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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
2. Dunkel bis Dünnstein (Bd. 1, Sp. 1574 bis 1578)
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Artikelverweis  2. Dunkel, -er, -ste, adj. et adv. 1. Eigentlich, schwärzlich, ein wenig schwarz. In dieser längst veralteten Bedeutung wird es nur noch von den Farben gebraucht, im Gegensatze des hell. Eine dunkele Farbe. Die Farbe ist sehr dunkel. Der Zeug ist für mich zu dunkel. So auch in den Zusammensetzungen dunkelblau, dunkelgelb, dunkelroth, dunkelgrün. Die Gemählde werden mit der Zeit dunkel, wenn ihre Farben dunkeler werden; S. Nachdunkeln. Dunkel halten, bey den Mahlern, eine dunklere Farbe geben; Franz. rembrunir. 2. Figürlich. 1) Des Lichtes beraubt, finster. Ein dunkeles Zimmer. Ein Zimmer dunkel machen. Ich sitze nicht gerne im Dunkeln. Wie ein Blinder tappet im Dunkeln, 5. Mos. 28, 29. Oft auch nur in so weit des Lichtes beraubet, daß man die Gegenstände nicht gehörig unterscheiden kann. Es fängt an, dunkel zu werden. Ein dunkeler Wald. Eine dunkele Wolke. Dunkele Schatten. Ein dunkeler Körper, welcher nur durch Hülfe leuchtender Körper gesehen werden kann. 2) Trübe, von solchen Gegenständen, welche den Lichtstrahlen den freyen Durchgang verhindern. Dunkeles Wetter. Ein dunkeler Tag. Ein dunkeles Glas. Isaacs Augen wurden dunkel, 1 Mos. 27, 1, sie ließen nicht Lichtsrahlen genug durch, daher auch seine Kraft zu sehen geschwächt wurde. 3) Unkenntlich. Meine Gestalt ist dunkel worden für Trauren, Hiob 17, 7, welche Bedeutung doch ungewöhnlich ist. 4) Unbekannt. Er öffnet die finstere Gründe und bringet heraus das Dunkel an das Licht, Hiob 12, 22. Seine Abkunft ist sehr dunkel. Ein Mensch von dunklem Herkommen. Ingleichen ungewiß. Das Gegenwärtige sehen wir wohl, aber die Zukunft ist uns dunkel. Der Erfolg ist noch sehr dunkel. 5) Der nöthigen Klarheit beraubt. Dunkele Worte, eine dunkele Rede, deren Sinn uns unverständlich ist, in welcher wir das Mannigfaltige nicht gehörig unterscheiden können. Ein dunkeler Begriff, der nicht hinreicht, die Sache von allen andern zu unterscheiden; im Gegensatze des klaren. Er schreibt sehr dunkel. Das Räthsel ist mir zu dunkel. Aus einer dunkelen Ahndung flossen meine Thränen. 6) Unberühmt. Im Dunkeln leben. Hier in dieser einsamen Wüste soll mein dunkeles Leben ungesehn dahin fließen. Ohne über die Hütte zu seufzen, worein ich dein dunkeles Schicksal gesteckt, Dusch.
   Wenn unsre Thaten uns nicht aus dem Dunkeln heben,
   Was für ein Unterschied ist leben und nicht leben?
   Schleg. 7) Einige Sprachlehrer haben auch das hohe e, das e fermé der Franzosen, wie es in der ersten Sylbe der Wörter gehen, stehen, ausgesprochen wird, ein dunkeles e genannt, obgleich nicht abzusehen ist, aus was für einem Grunde. Andere belegen das tiefe e oder e ouvert der Franzosen, welches in der Aussprache dem ä gleicht, wie es in den ersten Sylben der Wörter leben, geben, lautet, mit diesem Nahmen, und diese haben noch einigen Grund für sich, weil dunkel auch von einem Tone gebraucht werden könnte, den man nicht hinlänglich von andern Tönen unterscheiden kann. S. Adelung E.

[Bd. 1, Sp. 1575]



   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort tunkel, bey dem Ottfried dunkal, bey dem Notker tunchel, in dem Fragmente eines Gedichtes auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter tunker, im Dän. und Schwed. dunkel. Das n ist der gewöhnliche Begleiter der Kehlbuchstaben in den nieselnden Mundarten. Dunkel ist daher einerley mit dem alten Fränkischen doggen, dougen, bey dem Tatian dougli, im Angels. doc, dunkel, finster, und figürlich heimlich, verborgen. Tökn bedeutet im Schwedischen, wie Taage im Dänischen, und Thoku im Isländischen den Nebel, Dunst. Daß dieses Wort anfänglich vermuthlich schwarz bedeutet habe, erhellet aus dem Isländ. daukr, schwarz, dokna, schwarz werden, und aus dem Wallis. du, schwarz. S. Adelung Finster und Düster.
 
Artikelverweis Das
Dunkel, subst. indecl. plur. car. das vorige Beywort, in der adverbischen Gestalt, als ein Hauptwort gebraucht, die Dunkelheit. Es wird am häufigsten ohne Artikel gebraucht. Und war da Finsterniß, Wolken und Dunkel, 5 Mos. 5, 11. Finsterniß und Dunkel müssen ihn überwältigen, Hiob 3, 5. Ich kleide den Himmel mit Dunkel, Es. 50, 3. Dunkel war unter seinen Füßen, Ps. 18, 10. Zuweilen aber auch mit dem Artikel. Ihr seyd nicht kommen zu dem Dunkel und Finsterniß, Ebr. 12, 18. Die Nacht müsse ein Dunkel einnehmen, Hiob 3, 6. Im Hochdeutschen wird dieses Hauptwort wenig mehr gebraucht. Nur die Dichter erhalten es noch zuweilen im Andenken.
   O, welch Geheimniß
   Und welches Dunkel herrscht rings um uns her!
   Schleg. Man verwechsele es nicht mit dem Neutro des Adjectivs, wenn dieses substantive gebraucht wird, das Dunkele.
 
Artikelverweis Die
Dunkelheit, plur. die -en, 1. Der Zustand, nach welchem eine Sache dunkel ist; ohne Plural. 1) Die Abwesenheit des Lichtes. Die Dunkelheit der Nacht. Es war eine fürchterliche Dunkelheit. 2) Derjenige Zustand durchsichtiger Körper, in welchem sie nicht allen Lichtstrahlen den Durchgang verstatten. Die Dunkelheit der Witterung, eines Glases. Die Dunkelheit der Augen. 3) Ungewißheit.
   Das Schicksal der zukünftgen Zeit
   Umhüllet Gott mit Dunkelheit,
   Giseke. 4) Abwesenheit der Klarheit und Verständlichkeit. Die Dunkelheit einer Rede, eines Ausspruches, eines Satzes, diejenige Beschaffenheit derselben, da man das Mannigfaltige in denselben nicht gehörig unterscheiden kann. Die Dunkelheit eines Begriffes. 5) Ein unberühmter Zustand. In der Dunkelheit leben. Ich und du hätten uns in der Dunkelheit von unserm Fleiße genähret, Weiße. Wenn man König gewesen ist, und es nicht mehr ist, so kann man durch nichts als Ruhe und Dunkelheit entschädiget werden. 2. Eine dunkele, d. i. unverständliche, undeutliche Sache. Ich habe viele Dunkelheiten in dieser Schrift gefunden, viele dunkele Stellen. Klären sie die fürchterlichen Dunkelheiten auf.
 
Artikelverweis 
Dunkeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber im Hochdeutschen wenig gebräuchlich ist, dunkel werden. Die Sonne geht unter und es fängt an zu dunkeln. Nicht lange wird mein dunkelnder Blick euch Gefilde durchirren, Geßn. Ehedem war dieses Verbum, bey dem Notker und Tatian tunchelen, auch in der thätigen Form üblich. Allein dafür ist nun verdunkeln eingeführet; S. dieses Wort.
 
Artikelverweis 
Dünken, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, oft aber auch unpersönlich gebraucht wird. Es bedeutet, 1. * Denken; von welcher längst veralteten Bedeutung noch in ältern Schriften einige Spuren vorkommen. Ingleichen erinnern.
   Es dünkt mich ja noch gut der ersten Kinder Spiele,
   Günth. d. i. ich erinnere mich ihrer noch gar wohl. Auch dieser Gebrauch ist im Hochdeutschen fremd. 2. Den äußern Sinnen vorkommen, ein Urtheil der äußern Sinne veranlassen, scheinen. 1) Als ein persönliches Zeitwort. Er thunket uzen gruone, er scheinet von außen grün, in dem Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter. Wan mich das sehen dunket also guot, Rudolph von Niuwenburg. Die Blumen dünken mich schöner, sie riechen lieblicher, die ich in meinem Körbchen trage, Geßn. Er sah mich und ich dünkt' ihm schön, Weiße. 2) Als ein unpersönliches Zeitwort, mit der vierten Endung der Person. Mich dünkt ich sehe ihn kommen. Es dünket dich nur so. Dann dünkts mich, ich sehe die Schatten vorüber gleiten, Dusch. 3. Ein muthmaßliches Urtheil veranlassen, auch nach den innern Sinnen, gleichfalls für scheinen. 1) Persönlich. Die in dunchen sollten, Notker. Thaz thunkit mih girati, das scheinet mir rathsam, Ottfried.
   Je doch so weis ich einen man
   Den ouch die selben frowen dunkent guot,
   Heinrich von Morunge. Ingleichen mit dem Verbo lassen. Und ließ sich wohl dünken, es bedeutete nicht Gutes, 2 Macc. 14, 30. Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift sage umsonst u. s. f. Jac. 4, 5. Laß dichs nicht schwer dünken, daß du ihn frey los giebest, 5 Mos. 15, 18. Noch häufiger gebraucht man es in dieser Bedeutung, 2) unpersönlich. Thaz mih ni thunkit, Ottfr. Waz inan thesses thunke, was ihn davon dünkte, ebend. Waz tunchet iu umbe Christ? was dünket euch von Christo? ebend. Eben so heißt es auch in Luthers Übersetzung, Matth. 22, 42: Wie dünket euch um Christo?
   Es dunket mich Unselicheit
   Das ich, u. s. f.
   Reinmar der Alte.
   Es dunket mich wol tusent iar
   Das ich an liebes arme lag,
   Dietmar von Ast. Es dünket mich unmöglich. Was dünket euch hiervon? Aber es wird sie solch Wahrsagen falsch dünken, Ezech. 21, 23. 4. Dafür halten, aus wahrscheinlichen Gründen urtheilen. Ich dunch mich niht ir selben wert, Graf Wernher von Houberg. Es gehet mir wohl wie es mein Herz dünkt, 5 Mos. 29, 19.
   Die Menschenliebe versaget ihre Hülfe auch denen nicht, von denen wir uns beleidiget dünken, Dusch. Wenn es in diesem Verstande unpersönlich gebraucht wird, so gehöret es zur vorigen Bedeutung. Zuweilen wird auch der Infinitiv als ein Hauptwort gebraucht. Daß ihr nicht eures Herzens Dünken nach richtet, 4 Mos. 15, 39. Jene haben uns gezüchtiget nach ihrem Dünken, Ebr. 12, 10.
   Doch man muß nach meinem Dünken jetzt auch lustig seyn,
   Haged. Im Hochdeutschen kommt dieses Hauptwort nur selten vor. S. auch Bedünken. 5. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort von der Meinung, welche man von sich selbst, von seinen eigenen Vorzügen hat. Ein Fauler dünket sich weiser, denn sieben, die da Sitten lehren, Sprichw. 26, 16. Die zu Theman, die sich klug dünken, Bar. 3, 22, die sich selbst klug scheinen, sich für klug halten. Muß er sich nicht von besserm Stoffe dünken, als die andern? Du dünkest dich unglücklich, Dusch. Jeder dünkt sich ein eigener König einer kleinen Welt, ebend. wo der Nominativ, ein König, ganz richtig ist, weil zu seyn ausgelassen worden. Es ist daher ein Fehler, wenn eben derselbe in einer andern Stelle sagt: Der Thor, der sich einen König dünkte, ist ein Sclav geworden. Er dünkt sich recht klug zu seyn, Gell. Ich dünke mich hierüber verständlichere

[Bd. 1, Sp. 1577]


Dinge gesagt zu haben, als irgend ein Schriftsteller, Less. Ob es gleich in der ersten Person seltener gebraucht wird.
   Und weil er fühllos ist, dünkt er sich groß zu seyn,
   Gieseke.
   Die dünken sich kein schlechtes Vieh,
   Haged. Ingleichen mit dem Verbo lassen. Laß dich nicht klug dünken, Sir. 6, 2. Er läßt sich etwas dünken, er hat eine große Meinung von sich selbst.
   Dünken läßt zwar den Grund und Ungrund der Meinung, die man von sich hat, eigentlich unentschieden; allein es hat doch in dieser Bedeutung in den meisten Fällen den Nebenbegriff einer ungegründeten, wenigstens übertriebenen Meinung; S. Adelung Dünkel, in welchem Worte dieser Nebenbegriff der herrschende ist.
   Anm. 1. Wenn dieses Zeitwort den Infinitiv nach sich hat, so bekommt dieser im Hochdeutschen das Wörtchen zu. Das dünket mich theuer zu seyn. Allein im Oberdeutschen lässet man dieses zu häufig weg. Ir dünkt mich nit fast witzig seyn, H. Sachs. Welches auch Luther mehrmahls nachgeahmet hat. Dünket euch das ein geringes seyn? 1 Sam. 18, 23. Ists nicht also, es dünket euch nichts seyn? Hagg. 2, 4. Dünket sie solches unmöglich seyn? Zachar. 8, 6. Die Glieder des Leibes, die uns dünken die schwächsten seyn, 1 Cor. 12, 22. Das dünkt mich gar viel besser seyn Opitz. Indessen ist die ganze Wortfügung mit dem Infinitive im Hochdeutschen, wenigstens in der edlern und anständigern Sprechart, ungewöhnlich.
   Anm. 2. Aus den bisher angeführten Beyspielen erhellet, daß dieses Wort am häufigsten mit der vierten Endung der Person gebraucht werde. Indessen gibt es doch auch Beyspiele mit der dritten. So imo rat thunkit, sagt selbst Ottfried ein Mahl, der es doch sonst jederzeit mit dem Accusative verbindet. Thaz dunchet dir, Notker. Vnde mir diz fure nieht ne dunke, ebend. Sie dunket mir glich, Willeram. Den twen dunket, in einer Nieders. Urkunde von 1377. Einem jeglichen dünket seine Wege rein seyn, Sprichw. 16, 2. Kap. 21, 2. Ein jeglicher, was ihm recht dünket, 5 Mos. 12, 8. Hier dünket es einem gelehrten Manne, sagt selbst Gottsched, der doch dünken nie anders als mit dem Accusative wollte verbunden wissen. Die Versicherung wird dir parteyisch dünken, Dusch. Wie lange dünken dir achtzehen Sommer? ebend. Dünkt dir die Zeit so lange? ebend. Vielleicht rühret dieser Dativ aus eben der Ursache her, aus welcher auch däuchten zuweilen mit dieser Endung gefunden wird; nehmlich weil die Schriftsteller durch das Latein. videtur mihi dazu verleitet worden.
   Anm. 3. Bey dem Verbo däuchten ist bereits angemerket worden, daß dünken bloß der Mundart nach von diesem Worte verschieden ist. Das n schleicht in mehrern Wörtern sehr gerne vor den Kehl- und Hauchbuchstaben her, wie in dunkel. Im Schwedischen lautet dieses Wort noch jetzt tycka, welches mit dünken alle Bedeutungen gemein hat. S. Adelung Däuchten und Denken.
 
Artikelverweis 
Dünn, -er, -este, adj. et adv. welches von einer Art der körperlichen Ausdehnung gebraucht, und dem, was dick ist, entgegen gesetzet wird. 1. Eigentlich, eine geringe Dicke habend, aus wenig über einander befindlichen Theilen bestehend, folglich auch in dieser Art der Ausdehnung einen kleinen Raum einnehmend. Ein dünnes Bret. Ein dünner Draht. Der Faden ist sehr dünn. Dünne Ohren haben, leise hören, ist eben so niedrig, als eine dünne Nase, einen feinen Geruch, haben. 2. Figürlich. 1) Abgetragen, im gemeinen Leben. Die Leinwand, das Zeug wird sehr dünn. 2) Aus wenig und weit von einander entfernten Theilen bestehend; gleichfalls im Gegensatze des dick und dicht. Luft ist dünner als Wasser, weil sie in einerley Raum weniger Materie enthält. Sehr dünne Haare haben.

[Bd. 1, Sp. 1578]


Doch wird es hier am häufigsten als ein Adverbium gebraucht. Der Wald ist sehr dünn geworden. Das Gras, das Getreide stehet hier sehr dünn. Die Vorzüge sind bey ihnen sehr dünn gesäet. Wir sind fast dünne worden, Ps. 79, 8. Ich mache die Gottlosen dünne, wo sie sind, Hiob 40, 7, ich vermindere sie, mache sie selten. Besonders, 3) wegen der geringern Menge der über einander befindlichen Theile einen geringern Zusammenhang habend. Eine dünne Leinwand, welche locker gewebt ist. Besonders, 4) von flüssigen Körpern. Dünnes Blut. Dünnes Bier. Die Milch, die Tinte ist zu dünn. Dünne Luft. Ein dünner Nebel lag wie durchsichtiger Flor über der stillen Fläche, Dusch. * Durch dick und dünn, durch Sümpfe und Moräste.
   Anm. Dieses Wort lautet im Nieders. dunn, bey dem Kero dunna, im Schwabensp. dunn, im Angels. thyn, im Engl. thin, im Isländ. thunnur, im Schwed. tunn, im Wallis. tene, im Bretagn. tanao, im Irländ. tana, im Pers. tend, im Slavon. tenky, im Latein. tenuis, im Griech. τυννος. Es gehöret ohne Zweifel zu dehnen, und dessen Neutro, dem noch im Nieders. üblichen Zeitworte dunen, aufschwellen. S. Adelung Dunst und Aufdunsen. Ehedem hatte man auch das Zeitwort dunnen, dünn werden, welches bloß das Intensivum von dunen ist. Dünne, mit dem angehängten e, ist unnöthig, ungeachtet solches oft in der Deutschen Bibel vorkommt. Im Oberdeutschen ist dünn auch niedrig, seicht. Das Wasser des Flusses ist so dünn, d. i. seicht, Bluntschli. Übrigens wird dieses Wort im gemeinen Leben mit vielen Bey- und Nebenwörtern zusammen gesetzet, ihre dünne Beschaffenheit anzuzeigen, die hier nicht alle angeführet werden dürfen; z. B. dünnbärtig, dünnleibig, dünnflüssig, dünnstämmig, dünnbäuchig, u. s. f.
 
Artikelverweis Die
Dünne, plur. die -n, das Hauptwort des vorigen Beywortes. 1) Die dünne Beschaffenheit eines Körpers, ohne Plural; in den Monseeischen Glossen Thunni, in welcher Bedeutung es aber wenig vorkommt, doch vielleicht noch öfter, als die von andern statt dessen gewagten Dünnheit und Dünnigkeit. 2) Gewisse dünnere Theile des menschlichen und thierischen Körpers. So werden die Schläfe am Haupte in einigen Gegenden die Dünnen, in andern aber die Dünnungen, Dünningen, genannt, welche schon bey dem Raban Maurus die Thunuuengin, die Dünnwangen, im Schwed. aber Tinning heißen. Andere, doch auch nur gemeine Mundarten, nennen den dünnern und weichern Theil zu beyden Seiten des Leibes unter den Rippen an Menschen und einigen Thieren, welcher im gemeinen Leben auch die Weichen, an den Pferden die Flanken, und bey den Jägern die Flähmen heißt, die Dünne, oder Dünnung, wofür Opitz das Dünne gebraucht.
   Dem hast du seinen Leib am Dünnen aufgerissen,
   Opitz.
 
Artikelverweis Das
Dünneisen, des -s, plur. von mehrern Arten ut nom. sing. in den Blechhämmern, die schwächste und dünnste Art Bleche, welche meisten Theils verzinnet, und von den Klempenern verarbeitet werden. Man rechnet dahin das Kreuzblech, Federblech und Senklerblech.
 
Artikelverweis Das
Dünnöhl, des -es, plur. car. bey den Kupferdruckern, das flüssigere Nußöhl, welches das dickere Nußöhl, womit die Schwärze angemacht wird, verdünnen muß.
 
Artikelverweis Die
Dünnscheibe, plur. die -n, bey den Mäurern, dasjenige dünne viereckte Bret, unten mit einem Stiele, auf welches sie den Kalk zu ihrem Gebrauche legen.
 
Artikelverweis Der
Dünnstein, des -es, plur. die -e, 1) Im Handel und Wandel, ein dünner Demant, der unten flach ist, oben aber mit einer Tafel und vier Flächen angeschliffen, und auch Tafeistein genannt wird. 2) In den Mansfeldischen Schmelzhütten führet auch der Spurstein den Nahmen des Dünnsteines. S. Adelung Spurstein.

[Bd. 1, Sp. 1579]


Die Dünnung, plur. die -en, S. Dünne.

 

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