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Materiāl Waare bis Mātschaft (Bd. 3, Sp. 107 bis 109)
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Artikelverweis Die Materiāl Waare, plur. die -n, rohe und seltene Waaren aus dem Mineral- und Pflanzenreiche, so wie sie in den Küchen, Apotheken, von den Färbern, Mahlern u. s. f. weiter verarbeitet werden; wohin die Spezereyen, Gewürze, rohe Farbenkörper u. s. f. gehören. S. das vorige.
 
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Die Matērie, (viersylbig,) plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, aus dem Latein. Materia. 1) Dasjenige, woraus ein Körper zusammen gesetzt ist, das was einem Körper die Ausdehnung und widerstehende Kraft gibt. Die einfache Materie oder die Elemente, welche sich nicht weiter auflösen lässet, und aus deren Vermischung alle übrige zusammen gesetzte Materie entstehet.

[Bd. 3, Sp. 108]


Auch im gemeinen Leben pflegt man dasjenige, woraus ein Körper bestehet, wenn man es nicht mit seinem eigentlichen Nahmen belegen kann, oder es auf die allgemeinste Art benennen will, dessen Materie zu nennen. Aus allerley köstlicher Materie hat man sie gezeuget, und ist doch kein Leben darinnen, Bar. 6, 24. In der höhern Schreibart der Stoff, welches Wort sich doch für die schärfste philosophische Bedeutung nicht schickt. 2) In engerer Bedeutung, dasjenige, woraus etwas werden kann, woraus ein Werk verfertiget werden kann; doch nur im gemeinen Leben, wo auch das Wort Zeug oder Gezeug, schon bey dem Kero Keziuc, üblich ist. In der anständigern Schreibart ist auch hier Stoff üblich. Ingleichen figürlich. Materie zum Lachen, zum Schreiben, zum Reden haben. In der anständigern Sprechart gleichfalls Stoff. In der Logik werden die Sätze woraus ein Schluß besteht, dessen Materie genannt; im Gegensatze der Form, d. i. der Art und Weise ihrer Verbindung. 3) In der engsten Bedeutung ist im gemeinen Leben der Eiter unter dem Nahmen der Materie bekannt, Engl. Matter; wo man auch wohl das Zeitwort materien für eitern gebraucht.
 
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Matērien, (viersylbig,) verb. reg. von dem vorigen Hauptworte. 1) Neutrum, mit haben, für eitern, S. das vorige. 2) Activum, wo es nur bey einigen Handwerkern üblich ist, und das Meisterstück verfertigen bedeutet. Daher sind alsdann die Materien-Meister diejenigen Innungsmeister, welcher der Verfertigung eines Meisterstückes beywohnen müssen; der Materierer, derjenige, welcher ein Meisterstück, um das Meisterrecht zu erlangen; das Materie-Essen, welches den Materien-Meistern gereicht wird; das Materie-Geld, welches ihnen statt desselben gegeben wird. Aus dem mittlern Lat. materiare, welche eigentlich zimmern, hernach aber auch in weiterer Bedeutung, auf künstliche Art verfertigen, so wie Materiatus ein jedes Werk, bedeutete.
 
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Die Mathematīß, plur. car. aus dem Griech. und Latein. Mathematica, eine philosophische Wissenschaft, welche sich bloß mit Betrachtung und Ausmessung der Größen beschäftiget; die Größenlehre. Daher der Mathemātiker, besser Mathemāticus, derjenige, welcher diese Wissenschaft verstehet; mathemātisch, zu derselben gehörig, in derselben gegründet.
 
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Die Matrátze, plur. die -n, ein mit Haaren ausgestopftes und durchnähetes Unterbett, dergleichen man sich in warmen Ländern, und selbst in Deutschland im Sommer, anstatt der Federbetten zu bedienen pflegt. Daher das Zeitwort matratzen, oder ausmatratzen, mit Wolle oder Haaren nach Art einer Matratze ausstopfen.
   Anm. Im Franz. Materas, Matelas, Engl. Mattress, Pohln. Materac. Es ist aus dem Ital. Materazzo, Matarazza, im mittlern Lat. Mataratium, Mataricium, Matracium, Almatracium, welches seiner ersten Hälfte nach zu unserm Worte 3. Matte gehöret, seiner letzten Hälfte nach aber dunkel ist. Im Deutschen wird es gemeiniglich Madratze geschieben und gesprochen, welches aber wider die erweisliche Abstammung ist.
 
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Die Matrīkel, plur. die -n, aus dem Latein. Matricula, ein feyerliches schriftliches Verzeichniß einzelner Personen Einer Art. Dahin gehöret die Reichs-Matrikel, das Verzeichniß aller Stände des Reiches nach ihrer Ordnng und ihrem Vermögen; die Studenten-Matrikel, das Buch, worein die Studenten bey ihrer Aufnahme als Bürger der Universität verzeichnet werden; die Kirchen- oder Pfarr-Matrikel, das Verzeichniß der Eingepfarrten einer Kirche, ingleichen der Getauften, Gestorbenen und Getrauten u. s. f. Daher das Zeitwort immatriculiren, in die Matrikel einschreiben, der Matriculār-Anschlag, in dem Deutschen Staatsrechte, dasjenige, was ein Reichsstand vermöge der

[Bd. 3, Sp. 109]


Reichs-Matrikel zu dem allgemeinen Bedürfnissen des Reiches beyzutragen hat u. s. f.
 
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Die Matrīze, plur. die -n, aus dem spätern Lat. Matrix, bey den Schriftgießern, diejenige kupferne Form, worin Buchstaben abgegossen werden.
 
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Die Matrōne, plur. die -n, aus dem Lat. Matrona, eine angesehene verheirathete oder doch verheirathet gewesene Frau von einem reifen Alter.
 
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Der Matrōse, des -n, plur. die -n, einer von den gemeinen Arbeitsleuten auf einem Schiffe, welche das Schiff führen und regieren helfen; ein Bothsmann oder Bothsknecht, im Nieders. Schiffgast, Schiffsmat. Die sämmtlichen Matrosen eines Schiffes zusammen genommen werden die Matschaft genannt, S. dieses Wort.
   Anm. Im Dän. Matros, im Franz. Matelot. Die erste Hälfte dieses Wortes ist vermuthlich das Niederdeutsche Mat, ein Kammerad, Gesell, S. Adelung Matschaft. Nur die letzte Hälfte ist noch dunkel. Bey den ältesten Lateinern wurden die Troßbuben und Lohnknechte Metelli genannt, welches das Diminut. von Metus ist, das mit diesem Mat genau überein kommt. Sollte dieses etwa das Stammwort des Franz. Matelot und unsers Matrose seyn? Das e am Ende ist das e euphonicum, ohne welches das gelinde s einem harten Laut haben würde. Härtere Mundarten schreiben und sprechen Matros.
 
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Matsch, ein in gewissen Spielen übliches Wort, welches eigentlich einen gänzlichen mit einem gewissen Grade der Schande verbundenen Verlust des Spieles bedeutet, und si wohl als ein Nebenwort, als auch als ein Hauptwort üblich ist. Matsch werden, das Spiel verlieren, und zugleich eine fest gesetzte geringe Anzahl Augen, Stiche oder Marken haben. Im Billiard wird man matsch, wenn man nach geendigtem Spiele nur bis auf 5 zählt. Der Matsch, dieser Zustand oder Umstand des Verspielenden. Ein einfacher Matsch ist im Billiard, wenn der Verlierende nur bis auf 5 zählet, ein dreyfacher oder Triple-Matsch, wenn er nur bis auf 2 kommt, und ein vierfacher oder Quadruple-Matsch, wenn er gar nichts zählt. In andern Spielen ist der Matsch auf andere Art eingeschränkt. Daher das Activum, jemanden matschen, ihn matsch machen.
   Anm. Im Ital. lautet dieses Wort Marcio und das Zeitwort marciare, daher auch einige Deutsche es Matsch und matschen sprechen und schreiben. Aber die Italiäner sagen in eben diesem Verstande auch mazzare. Das Deutsche scheinet indessen nicht aus dem Italiänischen entlehnet zu seyn, sondern von matt, so fern solches noch in dem Schachspiele üblich ist, abzustammen, und mit demselben zu dem Geschlechte des Wortes metzeln zu gehören. S. diese Wörter.
 
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Die Mātschaft, plur. inus. ein nur in den Niederdeutschen Mundarten übliches Collectivum, die Kameradschaft, mehrere zu einer gemeinschaftlichen Absicht verbundene Persinen, und deren Verhältniß gegen einander zu bezeichnen. Daher ist im Nieders. und Holländ. die Matskup, Maskup, Matskuppije, eine Handelsgesellschaft, S. Adelung Maskopey. Besonders wird in der Seefahrt das gesammte Schiffsvolk unter dem Nahmen der Matschaft begriffen. Mat und Mase ist ein im Niederdeutschen sehr übliches Wort, einen Kameraden, Gesellen, zu bezeichnen, Engl. Mate, Schwed. und Isländ. Mat, Måt, im weiblichen Geschlechte Maatske; welches zu dem zahlzeichen Geschlechte der Wörter mit, mischen u. s. f. gehöret, und überhaupt eine Verbindung bedeutet, S. auch das Hochdeutsche Gliedmaß. Mit veränderter Endsylbe gehöret auch das Angels. Mace, Schwed. Make, ein Kamerad, Gesell, Genoß, unser Gemahl, und das Zeitwort machen, so fern er verbinden bedeutet, hierher, S. Gemahl.

[Bd. 3, Sp. 110]


 

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