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Mäßig bis Māßofen (Bd. 3, Sp. 100 bis 102)
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Artikelverweis  Mäßig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Von Maß, die bestimmte Größe eines Dinges. 1) Dem Maße eines andern Dinges ähnlich, doch nur im figürlichen Verstande, dem andern Dinge gemäß, ähnlich, so wie es dessen Beschaffenheit, das Verhältniß zu demselben erfordert; in welcher Bedeutung es doch nur allein in Zusammensetzungen üblich ist, wo die Sache, welcher eine andere gemäß seyn soll, voran stehet. Pflichtmäßig, seiner Pflicht gemäß, schriftmäßig, regelmäßig, gesetzmäßig, heldenmäßig, kunstmäßig, rechtmäßig, zunftmäßig, bothmäßig u. s. f. der Schrift, der Regel, dem Gesetze u. s. f. gemäß, mit demselben übereinstimmig, und in dieser Übereinstimmung gegründet. Es leiden nicht alle Hauptwörter diese Zusammensetzung, indem einige die Ableitungssylben -haft, -isch und -lich hergebracht haben, daher man dem Gebrauche folgen muß, ob es gleich nicht ganz verwehret ist, neue Wörter dieser Art zu wagen. Alle, welche diese Zusammensetzung ertragen, leiden auch Hauptwörter auf -keit. Die Regelmäßigkeit, Pflichtmäßigkeit u. s. f. 2) Von Maß, ein bestimmtes Maß trockner und flüssiger Dinge. Ein mäßiger Krug, welcher ein Maß hält. Ein viermäßiger Topf, welcher vier Maß hält. Ein im Hochdeutschen fremder, oder doch nur in den gemeinen Sprecharten üblicher Gebrauch.
   2. Von Maße I. 1), das richtige Verhältniß der Größe oder Intension einer Sache. 1) Dem richtigen Verhältnisse gegen die Natur der Sache, gegen den Endzweck gemäß, gegen den Endzweck gemäß, dasselbe beobachtend, und darin gegründet; im Gegensatze des übermäßig und unmäßig. Mäßig gehen, laufen, tanzen. Sich mäßig freuen, mit Maße. Eine mäßige Freude. Ein mäßiges Urtheil von sich selbst fällen. Wo doch in vielen Fällen das Mittelwort gemäßigt üblicher ist, S. Adelung Mäßigen. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung in dem Genusse der Nahrungsmittel das richtige Verhältniß gegen ihren Endzweck oder gegen die Gesundheit beobachtend, und in dieser Beobachtung gegründet. Wenn der Magen mäßig gehalten wird, so schläft man sanft, Sir. 31, 23. Wer mäßig isset, der lebt desto länger, Kap. 37, 34. Ein Bischof soll mäßig seyn, 1 Tim. 3, 2. Mäßig leben. Ein mäßiges Tractament. 2) Für mittelmäßig, das Maß des Gewöhnlichen nicht übersteigend; im Gegensatze des übermäßig. Ein mäßiges Vermögen haben, ein mittelmäßiges. Er ist nur

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mäßig groß. Wenn ihm diese Sache nur māßig gelingen sollte. Es ist heute nur mäßig warm.
   Anm. In der zweyten Hauptbedeutung im Schwabenspiegel maezzig, bey den Schwäbischen Dichtern messelich, im Nieders. matelig, im Schwed. måttelig; bey dem Kero hingegen und Ottfried mit einer andern Ableitungssylbe mezhafti, mezhafto. Das ohne Noth verlängerte mäßiglich ist im Hochdeutschen veraltet. S. Adelung Mäßigkeit.
 
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Mäßigen, verb. reg. act. Maße geben, mäßig machen, den höhern Grad der Intension mildern. Ein Vernünftiger mäßiger seine Rede, Sprichw. 17, 27, er schränket sie ein, redet wenig. Eines Rechnung mäßigen, wofür im gemeinen Leben, sie moderiren üblich ist. Die Strafe mäßigen, wofür doch mildern gebräuchlicher ist. Ihre Aufrichtigkeit wird nie das Grab der Hochachtung, weil sie durch Bescheidenheit gemäßigt wird, Gell. Am häufigsten als ein Reciprocum. Sich mäßigen, seinen Begierden, seinen Neigungen Maße vorschreiben, sie nach der Vorschrift des Gesetzes, der Billigkeit, des Endzweckes u. s. f. einschränken. Sich im Essen und Trinken mäßigen. Seinen Zorn, seine Begierden, seine Ansprüche mäßigen. Sich nicht mäßigen können. Daher die Mäßigung, plur. inus. die Einschränkung seiner Neigungen und Begierden, die Beobachtung des gehörigen Verhältnisses gegen die Natur der Sache, des Endzweckes u. s. f. Auch das Mittelwort gemäßigt wird in manchen Fällen anstatt des Beywortes mäßig gebraucht. Eine gemäßigte Luft, welche weder zu kalt, noch zu warm ist. Ein gemäßigtes Urtheil von sich selbst fällen, ein durch die Selbsterkenntniß gehörig eingeschränktes Urtheil.
   Anm. Bey dem Kero mit einer andern Ableitungssylbe kemezlihan, bey dem Notker hingegen nur mezen, so wie es bey den Schwäbischen Dichtern massen und gemassen lautet, maßen, unmittelbar von Maße. Es kommt mit den Lat. moderare und mitigare überein.
 
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Die Mäßigkeit, plur. car. von dem Beyworte mäßig. 1. So fern dasselbe von Maß abstammet, wo alle mit -mäßig zusammen gesetzte Beywörter auch zu Hauptwörtern werden können, den Zustand der durch das Beywort bezeichneten Beschaffenheit anzudeuten. Die Pflichtmäßigkeit, Rechtmäßigkeit, Regelmäßigkeit u. s. f. 2. So fern dasselbe von Maße abstammet. 1) Der Zustand, da man mäßig ist, d. i. das richtige Verhältniß gegen die Natur der Sache, den Endzweck u. s. f. beobachtet, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit dieses Zustandes. Es wird hier nur in engerer Bedeutung von dieser Beobachtung des richtigen Verhältnisses im Gebrauche des sinnlichen Vergnügens, und im engsten Verstande, in dem Genusse der Nahrungsmittel gegen ihren Endzweck und die Gesundheit des Körpers gebraucht, da sie denn die Enthaltsamkeit, Keuschheit und Nüchternheit unter sich begreift. Die Maße bezeichnet dieses Verhältniß selbst, die Mäßigung die Beobachtung desselben, und Mäßigkeit den Zustand oder die Fertigkeit dieser Beobachtung. 2) In der weitesten Bedeutung, der Zustand, da eine Sache das Maß des Gewöhnlichen nicht übersteiget; in welcher Bedeutung es doch seltener vorkommt. Die Mäßigkeit der Kälte, des Reichthumes einer Person u. s. f.
 
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Die Māßkanne, plur. die -n, eine Kanne, welche ein Maß enthält, S. Adelung Maß II. 2. 2). So auch ein Maßkrug, Maßtopf u. s. f.
 
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Die Māßkunde, plur. inus. ein von einigen für Meßkunst, Geometrie, gebrauchtes Wort, welche andere Maßkunst, und einen Meßkünstler einen Maßkünstler nennen, S. Adelung Meßkunst. In engerer Bedeutung verstehen einige unter Maßkunde nur die theoretische Geometrie, welche von den Linien, Figuren und Körpern handelt; im Gegensatze der ausübenden oder praktischen Geometrie.

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Die Māßlade, plur. die -n, ein Werkzeug der Schuster in Gestalt einer kleinen Lade, welches aus vier in einander gefalzten Linealen bestehet, das Längenmaß des Fußes damit zu nehmen.
 
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Die Māßliebe, plur. die -n. 1. Ein Nahme der Maserle, S. dieses Wort. 2. Ein Nahme verschiedener wild auf den Wiesen wachsenden Pflanzen. 1) Der Bellis L. welche auch Gänseblume, Marienblümchen, Margarethenblümchen, Angerblümchen, Zeitlose, Gichtkraut u. s. f. heißt, und wovon einige Arten auch in den Gärten gebauet werden. Wenn die Maßlieben und die Ringelblume von meinem Grabe dir winken, Geßn. 2) Einer Art der Wucherblume, Chrysanthemum Leucanthemum L. welche auch großes Gänsekraut und Ochsenauge genannt wird. 3) Der Dotterblume, Caltha palustris L. welche auch unter dem Nahmen der Goldwiesenblume bekannt ist. 4) Bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches auch ein Staudengewächs des mittägigen Europa, welches an den höchsten Felsen wächst und auch Kugelblume genannt wird; Globularia alypum L.
   Da alle unter diesem Nahmen bekannte Pflanzen, die letzte ausgenommen, welche denselben bloß einer Ähnlichkeit wegen führet, auf unsern Wiesen einheimisch sind, so scheinet Maß hier so viel als Matte, Wiese, zu bedeuten, indem nichts gewöhnlicher ist, als daß in den Deutschen Mundarten t und s mit einander abwechseln; zumahl da die Dotterblume in einigen Gegenden ausdrücklich auch Mattenblume genannt wird, S. Adelung Matte. Aber wenn dieses Wort eine Art des Ahornes bezeichnet, so gehöret es zu Mase, Maser, und wird alsdann auch richtiger Masliebe geschrieben.
 
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Die Maßlocke, plur. die -n, dem Frisch zu Folge, ein in Schlesien üblicher Nahme einer Art Pilze mit kurzen Stielen, welche unten und oben gelb sind. Es scheinet ein Slavonisches Wort zu seyn.
 
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Die Māßnehmung, plur. die -en, S. Adelung Maßregel.
 
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Der Māßner, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, derjenige, welcher eine oder mehrere Maßen gemuthet hat, zum Unterschiede von einem Fundgrübner. S. Adelung Maße II.
 
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Der Māßofen, des -s, plur. die -öfen, eine im Hüttenbaue übliche Art Öfen zu Verschmelzung des Eisensteines, in welchem die Schmelzarbeit nach gewissen Feuerzeiten verrichtet wird, so daß ein solcher Ofen nur 24 Stunden gehet; zum Unterschiede von einem Flußofen oder hohen Ofen. Er hat den Nahmen vermuthlich von den verschiedenen Zeitmaßen, in welchen in einem solchen Ofen geschmelzet wird; oder von der mäßigern, d. i. langsamern Schmelzung.

 

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