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Durchláuchtig bis Dúrchlochen (Bd. 1, Sp. 1595 bis 1598)
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Artikelverweis  Durchláuchtig, adj. 1) * Glänzend, einen durchdringenden Glanz habend; welche Bedeutung aber längst veraltet ist.
   Owe suesser mund durlühtig rot,
   Gottfr. v. Nifen.
   Ir durlühtig roter mund,
   Markgr. Otto v. Brandenb. 2) * Berühmt, eine gleichfalls veraltete Bedeutung. Diß durchleuchtigost Werk der ganzen beyligen geschrisst genandt die Bibel, u. s. f. heißt es noch in der Nachschrift zweyer zwischen den Jahren 1470 und 1477 zu Augsburg gedruckten Deutschen Bibeln. 3) Gegenwärtig ist dieses Wort nur noch ein Ehrentitel fürstlicher Personen, welchen sie so wohl von höhern, als auch von ihres Gleichen und niedrigern Personen erhalten. Der Durchlauchtige oder Durchlauchtigste Fürst. Durchlauchtigster Herzog

[Bd. 1, Sp. 1596]


Durchlauchtigste Churfürstinn. Die Durchlauchtigsten Prinzen.
   Unterthanen und Privatpersonen gebrauchen das Adjectiv Durchlauchtig nur noch gegen neufürstliche Personen, obgleich auch diese, wenigstens von ihren Unterthanen, gemeiniglich den Superlativ Durchlauchtigst bekommen. Churfürsten, Herzoge und altfürstliche Personen werden von Geringern jederzeit im Superlativo, Könige und Kaiser aber mit Allerdurchlauchtigst angeredet.
   Was den Gebrauch dieses Titels von Höhern gegen Fürsten, und von diesen gegen einander selbst betrifft, so ist derselbe in dem Deutschen Reiche größten Theils durch Verträge oder durch das Herkommen festgesetzet. Der Kaiser, die Könige Europens, und die Churfürsten geben den meisten Reichsfürsten den Titel Durchlauchtig; nur der König von Preußen nennt die alten Fürsten kraft eines besondern Vertrages Durchlauchtigst. Die neuen Fürsten erhalten von den altfürstlichen Häusern gleichfalls nur den Titel Durchlauchtig.
   Den Superlativ Durchlauchtigst geben der Kaiser, die Churfürsten, und einige alte Fürsten den Königen; die Könige, und seit der Capitulation von 1711 auch der Kaiser, den weltlichen Churfürsten, ingleichen denjenigen geistlichen Churfürsten und Fürsten, welche geborne Fürsten sind. Die Reichsfürsten unter sich geben sich diesen Titel gleichfalls.
   In der ehrerbiethigen Schreibart werden Durchlauchtig und Durchlauchtigst zuweilen für fürstlich gebraucht. Es waren bey dieser Feyerlichkeit viele durchlauchtige Personen zugegen. Durchlauchtig für durchsichtig, ein durchlauchtiges Haus, ist ein niedriger Scherz.
   Anm. Dieser Titel ist nach dem Muster des Latein. Illustris und Illustrissimus gebildet, der so wie der Deutsche ehedem ein Beywort der Kaiser und Könige war; dagegen Fürsten nur Hochgeborne hießen. Erst 1659 verboth der Herzog vor Meklenburg-Schwerin seinen Unterthanen, ihn nicht mehr Hochgeboren, sondern Durchlauchtigst zu nennen. Ehe Durchlauchtig und Durchlaucht durch den Gebrauch mit Ausschließung anderer Ausdrücke eingeführet wurden, waren dafür auch klar und lauter, und im Abstracto Klarheit und Lauterkeit üblich, nach dem Muster des Lat. Serenus, Serenissimus und Serenitas. So wird in der im Jahre 1384 unterzeichneten Vorrede des Deutschen Nationale Erzherzog Albert III. von Österreich von dem Verfasser Ewr Clarhait und Ewr Lauterchait angeredet. S. auch Erlaucht. Durchläuchtig und Durchleuchtig kommen zwar der Abstammung von durchleuchten näher, sind auch in einigen Gegenden wirklich üblich; allein in den Kanzelleyen und in den meisten Hochdeutschen Schriften hat doch die alte Oberdeutsche Form noch immer den Vorzug behalten.
 
Artikelverweis 
Durchlauchtigkeit, S. Adelung Durchlaucht.
 
Artikelverweis Der
Dúrchlauf, des -es, plur. die -läufe. 1) Der Zustand, da ein Körper, besonders ein flüssiger Körper, durch einen Ort, durch eine Öffnung läuft; ohne Plural. Besonders diejenige Krankheit, welche auch der Durchfall genannt wird; S. dieses Wort. Im gemeinen Leben beleget man zuweilen auch die gefährlichern Arten derselben, dergleichen die Ruhr ist, mit diesem Nahmen. Schon 1479 wird in Oberdeutschland Rür durch Durchlauf erkläret. In Niedersachsen heißt der Durchlauf Loop, Lauf, böse Flete, böser Fluß, und im Scherze schnelle Katherine. 2) Zuweilen auch der Ort, durch welchen ein Körper läuft.
 
Artikelverweis 
Durchlaufen, verb. irreg. S. Adelung Laufen.
   Dúrchlaufen, ich laufe durch, durchgelaufen. Es ist, 1. ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, durch einen Ort laufen. Er hielt sich nicht auf, er lief nur durch. Das Wasser läuft unter der Brücke durch. 2. Ein Activum.

[Bd. 1, Sp. 1597]


1) Durch vieles Laufen zerreißen. Er hat die Schuhe ganz durchgelaufen. 2) Von einem Ende bis zum andern laufen. Er liefe wohl die ganze Welt durch. Ingleichen figürlich, flüchtig in Gedanken nach allen einzelnen Theilen betrachten. Ein Buch, eine Rechnung durchlaufen, flüchtig durchlesen.
   Durchláufen. Ich durchlaufe, durchlaufen; ein Activum, welches der höhern Schreibart eigen ist. 1) Von einem Ende bis zum andern laufen. Auf den Befehl ihres Schöpfers durchlaufen die Himmelskörper die ihnen bestimmten Kreise. Ingleichen, 2) figürlich, mit flüchtigem Blicke betrachten. Dürre Reiser brannten vor ihm in hellen Flammen, indeß, daß er einsam ins Gras gestrecket, mit irrenden Blicken den Himmel durchlief, Geßn. Ich kann mit meinen Gedanken alle Geschichte aller Jahrhunderte durchlaufen. Ohne das schwarze Register meiner Beleidigungen zu durchlaufen, Dusch. Aber, lauf einmahl dein Leben durch, wie eben derselbe an einem andern Orte sagt, für durchlauf einmahl dein Leben, ist für die edlere Schreibart zu niedrig. 3) Durch etwas laufen. Der Fluß durchläuft die Stadt. Erbeben durchlief die Natur.
   Der Schrecken, welcher mich mit kalter Angst durchläuft,
   Weiße.
 
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Durchläútern, verb. reg. act. Ich durchläutere, durchläutert; durch und durch läutern, in der höhern Schreibart. Die Rede des Herren ist lauter, wie durchläutert Silber, Ps. 12, 7. Gold, das mit Feuer durchläutert ist, Offenb. 3, 18.
 
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Durchlêben, verb. reg. act.
   Dúrchleben. Ich lebe durch, durchgelebt; lebend zurück legen. Wie glücklich sind wir, daß wir nach dem ordentlichen Laufe der Natur den größten Theil unserer Jahre schon durchgelebt haben! Raml.
   Gebeugt vom Schnee viel durchgelebter Jahre,
   Schleg. Durchlében. Ich durchlebe, durchlebt; in der vorigen Bedeutung, nur in der höhern Schreibart.
   Dieß ist der Tag, die Zier der Zeit,
   Wohlan, den lasset uns durchleben,
   Mit Lust und voller Fröhlichkeit,
   Opitz Ps. 118.
   Einsam in Zimmern, zufrieden mit sich, durchlebte sie Tage,
   Nicht vom Neide getrübt,
   Zachar.
 
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Durchlêsen, verb. irreg. act. S. Adelung Lesen.
   Dúrchlesen. Ich lese durch, durchgelesen; von einem Ende bis zum andern lesen. Einen Brief, ein Buch durchlesen. Daher die Durchlesung.
   Durchlésen. Ich durchlese, durchlesen; wie das vorige, in der höhern Schreibart. Seufzend durchlas er den Brief.
 
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Durchleuchten, verb. reg.
   Dúrchleuchten. Ich leuchte durch, durchgeleuchtet. 1) Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben: sein Licht durch etwas scheinen lassen, durchscheinen, doch nur in figürlicher Bedeutung, deutlich erkannt werden. Die Schmeicheley war zu plump, und die erkünstelte Miene leuchtete überall durch. Überall leuchten Eitelkeit und Selbstruhm durch. 2) Ein Activum, mit Vorhaltung des Lichtes durch einen Ort begleiten. Ich will sie durchleuchten, durch den Gang u. s. f.
   Durchleúchten. Ich durchleuchte, durchleuchtet; ein Activum, durch und durch erleuchten, alle Theile helle machen, in der höhern Schreibart.
   Diu minnekliche
   Min herze uf durh liuhtet hat,
   Kristan von Hamle.
 
Artikelverweis 
Durchleuchtig, S. Adelung Durchlauchtig.

[Bd. 1, Sp. 1598]



 
Artikelverweis 
Dúrchliegen, verb. irreg. act. S. Adelung Liegen. Ich liege durch, durchgelegen, wund liegen, im gemeinen Leben. Der Kranke hat sich ganz durchgelegen.
 
Artikelverweis 
Dúrchlochen, verb. reg. act. Ich loche durch, durchgelochet; bey den Eisen- und Metallarbeitern, mit einem Eisen ein Loch durch ein Metall schlagen, im Gegensatze des Durchbohrens. Daher die Durchlochung.

 

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