Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Durchkriechen bis Dúrchlauf (Bd. 1, Sp. 1594 bis 1596)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Durchkriechen, verb. irreg. S. Adelung Kriechen.
 
Artikelverweis 
Dúrchkriechen. Ich krieche durch, durchgekrochen; ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, durch eine

[Bd. 1, Sp. 1595]


Öffnung kriechen. Das Loch ist zu klein, es kann keine Maus durchkriechen. Sie ist schon durchgekrochen.
 
Artikelverweis 
Durchkríechen. Ich durchkrieche, durchkrochen; ein Activum. Alle Winkel durchkriechen, in alle Winkel kriechen. Er hat alles durchkrochen, in einer niedrigen Figur, er hat alles durchsucht, alles durchgrübelt.
 
Artikelverweis 
Durchláchen, verb. reg. act. Ich durchlache, durchlacht; in der poetischen Schreibart, mit Lachen hinbringen. Die Zeit durchlachen, Zachar.
 
Artikelverweis 
Dúrchlängen, verb. reg. act. Ich länge durch, durchgelängt; im Bergbaue, der Länge nach durchhöhlen. Ein Feld mit Örtern durchlängen, nach vorliegenden Gängen arbeiten. So auch die Durchlängung.
 
Artikelverweis Der
Dúrchlaß, des -sses, plur. die -lässe. 1) Die Handlung des Durchlassens, ohne Plural. Noch mehr aber, 2) verschiedene Maschinen, andere Körper durch dieselben laufen zu lassen, und sie dadurch entweder zu reinigen, oder auf andere Art zu bearbeiten. So wird im gemeinen Leben auch das schräge stehende Sieb, Getreide, Sand, Erde u. s. f. dadurch zu werfen, ein Durchlaß genannt. In den Pochwerken ist der Durchlaß ein länglicher Kasten, der oben ein Gefälle hat, das Erz in demselben zu säubern, ingleichen das Grobe von dem Kleinen zu scheiden. In den Münzen ist es eine Maschine, die Silberzaine dünner zu walzen, welches auch das Streckwerk genannt wird.
 
Artikelverweis 
Dúrchlassen, verb. irreg. act. S. Adelung Lassen. Ich lasse durch, durchgelassen; durchgehen lassen, durchlaufen lassen, durchfließen lassen. 1) So fern lassen bloß verstatten bedeutet. Das Thor war verschlossen, und man wollte uns nicht durchlassen. Hier wird niemand durchgelassen. Leder läßt keine Feuchtigkeit durch, d. i. durchfließen. 2) So fern lassen eine mehrere Thätigkeit mit einschließet. Erze durchlassen, in den Schmelzhütten, sie durch den Ofen gehen lassen, d. i. sie ausschmelzen. Auf ähnliche Art sagt schon Opitz:
   Vor alles Gold, so fein und durchgelassen,
   Ps. 119, V. 64; obgleich dieses Zeitwort von dem Golde nicht gebräuchlich ist Getreide, Sand durchlassen, es durch den Durchlaß werfen, um es zu reinigen. Silberzaine durchlassen, in den Münzen, sie in dem Durchlaß dünner walzen. So auch die Durchlassung.
 
Artikelverweis 
Dúrchlaucht, das Abstractum des folgenden Adjectives, welches von chur- und fürstlichen Personen ohne Artikel gebraucht wird. Se. Churfürstliche Durchlaucht haben befohlen u. s. f. oder des Churfürsten von Baiern Durchlaucht haben befohlen u. s. f. Ew. Herzogliche Durchlaucht geruhen u. s. f. Ihre Durchlaucht, die Herzoginn. Von mehrern durchlauchtigen Personen gebraucht man auch den Plural, Durchlauchten. Der Herzoge von Sachsen Durchlauchten. Ihre Durchlauchten die Herzoge von Sachsen. Im Oberdeutschen ist statt dieses Wortes auch Durchlauchtigkeit üblich, welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich klinget, ob es gleich manchen Hochdeutschen Kanzelleyen so fremd eben nicht ist.
 
Artikelverweis 
Durchláuchtig, adj. 1) * Glänzend, einen durchdringenden Glanz habend; welche Bedeutung aber längst veraltet ist.
   Owe suesser mund durlühtig rot,
   Gottfr. v. Nifen.
   Ir durlühtig roter mund,
   Markgr. Otto v. Brandenb. 2) * Berühmt, eine gleichfalls veraltete Bedeutung. Diß durchleuchtigost Werk der ganzen beyligen geschrisst genandt die Bibel, u. s. f. heißt es noch in der Nachschrift zweyer zwischen den Jahren 1470 und 1477 zu Augsburg gedruckten Deutschen Bibeln. 3) Gegenwärtig ist dieses Wort nur noch ein Ehrentitel fürstlicher Personen, welchen sie so wohl von höhern, als auch von ihres Gleichen und niedrigern Personen erhalten. Der Durchlauchtige oder Durchlauchtigste Fürst. Durchlauchtigster Herzog

[Bd. 1, Sp. 1596]


Durchlauchtigste Churfürstinn. Die Durchlauchtigsten Prinzen.
   Unterthanen und Privatpersonen gebrauchen das Adjectiv Durchlauchtig nur noch gegen neufürstliche Personen, obgleich auch diese, wenigstens von ihren Unterthanen, gemeiniglich den Superlativ Durchlauchtigst bekommen. Churfürsten, Herzoge und altfürstliche Personen werden von Geringern jederzeit im Superlativo, Könige und Kaiser aber mit Allerdurchlauchtigst angeredet.
   Was den Gebrauch dieses Titels von Höhern gegen Fürsten, und von diesen gegen einander selbst betrifft, so ist derselbe in dem Deutschen Reiche größten Theils durch Verträge oder durch das Herkommen festgesetzet. Der Kaiser, die Könige Europens, und die Churfürsten geben den meisten Reichsfürsten den Titel Durchlauchtig; nur der König von Preußen nennt die alten Fürsten kraft eines besondern Vertrages Durchlauchtigst. Die neuen Fürsten erhalten von den altfürstlichen Häusern gleichfalls nur den Titel Durchlauchtig.
   Den Superlativ Durchlauchtigst geben der Kaiser, die Churfürsten, und einige alte Fürsten den Königen; die Könige, und seit der Capitulation von 1711 auch der Kaiser, den weltlichen Churfürsten, ingleichen denjenigen geistlichen Churfürsten und Fürsten, welche geborne Fürsten sind. Die Reichsfürsten unter sich geben sich diesen Titel gleichfalls.
   In der ehrerbiethigen Schreibart werden Durchlauchtig und Durchlauchtigst zuweilen für fürstlich gebraucht. Es waren bey dieser Feyerlichkeit viele durchlauchtige Personen zugegen. Durchlauchtig für durchsichtig, ein durchlauchtiges Haus, ist ein niedriger Scherz.
   Anm. Dieser Titel ist nach dem Muster des Latein. Illustris und Illustrissimus gebildet, der so wie der Deutsche ehedem ein Beywort der Kaiser und Könige war; dagegen Fürsten nur Hochgeborne hießen. Erst 1659 verboth der Herzog vor Meklenburg-Schwerin seinen Unterthanen, ihn nicht mehr Hochgeboren, sondern Durchlauchtigst zu nennen. Ehe Durchlauchtig und Durchlaucht durch den Gebrauch mit Ausschließung anderer Ausdrücke eingeführet wurden, waren dafür auch klar und lauter, und im Abstracto Klarheit und Lauterkeit üblich, nach dem Muster des Lat. Serenus, Serenissimus und Serenitas. So wird in der im Jahre 1384 unterzeichneten Vorrede des Deutschen Nationale Erzherzog Albert III. von Österreich von dem Verfasser Ewr Clarhait und Ewr Lauterchait angeredet. S. auch Erlaucht. Durchläuchtig und Durchleuchtig kommen zwar der Abstammung von durchleuchten näher, sind auch in einigen Gegenden wirklich üblich; allein in den Kanzelleyen und in den meisten Hochdeutschen Schriften hat doch die alte Oberdeutsche Form noch immer den Vorzug behalten.
 
Artikelverweis 
Durchlauchtigkeit, S. Adelung Durchlaucht.
 
Artikelverweis Der
Dúrchlauf, des -es, plur. die -läufe. 1) Der Zustand, da ein Körper, besonders ein flüssiger Körper, durch einen Ort, durch eine Öffnung läuft; ohne Plural. Besonders diejenige Krankheit, welche auch der Durchfall genannt wird; S. dieses Wort. Im gemeinen Leben beleget man zuweilen auch die gefährlichern Arten derselben, dergleichen die Ruhr ist, mit diesem Nahmen. Schon 1479 wird in Oberdeutschland Rür durch Durchlauf erkläret. In Niedersachsen heißt der Durchlauf Loop, Lauf, böse Flete, böser Fluß, und im Scherze schnelle Katherine. 2) Zuweilen auch der Ort, durch welchen ein Körper läuft.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: