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Duldsam bis Dümpfel (Bd. 1, Sp. 1570 bis 1572)
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Artikelverweis  Duldsam, -er, -ste, adj. et adv. 1) Geneigt und bereit, Widerwärtigkeiten mit Gelassenheit zu ertragen. Noch häufiger aber, 2) geneigt und bereit, Fehler oder Meinungen an andern mit Nachsicht zu ertragen; mit einem aus dem Franz. entlehnten Worte, tolerant. Daher die Duldsamkeit; mit einem fremden Worte die Toleranz.
 
Artikelverweis Die
Duldung, plur. inus. das Dulden, in allen Bedeutungen des vorigen dulden. Besonders diejenige Nachsicht, mit welcher man Fehler oder Meinungen an andern ungeahndet erträgt; die Toleranz. Die Duldung fremder Religionsverwandten, so fern es in vielen Ländern ein Gesetz ist, keiner andern als der herrschenden Religion den Aufenthalt in derselben zu verstatten; welche Duldung denn die freye Religionsübung noch nicht alle Mahl in sich schließt.
 
Artikelverweis * Der
Dult, des -es, plur. die -e, ein größten Theils veraltetes Wort, welches nur noch in einigen Oberdeutschen Städten, besonders in München, üblich ist, wo es den Jahrmarkt bedeutet. Es ist ein sehr altes Wort, welches von den frühesten Zeiten an ein Fest, eine Feyerlichkeit, bedeutet; von tulden, feyern, begehen. S. Adelung Dulden. Diesen Sinn hat Dulths bey dem Ulphilas, Tuld bey dem Kero, Dultetag, Tultetag, ein Festtag, bey dem Notker, und Stilt bey den Schweden. Tultlih bedeutet daher bey dem Kero, und stolt im Schwedischen, feyerlich; S. Stolz. Allein, da unser Dult im Oberdeutschen auch Indult lautet, so scheinet es doch wohl mehr von dem Latein. Indultus, als von dem jetzt gedachten Stammworte herzukommen; zumahl da mehrere Beyspiele vorhanden sind, daß Jahrmärkte von gottesdienstlichen Handlungen den Nahmen haben, indem jene durch die Kirchenfeste eigentlich veranlasset worden. S. Ablaß und Messe.
 
Artikelverweis 
Dumm, dümmer, dümmste, adj. et adv. 1. * Eigentlich, der Sprache oder des Gehöres beraubet. Diese im Hochdeutschen veraltete Bedeutung kommt nur noch in den alten Denkmählern und in einigen Oberdeutschen Gegenden vor. 1) Der Sprache beraubt, stumm, welches Wort bloß durch den vorgesetzten Zischlaut von dumm unterschieden ist. So gebraucht schon Kero ertumben für verstummen. Das Schwed. dum bedeutet gleichfalls stumm, und im Herbr. ist 05d3#05dd schweigen. 2) Taub, im Oberdeutschen. Ein Mann der stumm und dumm von Mutterleibe war, aber rechnen, schreiben und mahlen, auch lesen konnte, Bluntschli S. 446. In Cramers Deutsch-Italiänischem Wörterbuche stehet

[Bd. 1, Sp. 1571]


dumm gleichfalls für taub, wobey er den Oberdeutschen Ausdruck anführet: glaubt ihr ich wäre dumm?
   2. Figürlich. 1) Von Natur Mangel am Verstande habend; in welcher Bedeutung dieses Wort zu den harten Ausdrücken gehöret. Ein dummer Mensch. Er ist außerordentlich dumm. So dumm, wie ein Bund Stroh, im gemeinen Leben, in welchem man noch eine Menge anderer Ausdrücke hat, einen dummen Menschen zu benennen, z. B. ein dummer Teufel, eine dumme Gans, eine dumme Kuh u. s. f. In der anständigern Sprechart bedienet man sich statt dieses harten Beywortes lieber gelinderer Ausdrücke, blöden Verstandes seyn u. s. f. S. Stumpf. 2) In einigen Fällen, Mangel an der nöthigen Beurtheilungskraft verrathend; gleichfalls nur im gemeinen Leben. So wohl für unbesonnen. Ein dummer Streich. Ein dummes Betragen. Als auch für unwissend. Er ist in dieser Sache so dumm, wie ein Kind. Ingleichen für ungeschickt. Stelle dich nicht so dumm an. 3) Der Empfindungen und nöthigen Verstandeskräfte durch äußere Zufälle auf kurze Zeit beraubt. So sagt man, daß ein großes Getöse, ein geschwefelter Wein, ein verfälschtes Bier, den Kopf dumm mache. Wenn die Schafe anfangen schwindelig zu werden, im Kreise herum gehen, abnehmen und sterben, so sagt man im gemeinen Leben gleichfalls, daß sie dumm werden. An andern Orten nennt man solche Schafe Dreher, Drehlinge und Segler. S. diese Wörter. Verwandt ist das Griech. θαμβος, stupor. 4) Seiner gewöhnlichen Kräfte beraubt, von leblosen Dingen; in welcher Bedeutung doch dieses Wort im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Matth. 5, 13. In Niedersachsen nennet man den Wein stumm, wenn er zu stark geschwefelt ist, und daher seine Schärfe und sein Feuer verloren hat. Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort tumm, bey dem Tatian tumb, bey dem Ottfried dumb, dumpmuate, bey dem Styker und den Schwäb. Dichtern tumb. Ehedem wurde es sehr häufig auch für thöricht, und ein Tumber für einen Thoren gebraucht. Notker hat auch das Beywort tumplih für thöricht. Dummen und verdummen bedeuten im Niedersächsischen dumm werden. Im Dänischen heißt dum dunkel, und dumme blenden; woraus erhellet, daß dieses Wort ehedem auch von dem Mangel des Gesichtes gebraucht worden. Dumm, stumpf und taub scheinen übrigens sehr nahe verwandt zu seyn. S. auch Dunkel.
 
Artikelverweis 
Drummdreist, -er, -este, adj. et adv. (welcher Superlativ, weil er das Gehör beleidigt, doch gern vermieden wird,) in der harten Sprechart, auf eine dumme, unbesonnene Art dreist. Ein dummdreister Mensch. Ein dummdreistes Betragen. Eine dummdreiste Frage. S. Adelung Dreist. Im Niedersächsischen, wo dreist für kühn in Gefahren gebraucht wird, bedeutet dumdriest auch dummkühn, tollkühn, kühn ohne Klugheit.
 
Artikelverweis Die
Dummdreistigkeit, plur. inus. Dreistigkeit mit Dummheit, und Unbesonnenheit verbunden.
 
Artikelverweis Die
Dummheit, plur. die -en, 1) Die Eigenschaft, nach welcher man dumm ist, in allen Bedeutungen des Bey- und Nebenwortes, am häufigsten aber in den zwey ersten figürlichen Bedeutungen, Mangel der natürlichen Fähigkeiten des Verstandes, oder doch ihres Gebrauches, Unbesonnenheit, Unwissenheit; ohne Plural. 2) Eine dumme Handlung, ein dummes Betragen. Eine Dummheit begehen. In beyden Fällen nur in harten Ausdrücken. Dumpheit findet sich bereits bey dem Ottfried, und Tumphait in dem Schwabenspiegel.
 
Artikelverweis Der
Dummkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein hartes Scheltwort, einen dummen Menschen zu bezeichnen; in Niedersachsen

[Bd. 1, Sp. 1572]


ein Dummerjan, eigentlich ein dummer Jan oder Johann, bey einigen Hochdeutschen in etwas gelinderm Verstande, ein Dümmling.
   Mein unbekanntes Lob soll hier kein Dummkopf hören,
   Cron.
   Jeder Dummkopf unsrer Zeiten
   Will ein Held im Schreiben seyn,
   Kästn.
 
Artikelverweis 
Dummkühn, -er, -ste, adj. et adv. kühn ohne Klugheit, auf eine dumme, unbesonnene Art kühn, tollkühn. S. Adelung Kühn. Daher die Dummkühnheit, plur. inus. Kühnheit mit Dummheit, Mangel des Verstandes verbunden, Tollkühnheit.
 
Artikelverweis 
Dumpf, -er, -este, adj. et adv. für dumpfig. 1) Dem Schalle nach, welches im Oberdeutschen einheimisch ist, aber um des Sylbenmaßes willen auch von einigen Hochdeutschen Dichtern gebraucht worden. Ich höre dumpfes Geräusch, Klopst.
   Hier das dumpfe Geheul des wiedertönenden Abgrunds,
   Klopst.
   Wie, wenn im krummen Thal ein dumpfes Ungewitter
   Von ferne braust,
   Wiel.
   Er klagt mit dumpfer Bangigkeit,
   Gleim. 2) Feuchtigkeit durch den Geruch verrathend. Dumpfe Lehrstuben.
 
Artikelverweis Der
Dümpfel, des -s, plur. ut nom. sing. in den gemeinen Mundarten Ober- und Niederdeutschlandes, eine tiefe Stelle in einem Flusse oder See; zuweilen auch eine jede tiefe Pfütze, im Nieders. Tümpel. Im Nieders. ist dumpeln von den Wellen hin und her geworfen werden, und im Holländ. dompelen untertauchen. S. Adelung Rohrdommel.

 

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