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Drachenwurz bis Drahtfênster (Bd. 1, Sp. 1533 bis 1535)
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Artikelverweis Die Drachenwurz, plur. inus. 1) An einigen Orten ein Nahme der gelben Wasserlilie, oder Wasserschwertel, Iris Pseud-Acorus, L. 2) Ein Zwiebelgewächs, dessen glatter hoher Stängel mit rothen Pünctchen besäet ist, so daß er einer Schlangenhaut gleicht; Natterkraut, Schlangenkraut, Dracontium, Tabern. bey andern ältern Kräuterkennern Dracunculus.
 
Artikelverweis Der
Drachenzahn, des -es, plur. die -zähne, bey dem großen Haufen zuweilen eine Benennung der gegrabenen Knochen, welche die Unwissenheit für Zähne der Drachen hält.
 
Artikelverweis Das
Drachma, plur. die Drachmen. 1) Ein Gewicht, welches der vierte Theil eines Lothes, oder so viel als ein Quentchen ist, und wieder in drey Scrupel getheilet wird; aus dem Griechischen δραχμα. 2) In der Deutschen Bibel, 2 Macc. 4, 19. Kap. 12, 43, ist es eine Münze der ehemahligen Inden, welche ungefähr drey Groschen nach unserm Gelde machte.
 
Artikelverweis Der
Dragōner, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Art leichter Reiter, welche ihrer ersten Bestimmung nach so wohl zu Pferde, als zu Fuße dienen müssen, und mit einer Flinte, Pistolen, einem Pallasch und Bajonette bewaffnet sind. 2) In der Geschützkunst, werden die Pflastersteine, welche zuweilen im Falle der Noth aus Mörsern geworfen werden, vielleicht nur im Scherze, Dragoner genannt.
   Anm. Es scheinet, daß wir dieses Wort, so wie mehrere zum Kriegeswesen gehörige Benennungen, aus Frankreich bekommen haben. Das Franz. Dragon, und Ital. Dragone haben mit dem Deutschen wenigstens einerley Bedeutung. Indessen ist doch

[Bd. 1, Sp. 1534]


so wohl die eigentliche Bedeutung dieses Wortes, als der wahre Ursprung der Dragoner selbst noch ungewiß. Was das Wort betrifft, so leiten einige dasselbe von den Draconariis des Vegetii her, welche ihren Nahmen von einem Feldzeichen hatten, welches einen Drachen vorstellete; S. du Fresne Glossar. v. Draco. Andere, wie Furetiere, von dem Deutschen Worte tragen, weil ehedem ein jeder Dragoner im Falle der Noth einen Musketier hinten aufsitzen lassen mußte; welche Ableitungen freylich sehr weit gesucht sind. Was die mit diesem Worte bezeichnete Miliz betrifft, so scheinet sie, wenigstens unter diesem Nahmen, so gar alt nicht zu seyn, und man glaubt gemeiniglich, daß Graf Ernst von Mansfeld sie erfunden habe; vielleicht hat er sie nur in Deutschland eingeführet. Als König Wilhelm III. da er noch Statthalter von Holland war, im Jahr 1672, von dem Herzoge Friedrich Casimir von Curland unter andern auch ein Regiment Dragoner in Sold nahm, so war dieser Nahme in den Niederlanden ganz etwas neues, und man blätterte alle Geographien und Landkarten durch, das Land der Dragoner zu finden; ja die Obrigkeiten in den Dorfschaften, wo sie einquartieret wurden, erstauneten, daß diese Dragoner wie andere Menschen aßen, da sie geglaubt hatten, daß sie mit Heu vorlieb nehmen würden. Reflexions crit. sur divers sujets. A. Mons 1757 S. 39. Indessen ist die Art bald zu Pferde, bald zu Fuße zu fechten, welches eine wesentliche Eigenschaft der Dragoner ist, schon alt, und Spelman erzählet unter andern in dem Leben Alfreds S. 12, daß schon im 9ten Jahrhunderte die Deutschen wegen dieser Art zu fechten in England berühmt gewesen. Da im Französischen und Italiänischen, wenigstens in einigen Gegenden, die Achselbänder, welche noch jetzt die Dragoner tragen, Dragons und Dragoni genannt werden, so wäre zu untersuchen, ob diese den Nahmen von den Dragonern, oder die Dragoner von diesen Achselbändern bekommen haben. Drague bedeutet im Französischen noch ein starkes Tau. Die Achselbänder waren ursprünglich zum Tragen oder fest halten der ehemahligen Scherpen bestimmt, welche über beyde Schultern kreuzweise geschlungen wurden.
 
Artikelverweis Der
Dragūn, des -es, plur. inus. ein Nahme, welcher im gemeinen Leben verschiedenen Pflanzen gegeben wird, welche im Latein. auch Dracunculus genannt werden, aus welchem Worte auch der Deutsche Nahme verderbt zu seyn scheinet. 1) Einer Pflanze, welche nach dem Linné zu dem Beyfuße gehöret, und lanzettförmige Blätter mit einem ungetheilten Rande hat; Artemisia Dracunculus, L. Sie wächst in Sibirien und der Tatarey und wird auch Draban, Kaisers-Sallat und Schlangenkraut genannt. Der Essig, welcher unter dem Nahmen Estargon bekannt ist, wird aus derselben bereitet. 2) Dem Deutschen Bertram, Achillea Ptarmica, L. welcher auch Dragut, Dorant u. s. f. im Dänischen gleichfalls Dragone genannt wird, und bey dem Bauhin Dracunculus pratensis heißt. S. Adelung Bertram.
 
Artikelverweis Der
Draht, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, ein im Spinnen zusammen gedreheter Faden; in welcher Bedeutung dieses Wort hauptsächlich von den gedreheten Fäden, deren sich die Schuster bedienen, gebraucht wird, für Pechdraht. Daher die bey ihnen üblichen Zusammensetzungen Absatzdraht, Bestechdraht, Einstechdraht, Doppeldraht u. s. f. Doch pflegen auch die Strumpfweber die gedreheten Fäden Wolle oder Seide mit diesem Nahmen zu belegen, wenigstens sind daraus die Zusammensetzungen eindrähtig, zweydrähtig, dreydrähtig entstanden. 2) Ein von Metall gezogener Faden. Golddraht, Silberdraht, Messingdraht, Kupferdraht, Eisendraht u. s. f. 3) Ein Band von zusammen gedrehtem Stroh, woraus z. B. die Bienenkörbe geflochten werden.

[Bd. 1, Sp. 1535]



   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort Traat, und in einigen Gegenden das Draht. Das Nieders. Draad, bedeutet so wie das Schwed. Tråd, Dän. Traad, Angels. Thraed, und Engl. Thread, einen jeden Faden. Daher ist im Nieders. draden, draen, und indraen, einfädeln. Der Plural, der nur von einzelnen Fäden oder Stücken Drahtes, ingleichen von mehrern Arten Drahtes üblich ist, lautet in den gemeinen Mundarten bald Drahte, bald Drähte, bald auch Drähter. Dieses Wort stammet von drehen her, welches ehedem auch irregulär ging, ich draht, für ich drehete. Um deßwillen schreibt man es auch richtiger Draht, als Drath. Ehedem hieß der Draht auch Vinster, gleichsam Winster, von winden, drehen, und im Nieders. ist auch Wire, Engl. Wire, üblich, von wiren, drehen. Das Pohlnische Dratwa, Schusterdraht, ist wohl aus dem Deutschen entlehnet. Tatian gebraucht Trado auch von einem Saume; allein es ist noch nicht ausgemacht, daß dieses Wort eben hierher gehöret.
 
Artikelverweis Die
Drahtbank, plur. die -bänke, derjenige Werktisch der Drahtzieher, auf welchem die metallenen Drahte gezogen werden; die Ziehbank, und bey den Grobdrahtziehern die Schiebebank.
 
Artikelverweis Der
Drahtbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Bohrer, Löcher damit zu bohren, durch welche ein Draht gesteckt werden soll; z. B. zu den Drahtbauern, d. i. den Vogelbauern von Draht.
 
Artikelverweis Das
Drahteisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Drahtziehern, eine eiserne Platte mit Löchern, welche an Weite immer abnehmen, durch welche der Draht so lange durchgezogen wird, bis er die verlangte Feine erhalten hat.
 
Artikelverweis 
Drähtern, adj. et adv. welches aber nur im gemeinen Leben üblich ist, von Draht. Ein drähternes Gitter, ein drähternes Bauer u. s. f. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort auch drähten.
 
Artikelverweis Das
Drahtfênster, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fenster, welches mit einem Gitter von Eisendrahte versehen ist.

 

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