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Drohen bis 1. Die Drossel (Bd. 1, Sp. 1556 bis 1557)
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Artikelverweis  Drohen, verb. reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, und die dritte Endung der Person erfordert, zu erkennen geben, daß man jemanden Übels zufügen wolle. 1. Eigentlich, mit der Hand und mit den Mienen. Einem mit aufegehabener Hand drohen. Sprichw. Wer drohet, der schlägt nicht. Drohende Mienen. 2. In weiterer Bedeutung, mit Worten. Einem den Tod drohen. Er drohete mir mit einer Klage. Sie droheten, die Gefängnisse aufzubrechen. Der Feind drohete der Stadt mit Feuer und Schwert. Auch figürlich und im Scherze von Dingen, welche uns eben nicht zum Schaden gereichen. Wenn sie mir mit neuer Güte drohen, so werde ich sie allein lassen. 3. Figürlich. 1) Durch seine Anstalten, Vorbereitungen, zu erkennen geben, daß man jemanden schaden wolle. Der Feind drohet uns mit einem Überfalle. Man drohet der Stadt mit einer Belagerung. 2) Auch von leblosen Dingen, welche uns zufälliger Weise schädlich werden können. Das Haus drohet alle Augenblicke den Einfall, oder drohet alle Augenblicke, einzufallen. Sein durch Gram vergiftetes Leben drohet einen langsamen Tod.
   Was für ein finsterer Sturm droht meiner Zärtlichkeit!
   Weiße. Daher die Drohung, plur. die -en, so wohl von der Handlung des Drohens, ohne Plural, als auch von drohenden Worten, von einer Rede, in welcher man drohet. Deine Drohungen schrecken mich nicht. Er ließ schreckliche Drohungen von sich hören.
   Anm. Dieses Zeitwort lautet in dem alten Gedichte auf den heil. Anno dron. Ältere Oberdeutsche Schriftsteller gebrauchen dafür dräuen, Kero dreuuan, Ottfried threuuen, welche Form noch oft in der Deutschen Bibel vorkommt, im Hochdeutschen aber veraltet ist. Im Angels. lautet dieses Wort dreatian, threatan, threan, im Nieders. drauen, im Engl. threaten. Die Abstammung ist dunkel. Kero gebraucht es für schelten, einen Verweis geben. Im Schwed. lautet truga, so wohl drücken, in figürlicher Bedeutung, als auch drohen; und dieß bewegte Hrn. Ihre, auch dieses Zeitwort zu drucken, Schwed. trycka, zu rechnen. Allein unser Deutsches drohen würde sich wohl ohne gar zu großen Zwang nicht von drucken ableiten lassen. Das Hauptwort die Drohung, lautet bey dem Kero Drouua, bey dem Ottfried Thrau, Thrauua, in den spätern Zeiten Dro, und noch im Nieders. Drau. Opitz nennet ein Mahl einen Kometen den Dräuer, welches Wort aber sonst nicht üblich ist.

[Bd. 1, Sp. 1557]



 
Artikelverweis Das
Drohn, des -es, plur. die -e, im Hannöverischen, ein Raum von drey Viertel Morgen Landes.
 
Artikelverweis Die
Drohne, plur. die -n, die Brutbiene, S. Adelung Thräne, obgleich Drohne der Abstammung nach richtiger ist.
 
Artikelverweis Das
Drohwort, des -es, plur. die -e, eine drohende Rede, eine Rede, welche eine Drohung enthält. Seine Drohworte schrecken mich nicht.
 
Artikelverweis 
Drollig, -er, -ste, adj. et adv. einen merklichen Grad Lachen erregend, possierlich. Das ist drollig. Ein drolliger Mensch. Ein drolliger Spaß. Ein drolliger Einfall. Das Drollige ist ungefähr die Grenze, wo sich das edle Komische von dem niedern Komischen scheidet.
   Anm. Dieses Wort stammet zunächst aus dem Niedersächsischen her, wo es drullig lautet, und woher auch die Holländer ihr drol, die Engländer ihr droll, und die Franzosen ihr drosle, drôle haben. Die Abstammung ist noch ungewiß, obgleich einige das Zeitwort trollen, im Nieders. trulen, trullen, rollen, wälzen, andere das alte Nordische trolla, zaubern, hexen, Troll, ein Gespenst, Dämon, Menage aber drauculus, das Diminut. von draucus, für das Stammwort ansehen; anderer Ableitungen zu geschweigen. In Oberschwaben und Baiern ist Droll, Trolle ein Schimpfwort eines faulen nichtswerthen Menschen, in der Schweiz bedeutet Tröler, einen bösen Buben, und Trülle ist bey dem Pictorius eine liederliche Weibsperson, prostibulum. Für drollig gebrauchen die Niedersachsen auch putzig, schnurrig und schnakisch.
 
Artikelverweis Das
Dromedār, des -es, plur. die -e, eine allgemeine Benennung aller geschwinden Kamehle, besonders der kleinern Art, welche nur Einen Höcker, aber einen sehr flüchtigen Gang hat; von dem Griech. δρομος. In der Deutschen Bibel werden diese flüchtigen Kamehle an einigen Orten Läufer genannt.
 
Artikelverweis 
Drommête, Drommêten, S. Adelung Trompete, Trompeten.
 
Artikelverweis Das
Drömt, des -es, plur. die -e, ein nur in Niedersachsen übliches Getreidemaß, welches zwölf Scheffel hält, und den Obersächsischen und Oberdeutschen Maltern gleicht. Zwey Drömt machen einen Wispel, acht Drömt aber eine Last. Frisch leitet es von dem Latein. Trimodius ab.
 
Artikelverweis 
Drönen, verb reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, aber gleichfalls nur im Niedersächsischen einheimisch ist, einen erschütternden Ton von sich geben. So drönen die Fenster bey dem Donner, ingleichen wenn ein schwerer Wagen vorbey fähret. Eine drönende, zitternde, Stimme. Es möchten einem die Ohren davon drönen, gällen.
   Unter mir drönet der Grund, und einsame Gräber erzittern
   Von dem belebenden Schalle begrüßt,
   Zachar. Im Niedersächsischen drönen, dreunen, im Holländ. dreunen, im Ital. tronare.
 
Artikelverweis 
Drȫschen, S. Adelung Dräuschen.
 
Artikelverweis 
1. Die Drossel, plur. die -n, in verschiedenen gemeinen Mundarten, 1) eigentlich der dicke Knorpel über der Gurgel so wohl bey Menschen, als auch bey einigen Thieren, welchen andere den Adamsapfel nennen; S. dieses Wort. 2) In weiterer Bedeutung, die Gurgel, die Luft- und Speiseröhre; S. Erdrosseln.
   Anm. In Schwaben kommt um das Jahr 1400 die Druzzel für die Kehle vor. Im Angels. ist Throta, Throte, Throtbolla, im Engl. Throat und Throttle gleichfalls die Gurgel oder Kehle. Andere Mundarten setzen noch den Zischlaut voran, daher im Holländ. die Kehle Strot, Storte, in einigen Oberdeutschen Gegenden die oder der Stroß, und im Ital. Strozza lautet. Man könnte aus dieser Ursache das Wort von Straße ableiten, weil doch die Luft- und Speiseröhre gleichsam die Straße

[Bd. 1, Sp. 1558]


der Speisen und der Luft ist. Allein da eigentlich der erhabene Knorpel diesen Nahmen führet, so ist glaublicher, daß das alte Droß, ein Haufe, Angels. Throsme, Schwed. Drofs, im mittlern Lateine Trossa, von welchem Drossel, so wie das Latein. Trossellus, das Frequentativum ist, zu diesem Worte Gelegenheit gegeben. S. Adelung Troß.

 

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