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Duếtt bis Duldung (Bd. 1, Sp. 1568 bis 1570)
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Artikelverweis Das Duếtt, des -es, plur. die -e, in der Musik, eine Arie mit zwey Singestimmen; aus dem Ital. Duetto.
 
Artikelverweis Der
Duft, des -es, plur. die Düfte, Diminut. das Düftchen, 1) überhaupt ein jeder Dunst, feuchter Dampf oder Nebel, besonders wenn er im Winter sich in Gestalt eines Reifes an die Körper anhänget.
   Ich muos klagen das diu zit
   Sich so gar verkeret hat
   Secht wie heid und anger lit
   Vnd wie der walt in tuften stat.
   Winters grimme
   Tuot si (die Vögel) swigen uberall,
   Graf Wernher von Honberg. In dieser Bedeutung ist es nur noch in einigen gemeinen Mundarten üblich. S. Adelung Duftbruch. 2) Die zarte Ausdünstung, besonders wohl riechender Körper; in welcher Bedeutung dieses Wort besonders der poetischen und höhern Schreibart eigen ist. Der süße Duft der Blumen. Die schönsten Rosen sollen dir die ersten Düfte des Morgens und die letzten des Abends entgegen düften, Dusch.
   Der West im Rosengebüsch bläst süße Düfte zur Flur,
   Kleist. Anm. Im Nieders. wird Duff, duffig, und im Holländ. dof, in allen Bedeutungen des Wortes dumpfig gebraucht. Im Dänischen bedeutet Duft so wohl die gelinde Bewegung der Luft, als auch den Staub. Das Ital. Tuffo bezeichnet gleichfalls einen dumpfigen Geruch. Es scheinet daher, daß Duft und dumpfig von Einem Stamme herkommen. S. Adelung Dumpfig und Staub. Im Oberdeutschen und Niedersächsischen ist dieses Wort überall männlichen Geschlechtes; nur einige Meißner gebrauchen es in dem weiblichen, die Duft.
 
Artikelverweis Der
Dúftbrúch, des -es, plur. die -brüche, im Forstwesen, der Bruch eines Baumes, oder seiner Äste, welcher von dem Schnee, Dufte, oder Glatteise herrühret, wenn sich solches zu häufig in den Giebel setzet, oder an die Äste anhänget. S. Adelung Duft 1, ingleichen Giebelbruch.
 
Artikelverweis 
Duften, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) In Gestalt eines Duftes aufsteigen, oder sich verbreiten, besonders in der höhern Schreibart. Es duftet ein angenehmer Geruch aus den Blumen. S. das folgende. 2) Gelinde ausdünsten. Im Bette liegen und duften.

[Bd. 1, Sp. 1569]



 
Artikelverweis 
Düften, verb. reg. act. in Gestalt eines Duftes von sich geben, ausdünsten. 1) Nässe ausdünsten. So sagt man im gemeinen Leben, die Wände düften, wenn sie schwitzen, oder mit einer nassen Feuchtigkeit überzogen werden. 2) Besonders einen angenehmen Geruch von sich geben, in der höhern Schreibart. Die Blumen sind erblasset, matt, und düften nicht mehr.
   Um deren vollen Busen
   Die frischen Rosen düften,
   Uz.
   Ihm düften frühe Violen,
   Ihm grünt der Erde beschatteter Schooß,
   Uz.
   Seine (des Mayes) Kindheit hauchte Freude,
   Freude düftet sein Alter dereinst,
   Raml. Anm. Im Oberdeutschen hat man von diesem Zeitworte das Iterativ. oder Diminut. düfteln, nässeln, mit Nässe überzogen werden. Das Dänische dufte bedeutet so wohl düften, als stäuben. Im Oberdeutschen lautet so wohl das Neutrum als Activum duften, welches auch einige Hochdeutsche nachahmen.
   Dort duften Blum und Gras, hier grünen Berg und Fläche,
   Haged. Dagegen heißen bey den Niedersachsen, wenn sie Hochdeutsch schreiben, beyde Verba gewöhnlich düften. Im Hochdeutschen pflegt man diese verschiedenen Mundarten auch in mehrern Verbis sehr geschickt zur Unterscheidung des Activi und Neutrius anzuwenden, wie in dampfen und dämpfen, dunsten und dünsten u. s. f.
 
Artikelverweis 
Duftig, -er, -ste, adj. et adv. Duft enthaltend. Duft von sich gebend. Euch will ich besingen, ihr duftigen Hügel, Kleist.
 
Artikelverweis Der
Dulcian, des -es, plur. die -e, eine Art veralteter Flöten; aus dem mittlern Lat. Dulciana. In alten Orgelwerken hat man noch ein Register, welches gleichfalls diesen Nahmen führet.
 
Artikelverweis 
Dulden, verb. reg. act. 1) Überhaupt, mit Gelassenheit leiden oder ertragen. Er duldet alles Unglück willig und gern. Man verfolget uns, so dulden wir, 1 Cor. 4, 12. Besonders Widerwärtigkeiten mit Gelassenheit ertragen. Dulden wir, so werden wir mit herrschen, 2 Tim. 2, 12. S. Adelung Erdulden. 2) Mit Nachsicht bestehen oder fortdauern. Das sollte nicht geduldet werden. Der ist noch weit von der Tugend entfernt, der Schwachheiten in sich duldet, die ihn verführen können, Dusch. Die Juden werden im Römischen Reiche geduldet, sie werden nicht als Juden bestraft S. Duldung. 3) An sich haben. Die hellesten Augen dulden ihre Finsternisse, Mosh. In welcher Bedeutung es doch wenig mehr vorkommt.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort dulten, bey dem Ottfried thulten. Es ist das Intensivum von einem veralteten Zeitworte dolen, welches von des Ulphilas Zeiten an bis auf die Schwäb. Dichter vorkommt, und ehedem einen weit größern Umfang der Bedeutung hatte, als dessen heutiges Intensivum. Es bedeutete, 1) leiden, ertragen, wie unser dulden; in welcher Bedeutung doleen, kedolen, und fardolen schon bey dem Kero vorkommen.
   Die mich dur die rechten minne lange pine doln liet,
   Heinrich von Veldig.
   In der dienste ich her vil manigen langen strengen kummer dol,
   Jac. v. Warte.
   Von schulden ich den kumber dol,
   Reinmar der Alte. In der Schweiz soll dieses einfache Verbum noch jetzt üblich seyn. Eben diese Bedeutung hat thulan bey dem Ulphilas, tholian im Angelsächsischen, tola im Schwedischen, dol im Isländischen, taale im Dänischen, und τυλαω im Griechischen. Auch in der ältesten Sprache der Römer muß sich dieses Wort befunden haben,

[Bd. 1, Sp. 1570]


wie aus dem Frequentativo tolero, der vergangenen Zeit tuli des Zeitwortes ferre, und den Wörtern indulgere, dolere, und dolor, zumahl da Dol in der Bedeutung des Schmerzens bey den Alten gleichfalls nicht selten ist, erhellet. 2) Erlauben; eine figürliche Bedeutung der vorigen, in welcher dolan bey dem Willeram vorkommt 3) Zaudern, säumen, warten. In dieser Bedeutung kommt dualan sehr oft bey dem Ottfried vor. Man könnte dieses für ein eigenes besonderes Wort halten; allein da das Schwed. tola gleichfalls warten und zoudern bedeutet, so scheinet es gleichfalls hierher zu gehören. S. Adelung Geduld und Gedulden. 4) Thun. Diese Bedeutung findet sich nur in den Monseeischen Glossen, wo tuldun durch egerint, und tuldet durch agite erkläret wird. S. Stelle und Stellen. 5) Besonders ein Fest begehen, feyern. So gebraucht Kero schon kitulden. S. Dult.
 
Artikelverweis Der
Dulder, des -s, plur. ut nom. sing Fämin. die Dulderinn, ein von einigen neuern Schriftstellern versuchtes Wort, Personen zu bezeichnen, welche ihre Widerwärtigkeiten mit Gelassenheit ertragen. Ein frommer Dulder. Eine liebenswürdige Dulderinn.
 
Artikelverweis 
Duldsam, -er, -ste, adj. et adv. 1) Geneigt und bereit, Widerwärtigkeiten mit Gelassenheit zu ertragen. Noch häufiger aber, 2) geneigt und bereit, Fehler oder Meinungen an andern mit Nachsicht zu ertragen; mit einem aus dem Franz. entlehnten Worte, tolerant. Daher die Duldsamkeit; mit einem fremden Worte die Toleranz.
 
Artikelverweis Die
Duldung, plur. inus. das Dulden, in allen Bedeutungen des vorigen dulden. Besonders diejenige Nachsicht, mit welcher man Fehler oder Meinungen an andern ungeahndet erträgt; die Toleranz. Die Duldung fremder Religionsverwandten, so fern es in vielen Ländern ein Gesetz ist, keiner andern als der herrschenden Religion den Aufenthalt in derselben zu verstatten; welche Duldung denn die freye Religionsübung noch nicht alle Mahl in sich schließt.

 

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