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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Drüber bis Druckerlohn (Bd. 1, Sp. 1559 bis 1561)
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Artikelverweis  Drüber, S. Adelung Darüber.
 
Artikelverweis Der
Druck, des -es, plur. die -e, das Hauptwort von dem Verbo drucken. 1. Die Handlung des Drückens so wohl, als des Druckens, und zwar, 1) des Drückens, ohne Plural. (a) Eigentlich, die Bemühung, die Theile eines Körpers in einen engern Raum zu bringen. Ein Druck mit der Hand.
   Ein sanfter Druck macht oft das ganze Herz bekannt,
   Rost. Einem einen Druck geben, figürlich, ihm einen heimtückischen Streich spielen. Ihm den letzten Druck geben, sein Unglück vollenden. Zuweilen wird dieses Wort auch in weiterer Bedeutung von der Bemühung gebraucht, einen Körper aus seiner Stelle zu bringen. Der Druck der Gewichte, d. i. der Zug. Der Druck der Feder in einer Uhr. (b) Figürlich, Bedrückung. Seinen Schmerz unter dem Drucke der Übel zu mäßigen wissen. Die Unterthanen seufzen unter dem Drucke schwerer Auflagen. 2) Des Druckens, besonders des Buchdruckens mit allen dahin gehörigen Nebenarbeiten. Ein Buch in den Druck geben, es drucken lassen. Eine Schrift zum Drucke geben, zum Drucke befördern. Ein Buch im Drucke ausgehen lassen, es durch den Druck bekannt machen, ist eine in der anständigern Schreibart veraltete Redensart. Der erste Druck, die erste Auflage eines Buches. Der zweyte Druck, u. s. f. Zuweilen deutet dieses Wort auch die Art und Weise des Druckes an. Ein zierlicher, ein reiner, ein leserlicher Druck. In dieser ganzen Bedeutung ist, wie bey andern Abstractis, der Plural nicht üblich, obgleich einige denselben in der eigentlichen Bedeutung des Drückens von einem wiederhohlten Drucke gewagt haben. 2. Dasjenige, was gedruckt, oder durch den Druck hervor gebracht wird. So wohl für die dadurch hervor gebrachte Schrift. Wenn der Druck noch neu ist, so ziehet er sich im Schlagen der Bücher gerne ab. Als auch für gedruckte Bücher. Alte Deutsche Drucke. Im Oberdeutschen wird dieses Wort zuweilen auch von gekeltertem Weine, gepreßtem Öhle u. s. f. gebraucht. Der erste Druck, Most, der durch die erste Arbeit des Kelterns erhalten wird.
   Anm. Dieses Hauptwort lautet schon bey dem Notker Druch. In der figürlichen Bedeutung für Angst, Kummer, kommt bey dem Tatian Thrucnessi vor.
 
Artikelverweis Die
Druckelpumpe, S. Adelung Druckpumpe.
 
Artikelverweis 
Drücken, verb. reg. act. die Theile eines Körpers in einen engern Raum zu bringen suchen. 1. Eigentlich. Butter in den Topf drücken. Etwas in der Hand fest zusammen drücken. Einem die Hand drücken, als ein Merkmahl des alten Deutschen Wohlwollens. Den Huth in das Gesicht drücken. Der Alp hat ihn gedrückt, S. Adelung Alp.
   Er hat seinen Mund auf meine Hand gedrückt,
   Gell. Jemanden an seine Brust drücken, als ein Merkmahl lebhafter Zärtlichkeit. Drücke auch diese zwey Unschuldigen an deine Brust. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Einen Körper aus seiner Stelle zu bringen suchen. So schreibt man oft dem Zuge der Gewichte einer Uhr, der Wirkung der stählernen Feder, ein Drücken zu. 2) Durch Drücken Schmerzen verursachen, wund drücken. Die Schuhe drücken mich. Da drückt uns der Schuh, figürlich, im gemeinen Leben, das ist der geheime Schmerz, der uns quält. Der Sattel hat das Pferd gedrückt, hat dasselbe wund gedrückt. 3) Ingleichen von gewissen Empfindungen, welche der durch Drücken verursachten Empfindung gleichen. Es drückt mich auf der Brust. Ich fühle ein schmerzhaftes Drücken im Unterleibe. 4) Durch Drücken befestigen. Das Siegel auf eine Urkunde drücken. 5) In der Mahlerey

[Bd. 1, Sp. 1560]


bedeutet drücken oder drucken, die Schatten dunkeler machen, weil solches vermittelst eines stärkeren Druckes mit dem Pinsel geschiehet; im Gegensatze des Blickens. 6) Sich drücken, im gemeinen Leben, einen moralisch engern Raum einzunehmen suchen. Man muß sich schmiegen und drücken, wenn man mit Ehren durch die Welt kommen will. Wer sehr pranget, der verdirbt darüber, wer sich aber drücket, der kommt empor, Sir. 20, 11. 7) Zaudern, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Was drückst du lange, gib her, was du hast. In den niedrigen Sprecharten ist dafür ein neues Frequentativum drucksen üblich. 8) Beschwerde, Kummer, Gram verursachen. Die drückende Last der Geschäfte. Von Mangel und Armuth gedrückt werden. Die Unterthanen mit Abgaben drücken. Hier drückt ein mächtiges Unrecht die Unschuld. Die Tugend wird gedrückt, aber nicht unterdrückt. Die Noth drückt mich. Ich fühle, daß mich ihre Seufzer unter allen meinen übrigen Lasten am meisten drücken. S. das folgende.
 
Artikelverweis 
Drucken, verb. reg. act. welches die Oberdeutsche Form des vorigen ist, und daher im Oberdeutschen auch in allen Bedeutungen des vorigen üblich ist.
   Es drucket mich, o Herr, sehr schweres Leid,
   Opitz. Ps. 119.
   Sie drucken dir dein liebes Erbe,
   Opitz. Ps. 94.
   Eh, als ich noch gedruckt ward, irret ich,
   Opitz. Ps. 119.
   Der uns aus der Noth geruckt,
   Als man heftig uns gedruckt,
   Opitz. Ps. 136. Welche Form auch Luther in vielen Stellen der Deutschen Bibel beybehalten hat. Und man satzte Fronvögte über sie, die sie mit schweren Diensten drucken sollten, 2 Mos. I, 11, 12. Wir werden gedruckt und geplagt, Klagel. 3, 47. Des Narren Rede druckt, wie eine Last auf dem Wege, Sir. 20, 10 u. s. f. Im Hochdeutschen hat man dieses Zeitwort nur von derjenigen Arbeit beybehalten, da man vermittelst gewisser Formen und Farben Züge und Bilder durch Drücken auf andere Körper überträgt. Figuren auf Leinwand, auf Zeug drucken. Kattun drucken, durch ein solches Drucken einen Zeug in Kattun verwandeln. Gedrucktes Papier, gedruckte Zeuge, welche auf solche Art mit allerley Figuren versehen worden. Besonders von dem Drucke der Bücher. Ein Buch drucken lassen. Es wird noch an dem Buche gedruckt. Er lügt, als wenns gedruckt wäre, im gemeinen Leben.
   Anm. 1. Drucken und drücken sind bloß der Mundart nach unterschieden. Die Oberdeutschen gebrauchen in allen Fällen ohne Ausnahme drucken, die Niedersachsen aber drücken. Selbst das Drucken der Zeuge und Bücher heißt im Niedersächsischen drücken, welche Form selbst ein Mahl bey dem Opitz vorkommt. Die Hochdeutschen haben in dieser letztern Bedeutung das Oberdeutsche drucken beybehalten, weil die Erfindung der Sache selbst Oberdeutsch ist, und durch die ersten Oberdeutschen Drucker in Sachsen eingeführet worden. Eben dieses gilt auch von den Zusammensetzungen abdrucken und abdrücken, andrucken und andrücken, aufdrucken und aufdrücken, ausdrucken und ausdrücken, bedrucken und bedrücken, eindrucken und eindrücken u. s. f.
   Anm. 2. Bey dem Kero und Notker lautet dieses Wort druchen, bey dem Tatian thrucken, im Angels. thriccan, im Schwed. trycka, im Ital. vermittelst des voran gesetzten Zischlautes struccare, im Herbr. 05d305d305da. Es ist, so wie bücken von biegen, zucken von ziehen u. s. f. das Iterativum oder Intensivum von einem Zeitworte, welches bey dem Ulphilas threihan, im Angels. treagan, im Schwed. truga, und im Griech. τρυω, τρυχω, lautet, und gleichfalls reiben, drucken, beunruhigen bedeutet. Unser Deutsches drängen und dringen scheinen von diesem

[Bd. 1, Sp. 1561]


einfachern Zeitworte bloß durch das eingeschaltete n einer nieselnden Mundart verschieden zu seyn. S. auch Tragen. Im Oberdeutschen wird drucken auch für rucken, rücken, gebraucht.
   Das ersach sein geselschaft werd
   Trückten im nach mit aller macht,
   Theuerd. Kap. 82.
   So will ich mit dem andern Zeug
   Nachdrucken,
   Kap. 91. Alle Reben so nicht erfroren, fingen erst so spät an zu drucken, Bluntschli, d. i. auszuschlagen, heraus zu rücken.
 
Artikelverweis Der
Drücker, des -s, plur. ut nom. sing. ein jedes Werkzeug zum Drücken. Besonders die Handhabe an den Schlössern, womit die Schnalle der Klinke aufgedrücket wird; im Oberdeutschen der Drucker. In den Münzen ist der Drücker ein stählerner Kegel mit einem scharfen Rande, die Münzen auszustückeln, d. i. aus den geplätteten Schienen die runden Scheiben zu der künftigen Münze auszuschneiden.
 
Artikelverweis Der
Drucker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Druckerinn, plur. die -en. 1) Überhaupt eine jede Person, welche vermittelst gewisser Formen und Farben allerley Bilder und Züge auf andere Körper druckt. Daher der Kartendrucker, Buchdrucker, Kupferdrucker, Kattundrucker, Leinwanddrucker u. s. f. 2) Besonders bey den Buchdruckern, derjenige Arbeiter, welcher die Farben auf die gesetzten Formen trägt, und abdruckt; zum Unterschiede von dem Setzer.
 
Artikelverweis Der
Druckerballen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ballen, mit welchem die Drucker die Farben auf die Formen tragen; dergleichen Ballen sich besonders die Buch- und Kupferdrucker bedienen.
 
Artikelverweis Die
Druckerēy, plur. die -en 1) Die Kunst, die Geschicklichkeit zu drucken, ohne Plural. Die Druckerey mit bunten Farben. Besonders, die Kunst Bücher und Schriften zu drucken. Die Druckerey verstehen. S. Adelung Buchdruckerey. 2) Die Werkstätte eines jeden Druckers; besonders eines Buchdruckers.
 
Artikelverweis Die
Druckerfarbe, plur. die -n, eine jede Farbe, deren sich die Drucker aller Arten bedienen. Die schwarze Farbe der Buch- und Kupferdrucker wird am häufigsten Druckerschwärze genannt.
 
Artikelverweis Der
Druckerlohn, des -es, plur. car. der Lohn, welchen ein Drucker für seine Arbeit bekommt. Besonders dasjenige Geld, welches einem Buchdrucker für den Druck einer Schrift oder eines Buches gebühret.

 

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