen, Oberd. Mäuslein, ein kleines vierfüßiges, vierzehiges Thier mit einem langen dünnen Schwanze, von welchem es verschiedene Arten gibt, welche theils von dem Orte ihres Aufenthaltes, theils auch von andern Umständen benannt werden. Dahin gehören die Feldmaus, Waldmaus, Wassermaus, Hausmaus, Haselmaus, Reitmaus, Spitzmaus, Fledermaus u. s. f. Eine größere Art Mäuse werden Ratzen genannt, welche sich über dieß noch durch einen kleinen Nagel auf den innern Zehen oder Daumen unterscheiden, welcher den Mäusen fehlet. In engerer Bedeutung werden die Hausmäuse, welche gemeiniglich von aschgrauer Farbe sind, nur Mäuse schlechthin genannt. Die Maus hat mehr als Ein Loch, oder, es müßte eine arme Maus seyn, welche nicht mehr als Ein Loch haben sollte, d. i. kluge Leute wissen sich auf mehr als Eine Art zu helfen. Wenn die Maus satt ist, schmeckt ihr das Korn bitter, Überfluß macht Überdruß. Die blinde Maus, ein Spiel, welches an andern Orten blinde Kuh genannt wird, bey den Griechen und Römern Myinda, S. Adelung Kuh. Der Katzen Scherz ist der Mäuse Tod, mit Tyrannen ist nicht gut scherzen. Er siehet so finster aus, wie ein Topf voll Mäuse, sagt man im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, von einem sauer sehenden Menschen, nach einer sehr dunkeln Figur. Vielleicht gehöret das Wort hier zu Muß, Gemüse, Nieders. Müse, vielleicht ist es aber auch ein Wortspiel, welches durch das Nieders. musen, nachdenken, (S. Muße und Kalmäusern,) veranlasset worden. Im Nieders. sagt man von jemanden, welcher in tiefen Gedanken sitzet, er habe Mäusenester im Kopfe, wo das Wortspiel noch deutlicher ist. Wegen einiger Ähnlichkeit wird ein gemeiniglich mit Haaren bewachsenes Muttermahl gleichfalls eine Maus genannt.
   Anm. Der Nahme dieses Thieres ist sehr alt und ausgebreitet. Bey dem Notker heißt es Muse, im Nieders. und Dän. Muus, im Schwed. und Angels. Mus, im Engl. Mouse, im Isländ. Maus, im Russ. Myseh, im Böhm. Myss, im Pohln. Mysz, im Slavon. Mish, im Pers. Mousçs, im Lat. Mus, im Griech. μνς. Es

[Bd. 3, Sp. 123]


ist ungewiß, ob es seinen Nahmen von seiner nagenden Eigenschaft oder von seiner unmerklichen mit Stille verbundenen Geschwindigkeit hat. Im ersten Falle würde es zu mähen, schneiden, mahlen, molere, dem alten Maß, Speise, mezzan, essen, (siehe Muß,) im zweyten aber zu Muße, dem alten Nieders. musen, nachdenken, (S. Adelung Kalmäuser,) und mähen, movere, gehören. Im Griech. ist μυειν sich schnell verstecken. Wenigstens ist in den Zusammensetzungen mausestill und mausetodt der Begriff der Stille sehr hervor stehend. S. auch 2. Mausen.
 
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Die Mausader, plur. die -n, bey den Pferden, die Ader an Nase, weil sie die so genannte Maus berühret, S. 1. Maus.

 

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