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Duftig bis Dummheit (Bd. 1, Sp. 1569 bis 1571)
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Artikelverweis  Duftig, -er, -ste, adj. et adv. Duft enthaltend. Duft von sich gebend. Euch will ich besingen, ihr duftigen Hügel, Kleist.
 
Artikelverweis Der
Dulcian, des -es, plur. die -e, eine Art veralteter Flöten; aus dem mittlern Lat. Dulciana. In alten Orgelwerken hat man noch ein Register, welches gleichfalls diesen Nahmen führet.
 
Artikelverweis 
Dulden, verb. reg. act. 1) Überhaupt, mit Gelassenheit leiden oder ertragen. Er duldet alles Unglück willig und gern. Man verfolget uns, so dulden wir, 1 Cor. 4, 12. Besonders Widerwärtigkeiten mit Gelassenheit ertragen. Dulden wir, so werden wir mit herrschen, 2 Tim. 2, 12. S. Adelung Erdulden. 2) Mit Nachsicht bestehen oder fortdauern. Das sollte nicht geduldet werden. Der ist noch weit von der Tugend entfernt, der Schwachheiten in sich duldet, die ihn verführen können, Dusch. Die Juden werden im Römischen Reiche geduldet, sie werden nicht als Juden bestraft S. Duldung. 3) An sich haben. Die hellesten Augen dulden ihre Finsternisse, Mosh. In welcher Bedeutung es doch wenig mehr vorkommt.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort dulten, bey dem Ottfried thulten. Es ist das Intensivum von einem veralteten Zeitworte dolen, welches von des Ulphilas Zeiten an bis auf die Schwäb. Dichter vorkommt, und ehedem einen weit größern Umfang der Bedeutung hatte, als dessen heutiges Intensivum. Es bedeutete, 1) leiden, ertragen, wie unser dulden; in welcher Bedeutung doleen, kedolen, und fardolen schon bey dem Kero vorkommen.
   Die mich dur die rechten minne lange pine doln liet,
   Heinrich von Veldig.
   In der dienste ich her vil manigen langen strengen kummer dol,
   Jac. v. Warte.
   Von schulden ich den kumber dol,
   Reinmar der Alte. In der Schweiz soll dieses einfache Verbum noch jetzt üblich seyn. Eben diese Bedeutung hat thulan bey dem Ulphilas, tholian im Angelsächsischen, tola im Schwedischen, dol im Isländischen, taale im Dänischen, und τυλαω im Griechischen. Auch in der ältesten Sprache der Römer muß sich dieses Wort befunden haben,

[Bd. 1, Sp. 1570]


wie aus dem Frequentativo tolero, der vergangenen Zeit tuli des Zeitwortes ferre, und den Wörtern indulgere, dolere, und dolor, zumahl da Dol in der Bedeutung des Schmerzens bey den Alten gleichfalls nicht selten ist, erhellet. 2) Erlauben; eine figürliche Bedeutung der vorigen, in welcher dolan bey dem Willeram vorkommt 3) Zaudern, säumen, warten. In dieser Bedeutung kommt dualan sehr oft bey dem Ottfried vor. Man könnte dieses für ein eigenes besonderes Wort halten; allein da das Schwed. tola gleichfalls warten und zoudern bedeutet, so scheinet es gleichfalls hierher zu gehören. S. Adelung Geduld und Gedulden. 4) Thun. Diese Bedeutung findet sich nur in den Monseeischen Glossen, wo tuldun durch egerint, und tuldet durch agite erkläret wird. S. Stelle und Stellen. 5) Besonders ein Fest begehen, feyern. So gebraucht Kero schon kitulden. S. Dult.
 
Artikelverweis Der
Dulder, des -s, plur. ut nom. sing Fämin. die Dulderinn, ein von einigen neuern Schriftstellern versuchtes Wort, Personen zu bezeichnen, welche ihre Widerwärtigkeiten mit Gelassenheit ertragen. Ein frommer Dulder. Eine liebenswürdige Dulderinn.
 
Artikelverweis 
Duldsam, -er, -ste, adj. et adv. 1) Geneigt und bereit, Widerwärtigkeiten mit Gelassenheit zu ertragen. Noch häufiger aber, 2) geneigt und bereit, Fehler oder Meinungen an andern mit Nachsicht zu ertragen; mit einem aus dem Franz. entlehnten Worte, tolerant. Daher die Duldsamkeit; mit einem fremden Worte die Toleranz.
 
Artikelverweis Die
Duldung, plur. inus. das Dulden, in allen Bedeutungen des vorigen dulden. Besonders diejenige Nachsicht, mit welcher man Fehler oder Meinungen an andern ungeahndet erträgt; die Toleranz. Die Duldung fremder Religionsverwandten, so fern es in vielen Ländern ein Gesetz ist, keiner andern als der herrschenden Religion den Aufenthalt in derselben zu verstatten; welche Duldung denn die freye Religionsübung noch nicht alle Mahl in sich schließt.
 
Artikelverweis * Der
Dult, des -es, plur. die -e, ein größten Theils veraltetes Wort, welches nur noch in einigen Oberdeutschen Städten, besonders in München, üblich ist, wo es den Jahrmarkt bedeutet. Es ist ein sehr altes Wort, welches von den frühesten Zeiten an ein Fest, eine Feyerlichkeit, bedeutet; von tulden, feyern, begehen. S. Adelung Dulden. Diesen Sinn hat Dulths bey dem Ulphilas, Tuld bey dem Kero, Dultetag, Tultetag, ein Festtag, bey dem Notker, und Stilt bey den Schweden. Tultlih bedeutet daher bey dem Kero, und stolt im Schwedischen, feyerlich; S. Stolz. Allein, da unser Dult im Oberdeutschen auch Indult lautet, so scheinet es doch wohl mehr von dem Latein. Indultus, als von dem jetzt gedachten Stammworte herzukommen; zumahl da mehrere Beyspiele vorhanden sind, daß Jahrmärkte von gottesdienstlichen Handlungen den Nahmen haben, indem jene durch die Kirchenfeste eigentlich veranlasset worden. S. Ablaß und Messe.
 
Artikelverweis 
Dumm, dümmer, dümmste, adj. et adv. 1. * Eigentlich, der Sprache oder des Gehöres beraubet. Diese im Hochdeutschen veraltete Bedeutung kommt nur noch in den alten Denkmählern und in einigen Oberdeutschen Gegenden vor. 1) Der Sprache beraubt, stumm, welches Wort bloß durch den vorgesetzten Zischlaut von dumm unterschieden ist. So gebraucht schon Kero ertumben für verstummen. Das Schwed. dum bedeutet gleichfalls stumm, und im Herbr. ist 05d3#05dd schweigen. 2) Taub, im Oberdeutschen. Ein Mann der stumm und dumm von Mutterleibe war, aber rechnen, schreiben und mahlen, auch lesen konnte, Bluntschli S. 446. In Cramers Deutsch-Italiänischem Wörterbuche stehet

[Bd. 1, Sp. 1571]


dumm gleichfalls für taub, wobey er den Oberdeutschen Ausdruck anführet: glaubt ihr ich wäre dumm?
   2. Figürlich. 1) Von Natur Mangel am Verstande habend; in welcher Bedeutung dieses Wort zu den harten Ausdrücken gehöret. Ein dummer Mensch. Er ist außerordentlich dumm. So dumm, wie ein Bund Stroh, im gemeinen Leben, in welchem man noch eine Menge anderer Ausdrücke hat, einen dummen Menschen zu benennen, z. B. ein dummer Teufel, eine dumme Gans, eine dumme Kuh u. s. f. In der anständigern Sprechart bedienet man sich statt dieses harten Beywortes lieber gelinderer Ausdrücke, blöden Verstandes seyn u. s. f. S. Stumpf. 2) In einigen Fällen, Mangel an der nöthigen Beurtheilungskraft verrathend; gleichfalls nur im gemeinen Leben. So wohl für unbesonnen. Ein dummer Streich. Ein dummes Betragen. Als auch für unwissend. Er ist in dieser Sache so dumm, wie ein Kind. Ingleichen für ungeschickt. Stelle dich nicht so dumm an. 3) Der Empfindungen und nöthigen Verstandeskräfte durch äußere Zufälle auf kurze Zeit beraubt. So sagt man, daß ein großes Getöse, ein geschwefelter Wein, ein verfälschtes Bier, den Kopf dumm mache. Wenn die Schafe anfangen schwindelig zu werden, im Kreise herum gehen, abnehmen und sterben, so sagt man im gemeinen Leben gleichfalls, daß sie dumm werden. An andern Orten nennt man solche Schafe Dreher, Drehlinge und Segler. S. diese Wörter. Verwandt ist das Griech. θαμβος, stupor. 4) Seiner gewöhnlichen Kräfte beraubt, von leblosen Dingen; in welcher Bedeutung doch dieses Wort im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Matth. 5, 13. In Niedersachsen nennet man den Wein stumm, wenn er zu stark geschwefelt ist, und daher seine Schärfe und sein Feuer verloren hat. Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort tumm, bey dem Tatian tumb, bey dem Ottfried dumb, dumpmuate, bey dem Styker und den Schwäb. Dichtern tumb. Ehedem wurde es sehr häufig auch für thöricht, und ein Tumber für einen Thoren gebraucht. Notker hat auch das Beywort tumplih für thöricht. Dummen und verdummen bedeuten im Niedersächsischen dumm werden. Im Dänischen heißt dum dunkel, und dumme blenden; woraus erhellet, daß dieses Wort ehedem auch von dem Mangel des Gesichtes gebraucht worden. Dumm, stumpf und taub scheinen übrigens sehr nahe verwandt zu seyn. S. auch Dunkel.
 
Artikelverweis 
Drummdreist, -er, -este, adj. et adv. (welcher Superlativ, weil er das Gehör beleidigt, doch gern vermieden wird,) in der harten Sprechart, auf eine dumme, unbesonnene Art dreist. Ein dummdreister Mensch. Ein dummdreistes Betragen. Eine dummdreiste Frage. S. Adelung Dreist. Im Niedersächsischen, wo dreist für kühn in Gefahren gebraucht wird, bedeutet dumdriest auch dummkühn, tollkühn, kühn ohne Klugheit.
 
Artikelverweis Die
Dummdreistigkeit, plur. inus. Dreistigkeit mit Dummheit, und Unbesonnenheit verbunden.
 
Artikelverweis Die
Dummheit, plur. die -en, 1) Die Eigenschaft, nach welcher man dumm ist, in allen Bedeutungen des Bey- und Nebenwortes, am häufigsten aber in den zwey ersten figürlichen Bedeutungen, Mangel der natürlichen Fähigkeiten des Verstandes, oder doch ihres Gebrauches, Unbesonnenheit, Unwissenheit; ohne Plural. 2) Eine dumme Handlung, ein dummes Betragen. Eine Dummheit begehen. In beyden Fällen nur in harten Ausdrücken. Dumpheit findet sich bereits bey dem Ottfried, und Tumphait in dem Schwabenspiegel.

 

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