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Ducken bis Dúftbrúch (Bd. 1, Sp. 1567 bis 1568)
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Artikelverweis  Ducken, verb. reg. act. welches ehedem niederdrücken, niederbeugen bedeutete, jetzt aber nur noch in den gemeinen Mundarten als ein Reciprocum in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1) Sich ducken, niederducken, den Kopf und Vorderleib niederwärts, zur Erde beugen. Geduckt gehen, mit gebogenem Rücken, krumm einher gehen, in den niedrigen Mundarten ducknackig gehen. In Preußen ist ducknackig gehen, mitniedergebeugtem Gesichte traurig einher gehen.
   Der Heldt hort den knall sich tuckhet
   Und seinen Kopf an sich zuckhet,
   Theuerd. Kap. 78.
   Es was im not das er sich duckh
   Sonnst so het sein Leben ein endt,
   Theuerd. Kap. 55. 2) Figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben, sich ducken, sich in die Umstände, in die Zeiten schicken. Man muß sich ducken und schmiegen, wenn man durch die Welt kommen will.
   Anm. Dieses Zeitwort lautet im Oberdeutschen tucken, im Nieders. duken, im Holländ. duiken, im Engl. to duck, im Schwed. duka, im Angels. thyegan. Es ist das Intensivum von tauchen, bey dem Notker duchen, wie bücken von biegen, drücken von dragen, zucken von ziehen u. s. f. S. Adelung Tauchen, Stauchen und Tücke. Ze loch tucken, bedeutet bey einem der Schwäbischen Dichter sich in einen geheimen Ort verbergen, und dukkern im Nieders. mit gebeugtem Haupte davon schleichen, bey dem Pictorius dichen.
 
Artikelverweis Der
Duckmäuser, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, eine verächtliche Benennung eines listigen verschlagenen Menschen, der seine Schalkheit zu verbergen weiß. Zuweilen auch eines Menschen, der nicht frey aus den Augen siehet.
   Anm. Bey dem Kaisersberg und andern Oberdeutschen Schriftstellern lautet dieses Wort Duckelmäuser, Tugkenmäußler, Tockmäuser, im Nieders. Tuckmüser. Ein dockmeußeter Mensch hat im Oberdeutschen eben dieselbe Bedeutung. Die erste Hälfte dieses Wortes gehöret unstreitig zu dem vorigen Worte ducken, zumahl da Düchler bey dem Altensteig auch von einem verschlagenen hinterlistigen Menschen gebraucht wird. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist vermuthlich von dem veralteten musen, nachsinnen, so daß Duckmäuser eigentlich einen Menschen bedeutet, der heimlich auf allerley Tücke und Ränke sinnet; S. Adelung Tücke und Kalmäuser.
 
Artikelverweis Der
Duckstein, des -es, plur. inus. 1) Eine, besonders Niedersächsische Benennung derjenigen Steinart, welche im Hochdeutschen unter dem Nahmen des Tophes bekannt ist; S. dieses Wort. 2) Ein Weißbier, welches zu Königslutter in dem Herzogthume Braunschweig gebrauet wird, und seinen Nahmen daher hat, weil die Lutter, an welcher dieser Ort liegt, und aus welcher das Wasser zu diesem Biere genommen wird, aus einem Ducksteine oder Tophe entspringet, und geraume Zeit auf einer solchen Steinart fort fließet.
   Anm. Vermuthlich hat diese löcherige poröse Steinart den Nahmen von dem alten Worte Dock, eine Röhre, Canal. S. 2 Docke.
 
Artikelverweis Die
Ducktaube, plur. die -n, ein Grönländischer Wasservogel mit Patschfüßen, welcher auch die Grönländische Taube genannt wird, wie eine junge Taube pfeift, und den Nahmen von dem Untertauchen hat. S. Adelung Ducken.
 
Artikelverweis 
Dudeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nur in den niedrigen Mundarten üblich ist, auf der Flöte stümpern, ingleichen auf dem Dudelsacke spielen. Es scheinet das Diminut. des Zeitwortes düten, und mit demselben eine Nachahmung der dadurch hervor gebrachten Töne zu seyn. S. Adelung Düten.

[Bd. 1, Sp. 1568]



 
Artikelverweis Der
Dudelsack, des -es, plur. die -säcke, in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens, eine Benennung der Bock- oder Sackpfeipfe; S. Adelung Sackpfeife.
   So bald der Dudelsack in seiner Schenke klinget,
   Can.
   Oft schallt hier bis zur Zirbeldrüse
   Ein auserlesner Dudelsack,
   Haged. Dieses musikalische Instrument des großen Haufens auf dem Lande hat den Nahmen von dem vorigen Zeitworte dudeln. Im Pohlnischen und Böhmischen heißt es Dudy, im Wend. Pypsack.
 
Artikelverweis Das
Duếll, des -es, plur. die -e, ein Streit unter zwey Personen, welche ihre Sache mit dem Gewehre ausmachen; ein Zweykampf, ehedem Champfwic, Wehadinc, Einuuige. Daher duelliren, oder sich duelliren, einen Zweykampf haben, sich schlagen; das Duell-Mandat, ein obrigkeitliches Verboth der Duelle u. s. f. Der Duellánt, des -en, plur. die -en, Personen, welche sich duelliren. Alles aus dem mittlern Latein. Duellum.
 
Artikelverweis Die
Duếrne, plur. die -n, in den Buchdruckeryen, ein Heft, wo zwey Bogen in einander gesteckt, und beyde nur mit Einem Buchstaben des Alphabetes signiret werden; aus dem mittlern Latein. Duernus. Das Buch bestehet aus Duernen.
 
Artikelverweis Das
Duếtt, des -es, plur. die -e, in der Musik, eine Arie mit zwey Singestimmen; aus dem Ital. Duetto.
 
Artikelverweis Der
Duft, des -es, plur. die Düfte, Diminut. das Düftchen, 1) überhaupt ein jeder Dunst, feuchter Dampf oder Nebel, besonders wenn er im Winter sich in Gestalt eines Reifes an die Körper anhänget.
   Ich muos klagen das diu zit
   Sich so gar verkeret hat
   Secht wie heid und anger lit
   Vnd wie der walt in tuften stat.
   Winters grimme
   Tuot si (die Vögel) swigen uberall,
   Graf Wernher von Honberg. In dieser Bedeutung ist es nur noch in einigen gemeinen Mundarten üblich. S. Adelung Duftbruch. 2) Die zarte Ausdünstung, besonders wohl riechender Körper; in welcher Bedeutung dieses Wort besonders der poetischen und höhern Schreibart eigen ist. Der süße Duft der Blumen. Die schönsten Rosen sollen dir die ersten Düfte des Morgens und die letzten des Abends entgegen düften, Dusch.
   Der West im Rosengebüsch bläst süße Düfte zur Flur,
   Kleist. Anm. Im Nieders. wird Duff, duffig, und im Holländ. dof, in allen Bedeutungen des Wortes dumpfig gebraucht. Im Dänischen bedeutet Duft so wohl die gelinde Bewegung der Luft, als auch den Staub. Das Ital. Tuffo bezeichnet gleichfalls einen dumpfigen Geruch. Es scheinet daher, daß Duft und dumpfig von Einem Stamme herkommen. S. Adelung Dumpfig und Staub. Im Oberdeutschen und Niedersächsischen ist dieses Wort überall männlichen Geschlechtes; nur einige Meißner gebrauchen es in dem weiblichen, die Duft.
 
Artikelverweis Der
Dúftbrúch, des -es, plur. die -brüche, im Forstwesen, der Bruch eines Baumes, oder seiner Äste, welcher von dem Schnee, Dufte, oder Glatteise herrühret, wenn sich solches zu häufig in den Giebel setzet, oder an die Äste anhänget. S. Adelung Duft 1, ingleichen Giebelbruch.

 

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