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2. Die Drossel bis Drücken (Bd. 1, Sp. 1558 bis 1559)
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Artikelverweis  2. Die Drossel, plur. die -n, bey einigen Zergliederern, z. B. dem Kulmus, eine Benennung des Schlüsselbeines, und im Plural der Schlüsselbeine, welche andere auch die Drosselbeine nennen; vermuthlich auch, wegen der hervor ragenden Erhöhung, welche sie von außen an dem Körper bilden.
 
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3. Die Drossel, plur. die -n, eine Art Sangvögel, welche im gemeinen Leben zu den Krammetsvögeln gerechnet werden, von verschiedener Farbe und Größe sind, eine erhabene Brust, und einen mittelmäßig starken Schnabel mit stumpfen Schneiden haben; Turdus, L.
   Anm. In den gemeinen Mundarten heißt dieser Vogel Drostel, Droschel, Trosthel, im Engl. Thrush, Throstle, im Angels. Throstle, Thrise, im Dän. und Norweg. Trost, im Schwed. Trast, im Franz. Tourette, im Wallis. Tresglen, im Bretagnischen Drasq, im Pohlnischen, Böhmischen und Russischen Drozd, Drosd, im Latein. Turdus. Um Osnabrück nennet man diesen Vogel auch Maßen.
 
Artikelverweis Die
Drosselader, plur. die -n, zwey Adern am Halse, welche oben von der Ader des Schlüsselbeines abstammen; vena jugularis externa und interna. Die Lungenader an den Pferden wird von den Schmieden gleichfalls die Drosselader genannt. S. 1 Drossel.
 
Artikelverweis Die
Drosselbêêre, plur. die -n, die Beeren des Bach- oder Hirschholders, und dieser Strauch selbst; entweder weil sie eine angenehme Speise der Drossela sind, oder auch, weil sie drossel-d. i. büschelweise wachsen. S. 1 Drossel, ingleichen Bachhohlunder.
 
Artikelverweis Das
Drosselbein, des -es, plur. die -e, S. 2 Drossel.
 
Artikelverweis Der
Drost, des -en, plur. die -en, in Westphalen, am Niederrheine und in den Niederlanden, eine obrigkeitliche Person auf dem Lande, welche ungefähr das ist, was in Obersachsen die Amtshauptleute sind, S. dieses Wort. Ist der Drost nicht bloß einem Amte, sondern einer ganzen Gegend oder Provinz vorgesetzt, so heißt er Landdrost, und ist alsdann das, was an andern Orten ein Landeshauptmann oder Landvogt ist; S. diese Wörter. Heut zu Tage, wenigstens in Westphalen ist die Würde größten Theils nur ein Ehrentitel, der mit keiner Arbeit verbunden ist. Daher das Drostenamt, oder Drostamt, des -es, plur. die -ämter, die Würde und das Amt eines Drosten; die Drostēy, plur. die -en, das Gebieth, dem ein Drost vorgesetzt ist u. s. f.
   Anm. Man hat von diesem noch dunkeln Worte viele Ableitungen. Boxhorns Ableitung von dem Persischen Nahmen Darius möchte wohl viele zum Lachen bewegen. Schilter leitet es von Traut, Drutt, her, weil die alten Drosten, vertraute Räthe des Landesfürsten waren, Frisch von Truchseß, Ihre aber mit mehrerm Rechte von dem alten Drott, ein Herr. In den mittlern Zeiten wurde dieses Wort Drottset, Drozet, Drozt, geschrieben, im mittlern Latein. Drossardus, Drossatus. S. Adelung Ihre Gloss. v. Drott und Drottsaet, wo weitläufig so wohl von der Abstammung dieses Wortes, als auch von der dadurch bezeichneten Würde gehandelt wird.
 
Artikelverweis 
Drüben, ein Nebenwort des Ortes, für auf jener Seite, da oder dort üben, welches aber nur im gemeinen Leben üblich ist. Er ist drüben, auf jener Seite. Aber, o sieh, was drüben im Dunkeln wild mit Flammen herauf zieht, Klopst. Das im Hochdeutschen

[Bd. 1, Sp. 1559]


veraltete Nebenwort üben, auf einer Seite, ist noch in einigen gemeinen Mundarten üblich.
 
Artikelverweis 
Drüber, S. Adelung Darüber.
 
Artikelverweis Der
Druck, des -es, plur. die -e, das Hauptwort von dem Verbo drucken. 1. Die Handlung des Drückens so wohl, als des Druckens, und zwar, 1) des Drückens, ohne Plural. (a) Eigentlich, die Bemühung, die Theile eines Körpers in einen engern Raum zu bringen. Ein Druck mit der Hand.
   Ein sanfter Druck macht oft das ganze Herz bekannt,
   Rost. Einem einen Druck geben, figürlich, ihm einen heimtückischen Streich spielen. Ihm den letzten Druck geben, sein Unglück vollenden. Zuweilen wird dieses Wort auch in weiterer Bedeutung von der Bemühung gebraucht, einen Körper aus seiner Stelle zu bringen. Der Druck der Gewichte, d. i. der Zug. Der Druck der Feder in einer Uhr. (b) Figürlich, Bedrückung. Seinen Schmerz unter dem Drucke der Übel zu mäßigen wissen. Die Unterthanen seufzen unter dem Drucke schwerer Auflagen. 2) Des Druckens, besonders des Buchdruckens mit allen dahin gehörigen Nebenarbeiten. Ein Buch in den Druck geben, es drucken lassen. Eine Schrift zum Drucke geben, zum Drucke befördern. Ein Buch im Drucke ausgehen lassen, es durch den Druck bekannt machen, ist eine in der anständigern Schreibart veraltete Redensart. Der erste Druck, die erste Auflage eines Buches. Der zweyte Druck, u. s. f. Zuweilen deutet dieses Wort auch die Art und Weise des Druckes an. Ein zierlicher, ein reiner, ein leserlicher Druck. In dieser ganzen Bedeutung ist, wie bey andern Abstractis, der Plural nicht üblich, obgleich einige denselben in der eigentlichen Bedeutung des Drückens von einem wiederhohlten Drucke gewagt haben. 2. Dasjenige, was gedruckt, oder durch den Druck hervor gebracht wird. So wohl für die dadurch hervor gebrachte Schrift. Wenn der Druck noch neu ist, so ziehet er sich im Schlagen der Bücher gerne ab. Als auch für gedruckte Bücher. Alte Deutsche Drucke. Im Oberdeutschen wird dieses Wort zuweilen auch von gekeltertem Weine, gepreßtem Öhle u. s. f. gebraucht. Der erste Druck, Most, der durch die erste Arbeit des Kelterns erhalten wird.
   Anm. Dieses Hauptwort lautet schon bey dem Notker Druch. In der figürlichen Bedeutung für Angst, Kummer, kommt bey dem Tatian Thrucnessi vor.
 
Artikelverweis Die
Druckelpumpe, S. Adelung Druckpumpe.
 
Artikelverweis 
Drücken, verb. reg. act. die Theile eines Körpers in einen engern Raum zu bringen suchen. 1. Eigentlich. Butter in den Topf drücken. Etwas in der Hand fest zusammen drücken. Einem die Hand drücken, als ein Merkmahl des alten Deutschen Wohlwollens. Den Huth in das Gesicht drücken. Der Alp hat ihn gedrückt, S. Adelung Alp.
   Er hat seinen Mund auf meine Hand gedrückt,
   Gell. Jemanden an seine Brust drücken, als ein Merkmahl lebhafter Zärtlichkeit. Drücke auch diese zwey Unschuldigen an deine Brust. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Einen Körper aus seiner Stelle zu bringen suchen. So schreibt man oft dem Zuge der Gewichte einer Uhr, der Wirkung der stählernen Feder, ein Drücken zu. 2) Durch Drücken Schmerzen verursachen, wund drücken. Die Schuhe drücken mich. Da drückt uns der Schuh, figürlich, im gemeinen Leben, das ist der geheime Schmerz, der uns quält. Der Sattel hat das Pferd gedrückt, hat dasselbe wund gedrückt. 3) Ingleichen von gewissen Empfindungen, welche der durch Drücken verursachten Empfindung gleichen. Es drückt mich auf der Brust. Ich fühle ein schmerzhaftes Drücken im Unterleibe. 4) Durch Drücken befestigen. Das Siegel auf eine Urkunde drücken. 5) In der Mahlerey

[Bd. 1, Sp. 1560]


bedeutet drücken oder drucken, die Schatten dunkeler machen, weil solches vermittelst eines stärkeren Druckes mit dem Pinsel geschiehet; im Gegensatze des Blickens. 6) Sich drücken, im gemeinen Leben, einen moralisch engern Raum einzunehmen suchen. Man muß sich schmiegen und drücken, wenn man mit Ehren durch die Welt kommen will. Wer sehr pranget, der verdirbt darüber, wer sich aber drücket, der kommt empor, Sir. 20, 11. 7) Zaudern, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Was drückst du lange, gib her, was du hast. In den niedrigen Sprecharten ist dafür ein neues Frequentativum drucksen üblich. 8) Beschwerde, Kummer, Gram verursachen. Die drückende Last der Geschäfte. Von Mangel und Armuth gedrückt werden. Die Unterthanen mit Abgaben drücken. Hier drückt ein mächtiges Unrecht die Unschuld. Die Tugend wird gedrückt, aber nicht unterdrückt. Die Noth drückt mich. Ich fühle, daß mich ihre Seufzer unter allen meinen übrigen Lasten am meisten drücken. S. das folgende.

 

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