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4. Die Matte bis Mattkêrn (Bd. 3, Sp. 111 bis 113)
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Artikelverweis  4. Die Matte, plur. inus. oder die Matten, sing. inus. ein Wort, welches den Begriff der Consistenz, der dichten Verbindung der Theile, der Masse, hat. Man gebraucht es nur noch im gemeinen Leben vieler Gegenden, wo die geronnene oder gekäsete Milch, so wie sie zum Käsemachen gebraucht wird, die Matte, oder im Plural die Matten, Käsematten heißt. Holländ. Matte, im Lotharing. Matton. In Meißen wird die Milch mattig, wenn sie gerinnet. S. auch 1. Matz. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Masse, Materie, und stammet mit denselben von Mat, socius, (S. Matschaft, mit, mischen u. s. f.) ab. Bey dem Petron ist Mattea eine gewisse leckere Speise, Griech. ματτν, bey dem Sueton, Mactea; um Dombes in Frankreich ist

[Bd. 3, Sp. 112]


Matte ein Bündel Hanf, und im Lotharing. Maitte die Materie, der Stoff.
 
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5. Die Matte, plur. die -n, ein Wort, welches den Begriff der Vertiefung, der physischen Niedrigkeit hat, aber nur noch in zwey Fällen vorkommt. 1) Eine eingebogene fehlerhafte Bäule in einem Geschirre heißt am Nieder-Rheine und in einigen andern Gegenden eine Matte. Ein metallenes Geschirr bekommt Matten, wenn es auf einen harten Körper fällt. Bey den Goldplättern werden die kleinen fehlerhaften Grübchen in der stählernen Plättwalze, welche von dem Gusse herrühren, gleichfalls Matten genannt, wo es aber auch von matt, wenig oder gar keinen Glanz habend, abstammen, und eine solche matte Stelle bezeichnen kann. 2) Eine Wiese, ein vorzüglich Oberdeutsches Wort, welches im Hochdeutschen nur in der höhern Schreibart üblich ist. Das Heu verfaulte auf den Matten, Bluntschli, ein Schweizer. Die Matten, voll Raub und voll Ruin, Raml.
   Von langen Matten
   Erhebt sich der kühle Thau,
   Zachar. Anm. In der letzten Bedeutung im Nieders. Mäde, Mädland, Meetland, im Angels. Maed, im Engl. Mead, Meadow, welche man, so wie das Oberdeutsche, gemeiniglich, obgleich unrichtig, von mähen ableitet; eine Ableitung, welche dem Worte Matte bald einen zu weiten, bald aber auch einen zu engen, folglich keinen bestimmten Begriff gewähren würde. Nicht alle Wiesen werden gemähet, hingegen werden in vielen und großen Provinzen auch die Äcker und Felder gemähet. Ma, Mä, ist ein sehr altes, noch im Schwedischen übliches Wort, welches einen niedrigen, flachen, sumpfigen Boden bedeutet, und wovon vermittelst verschiedener Ableitungslaute Marsch, Mos, Morast, Mohr, Matte u. s. f. abstammen. S. Adelung Matt Anm. Zu dieser allgemeinen Bedeutung der Niedrigkeit oder Tiefe gehören auch das Lat. mittere, das Franz. mettre, im Lothar. matte, das mittlere Lat. bey dem Libavius befindliche Mottena, Torf, das Ungar. Mezö und Lappländ. Metze, ein Feld, und hundert andere mehr; zu dem abstammenden Begriffe der Aushöhlung aber unser Maß, Metze, Muth, ein Scheffel, das Lat. Modius u. s. f. Im Baierischen heißt eine Wiese auch mit dem Zischlaute ein Moser.
 
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Matten, verb. reg. act. von dem Bey- und Nebenworte matt, matt machen. 1) In dem Schachspiele, jemanden matten, seinem Könige matt biethen, seinen König matt machen. 2) Entkräften und entkräftet werden, wo es doch nur in den Zusammensetzungen abmatten und ermatten üblich ist, S. diese Wörter.
 
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Die Mattenblume, plur. die -n, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, ein Nahme der Dotterblume oder Butterblume, Caltha palustris L. welche auf allen Matten, d. i. Wiesen, angetroffen wird, daher sie auch Goldwiesenblume, und mit untergeschobenem Zischlaute Maßliebe und Mosblume genannt wird. S. 5. Matte.
 
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Der Mattenflachs, des -es, plur. inus. eine Art der Ruhrpflanze, Gnaphalium L. welche auch Wiesenwolle genannt wird, und ein Binsengewächs ist; entweder weil sie auf den Matten oder Wiesen wächset, oder auch, weil man die in der Samenknospe befindliche Wolle häufig zu Ausstopfung der Matten und Matratzen zu gebrauchen pflegt.
 
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Der Mattenkümmel, des -s, plur. inus. im Oberdeutschen, ein Nahme des Wiesenkümmels, welcher auf den Wiesen des mitternächtigen Europa wild wächset; Carum L. S. Adelung Kümmel.
 
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Matthäus, ein männlicher Taufnahme Hebräischen Ursprunges, welcher so viel als ein Geschenkter bedeutet, und von dem Hebr. 05de05ea05df, ein Geschenk, abgeleitet wird. In den gemeinen Mundarten

[Bd. 3, Sp. 113]


wird er bald in Matthe, Matz, bald aber auch in Tews, abgekürzet.
 
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Matthias, ein anderer Taufnahme männlichen Geschlechtes, gleichfalls Hebräischen Ursprungs, von 05de05ea05df, ein Geschenk, und 05d905d4, der Herr, welcher des Herren Gabe bedeutet. In den gemeinen Mundarten wird er gleichfalls in Matz, im Oberdeutschen aber auch in Hiesel, so wie im Niederdeutschen in Thies, abgekürzet.
 
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Der Mattīer, oder Matthier, (zweysylbig,) des -s, plur. ut nom. sing. eine im Braunschweigischen übliche Scheidenmünze, welche 4 Pfennige oder einen halben Mariengroschen gilt; entweder mit Matte, einer Spanischen Münze, aus Einer Quelle, (S. 2. Matte,) oder auch, wie Goldast will, von dem heil. Matthias, dessen Bildniß ehedem darauf soll seyn geprägt worden. In Steyermark und einigen andern Oberdeutschen Provinzen war Medel ehedem eine sehr geringe Scheidemünze, welche noch weniger als ein Häller galt. Im mittlern Lat. ist Metallia, Malla, ein halber Pfennig, ein Häller, woraus das Franz. Maille geworden.
 
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Die Mattigkeit, plur. inus. von dem Bey- und Nebenworte matt, doch nur in dessen dritten Bedeutung, und deren eigentlichem Verstande, der Zustand eines lebendigen Geschöpfes, da es seiner natürlichen oder gewöhnlichen Kräfte auf eine merkliche Art beraubt ist.
 
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Der Mattkêrn, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, eine Art des Sand- oder Strandläufers, Glareola Klein. welcher auch kleiner Brachvigel genannt wird; ohne Zweifel von den Matten oder Wiesen, auf welchen er sich aufhält. Die letzte Hälfte seines Nahmens druckt vielleicht sein Geschrey aus, von kirren, daher er von andern auch Schrick, im Lat. Crex, Corlinus, Clorius, Franz. Corlien, Corlis, im Arab. Corli, genannt wird. Eine andere gescheckte Art wird Motthühnlein genannt, gleichsam Mattenhühnlein.

 

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