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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Drêhstift bis Drếschen (Bd. 1, Sp. 1542 bis 1543)
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Artikelverweis Der Drêhstift, des -es, plur. die -e, bey den Uhrmachern, eine eiserne Spindel, auf welche die Uhrräder, welche sie abdrehen wollen, gestecket werden.
 
Artikelverweis Der
Drêhstuhl, des -es, plur. die -stühle. 1) Ein Stuhl, dessen Sitz auf einer runden Scheibe beweglich ist, damit sich der Sitzende mit demselben herum drehen könne. 2) Verschiedene Arbeiter, z. B. die Uhrmacher, nennen ihre Dreh- oder Drechselbank einen Drehstuhl.
 
Artikelverweis Der
Drhtísch, des -es, plur. die -e, die Dreh- oder Drechselbank der Gürtler.
 
Artikelverweis Die
Drêhzange, plur. die -n, in den Glashütten, eine Zange, das noch weiche Glas vermittelst derselben auszudehnen, und zusammen zu drehen.
 
Artikelverweis 
Drein, S. Adelung Darein.
 
Artikelverweis 
Dreist, -er, -este, adj. et adv. 1) Eigentlich, kühn, beherzt, keine Gefahr scheuend. So nennt man besonders denjenigen dreist, welcher sich nicht vor den Gespenstern fürchtet. 2) Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Wort am häufigsten noch von dem beherzten Betragen in dem gesellschaftlichen Umgange, welches aus einem guten Vertrauen auf sich selbst herrühret, im Gegensatze des furchtsam, schüchtern, blöde. Der Mensch ist in Gesellschaften nicht dreist genug, er ist gar zu blöde. Ein dreistes Kind. Ich habe ihm sehr dreist die Wahrheit gesagt. Darüber spottete sie und sagte dreist, sie hätten Unrecht, Gell. Zuweilen auch im nachtheiligen Verstande, für unverschämt. Er war noch so dreist, mir die Sache in das Gesicht zu läugnen. Das ist sehr dreist.
   Anm. Dreist lautet im Nieders. driest, im Angels. thryste, im Schwed. und Dän. dristig. In den ältern Denkmahlen der Oberdeutschen Mundarten kommt es nicht vor daher es den Sachsen vorzüglich eigen zu seyn scheinet. Die Oberdeutschen gebrauchten dafür durstig, so fern es von dürfen herkommt. Beyde Wörter haben indessen eine gemeinschaftliche Quelle und scheinen bloß durch die Versetzung aus einander entstanden zu seyn, welche Versetzung sich schon in dem Griech. θαρσος, kühn, findet, für welches man auch θρασος sagte, von θαρρειν, dürfen. S. Adelung Dürfen, Durstig, Getrost, Tröstlich. Im Bremischen bedeuten dikdräsig, und dikdräfst, von dräfen, dürfen, gleichfalls kühn.
 
Artikelverweis Die
Dreistigkeit, plur. die -en. 1) Der Muth in Gefahren, beherztes Betragen im gesellschaftlichen Umgange; in allen Bedeutungen des Nebenwortes, aber ohne Plural. 2) Eine dreiste Handlung, doch größten Theils nur im nachtheiligen Verstande, eine unverschämte Handlung im gesellschaftlichen Leben.
 
Artikelverweis *
Drêll, -er, -este, adj. et adv. welches nur im Niedersächsischen üblich ist, munter, lebhaft. Ein Frauenzimmer mit ein

[Bd. 1, Sp. 1543]


Paar kleinen dreisten Augen, Danz. Briefe. Eine drelle Dirne, ein derbes munteres Mädchen. S. Adelung Drall.
 
Artikelverweis Der
Drêll, des -es, plur. inus. S. Adelung Drillich und Dreydraht.
 
Artikelverweis Der
Drêllbohrer, S. Adelung Drillbohrer.
 
Artikelverweis 
Drếschen, verb. irreg. act. ich drésche, du dríschest, er dríschet, oder dríscht; Imperf. ich drósch, an einigen Orten, ich drāsch; Mittelw. gedróschen; Imperat. drísch; die Körner der Feldfrüchte vermittelst des Flegels aus den Ähren schlagen. Korn, Weitzen, Erbsen dreschen. Leeres Stroh dreschen, figürlich, vergebliche Arbeit thun. Ingleichen, für schlagen überhaupt, doch nur in den niedrigen Sprecharten; ingleichen für plaudern, S. Adelung Dräuschen.
   Anm. Dieses Zeitwort lautet schon bey dem Ulphilas thraskan, und Gathrask ist bey eben demselben eine Dreschtenne. Bey dem Notker heißt es drasecan, im Nieders. drosken, im Angels. threscan, im Engl. thresh, im Schwed. tröska, im Dalmat. trassti, im Böhm. trasti, im Pohln. trzasc, im Wend. drashem. Ihre und andere sehen dieses Wort als das Frequentativum von treten an, weil die älteste Art des Dreschens im Austreten der Körner bestand, daher dieses Austreten im Deutschen und in andern Sprachen gleichfalls dreschen genannt wurde; z. B. du sollst dem Ochsen der da drischet u. s. f. Allein dreschen scheinet doch zunächst eine Nachahmung des damit verbundenen Schalles zu seyn, und überhaupt schlagen zu bedeuten, so wie dräuschen der Ausdruck eines andern ähnlichen Schalles ist. Treten selbst ist nichts anders als eine Onomatopöie, und eine Art des Schlagens, S. Adelung Treten. Einige Mundarten verschlucken das r, wie die Bremer, Hannoveraner und Westphalen in ihrem dasken, dosken und döschen, welches denn mit dem veralteten Dos, ein Getöse, und dem Hebr. 05d305d605e9, dreschen, überein kommt. Andere versetzen das r, wie das Angels. derskan, dearscan, Dän. torske, Holländ. dorschen, und Wend. dyrciz, und diese haben das Hebr. 05d3#05e9, treten, auf ihrer Seite. Im Oberdeutschen gehet dieses Zeitwort, wenigstens in einigen Gegenden, auch regulär.
   Da oft ein Arm gedrescht,
   Hall. Selbst in der Deutschen Bibel lautet der Imperativ einige Mahl dresche, für drisch.

 

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