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Masse bis Mästen (Bd. 3, Sp. 102 bis 105)
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Artikelverweis Die Masse, plur. die -n, aus dem Französ. Masse und Latein. Massa, die Menge der Materie eines Körpers, wo man dieses

[Bd. 3, Sp. 103]


Wort von allen Körpern gebrauchen kann, wenn man von denselben weiter nichts bezeichnen will, als daß sie aus vieler zusammen hangenden Materie bestehen. Eine ungeheure Masse. Erhabene Arbeit in ganzen Massen, in ganzen zusammen hangenden großen Stücken. In einigen Fällen werden besondere Arten von Dingen, so fern sie ein Ganzes ausmachen, Massen genannt. Dergleichen ist die Credit-Masse in den Concurs-Prozessen. In der Mahlerkunst werden viele an einem Orte gesammelte Lichter oder Schatten, Massen genannt. Die beträchtlichsten Partien eines Gemähldes bestehen aus Massen, es mögen nun Lichtmassen oder Schattenmassen seyn. Die richtige Austheilung der Massen macht die ganze Schönheit der Gemählde aus. In der engsten Bedeutung ist Masse zuweilen so viel als ein Teig. Die Bildhauer auch einen großen Hammer, womit sie auf den Meißel schlagen, wenn ein Werk aus dem Gröbsten gearbeitet wird, eine Masse zu nennen. Im mittlern Lat. ist Massa gleichfalls ein hölzerner Hammer, massare damit schlagen, und im Franz. Massue eine Keule. Im Billiard-Spiele ist es ein Werkzeug in Gestalt einer Schaufel, den Ball damit fortzuschieben.
   Ungeachtet dieses Wort zunächst aus dem Lat. entlehnet ist, so kann es doch, so wie das verwandte Materie, seine Verwandtschaft mit unserm Mast, der Mastbaum, Miethe, ein Haufen, meist u. a. m. nicht läugnen. S. 3. Matte.
 
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Das Mássicot, des -es, plur. inus. aus dem Franz. Massicot, gebranntes Bleyweiß von pfirschgelber, citronengelber oder goldgelber Farbe, Bleygelb; verderbt Masticot.
 
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Massiv, -er, -este, adj. et adv. aus dem Französ. massif und dieß aus dem vorigen Masse. 1) Aus lauter Mauerwerk bestehend. Ein massives Haus, dessen Haupt- und Seitenwände ganz aus Mauerwerk, ohne hölzerne Ausbindung bestehen. Massiv bauen. 2) Von Matellen gebraucht, bedeutet es so viel als dicht; im Gegensatze des hohl. Ein massiver Knopf, ein durchaus aus Metell bestehender Knopf, welcher nicht hohl ist. Figürlich wird es im gemeinen Leben auch für grob im moralischen Verstande gebraucht. Ein massiver Mensch, ein grober. Sehr massiv seyn. 3) Von den edlen Metellen gebraucht, bedeutet es so viel als rein, von einerley Materie, ohne fremden Zusatz, ohne doch den vorigen Begriff der Dichtheit auszuschließen. Ein Knopf von massivem Silber oder Golde, im Gegensatze eines bloß versilberten oder vergoldeten. Ein massiver goldener Degen.
 
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1. Der Mast, des -es, plur. die -en, ein großer länglich runder in einem Schiffe aufgerichteter Baum, an welchem die Segelstangen und Taue befestiget werden; der Mastbaum, ehedem auch der Segelbaum. Kleine Schiffe haben nur Einen Mast, größere zwey und drey, selten vier. Der große Mast, oder Mittelmast, der stärkste und höchste, welcher in der Mitte stehet; der vordere Mast oder der Fockenmast, die Focke; der hintere Mast, Besanmast oder Besan. Uneigentlich wird von einigen auch das schief liegende Bugspriet mit unter die Masten gerechnet. Figürlich wird Mast zuweilen für Schiff gebraucht, da es denn zunächst den großen Mast bedeutet. Eine Flotte von hundert Masten, von hundert Schiffen. In der Zimmermannskunst wird auch der große senkrechte Baum, welcher die Spitze eines Thurmes bilden hilft, und an welchem die Sparren anliegen, der Mast genannt.
   Anm. Schon bey dem Stryker Mast, im Nieders. Dän. Engl. und Schwed. gleichfalls Mast, im Angels. Maest, im Französ. Mas, Mast, im Span. Mastil, im Finnländ. Masta, im Pohln. Mszt. Es druckt zunächst den Begriff der senkrechten Höhe, der Größe aus, und gehöret mit dem folgenden Worte zu dem Geschlechte der Wörter meist, Miethe, ein Haufen u. s. f. Im

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Lat. heißt der Mast mit einer andern Ableitungssylbe, Malus, siehe 5. Mahl, welches gleichfalls in der Bedeutung der Höhe vorkommt.
 
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2. Die Mast, plur. car. ein Wort, welches ehedem Speise, Futter überhaupt bedeutete, aber jetzt nur noch in eingeschränktem Verstande üblich ist. 1) Die Speise, der Fraß der wilden Schweine heißt bey den Jägern die Mast. Noch häufiger wird derjenige Fraß, wovon die zahmen Schweine in den Wäldern fett werden, die Mast, oder Mastung genannt. Die Holzmast, gewisse Baumfrüchte, wovon die Schweine fett und fleischig werden; im Gegensatze der Erd- oder Brutmast, d. i. der Maden und des Gewürmes, welches sie aus der Erde wühlen. Zur Holzmast gehören die Eichelmast, Buchmast, Kästen- oder Kastanienmast und Nußmast, d. i. Eicheln, Bucheicheln, Kastanien und Nüsse, so fern sie die Schweine fett machen. Die ganze oder volle Mast, wenn es eine reichliche Menge von Buch- und Eichelmast gibt; zum Unterschiede von der halben Mast. In einem andern Verstande wird zuweilen auch die Buchmast die halbe Mast oder Halbmast genannt, weil sie nur halb so gut mästet, als die Eichelmast. Es gibt dieß Jahr viel Mast, wenig Mast. Die Mast ist nicht gerathen. Die Mast besichtigen. Die Mast fängt an zu fallen. Von demjenigen Futter, womit Schweine und andere Thiere in und auf den Ställen gefüttert werden, ist es nicht üblich. 2) Die Handlung des Fettmachens der Schweine und aller übrigen zahmen Thiere, es geschehe nun vermittelst der vorigen Mast in den Wäldern, oder durch anderes Futter in dem Stalle. Schweine auf der Mast haben, sie auf dem Stalle mästen. Schweine in der Mast haben, sie in einem Holze fett werden lassen. Sie in die Mast nehmen, sie zu dem Ende in seine Waldung nehmen. Sie wieder aus der Mast nehmen. Sie in die Mast treiben. Ochsen auf der Mast haben. Gänse, Ochsen, Schweine auf die Mast stellen, sie in oder auf dem Stalle zu mästen. Die Gänsemast, die Handlung, da man Gänse mästet. Die Kapaunenmast. Auf der Mast liegen, in der niedrigen Sprechart auch von einer Person, welche ihren Leib durch reichliche und gute Nahrung, durch Müßiggang u. s. f. pfleget. Figürlich wird auch die Art und Weise, das Schlachtvieh zu mästen, die Mast genannt. Die Hausmast, die Mast des Viehes zu Hause, zum Unterschiede von der Holz- oder Waldmast. Die Viehmast, Herbstmast, Kapaunenmast u. s. f. Ingleichen die Zeit, zu welcher man das Vieh gemeiniglich auf die Mast zu stellen, oder in die Mast zu treiben pflegt.
   Anm. Im Engl. Mast, im Angels. Maest, im Dän. Madsk, im mittlern Lat. Pastusund Pastio, welche, wenn man die Verwechselung des p und m als zweyer Lippenlauter für nichts ungewöhnliches hält, zu Einem Geschlechte gehören. Bey dem Ottfried ist Maz Brot, Speise, im Schwed. Mat die Speise, Lettisch Maise, so wie maistan im Finnländ. mästen ist. Im Griech. ist μασθειν fressen, und μεσοειν anfüllen. Mahl in der Bedeutung der Speise ist nur in der Ableitungssylbe davon verschieden, S. 4. Mahl; noch näher aber ist damit unser Muß und Schmaus verwandt, S. dasselbe. Ehedem war auch das Bey- und Nebenwort mast, bey dem Notker masta, für fett üblich. S. Mastfleck, Mastfeder und Mastdarm. Der Begriff der Größe scheinet auch hier der Stammbegriff zu seyn, obgleich auch der Begriff des Kauens, des Zermalmens der Speise (S. Messer, Metzeln, Mahlen) Anspruch darauf machen kann.
 
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Der Mastbaum, des -es, plur. die -bäume, der Mast auf einem Schiffe, S. 1. Mast.
 
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Die Mástbūche oder Mástbuche, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Rothbüche, weil sie die zur Mast dienlichen Bucheicheln trägt; zum Unterschiede von der Weißbuche. S. Buche.

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Der Mastdarm, des -es, plur. die -därme, ein kurzer weiter Darm in den menschlichen und thierischen Körpern, welcher gerade hinunter bis an den After gehet, und zur Ausschaffung der unnützen Überbleibsel von den Speisen dienet; im Oberd. der Afterdarm, der Weidedarm, bey dem Raban Maurus im 8ten Jahrh. Crozdarm, der große Darm, im Nieders. Packdarm oder vielmehr Backdarm, von back, after, hinten, Angels. Baectharm, ingleichen der Pinken, Pinkel, Pinkendarm, an andern Orten der Schlackdarm, bey dem Pictorius der Wäckerling. Mast scheinet in diesem Worte das alte Beywort mast, fett, zu seyn, weil dieser Darm von außen mit vielem Fette bewachsen ist, daher er auch der fette Darm oder Fettdarm genannt wird. S. 2. Mast Anm.
 
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Die Masteiche, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Rotheiche; zum Unterschiede von der Steineiche, obgleich diese unter den gehörigen Umständen eben so gut Mast gibt als jene.
 
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Masten, verb. reg. act. von Mast, ein Mastbaum, welches nur in den zusammen gesetzten bemasten und entmasten üblich ist, S. dieselben.
 
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Mästen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, fett werden. Junge Schweine mästen nicht gut, werden nicht fett, lassen sich nicht gut mästen. 2. Als ein Activum, fett machen. 1) Von den Nahrungsmitteln, viel Fleisch und Fett geben. Die Bucheicheln mästen schlecht, machen die Schweine nicht so bald und nicht so gut fett. 2) Von der Person, welche Schlachtvieh durch Reichung des Futters fett macht. Schweine, Ochsen, Gänse, Kapaunen, Hühner mästen. Eine gemästere Gans. Sich mästen, sich durch Ruhe und überflüssige Nahrung fett machen. Daher die Mästung, welche mit der Mastung, welche mit der Mastung nicht zu verwechseln, S. das letztere.
   Anm. Bey dem Notker maston, mesten, im Dän. mädske, im Böhm. mastiti.

 

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