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Matērien bis Matt (Bd. 3, Sp. 108 bis 110)
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Artikelverweis  Matērien, (viersylbig,) verb. reg. von dem vorigen Hauptworte. 1) Neutrum, mit haben, für eitern, S. das vorige. 2) Activum, wo es nur bey einigen Handwerkern üblich ist, und das Meisterstück verfertigen bedeutet. Daher sind alsdann die Materien-Meister diejenigen Innungsmeister, welcher der Verfertigung eines Meisterstückes beywohnen müssen; der Materierer, derjenige, welcher ein Meisterstück, um das Meisterrecht zu erlangen; das Materie-Essen, welches den Materien-Meistern gereicht wird; das Materie-Geld, welches ihnen statt desselben gegeben wird. Aus dem mittlern Lat. materiare, welche eigentlich zimmern, hernach aber auch in weiterer Bedeutung, auf künstliche Art verfertigen, so wie Materiatus ein jedes Werk, bedeutete.
 
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Die Mathematīß, plur. car. aus dem Griech. und Latein. Mathematica, eine philosophische Wissenschaft, welche sich bloß mit Betrachtung und Ausmessung der Größen beschäftiget; die Größenlehre. Daher der Mathemātiker, besser Mathemāticus, derjenige, welcher diese Wissenschaft verstehet; mathemātisch, zu derselben gehörig, in derselben gegründet.
 
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Die Matrátze, plur. die -n, ein mit Haaren ausgestopftes und durchnähetes Unterbett, dergleichen man sich in warmen Ländern, und selbst in Deutschland im Sommer, anstatt der Federbetten zu bedienen pflegt. Daher das Zeitwort matratzen, oder ausmatratzen, mit Wolle oder Haaren nach Art einer Matratze ausstopfen.
   Anm. Im Franz. Materas, Matelas, Engl. Mattress, Pohln. Materac. Es ist aus dem Ital. Materazzo, Matarazza, im mittlern Lat. Mataratium, Mataricium, Matracium, Almatracium, welches seiner ersten Hälfte nach zu unserm Worte 3. Matte gehöret, seiner letzten Hälfte nach aber dunkel ist. Im Deutschen wird es gemeiniglich Madratze geschieben und gesprochen, welches aber wider die erweisliche Abstammung ist.
 
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Die Matrīkel, plur. die -n, aus dem Latein. Matricula, ein feyerliches schriftliches Verzeichniß einzelner Personen Einer Art. Dahin gehöret die Reichs-Matrikel, das Verzeichniß aller Stände des Reiches nach ihrer Ordnng und ihrem Vermögen; die Studenten-Matrikel, das Buch, worein die Studenten bey ihrer Aufnahme als Bürger der Universität verzeichnet werden; die Kirchen- oder Pfarr-Matrikel, das Verzeichniß der Eingepfarrten einer Kirche, ingleichen der Getauften, Gestorbenen und Getrauten u. s. f. Daher das Zeitwort immatriculiren, in die Matrikel einschreiben, der Matriculār-Anschlag, in dem Deutschen Staatsrechte, dasjenige, was ein Reichsstand vermöge der

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Reichs-Matrikel zu dem allgemeinen Bedürfnissen des Reiches beyzutragen hat u. s. f.
 
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Die Matrīze, plur. die -n, aus dem spätern Lat. Matrix, bey den Schriftgießern, diejenige kupferne Form, worin Buchstaben abgegossen werden.
 
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Die Matrōne, plur. die -n, aus dem Lat. Matrona, eine angesehene verheirathete oder doch verheirathet gewesene Frau von einem reifen Alter.
 
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Der Matrōse, des -n, plur. die -n, einer von den gemeinen Arbeitsleuten auf einem Schiffe, welche das Schiff führen und regieren helfen; ein Bothsmann oder Bothsknecht, im Nieders. Schiffgast, Schiffsmat. Die sämmtlichen Matrosen eines Schiffes zusammen genommen werden die Matschaft genannt, S. dieses Wort.
   Anm. Im Dän. Matros, im Franz. Matelot. Die erste Hälfte dieses Wortes ist vermuthlich das Niederdeutsche Mat, ein Kammerad, Gesell, S. Adelung Matschaft. Nur die letzte Hälfte ist noch dunkel. Bey den ältesten Lateinern wurden die Troßbuben und Lohnknechte Metelli genannt, welches das Diminut. von Metus ist, das mit diesem Mat genau überein kommt. Sollte dieses etwa das Stammwort des Franz. Matelot und unsers Matrose seyn? Das e am Ende ist das e euphonicum, ohne welches das gelinde s einem harten Laut haben würde. Härtere Mundarten schreiben und sprechen Matros.
 
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Matsch, ein in gewissen Spielen übliches Wort, welches eigentlich einen gänzlichen mit einem gewissen Grade der Schande verbundenen Verlust des Spieles bedeutet, und si wohl als ein Nebenwort, als auch als ein Hauptwort üblich ist. Matsch werden, das Spiel verlieren, und zugleich eine fest gesetzte geringe Anzahl Augen, Stiche oder Marken haben. Im Billiard wird man matsch, wenn man nach geendigtem Spiele nur bis auf 5 zählt. Der Matsch, dieser Zustand oder Umstand des Verspielenden. Ein einfacher Matsch ist im Billiard, wenn der Verlierende nur bis auf 5 zählet, ein dreyfacher oder Triple-Matsch, wenn er nur bis auf 2 kommt, und ein vierfacher oder Quadruple-Matsch, wenn er gar nichts zählt. In andern Spielen ist der Matsch auf andere Art eingeschränkt. Daher das Activum, jemanden matschen, ihn matsch machen.
   Anm. Im Ital. lautet dieses Wort Marcio und das Zeitwort marciare, daher auch einige Deutsche es Matsch und matschen sprechen und schreiben. Aber die Italiäner sagen in eben diesem Verstande auch mazzare. Das Deutsche scheinet indessen nicht aus dem Italiänischen entlehnet zu seyn, sondern von matt, so fern solches noch in dem Schachspiele üblich ist, abzustammen, und mit demselben zu dem Geschlechte des Wortes metzeln zu gehören. S. diese Wörter.
 
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Die Mātschaft, plur. inus. ein nur in den Niederdeutschen Mundarten übliches Collectivum, die Kameradschaft, mehrere zu einer gemeinschaftlichen Absicht verbundene Persinen, und deren Verhältniß gegen einander zu bezeichnen. Daher ist im Nieders. und Holländ. die Matskup, Maskup, Matskuppije, eine Handelsgesellschaft, S. Adelung Maskopey. Besonders wird in der Seefahrt das gesammte Schiffsvolk unter dem Nahmen der Matschaft begriffen. Mat und Mase ist ein im Niederdeutschen sehr übliches Wort, einen Kameraden, Gesellen, zu bezeichnen, Engl. Mate, Schwed. und Isländ. Mat, Måt, im weiblichen Geschlechte Maatske; welches zu dem zahlzeichen Geschlechte der Wörter mit, mischen u. s. f. gehöret, und überhaupt eine Verbindung bedeutet, S. auch das Hochdeutsche Gliedmaß. Mit veränderter Endsylbe gehöret auch das Angels. Mace, Schwed. Make, ein Kamerad, Gesell, Genoß, unser Gemahl, und das Zeitwort machen, so fern er verbinden bedeutet, hierher, S. Gemahl.

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Matschen, S. Adelung Matsch.
 
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Matt, -er, -este, adj. et adv. ein sehr altes Wort, welches in folgenden Bedeutungen vorkommt.
   1. * Todt; eine im Deutschen völlig veraltete Bedeutung, deren hohes Alter aus dem Hebr. 05de05d505ea, sterben, erhellet. Im mittlern Lat. ist matare tödten, Span. matar, und im alt Franz. Mathe das Grab. Es gehöret in derselben zu unsermmetzeln, Metzcher, und vielleicht auch zu mähen, so fern es ehedem schneiden überhaupt bedeutete, S. diese Wörter.
   2. * Überwunden, so in die Enge gebracht, daß man sich nicht mehr zu helfen weiß; eine gleichfalls im Ganzen veraltete Bedeutung. Im mittlern Lat. mattus, Franz. maté. Man sagte ehedem, jemanden matt sprechen, ihn auffordern, sich für überwunden zu erklären.
   Wer hoestis halb das messer hat
   Der mag dem andern sprechen matt,
   der Burggraf von Riedenburg.
   Ein vugent dem kuinig spricht mat,
   ebend. Im Deutschen gebraucht man es nur noch in dem Schachspiele, wo der Schach oder König matt wird, wenn er völlig überwunden ist, so daß er keinen Zug mehr thun kann.
   Si hant das spil verloren und er eine tuot in allen mat,
   Walther von der Vogelweide. Im Franz. mat, und selbst im Persischen, aus welchen Gegenden dieses Spiel in Europa bekannt geworden, mat. S. Adelung Matsch, welches gleichfalls hiervon abzustammen scheinet. Man hatte ehedem auch das Hauptwort Mat, welches noch bey dem Stryker vorkommt, und das Verderben bedeutet, Isländ. Maat.
   3. Der Kräfte in einem hohen Grade beraubt, einen hohen Grad des Mangels der gehörigen oder gewöhnlichen Kräfte empfindend und darin gegründet; in welcher Bedeutung es noch am häufigsten vorkommt. 1) Eigentlich. Daß sie laufen, und nicht matt werden, Es. 40, 31. Der Herr, der die Ende der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, V. 28. Wie Widder, die matt vor dem Treiber hergehen, Klagel. 1, 6. Und die Sonne stach Jona auf den Kopf, daß er matt ward, Jon. 4, 8. Von schweren Arbeiten, Mangel der Nahrung, großer Hitze, nach einer langen Krankheit u. s. f. wird man matt. 2) Figürlich. (a) Nicht den gehörigen Grad der Lebhaftigkeit oder Stärke habend; im Gegensatze des lebhaft, stark. Eine matte Stimme. Bey Gütern, welche wir stets genießen, wird das Vergnügen endlich matt, Gell. Ein matter Scherz. Ein matter Gedanke. Ein matter Styl. Eine matte Entschuldigung, welche es an der einleuchtenden Gründlichkeit fehlet. (b) Besonders von dem Glanze oder Lichte, einen geringern Grad des Lichtes habend; gleichfalls im Gegensatze des lebhaft. Die matten Strahlen der Sonne. Ein mattes Licht. Eine Oberfläche ist matt, wenn sie kein Licht zurück wirft, daher wird bey den Künstlern matt dem polirten entgegen gesetzt; Franz. mat. Mattes Gold, welches nicht polirt oder brunirt worden. Matte Farben, bey den Mahlern, welche keinen Glanz haben, dergleichen Umbra und Massicot sind. Ein matter Demant, welcher wenig Feuer, wenig Glanz hat. Auch figürlich. Die Abendstunde sollte ihre matten Reitze in einem günstigen Lichte zeigen. (c) Ingleichen auch von dem Geschmacke. Das Bier, der Wein schmeckt matt, wenn er die lebhafte Schärfe oder Kraft verloren hat. Ehedem gebrauchte man es in noch mehrern figürlichen Bedeutungen. Jeroschin nennt ein Land matt, welches in schlechtem Vertheidigungsstande ist. Ein Land matt machen heißt bey eben demselben es verwüsten. Bey dem Burggrafen von Riedenburg stand der Hund, der über dem Schatten im Wasser sein Stück Fleisch verlor, ledig unde mat, das er fin stuki

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hat verlorn, d. i. traurig, betreten. Alles trostes mat sin, ist bey eben demselben dessen beraubt seyn.
   Anm. In der dritten Hauptbedeutung im Dän. mat, im Schwed. matt, im Angels. methig, im Engl. mate, im Böhm. mdle. Im Isländ. ist maeddir, modr, maeda, abmatten, Engl. to mate. Es gehöret zu müde, Mühe, und vielleicht auch zu Muße. Mit verändertem Endlaute ist im Nieders. mak, nicht nur sanftmüthig, friedsam, sondern auch matt. Wenn man alle Bedeutungen dieses Wortes zusammen nimmt, so wird es sehr wahrscheinlich, daß sie nur Figuren einer ältern sind, welche niedrig, tief, bedeutete, und wovon das Stammwort ma, mä, me, lautete, von welchem vermittelst verschiedener Ableitungslaute unser Matte, eine Wiese, Meer, Morast, Mos, und andere mehr abstammen. Im Ital. ist matto dumm, betäubt, und Matto ein Narr. S. 2. Matz und 5. Matte.

 

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