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1. Matz bis Mauerêppich (Bd. 3, Sp. 113 bis 115)
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Artikelverweis  1. Matz, Genit. Matzes, die im gemeinen Leben übliche Verkürzung so wohl des Nahmes Matthäus, als auch des Nahmens Matthias, S. diese Wörter. In einigen Gegenden wird auch der weibliche Nahme Magdalena in Matz verstümmelt; wenigstens kommt letzteres in einer Österreichischen Urkunde von 1319 bey dem Hueber in dieser Bedeutung vor. Matz, Mätzchen, ist auch ein Nahme, wobey man zahme Vögel zu rufen pflegt.
 
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2. Der Matz, des -es, plur. die Mätze, in den niedrigen Sprecharten, ein einfältiger, blödsinniger, weiblicher, dummer Mensch, in verächtlichem Verstande, und von beyden Geschlechtern. Es stammet von matt ab, so fern es ehedem auch blößsinnig bedeutete, welche Bedeutung dass Ital. matto noch hat, wo Matto auch einen Narren bedeutet. Im Franz. ist Mazette ein solcher dummer Mensch, im Engl. mad unsinnig, und im Griech. ματαιος eitel, leer. Im gemeinen Leben pflegt man dieses Wort in weiterer Bedeutung mit vielen andern zu verbinden; ein Tändelmatz, ein tändelhafter Mensch, Nieders. Dryselmatz, Plaudermatz, ein plauderhafter Mensch, Matzfotz, (welches man wohl im Scherze von der zu Dresden befindlichen Bildsäule des Matthias Voetius abzuleiten pflegt,) Matztasche, ein weiblicher, verzagter Mensch, Matz Pumpe, ein einfältiger, eingebildeter Mensch u. s. f. In Spanien ist Macipus ein Todtengräber. Es kann indessen seyn, daß auch der folgende Begriff der Masse, Materie, in diesem Worte der herrschende ist, indem man einen solchen einfältigen, weibischen, zaghaften Menschen auf ähnliche Art auch einen Kloß zu nennen pflegt.
 
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3. Der Matz, des -es, plur. die -e, ein nur im Bergbaue einiger Gegenden übliches Wort, taube Erd- oder Steinarten,

[Bd. 3, Sp. 114]


untüchtige Erze u. s. f. zu bezeichnen; ohne Zweifel auch von matt, so fern es ehedem auch leer, untüchtig, untauglich bedeutete. Vermuthlich gehöret auch das eben daselbst übliche Zeitwort matzhammeln hierher, welches so viel als blinde Häuer führen, bedeutet, d. i. solche Personen oder Sachen mit in die Ausgabe bringen, welche nicht vorhanden sind, oder nicht angeschaffet worden, von matt, keinen Werth habend.
 
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4. Der Matz, des -es, plur. inus. in den gemeinen Sprecharten Ober- und Niederdeutschlandes, geronnene und sauer gewordene Milch, so fern man sie nicht zu Käse erhärten lässet, sondern sie so weich auf Brot zu streichen aufhebt; steifer Matz, Streichkäse, an andern Orten Käsebutter. Es gehöret zu 4. Matte, gekäsete Milch, und mit demselben zu Materie, Masse u. s. f.
 
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Mänchelmord, Mäuchler, S. in Men-
 
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Mauen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Schreyen der Katzen nachahmet, und mit allerley intensiven Endungen in den gemeinen Mundarten auch maunzen, mautzen, mautern, miautzen u. s. f. lautet, so wie man für mauen auch miauen sagt.
   Auch maute trauervoll das Kätzchen Winz genannt,
   Zach. Im Lat. mutire, im Franz. miauler, im Ital. miagolare, smiagolare, im Dän. miauve, im Nieders. mauen und jaueln, Engl. to meaw. S. Adelung Mietz.
 
Artikelverweis Die
Mauer, plur. die -n, Diminut. das Mäuerchen, Oberd. Mäuerlein, eine von Steinen aufgeführte Wand, sie bestehe nun aus Backsteinen oder aus Feldsteinen. Eine Mauer ziehen, führen, oder aufführen, d. i. machen. Ein Mauer um einen Ort ziehen oder führen, ihn mit einer Mauer umgeben, einschließen. Einen Graben mit einer Mauer füttern. Er stehet, wie eine Mauer, fest, unbeweglich. Daher die Brandmauer, Hausmauer, Vormauer, Feldmauer, Gartenmauer, Giebelmauer, Schiedmauer, Stadtmauer oder Ringmauer u. s. f. welche letztere in engerer Bedeutung oft nur die Mauer schlechthin genannt wird. Außerhalb der Mauer wohnen, der Stadtmauer. In Feuermauer bedeutet es den ganzen zur Abführung des Rauches gemauerten Canal.
   Anm. Bey dem Ottfried Mur, bey dem Notker Mura, bey dem Stryker Moure, im Nieders. Müre, im Dän. Mur, im Schwed. Isländ. Wallis. Albanischen und Pohln. Mur, im Franz. Mur und Muraille, im Lat. Murus, welches das Stammwort, oder auch nur ein Seitenverwandter davon ist. Es scheinet ursprünglich den Begriff der Höhe, oder auch der Festigkeit, Dichtheit zu haben, und vermittelst der Endsylbe -er, von einem veratleten ma, hoch, tief, stark, u. s. f. abzustammen, wovon mit veränderten Endlauten auch Macht, mögen, michel, groß, mehr, Miethe, ein Haufen, Mast, Mastbaum, Matte, Materie und andere nicht mehr herkommen. Harte Mundarten werfen das e vor dem r weg, die Maur, und setzen es im Plural vor dem n, die Mauren. Maur, ein Mauritanier, S. an seinem Orte.
 
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Das Mauerband, des -es, plur. die -bänder, der steinerne Rand oben an der Futtermauer einer Festung; Franz. Cordon.
 
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Die Mauerbiene, plur. die -n, eine Art wilder Bienen, welche einsam und nicht in Gesellschaft lebt, und von welchen die Weibchen ihre Wohnung sehr künstlich aus Lehm und Sand vermittelst eines Leimes, den sie selbst hervor bringen, gleichsam mauern. Franz. Abeille maçonne.
 
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Der Māuerbrecher, des -s, plur. ut nom. sing. in der ehemahligen Kriegskunst vor Erfindung des Geschützes, ein hölzernes

[Bd. 3, Sp. 115]


Werkzeug, welches aus einem starken vorn mit Eisen beschlagenen Baume bestand, die Mauern damit durchzubrechen; Lat. Aries, der Strurmbock. Nach Erfindung des Geschützes pflegt man auch wohl große Kanonen, welche 50 Pfund und darüber schießen, Mauerbrecher und Mauerbrecherinnen zu nennen.
 
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Der Mauerêppich, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des gemeinen Eppiches oder Epheues, welcher gern an alten Wänden und Mauern wohnet, und verderbt auch Mauerpfau genannt wird, S. Adelung Epheu.

 

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