Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Drusig bis Duckstein (Bd. 1, Sp. 1564 bis 1567)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Drusig, adj. et adv. mit Drusen versehen, oder mit der Druse behaftet. Ein drusiger Gang, der mit verwittertem Erze angefüllet ist. S. 2 Druse. Ein drusiges Pferd, welches mit der Druse behaftet ist. S. 3 Druse.
 
Artikelverweis 
Drüsig, -er, -ste, adj. et adv. Drüsen habend. Drüsiges Fleisch. Drüsicht würde nur bedeuten, Drüsen ähnlich.
 
Artikelverweis 
Dt, S. Adelung D.
 
Artikelverweis 
Du, das persönliche Pronomen der zweyten Person, welches im Singular folgender Gestalt abgeändert wird: Nom. Du. Genit. Deiner. Dat. Dir. Accus. Dich.
   Für den Plural dieses Pronomens wird gemeiniglich das Ihr gehalten. Da dieses aber von einem ganz andern Stamme herkommt, so ist es schicklicher, dasselbe an seinem Orte besonders abzuhandeln.

[Bd. 1, Sp. 1565]



   Der Genitiv deiner wird in einigen Mundarten, besonders im Oberdeutschen, gern in dein zusammen gezogen, welches denn auch die Dichtkunst um des Sylbenmaßes willen oft beybehält. Er spottet dein. S. 2 Deiner.
   Eigentlich sollte man mit diesem Fürworte alle einzelne Personen außer uns anreden. So gebrauchten auch die ältern Völker und Sprachen dieses Wort, so gebrauchen es noch viele auswärtige Nationen, und so bedienten sich dessen auch ehedem die alten Deutschen. Allein die Mode und die gesellschaftliche Höflichkeit haben hierhin schon seit mehrern Jahrhunderten eine Änderung getroffen, und heut zu Tage ist dieses Wort nur ein Zeichen theils der Vertraulichkeit, theils der Unterwerfung, theils auch der Verachtung. Jemanden du nennen. S. Dutzen.
   Was die Vertraulichkeit betrifft, so pflegen sich Geschwister, Eheleute, und genaue Freunde, besonders solche, welche sich beym vertraulichen Trunke brüderliche Treue zugesagt, du zu nennen. Schon unter den Schwäbischen Kaisern war dieses Wort der vertraulichen, aufrichtigen Liebe eigen.
   Einer fraget lihte nu
   Warumbe ich dich heisse du
   Das von rehter liebe frowe sprich
   Hab ich daran iender missesprochen
   Das las ungerochen,
   der Schenke von Limpurg. In Ansehung der Unterwerfung werden Kinder von ihren Ältern und Vorgesetzten, niedrige Bediente und Leibeigene von ihren Herrschaften sehr oft nur du genannt. Der Kanzelleystyl des Hauses Österreich und vieler Oberdeutschen Höfe dutzet alle seine Minister und Beamten. S. Adelung Ihr.
   Nur die Dichtkunst hat die Gewohnheit der Alten beybehalten, und redet alle Personen, die höchsten nicht ausgenommen, mit du an. Auch das höchste Wesen, Verstorbene, und alle unsichtbare und abstracte Dinge, wenn sie als Personen angesehen und eingeführet werden, sind von der Tyranney der modischen Höflichkeit gleichfalls ausgenommen, und heißen auch in Prosa du.
   Du gehöret zu denjenigen Pronominen, welche gewisser Maßen Hauptwörter sind, und daher kein anderes Hauptwort neben sich leiden, außer wenn solches in Gestalt einer Apposition vorhanden ist. So hört man oft im gemeinen Leben, du Bruder, du Carl u. s. f. welche Ausdrücke elliptisch sind, für: du, der du mein Bruder bist; du, der du Carl heißt. Wenn es hinter dem Verbo stehet, und sich dieses mit st endiget, wird es im gemeinen Leben oft an dasselbe angehänget. Willstu, kommstu, für willst du, kommst du; doch pflegt man nicht gern so zu schreiben. Eben so oft ziehet die vertrauliche Sprechart dasselbe mit es zusammen. Mußt dus nicht selbst gestehn? für: mußt du es nicht selbst gestehn?
   Die gemeine geschwinde Sprechart lässet dieses Pronomen zuweilen vor den Verbis weg. Logau und einige neuere Dichter haben dieses in der vertraulichen und scherzhaften Dichtung nachzuahmen gesucht.
   Welch ein Jammer, o Sperling! armer Sperling!
   Hast gemacht, daß mein trautes Mädchen ihre
   Lieben Äuglein sich ganz roth geweint hat.
   Raml. in der Übersetzung des bekannten Gedichtes aus dem Catull. Allein, es ist zu wünschen, daß diese Ellipse nicht zu stark gebraucht werde, weil sie der Natur der Deutschen Sprache völlig zuwider ist, und dem Gehöre gewiß wenig Anmuth verursacht.
   Der Dativ dir wird in der niedrigen vertraulichen Sprechart, besonders wenn man etwas mit Verwunderung erzählet, von Personen, welche sich du zu nennen pflegen, sehr oft überflüssig gesetzt. Das ist dir eine Kunst, Rost.
   Das war dir selbst Damöt, der hatte sich verkleidet,
   Rost.
   Es ließ dir auch recht frey,
   Rost.
   Er weiß dir alle Mahl was neues anzugeben,
   Rost. Anm. Dieses Pronomen ist sich in allen Europäischen Mundarten ähnlich geblieben. Bey dem Ulphilas lautet es thu, bey dem Kero, Isidor und Ottfried du, thu, und im Accus. dih, dhih, im Angels. thu, im Engl. thou, im Holländ. Nieders. Dän. und Schwed. du, im Isländ. thu, im Wallis. ti im Bretagnischen te, im Slavon. ty, im Latein. tu, im Griech. συ und bey den Doriern τυ, im Franz. toi, im Pers. tu u. s. f. Nigidius, ein Römischer Sprachlehrer, behauptete schon, dem Gellius B. 10, Kap. 4 zu Folge, die Fürwörter ego, nos, tu, vos, wären natürliche, der Sache selbst angemessene Töne. Bey den beyden ersten ziehe man den Athem und die Lippen in sich selbst, sein eigenes Individuum dadurch anzudeuten; bey den beyden letztern aber bewege man beydes gegen den, mit welchem man spreche.
 
Artikelverweis Der
Dubhammer, des -s, plur. die -hämmer, auf den Kupferhämmern, ein langer vorn zugespitzter Hammer, der etwa 1 1/2 Zentner schwer ist, von dem Wasser getrieben wird, und zum Abteufen der Kessel dienet. Daher die Dubhammergabel, ein Eisen, auf welchem die Kessel liegen, wenn sie von dem Dubhammer geschlagen werden. Frisch glaubet, daß die erste Hälfte dieses Wortes von tief, Nieders. deep, im Goth. diub, abstamme. Allein im Nieders. bedeutet dubben schlagen, Griech. τυπτειν, S. Tupfen. Wem diese Ableitung nicht gefällt, dem wird das Wort 2 Döbel vielleicht eine bessere an die Hand geben, zumahl da die lange zugespitzte Gestalt dieses Hammers einigen Anspruch darauf zu machen scheinet.
 
Artikelverweis Die
Dublêtte, plur. die -n, aus dem Franz. Doublet. 1) Etwas, was man doppelt hat. 2) Ein falscher Edelstein von Krystall, welcher doppelt liegt, und zwischen beyden Hälften eine Folie hat, welche ihm das Ansehen eines echten gibt. 3) In dem Bretspiele, zwey geworfene Würfel, welche auf der Oberfläche einerley Anzahl Augen weisen.
 
Artikelverweis Die
Dublōne, plur. die -n, eine ehemalige Französische Goldmünze, welche so viel als ein Doppelducaten war, und gemeiniglich 5 Rthlr. gilt; eine Pistole, ein Louisd'or, welche Münzen nachmahls an ihre Stelle getreten sind. Aus dem Franz. Doublon, Ital. Dobbla, Doppia.
 
Artikelverweis Der
Ducāten, plur. ut nom. sing. eine Gold- und Silbermünze, welche seit ihrem Ursprunge einen verschiedenen Werth gehabt hat, in Deutschland jetzt eine Goldmünze ist, welche gemeiniglich 2 Rthlr. 18 bis 20 Gr. gilt; dagegen man in Italien und Spanien auch silberne Ducaten hat, welche von weit geringerm Werthe sind. Sie hat den Nahmen von dem Latein. Worte Ducatus, weil ein Herzog von Ferrara sie im sechsten Jahrhunderte zuerst schlagen lassen. S. Hist. de Venise par Laugier. Wenigstens sind sie unter diesem Nahmen in Italien weit älter als die Apulischen und Venetianischen Ducaten aus dem 13 ten Jahrhunderte, welche du Fresne für die ersten hält. Die Italiänischen Ducaten von Gold heißen heut zu Tage am häufigsten Zechinen, S. dieses Wort; dagegen die Italiäner die ausländischen Ducaten Ungari zu nennen pflegen. In der Schweiz heißen die Ducaten auch Schlidfranken. S. auch Goldgülden. Daher das Ducaten-Gold, feines Gold, wie es zu den Ducaten genommen wird; das Ducaten-Äßchen, ein kleines Gewicht, womit an einigen Orten die goldenen und silbernen Münzen gewogen werden, und deren 15 einen Gran, 64 aber einen Ducaten machen; das Ducaten-Röschen, ein Nahme des Mauseöhrchens, wegen der goldgelben Blumen, u. s. f.

[Bd. 1, Sp. 1567]



 
Artikelverweis 
Ducken, verb. reg. act. welches ehedem niederdrücken, niederbeugen bedeutete, jetzt aber nur noch in den gemeinen Mundarten als ein Reciprocum in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1) Sich ducken, niederducken, den Kopf und Vorderleib niederwärts, zur Erde beugen. Geduckt gehen, mit gebogenem Rücken, krumm einher gehen, in den niedrigen Mundarten ducknackig gehen. In Preußen ist ducknackig gehen, mitniedergebeugtem Gesichte traurig einher gehen.
   Der Heldt hort den knall sich tuckhet
   Und seinen Kopf an sich zuckhet,
   Theuerd. Kap. 78.
   Es was im not das er sich duckh
   Sonnst so het sein Leben ein endt,
   Theuerd. Kap. 55. 2) Figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben, sich ducken, sich in die Umstände, in die Zeiten schicken. Man muß sich ducken und schmiegen, wenn man durch die Welt kommen will.
   Anm. Dieses Zeitwort lautet im Oberdeutschen tucken, im Nieders. duken, im Holländ. duiken, im Engl. to duck, im Schwed. duka, im Angels. thyegan. Es ist das Intensivum von tauchen, bey dem Notker duchen, wie bücken von biegen, drücken von dragen, zucken von ziehen u. s. f. S. Adelung Tauchen, Stauchen und Tücke. Ze loch tucken, bedeutet bey einem der Schwäbischen Dichter sich in einen geheimen Ort verbergen, und dukkern im Nieders. mit gebeugtem Haupte davon schleichen, bey dem Pictorius dichen.
 
Artikelverweis Der
Duckmäuser, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, eine verächtliche Benennung eines listigen verschlagenen Menschen, der seine Schalkheit zu verbergen weiß. Zuweilen auch eines Menschen, der nicht frey aus den Augen siehet.
   Anm. Bey dem Kaisersberg und andern Oberdeutschen Schriftstellern lautet dieses Wort Duckelmäuser, Tugkenmäußler, Tockmäuser, im Nieders. Tuckmüser. Ein dockmeußeter Mensch hat im Oberdeutschen eben dieselbe Bedeutung. Die erste Hälfte dieses Wortes gehöret unstreitig zu dem vorigen Worte ducken, zumahl da Düchler bey dem Altensteig auch von einem verschlagenen hinterlistigen Menschen gebraucht wird. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist vermuthlich von dem veralteten musen, nachsinnen, so daß Duckmäuser eigentlich einen Menschen bedeutet, der heimlich auf allerley Tücke und Ränke sinnet; S. Adelung Tücke und Kalmäuser.
 
Artikelverweis Der
Duckstein, des -es, plur. inus. 1) Eine, besonders Niedersächsische Benennung derjenigen Steinart, welche im Hochdeutschen unter dem Nahmen des Tophes bekannt ist; S. dieses Wort. 2) Ein Weißbier, welches zu Königslutter in dem Herzogthume Braunschweig gebrauet wird, und seinen Nahmen daher hat, weil die Lutter, an welcher dieser Ort liegt, und aus welcher das Wasser zu diesem Biere genommen wird, aus einem Ducksteine oder Tophe entspringet, und geraume Zeit auf einer solchen Steinart fort fließet.
   Anm. Vermuthlich hat diese löcherige poröse Steinart den Nahmen von dem alten Worte Dock, eine Röhre, Canal. S. 2 Docke.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: