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Drömt bis Drüben (Bd. 1, Sp. 1557 bis 1558)
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Artikelverweis Das Drömt, des -es, plur. die -e, ein nur in Niedersachsen übliches Getreidemaß, welches zwölf Scheffel hält, und den Obersächsischen und Oberdeutschen Maltern gleicht. Zwey Drömt machen einen Wispel, acht Drömt aber eine Last. Frisch leitet es von dem Latein. Trimodius ab.
 
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Drönen, verb reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, aber gleichfalls nur im Niedersächsischen einheimisch ist, einen erschütternden Ton von sich geben. So drönen die Fenster bey dem Donner, ingleichen wenn ein schwerer Wagen vorbey fähret. Eine drönende, zitternde, Stimme. Es möchten einem die Ohren davon drönen, gällen.
   Unter mir drönet der Grund, und einsame Gräber erzittern
   Von dem belebenden Schalle begrüßt,
   Zachar. Im Niedersächsischen drönen, dreunen, im Holländ. dreunen, im Ital. tronare.
 
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Drȫschen, S. Adelung Dräuschen.
 
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1. Die Drossel, plur. die -n, in verschiedenen gemeinen Mundarten, 1) eigentlich der dicke Knorpel über der Gurgel so wohl bey Menschen, als auch bey einigen Thieren, welchen andere den Adamsapfel nennen; S. dieses Wort. 2) In weiterer Bedeutung, die Gurgel, die Luft- und Speiseröhre; S. Erdrosseln.
   Anm. In Schwaben kommt um das Jahr 1400 die Druzzel für die Kehle vor. Im Angels. ist Throta, Throte, Throtbolla, im Engl. Throat und Throttle gleichfalls die Gurgel oder Kehle. Andere Mundarten setzen noch den Zischlaut voran, daher im Holländ. die Kehle Strot, Storte, in einigen Oberdeutschen Gegenden die oder der Stroß, und im Ital. Strozza lautet. Man könnte aus dieser Ursache das Wort von Straße ableiten, weil doch die Luft- und Speiseröhre gleichsam die Straße

[Bd. 1, Sp. 1558]


der Speisen und der Luft ist. Allein da eigentlich der erhabene Knorpel diesen Nahmen führet, so ist glaublicher, daß das alte Droß, ein Haufe, Angels. Throsme, Schwed. Drofs, im mittlern Lateine Trossa, von welchem Drossel, so wie das Latein. Trossellus, das Frequentativum ist, zu diesem Worte Gelegenheit gegeben. S. Adelung Troß.
 
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2. Die Drossel, plur. die -n, bey einigen Zergliederern, z. B. dem Kulmus, eine Benennung des Schlüsselbeines, und im Plural der Schlüsselbeine, welche andere auch die Drosselbeine nennen; vermuthlich auch, wegen der hervor ragenden Erhöhung, welche sie von außen an dem Körper bilden.
 
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3. Die Drossel, plur. die -n, eine Art Sangvögel, welche im gemeinen Leben zu den Krammetsvögeln gerechnet werden, von verschiedener Farbe und Größe sind, eine erhabene Brust, und einen mittelmäßig starken Schnabel mit stumpfen Schneiden haben; Turdus, L.
   Anm. In den gemeinen Mundarten heißt dieser Vogel Drostel, Droschel, Trosthel, im Engl. Thrush, Throstle, im Angels. Throstle, Thrise, im Dän. und Norweg. Trost, im Schwed. Trast, im Franz. Tourette, im Wallis. Tresglen, im Bretagnischen Drasq, im Pohlnischen, Böhmischen und Russischen Drozd, Drosd, im Latein. Turdus. Um Osnabrück nennet man diesen Vogel auch Maßen.
 
Artikelverweis Die
Drosselader, plur. die -n, zwey Adern am Halse, welche oben von der Ader des Schlüsselbeines abstammen; vena jugularis externa und interna. Die Lungenader an den Pferden wird von den Schmieden gleichfalls die Drosselader genannt. S. 1 Drossel.
 
Artikelverweis Die
Drosselbêêre, plur. die -n, die Beeren des Bach- oder Hirschholders, und dieser Strauch selbst; entweder weil sie eine angenehme Speise der Drossela sind, oder auch, weil sie drossel-d. i. büschelweise wachsen. S. 1 Drossel, ingleichen Bachhohlunder.
 
Artikelverweis Das
Drosselbein, des -es, plur. die -e, S. 2 Drossel.
 
Artikelverweis Der
Drost, des -en, plur. die -en, in Westphalen, am Niederrheine und in den Niederlanden, eine obrigkeitliche Person auf dem Lande, welche ungefähr das ist, was in Obersachsen die Amtshauptleute sind, S. dieses Wort. Ist der Drost nicht bloß einem Amte, sondern einer ganzen Gegend oder Provinz vorgesetzt, so heißt er Landdrost, und ist alsdann das, was an andern Orten ein Landeshauptmann oder Landvogt ist; S. diese Wörter. Heut zu Tage, wenigstens in Westphalen ist die Würde größten Theils nur ein Ehrentitel, der mit keiner Arbeit verbunden ist. Daher das Drostenamt, oder Drostamt, des -es, plur. die -ämter, die Würde und das Amt eines Drosten; die Drostēy, plur. die -en, das Gebieth, dem ein Drost vorgesetzt ist u. s. f.
   Anm. Man hat von diesem noch dunkeln Worte viele Ableitungen. Boxhorns Ableitung von dem Persischen Nahmen Darius möchte wohl viele zum Lachen bewegen. Schilter leitet es von Traut, Drutt, her, weil die alten Drosten, vertraute Räthe des Landesfürsten waren, Frisch von Truchseß, Ihre aber mit mehrerm Rechte von dem alten Drott, ein Herr. In den mittlern Zeiten wurde dieses Wort Drottset, Drozet, Drozt, geschrieben, im mittlern Latein. Drossardus, Drossatus. S. Adelung Ihre Gloss. v. Drott und Drottsaet, wo weitläufig so wohl von der Abstammung dieses Wortes, als auch von der dadurch bezeichneten Würde gehandelt wird.
 
Artikelverweis 
Drüben, ein Nebenwort des Ortes, für auf jener Seite, da oder dort üben, welches aber nur im gemeinen Leben üblich ist. Er ist drüben, auf jener Seite. Aber, o sieh, was drüben im Dunkeln wild mit Flammen herauf zieht, Klopst. Das im Hochdeutschen

[Bd. 1, Sp. 1559]


veraltete Nebenwort üben, auf einer Seite, ist noch in einigen gemeinen Mundarten üblich.

 

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