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Drêhdocke bis Drêhscheibe (Bd. 1, Sp. 1540 bis 1542)
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Artikelverweis Die Drêhdocke, plur. die -n, in den Bohrmühlen, eine Docke, welche den Bohrer einschließet, der sich in derselben herum drehet.
 
Artikelverweis Das
Drêheisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein jedes eisernes Werkzeug, dessen sich die Drechsler, besonders die Holzdrechsler zum Drehen oder Drechseln bedienen, den Körpern die verlangte Gestalt zu geben. Bey den Kunst- und Metalldrechslern heißen sie Drehstähle.
 
Artikelverweis 
Drêhen, verb. reg. act. 1. In einem Kreise, oder um einen Mittelpunct bewegen. 1) Eigentlich. Das Rad drehen, in eine kreisförmige Bewegung setzen. Die Erdkugel drehet sich um ihre Achse. Einem den Degen aus der Hand drehen, winden.
   Wie, wenn die Erde kreißt, zerberstet, Dampf und Flammen,
   In Wirbeln sich gen Himmel drehn,
   Weiße. In den Zusammensetzungen umdrehen und herum drehen ist diese Bedeutung noch häufiger. 2) Figürlich, vermittelst einer solchen Bewegung verfertigen. Ein Seil drehen. Fäden zusammen drehen. Kränze drehen.
   In dir kann Flora nach Begehren
   Sich tausendfache Kränze drehn,
   Raml. Wofür doch sonst in der edlern Sprechart winden und flechten üblicher ist. Besonders gebraucht man dieses Wort im gem. Leb. für drechseln, dem Holze und andern harten Körpern vermittelst des Umdrehens eine verlangte runde Gestalt geben. Vorzüglich ist es in diesem Verstande von denjenigen Künstlern üblich, welche in härtere Körper drehen, als das Holz ist. Becher, Teller, Kegel u. s. f. drehen. In Holz, in Bernstein, in Metall drehen. Ein Schachspiel aus Elfenbein drehen. Dahin gehört auch die im gemeinen Leben übliche figürliche R. A. einem eine Nase drehen, dessen Leichtgläubigkeit mißbrauchen, ihn bewegen, eine Unwahrheit zu glauben.
   Der Einfalt Nasen drehn, den Schwachen hintergehn,
   Opitz.
   Ihr wollt mir, hör ich wohl, ein kleines Näschen drehn,
   Wiel. 2. In weiterer und zum Theil figürlicher Bedeutung. 1) Hin und her bewegen. Die Augen und den Hals drehen. S. Adelung Wendehals. 2) Wenden, umwenden, eine andere Richtung geben. Der Wind hat sich gedrehet. Sein Glück hat sich gedrehet. Sein Glück drehet sich wunderlich. Einem den Rücken drehen, d. i. zukehren. Die Feinde dreheten sich gegen den linken Flügel. Sich drehen und wenden, figürlich, sich auf allerley Art und Weise von einer Verlegenheit zu befreyen suchen. Er drehet die Sache wie er will, er gibt ihr jede Gestalt, welche er

[Bd. 1, Sp. 1541]


will. Das Recht drehen, aus Recht Unrecht, und aus Unrecht Recht machen, das Recht zu seinem Vortheile mißbrauchen. S. auch Verdrehen. 3) Im gemeinen Leben wird das Mittelwort drehend auch häufig für schwindelig, der Wirkung des Umdrehens im Kreise, gebraucht. Drehend werden, schwindelig werden. Die Freude macht drehend, wirblicht, Less. Bey den Schafen ist es eine besondere Krankheit, welche sich durch den Schwindel und ein beständiges Umdrehen des Kopfes äußert, dergleichen Schafe im gemeinen Leben auch Dreher, und in Thüringen Drehlinge, genannt werden. S. Ringelig, ingleichen Schwindel.
   Anm. Schon bey dem Willeram kommt gedrat für gedrechselt vor. Daß dieses Wort ehedem irregulär gewesen seyn müsse, erhellet aus dem Hauptworte Draht. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort dreien, im Holländ. draien, im Dän. dreye, im Angels. thrawan, im Engl. to throw. Im Hochdeutschen spricht man drehen mit einem tiefen e aus, als wenn es drähen geschrieben wäre. Andere Mundarten lassen ein hohes e hören. Das Frequentativum von drehen ist drillen. S. dieses Wort.
 
Artikelverweis Der
Drêher, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Derjenige, der einen andern Körper herum drehet, Fämin. die Dreherinn, plur. die -en. Besonders werden die Drechsler im gemeinen Leben Dreher genannt, doch am häufigsten in den Zusammensetzungen Bernsteindreher, Horndreher, Beindreher, Kunstdreher u. s. f. 2) Im gemeinen Leben werden verschiedene Werkzeuge oder deren Theile, welche sich umdrehen, oder zur Umdrehung anderer Theile dienen, Dreher genannt. An den Thorwegen auf dem Lande ist es das gerade stehende Stück Holz, vermittelst dessen sich der Thorweg umdrehet, und welches unten in eine Pfanne oben aber in eine Angel gehet, und auch der Laufer genannt wird. An den Weberbäumen ist es das Kreuz, welches auch der Drehling, Drieling oder Drilling heißt. In der Anatomie werden die zwey Fortsätze des obern Theiles des Schenkelbeines, welche die Spannadern der Schenkelmäuslein aufnehmen, und im Latein. Trochanter maior und minor heißen, im Deutschen auch Dreher oder Wender genannt. 3) Ein drehendes oder schwindeliges Schaf, S. Adelung Drehen.
 
Artikelverweis Der
Drêhhals, S. Adelung Wendehals.
 
Artikelverweis Das
Drêhkraut, des -es, plur. inus. bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, eine Pflanze, Tordylium, L. Die meisten Unterarten dieses Geschlechtes werden nur in Asien und dem wärmern Europa angetroffen.
 
Artikelverweis Das
Drêhkreuz, des -es, plur. die -e, Drehbaum.
 
Artikelverweis Die
Drêhlade, plur. die -n, die Drehbank der Zinngießer, wo das zu drehende Zinn vermittelst eines Drehrades umgedrehet wird.
 
Artikelverweis Der
Drêhling, des -es, plur. die -e. 1) Im gemeinen Leben, verschiedene Werkzeuge und deren Theile, andere Theile dadurch in Bewegung zu setzen. So wird der Arm an einem Spulrade, an einem Schleifsteine u. s. f. vermittelst dessen diese Werkzeuge umgedrehet werden, ein Drehling, oder Dreher genannt, da er sonst auch der Triebel, von treiben, und die Kurbel, so fern er gekrümmet ist, heißt. S. Drilling. 2) Ein mit dem Schwindel behaftetes Schaf; S. Drehen.
 
Artikelverweis Das
Drêhrad, des -es, plur. die -räder, ein Rad, andere Körper vermittelst einer um dasselbe befestigten Schnur herum zu drehen, dergleichen das Drehrad an der Drehlade der Zinngießer u. s. f. ist. Ingleichen, ein Rad, viele Fäden zu einem einzigen zusammen zu drehen, dergleichen die Knopfmacher haben. An einigen Orten führet diesen Nahmen auch der Kreisel der Kinder.

[Bd. 1, Sp. 1542]



 
Artikelverweis Die
Drêhscheibe, plur. die -n, bey den Steinschleifern, eine hölzerne Scheibe mit einer Schnur, vermittelst welcher die Schleifscheibe umgedrehet wird. Bey den Töpfern ist es ein zusammen gesetztes Werkzeug, alle ihre irdenen Gefäße auf demselben rund zu drehen. Es bestehet aus zwey hölzernen Scheiben auf einer eisernen Spindel, von welchen die untere mit den Füßen umgedrehet, auf der obern aber geformt wird. Bey den Drahtziehern ist es eine hölzerne Scheibe auf einer eisernen Spindel, um welche sich der Draht im Ziehen legen muß. Bey den Knopfmachern führet diesen Nahmen die Scheibe an dem Drehrade, welche die Schnur leitet.

 

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