Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Drêhbahn bis Drêhkreuz (Bd. 1, Sp. 1539 bis 1541)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Drêhbahn, plur. die -en, an einigen Orten, die Bahn, oder der lange ebene Platz, wo die Seiler ihre Seile drehen und schlagen; die Seilerbahn, im Nieders. Reperbaan.
 
Artikelverweis Die
Drêhbank, plur. die -bänke, im gemeinen Leben, die Drechselbank. In weiterer Bedeutung, ein jeder mit einem Drehrade versehener Werktisch, andere Körper umzudrehen, und im Umdrehen zu bearbeiten, dergleichen Drehbänke unter andern

[Bd. 1, Sp. 1540]


auch die Metallarbeiter haben. Bey den Zinngießern heißt sie die Drehlade, bey den Uhrmachern der Drehstuhl, bey den Gürtlern der Drehtisch.
 
Artikelverweis Der
Drêhbaum, des -es, plur. die -bäume, ein horizontal liegender Baum, welcher auf einem Pfahle beweglich ist, vermittelst dessen die Wege für Pferde und Wagen versperret, und nur für Fußgänger gangbar gelassen werden. Hat dieser Baum die Gestalt eines Kreuzes, so heißt er ein Drehkreuz; Niedersächs. Rullboom.
 
Artikelverweis Die
Drêhbrücke, plur. die -n, eine Brücke, deren Joche auf Rollen stehen, und welche sich der Länge nach halb aus einander thut, so daß sich jede Hälfte an die innere Seite des Grabens anlegen lässet. Ingleichen eine Brücke in der Mitte einer andern, welche in der Mitte auf einem Nagel ruhet, und sich vermittelst desselben umdrehen lässet, daß ihre Enden in die Quere zu stehen kommen, Schiffen den Durchgang zu verstatten.
 
Artikelverweis Die
Drêhdocke, plur. die -n, in den Bohrmühlen, eine Docke, welche den Bohrer einschließet, der sich in derselben herum drehet.
 
Artikelverweis Das
Drêheisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein jedes eisernes Werkzeug, dessen sich die Drechsler, besonders die Holzdrechsler zum Drehen oder Drechseln bedienen, den Körpern die verlangte Gestalt zu geben. Bey den Kunst- und Metalldrechslern heißen sie Drehstähle.
 
Artikelverweis 
Drêhen, verb. reg. act. 1. In einem Kreise, oder um einen Mittelpunct bewegen. 1) Eigentlich. Das Rad drehen, in eine kreisförmige Bewegung setzen. Die Erdkugel drehet sich um ihre Achse. Einem den Degen aus der Hand drehen, winden.
   Wie, wenn die Erde kreißt, zerberstet, Dampf und Flammen,
   In Wirbeln sich gen Himmel drehn,
   Weiße. In den Zusammensetzungen umdrehen und herum drehen ist diese Bedeutung noch häufiger. 2) Figürlich, vermittelst einer solchen Bewegung verfertigen. Ein Seil drehen. Fäden zusammen drehen. Kränze drehen.
   In dir kann Flora nach Begehren
   Sich tausendfache Kränze drehn,
   Raml. Wofür doch sonst in der edlern Sprechart winden und flechten üblicher ist. Besonders gebraucht man dieses Wort im gem. Leb. für drechseln, dem Holze und andern harten Körpern vermittelst des Umdrehens eine verlangte runde Gestalt geben. Vorzüglich ist es in diesem Verstande von denjenigen Künstlern üblich, welche in härtere Körper drehen, als das Holz ist. Becher, Teller, Kegel u. s. f. drehen. In Holz, in Bernstein, in Metall drehen. Ein Schachspiel aus Elfenbein drehen. Dahin gehört auch die im gemeinen Leben übliche figürliche R. A. einem eine Nase drehen, dessen Leichtgläubigkeit mißbrauchen, ihn bewegen, eine Unwahrheit zu glauben.
   Der Einfalt Nasen drehn, den Schwachen hintergehn,
   Opitz.
   Ihr wollt mir, hör ich wohl, ein kleines Näschen drehn,
   Wiel. 2. In weiterer und zum Theil figürlicher Bedeutung. 1) Hin und her bewegen. Die Augen und den Hals drehen. S. Adelung Wendehals. 2) Wenden, umwenden, eine andere Richtung geben. Der Wind hat sich gedrehet. Sein Glück hat sich gedrehet. Sein Glück drehet sich wunderlich. Einem den Rücken drehen, d. i. zukehren. Die Feinde dreheten sich gegen den linken Flügel. Sich drehen und wenden, figürlich, sich auf allerley Art und Weise von einer Verlegenheit zu befreyen suchen. Er drehet die Sache wie er will, er gibt ihr jede Gestalt, welche er

[Bd. 1, Sp. 1541]


will. Das Recht drehen, aus Recht Unrecht, und aus Unrecht Recht machen, das Recht zu seinem Vortheile mißbrauchen. S. auch Verdrehen. 3) Im gemeinen Leben wird das Mittelwort drehend auch häufig für schwindelig, der Wirkung des Umdrehens im Kreise, gebraucht. Drehend werden, schwindelig werden. Die Freude macht drehend, wirblicht, Less. Bey den Schafen ist es eine besondere Krankheit, welche sich durch den Schwindel und ein beständiges Umdrehen des Kopfes äußert, dergleichen Schafe im gemeinen Leben auch Dreher, und in Thüringen Drehlinge, genannt werden. S. Ringelig, ingleichen Schwindel.
   Anm. Schon bey dem Willeram kommt gedrat für gedrechselt vor. Daß dieses Wort ehedem irregulär gewesen seyn müsse, erhellet aus dem Hauptworte Draht. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort dreien, im Holländ. draien, im Dän. dreye, im Angels. thrawan, im Engl. to throw. Im Hochdeutschen spricht man drehen mit einem tiefen e aus, als wenn es drähen geschrieben wäre. Andere Mundarten lassen ein hohes e hören. Das Frequentativum von drehen ist drillen. S. dieses Wort.
 
Artikelverweis Der
Drêher, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Derjenige, der einen andern Körper herum drehet, Fämin. die Dreherinn, plur. die -en. Besonders werden die Drechsler im gemeinen Leben Dreher genannt, doch am häufigsten in den Zusammensetzungen Bernsteindreher, Horndreher, Beindreher, Kunstdreher u. s. f. 2) Im gemeinen Leben werden verschiedene Werkzeuge oder deren Theile, welche sich umdrehen, oder zur Umdrehung anderer Theile dienen, Dreher genannt. An den Thorwegen auf dem Lande ist es das gerade stehende Stück Holz, vermittelst dessen sich der Thorweg umdrehet, und welches unten in eine Pfanne oben aber in eine Angel gehet, und auch der Laufer genannt wird. An den Weberbäumen ist es das Kreuz, welches auch der Drehling, Drieling oder Drilling heißt. In der Anatomie werden die zwey Fortsätze des obern Theiles des Schenkelbeines, welche die Spannadern der Schenkelmäuslein aufnehmen, und im Latein. Trochanter maior und minor heißen, im Deutschen auch Dreher oder Wender genannt. 3) Ein drehendes oder schwindeliges Schaf, S. Adelung Drehen.
 
Artikelverweis Der
Drêhhals, S. Adelung Wendehals.
 
Artikelverweis Das
Drêhkraut, des -es, plur. inus. bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, eine Pflanze, Tordylium, L. Die meisten Unterarten dieses Geschlechtes werden nur in Asien und dem wärmern Europa angetroffen.
 
Artikelverweis Das
Drêhkreuz, des -es, plur. die -e, Drehbaum.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: