Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Dottergêlb bis Drachenfänger (Bd. 1, Sp. 1530 bis 1532)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Dottergêlb, adj. et adv. der gelben Farbe des Eydotters gleich.
 
Artikelverweis Das
Dotterkraut, des -es, plur. inus. an einigen Orten eine Benennung des wilden Senfes. S. Adelung Senf.
 
Artikelverweis Die
Dotterweide, plur. die -n, eine Art Weiden, welche sich durch ihre orange-gelbe Rinde von allen übrigen Arten unterscheidet,

[Bd. 1, Sp. 1531]


daher sie auch die gelbe Weide, ingleichen die Goldweide genannt wird; Salix vitellina, L.
 
Artikelverweis 
1. Der Dráche, des -n, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme des Änterichs. Man hat verschiedene Spuren, daß dieses Wort ehedem nicht nur das männliche Geschlecht der Thiere, sondern auch überhaupt einen Mann, und besonders einen tapfern Mann bedeutet habe. S. Adelung Änterich, ingleichen Ihre Gloss. v. Drake. In dem Salischen Gesetze ist Drace ein junges Schwein.
 
Artikelverweis 
2. Der Dráche, des -n, plur. die -n, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, eine Art kleiner Anker mit vier oder fünf Armen, deren man sich auf der Elbe und andern Flüssen bedienet, und welche auch Drachenanker genannt werden. Im Nieders. ist Dragge, und im Engl. Drag, ein Haken, etwas damit anzugreifen und an sich zu ziehen; vermuthlich von dem Angels. dragen, Engl. drag, Isländ. draga, Dän. drage, ziehen, trahere, wovon das Nieders. trekken, ziehen, das Frequentativum ist.
 
Artikelverweis 
3. Der Dráche, des -n, plur. die -n. 1. Eigentlich, eine ungeheuere Schlange, mit Flügeln, welche mit der Zeit eine ungewöhnliche Größe erlangt, Feuer aus ihrem schrecklichen Schlunde speyet, und mit ihrem tödtlichen Athem ganze Gegenden vergiftet. So haben wenigstens die ältern Naturkundigen dieses Ungeheuer geschildert, und der leichtgläubige Pöbel hat noch eben dieselben Begriffe von demselben. Aus der Wurzel der Schlangen wird ein Basilisk kommen und ihre Frucht wird ein feuriger fliegender Drache seyn, Es. 15, 29. Da Löwen und Löwinnen sind; ja Ottern und feurige fliegende Drachen, Kap. 30, 6. Und so in andern Stellen mehr. Indessen ist doch dieses ganze Thier mit allen seinen fürchterlichen Eigenschaften ein Hirngespinst. Die neuern Naturkundigen haben indessen diesen Nahmen noch beybehalten, und ihn theils einer Art großer morgenländischer Schlangen beygelegt, theils einer Art Eidechsen mit vier Füßen und Ohren, welche an der Seite eine Haut hat, die ihr zum Fliegen dienet, übrigens aber den Menschen unschädlich ist, und in Indien und Afrika angetroffen wird. Michaelis hat bewiesen, daß das Ungeheuer, dessen in der heil. Schrift unter dem Nahmen des Drachen Meldung geschiehet, die gehörnte Schlange, Cerastes, L. ist, die aber doch bey weiten nicht so fürchterlich ist, als sie vorgestellet wird.
   2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit mit dem Drachen der Einbildung. 1) Ein Gestirn von zwey und dreyßig Sternen nahe am Nordpole, welchem schon die Alten den Nahmen des Drachen gegeben haben, daher es schon Ottfried then Drachon nennet. 2) Wenn sich gewisse öhlige oder harzige Dünste in der mittlern Region der Luft versammeln, sich entzünden, und im Brennen einen langen feurigen Schweif hinter sich herziehen, so wird diese Erscheinung von dem großen Haufen der fliegende Drache genannt, von welchem der Aberglaube eine Menge thörichter Mährchen zu erzählen weiß. 3) Eine veraltete Art des groben Geschützes, welche zwey und dreyßig bis vierzig Pfund Eisen schoß, und sieben tausend Pfund wog. 4) Der Teufel, doch nur in der biblischen Schreibart, wo er mehrmahls der große, der alte Drache genannt wird. 5) In den niedrigen Sprecharten, eine Benennung einer zornigen, zänkischen Person. 6) Ein langer Streifen Papier, welchen die Kinder in der Luft fliegen lassen. 7) Eine Art Fische, S. Adelung Drachenfisch.
   Anm. Bey dem Ottfried lautet dieses Worte Draccho, bey dem Notker Traccho, bey dem Stryker Track, im Nieders. Drake, im Angels. Draca, im Engl. Dragon, im Wallisischen Draig, im Dän. Drage, im Schwed. Drake, im Böhmischen Drak, im Russ. Drakon, im Franz. Dragon, im Ital. Dracone,

[Bd. 1, Sp. 1532]


welche, wie es scheinet, insgesammt von dem Latein. Draco und Griech. δρακων abstammen.
 
Artikelverweis Der
Drachenanker, des -s, plur. ut nom. sing. S. 2 Drache.
 
Artikelverweis Der
Drachenbauch, des -es, plur. inus. in der Sternkunde, die Grenze, so weit der Mond von der Ekliptik abweicht; Venter Draconis.
 
Artikelverweis Der
Drachenbaum, des -es, plur. die -bäume, eine Benennung verschiedener Arten von Bäumen. 1) Des Vogelkirschenbaumes, Prunus Padus, L. dessen Frucht auch die Hohlkirsche oder Traubenkirsche genannt wird. S. Adelung Vogelkirsche. 2) Des Elsebeerbaumes, Crataegus torminalis, L. mit dessen Zweigen am Walpurgistage allerley Aberglauben getrieben wird. 3) Besonders führen diesen Nahmen einige Indische und Amerikanische Bäume, aus welchen das Drachenblut schwitzet, obgleich die meisten dieser Bäume noch sehr unbekannt sind, man auch noch nicht zuverlässig weiß, welchem Baume das wahre Drachenblut zugehöret. Derjenige Drachenbaum, welchen Crantz nach einem in dem kaiserlich-königlichen Garten zu Schönbrunn befindlichen Originale beschrieben hat, gehöret zu den Pflanzen mit sechs Staubfäden und einem Staubwege; Dracaena Draco, L. Er gehöret aber mehr zu den baumartigen Pflanzen, als zu den eigentlichen Bäumen, und trägt eine saftige Beere, welche mit drey Furchen gezeichnet ist, und die Größe einer Kirsche hat. Er wächset in beyden Indien, und gibt im Frühlinge ein häufiges und zähes bluthrothes Gummi von sich. Außer diesem werden auch der Pterocarpus, L. oder die Flügelfrucht, welcher Baum gleichfalls in Indien wächset, und wenn man ihn ritzet, ein dunkelrothes Gummi gibt, ingleichen der Drachen-Rotang, Calamus Palmiuncus Draco, der auch eine Art Drachenblutes gibt, von einigen für die wahren Drachenbäume gehalten. S. Drachenpflanze.
 
Artikelverweis Das
Drachenblut, des -es, plur. car. 1) Ein natürliches harziges dunkelrothes Gummi, welches sich leicht zerreiben, aber nur allein im Weingeiste auflösen lässet. Es hat keinen besondern Geruch und Geschmack, und wird theils in kleinen runden Stücken, theils in Tafeln zu uns gebracht, welche letztere Art aber die schlechteste ist. Von den Mahlern wird es häufiger als von den Ärzten gebraucht. S. das vorige. Seinen Nahmen hat es einem Mährchen der Alten zu danken, welche vorgaben, daß der Drache mit dem Elephanten streite und demselben alles Blut aussauge, aber dafür von diesem im Umfallen erdrückt würde. Beyder Blut gebe unser Drachenblut. 2) An einigen Orten wird auch die rothe Mengelwurz, deren Blätter einen bluthrothen Saft von sich geben, Drachenblut genannt.
 
Artikelverweis Der
Drachenfänger, des -s, plur. ut nom. sing. bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, eine Ostindische und Amerikanische Pflanze; Barleria, L.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: