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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Drillich bis Dritthalb (Bd. 1, Sp. 1553 bis 1555)
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Artikelverweis Der Drillich, des -es, plur. inus. außer von mehrern Arten, die -e, eine Gattung leinenen Gewebes, welches mit dreyfachen Fäden gewebet wird, und Bild und Modell auf beyden Seiten, und zuweilen auch wohl gezogene Arbeit hat. Es wird auch Dreydraht, Dreyschlag, im Nieders. aber Drell und im Schwed. Drell genannt. Gemeiniglich leitet man dieses Wort aus dem Latein. Trilicium her, und will es daher auch Trillich geschrieben wissen. Allein thrilic, bey den Schwäbischen Dichtern drilich, bey dem Stryker drilhe, ist ein altes Deutsches Wort, welches dreyfach, ingleichen ein Gedrittes bedeutet. Si furten drilhe halsperge an, sie trugen dreyfache Halsberge, Stryker. Drie wird in einigen Mundarten auch für drey gebraucht. Ein Gewebe mit doppelten Fäden heißt Zwillich; wäre es nach dem Lateinischen gebildet worden, so müßte es Billich heißen. S. Lich.
 
Artikelverweis Der
Drilling, des -es, plur. die -e. 1) In dem Mühlenbaue, ein Getriebe oder Triebrad, welches aus zwey runden Scheiben bestehet, welche mit Stäben verbunden werden; in den gemeinen Mundarten ein Drehling, Drieling, Dreyling, im Oberdeutschen Trilling, sonst auch wegen einiger Ähnlichkeit, eine Laterne. Sind die Triebstecken nur in eine Welle eingeschnitten, oder eingelegt, so heißt ein solches Getriebe ein Rumpf. 2) An verschiedenen Werkzeugen, besonders Rädern, der krumme Theil, vermittelst dessen sie herum gedrehet werden; der Drehling, Drieling oder Triebel, z. B. an den Spulrädern, Schleifsteinen u. s. f. S. Adelung Dreher.
   Anm. Frisch leitet auch dieses Wort in der ersten Bedeutung von treiben ab. Allein es ist wahrscheinlicher, daß mit demselben vornehmlich auf die zwey Scheiben gesehen werde, welche ein wesentlicher Theil eines Drillinges sind. Eine solche runde Scheibe, trochlea, heißt im Niedersächsischen noch jetzt eine Trile oder Drille. In der zweyten Bedeutung leidet die Abstammung von drehen gar keinen Zweifel.
 
Artikelverweis 
Dringen, verb. irreg. Ich dringe, du dringest, er dringet; Imperf. ich drang oder drung; Conj. ich dränge oder drünge; Mittelwort gedrungen; Imperat. dringe. Es ist in doppelter Gattung üblich.

[Bd. 1, Sp. 1554]



   I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, durch Drücken von der Seite einen Raum einzunehmen suchen. 1. Eigentlich. Das Volk drang in den Saal. Alles dringet herzu. Obgleich diese und andere R. A. nichts Tadelhaftes an sich haben, so ist doch in dieser eigentlichen Bedeutung das Reciprocum sich drängen im Hochdeutschen beynahe üblicher. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung, mit Überwindung eines Widerstandes an und in einen Ort gelangen. Die Feinde sind haufenweise in die Stadt gedrungen. Er drang mit gewaffneter Hand durch das Volk. Das Wasser dringt durch das Dach. Die Fluth dringt in die Gassen.
   Wohin kann nicht ein goldner Regen dringen?
   Wiel. Das Gift drang ihm stark an das Herz. Seine Klagen drungen in das Herz. Gell. Es dringt mir durch Mark und Bein, verursacht mir sehr lebhafte Empfindungen.
   Der Arzt, dem dieses Wort durch Mark und Beine dringet,
   Can.
   Der Frevler, sollt er wohl in mein Geheimniß dringen.
   Weiße. II. Als ein Activum, welches folglich das Hülfswort haben erfordert. 1. In der weitesten Bedeutung, für drücken, in einen engern Raum bringen. In dieser Bedeutung sagt man nur im gemeinen Leben, gedrungen voll, für gedrängt, gepfropft voll. 2. In engerer Bedeutung, von der Seite drücken, von lebendigen Geschöpfen, wie drängen. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen nicht, wohl aber im Oberdeutschen üblich. Thrank in, drängte ihn, Ottfr. Thih thringit man, dich dränget jemand, ebend.
   Zwar er drang mich auf dem Wege,
   Daß ich fast kein Glied mehr rege,
   Opitz Ps. 102.
   Der Sturm gedrungner Wellen,
   Hall. für gedrängter. 3. Figürlich. 1) Etwas mit einer Art von Gewalt zu erhalten suchen, als ein Reciprocum. Sich in ein Amt dringen. Er dringt sich überall zu. Wo doch im Hochdeutschen sich drängen beynahe üblicher ist. 2) Durch moralische Bewegungsgründe zu etwas antreiben. So wohl absolute. Die Zeit dringet mich. Die Liebe Christi dringet uns also, 2 Cor. 5, 14. Da aber Silas kamen, drang Paulum der Geist, Apostelg. 18, 5. Als auch mit Benennung des Gegenstandes. Die Noth hat mich dazu gedrungen. Daher, eine dringende Noth, welche keinen Aufschub leidet. Das würde ich auch in der dringendsten Noth nicht thun. Und die Egypter drungen das Volk, daß sie es eilend aus dem Lande trieben, 2 Mos. 12, 33. In jemanden dringen, ihn durch Worte und Bewegungsgründe in Verlegenheit bringen. Dringen sie nicht so in mich. Sie dringt in ihren Vater, daß er die Verlobung beschleunigen soll, Gell. Auf etwas dringen, es durch Bewegungsgründe, auch wohl befehlsweise, zu erhalten suchen. Der Gegentheil drang auf den Beweis. Darauf drang er am meisten. Er dringt darauf, daß du gehorchen sollst.
   Anm. Dringen lautet im Niedersächsischen gleichfalls dringen, bey dem Ottfried thringan. Freylich wäre es bequem, wenn drängen und dringen so unterschieden wären, wie tränken und trinken, senken und sinken u. s. f. das ist, wenn jenes das Activum, dieses aber bloß das Neutrum wäre. Allein aus den oben angeführten Beyspielen erhellet schon, daß dringen eben so oft active gebraucht wird als drängen. Der ganze Unterschied scheint daher in den Mundarten zu liegen. Im Hochdeutschen findet noch der Unterschied Statt, daß dringen, wenn es ein Activum ist, mehr figürlich, drängen aber mehr eigentlich gebraucht wird. Was die Conjugation betrifft, so sagt man im Imperf. eben so oft drung als drang; indessen scheinet doch die letztere Form

[Bd. 1, Sp. 1555]


bey den Neuern die Oberhand zu bekommen. S. Adelung Drücken, welches von diesem Worte das Intensivum ist.
 
Artikelverweis Der
Dríchsel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Dreschflegel.
 
Artikelverweis Der
Dríschelkürbs, des -es, plur. die -e, eine Art langer Kürbse in Gestalt des dickern Theiles eines Dreschflegels.
 
Artikelverweis 
Drittarten, S. Dribrachen.
 
Artikelverweis 
Dritte, adj. welches die Ordnungszahl von drey ist. Zum dritten Mahle. Der dritte Tag. Wir haben heute den dritten, d. i. den dritten Tag dieses Monaths. Die dritte Stunde. Das dritte Jahr. Selbdritte kommen, mit zweyen kommen, so daß man der dritte ist. S. Adelung Selb. Sehr oft bedeutet dieses Zahlwort nur eine andere Person oder Sache außer zweyen. An einem dritten Orte zusammen kommen, an einem Orte außer den Behausungen der zwey zusammen kommenden. In weiterer Bedeutung gebraucht man dieses Wort auch, wenn derer, die zusammen kommen, mehr als zwey sind. Wir wollen uns vergleichen, aber ohne Nachtheil eines dritten. Damit er es nicht von einem dritten erfahre.
   So züchtig sind zu aller Zeit,
   So unerbittlich viele Schönen,
   Die doch den Wahn der Grausamkeit
   In eines dritten Arm verhöhnen,
   Haged. Der dritte Mann, der dritte, bedeutet oft auch einen Schiedsrichter, den zwey streitige Parteyen freywillig erwählen; ein Obmann, in den gemeinen Mundarten ein Drittmann. So daß er, wenn er will, kann geben (abgeben) Dritte-Mann, Opitz.
   Dort war vertraulich seyn der Drittmann unsrer Herzen,
   Günth. Anm. Bey dem Ulphilas lautet dieses Zahlwort thridja, bey dem Kero dritta, dritto, bey dem Ottfried thritta, thritto, im Angels. dridda, im Nieders. drüdde, darde, im Holländ. derde, dryde, im Engl. third, im Wallis. thryttyd, im Schw. tredje, im Isländ. thridie, im Latein tertius. im Griech. τριτος. Dieses Wort ist, wie die meisten Ordnungszahlen, im Plural nicht gebräuchlich.
 
Artikelverweis Das
Drittel, des -s, plur. ut nom. sing. der dritte Theil eines Ganzen, für Drittheil. Ein Drittel einer Elle. Ein Drittel bedeutet oft den dritten Theil eines Thalers, so fern derselbe aus einer einzigen Münze bestehet. Sächsische, Brandenburgische Drittel, d. i. Achtgroschenstücke. Im gemeinen Leben hat man mit diesem Worte verschiedene Zusammensetzungen. Ein drittelgut, welches nur den dritten Theil eines Bauergutes ausmacht. Ein Drittelbauer oder Drittler, der ein solches Gut besitzet. Ein Drittelstück, ein Drittelsthaler, ein Achtgroschenstück u. s. f. Die Drittelmetze, eine Metze im Hannöverischen, deren drey auf einen Himten gehen, zum Unterschiede von den Viertelmetzen, deren vier einen Himten machen. S. auch Dreydrittel.
 
Artikelverweis 
Drittens, adv. im gemeinen Leben, zum dritten.
 
Artikelverweis Die
Drittérne, plur. die -n, bey den Buchdruckern, drey in einander gesteckte Bogen, welche zusammen mit Einem Buchstaben des Alphabetes bezeichnet werden; wie Duerne, nach dessen Muster dieses Wort gebildet ist, zwey solche Bogen andeutet.
 
Artikelverweis 
Dritthalb, adj. indecl. zwey und ein halb. Dritthalb Tage. Dritthalb Ellen. Dritthalb Jahre.

 

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