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3. Der Dotter bis Drachenanker (Bd. 1, Sp. 1530 bis 1532)
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Artikelverweis  3. Der Dotter, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, diejenige Pflanze, welche am häufigsten Flachsseide, Cuscuta, L. sonst aber auch Flachsdotter, Leindotter, Filzkraut genannt wird. S. Adelung Flachskraut. Da sie einen gelben Samen hat, welcher der Farbe des Eydotters gleicht, so haben einige behaupten wollen, daß diese Ähnlichkeit Anlaß zu der Benennung gegeben. Stinner leitet hingegen den Nahmen von dem Holländischen touteren, zittern, her, weil diese schwache Pflanze von jedem Lüftchen beweget wird. Im Englischen heißt sie gleichfalls Dodder und Dodder-grass. S. das folgende.
 
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4. Der Dotter, des -s, plur. ut nom. sing. das Gelbe in einem Eye, welches bestimmter ein Eydotter genannt wird.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort Totter, Toter, im Ital. aber Tuorto, welches Ferrarius auf eine sehr unwahrscheinliche Art von Toralus, der Kern des Holzes, ableitet. Den meisten Niedersachsen ist dieses Wort unbekannt. Der Dotter heißt bey ihnen Döl. Beyder Abstammung ist ungewiß. Da im Schwed. taet, und im Isländ. thiettr, dicht, thietta in der letztern Sprache aber verdicken, und Thiette dicke Milch, coagulum, bedeutet, so stehet es dahin, ob nicht der Dotter davon benannt worden, da er doch in Vergleichung mit dem Weißen, ein coagulum ist. In den niedrigsten Sprecharten wird auch der verdickte Auswurf aus der Nase ein Dotter genannt. Da das Labkraut, Galium, L. im Schwedischen Taetgraes heißt, weil es die Milch gerinnen macht, so würde dieses Wort alsdann auch eine bequeme Ableitung für den Deutschen Nahmen der Cuscuta an die Hand geben, wenn nur ihre coagulirende Kraft erst erweislich wäre. S. 3 Dotter.
 
Artikelverweis Die
Dotterblume, plur. die -n, ein Nahme, welchen vornehmlich zwey Arten gelber Blumen haben, und die Pflanzen, die sie hervorbringen. 1) Die Caltha palustris, L. welche auch Wiesenblume, Bachblume, Kühblume, Mattenblume, Ringelblume, Butterblume, Schmalzblume u. s. f. genannt wird. 2) Das Leontodon Taraxacum, L. welches sonst auch Löwenzahn, Mönchskopf, Butterblume, Schmalzblume genannt wird. Beyde Pflanzen haben wohl von ihren gelben Blumen, die der Farbe des Eydotters gleich kommen, den Nahmen.
 
Artikelverweis Das
Dotterbrot, des -es, plur. die -e, eine Art Zuckergebackenes, welches aus Zucker und Eydottern verfertiget wird.
 
Artikelverweis 
Dottergêlb, adj. et adv. der gelben Farbe des Eydotters gleich.
 
Artikelverweis Das
Dotterkraut, des -es, plur. inus. an einigen Orten eine Benennung des wilden Senfes. S. Adelung Senf.
 
Artikelverweis Die
Dotterweide, plur. die -n, eine Art Weiden, welche sich durch ihre orange-gelbe Rinde von allen übrigen Arten unterscheidet,

[Bd. 1, Sp. 1531]


daher sie auch die gelbe Weide, ingleichen die Goldweide genannt wird; Salix vitellina, L.
 
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1. Der Dráche, des -n, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme des Änterichs. Man hat verschiedene Spuren, daß dieses Wort ehedem nicht nur das männliche Geschlecht der Thiere, sondern auch überhaupt einen Mann, und besonders einen tapfern Mann bedeutet habe. S. Adelung Änterich, ingleichen Ihre Gloss. v. Drake. In dem Salischen Gesetze ist Drace ein junges Schwein.
 
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2. Der Dráche, des -n, plur. die -n, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, eine Art kleiner Anker mit vier oder fünf Armen, deren man sich auf der Elbe und andern Flüssen bedienet, und welche auch Drachenanker genannt werden. Im Nieders. ist Dragge, und im Engl. Drag, ein Haken, etwas damit anzugreifen und an sich zu ziehen; vermuthlich von dem Angels. dragen, Engl. drag, Isländ. draga, Dän. drage, ziehen, trahere, wovon das Nieders. trekken, ziehen, das Frequentativum ist.
 
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3. Der Dráche, des -n, plur. die -n. 1. Eigentlich, eine ungeheuere Schlange, mit Flügeln, welche mit der Zeit eine ungewöhnliche Größe erlangt, Feuer aus ihrem schrecklichen Schlunde speyet, und mit ihrem tödtlichen Athem ganze Gegenden vergiftet. So haben wenigstens die ältern Naturkundigen dieses Ungeheuer geschildert, und der leichtgläubige Pöbel hat noch eben dieselben Begriffe von demselben. Aus der Wurzel der Schlangen wird ein Basilisk kommen und ihre Frucht wird ein feuriger fliegender Drache seyn, Es. 15, 29. Da Löwen und Löwinnen sind; ja Ottern und feurige fliegende Drachen, Kap. 30, 6. Und so in andern Stellen mehr. Indessen ist doch dieses ganze Thier mit allen seinen fürchterlichen Eigenschaften ein Hirngespinst. Die neuern Naturkundigen haben indessen diesen Nahmen noch beybehalten, und ihn theils einer Art großer morgenländischer Schlangen beygelegt, theils einer Art Eidechsen mit vier Füßen und Ohren, welche an der Seite eine Haut hat, die ihr zum Fliegen dienet, übrigens aber den Menschen unschädlich ist, und in Indien und Afrika angetroffen wird. Michaelis hat bewiesen, daß das Ungeheuer, dessen in der heil. Schrift unter dem Nahmen des Drachen Meldung geschiehet, die gehörnte Schlange, Cerastes, L. ist, die aber doch bey weiten nicht so fürchterlich ist, als sie vorgestellet wird.
   2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit mit dem Drachen der Einbildung. 1) Ein Gestirn von zwey und dreyßig Sternen nahe am Nordpole, welchem schon die Alten den Nahmen des Drachen gegeben haben, daher es schon Ottfried then Drachon nennet. 2) Wenn sich gewisse öhlige oder harzige Dünste in der mittlern Region der Luft versammeln, sich entzünden, und im Brennen einen langen feurigen Schweif hinter sich herziehen, so wird diese Erscheinung von dem großen Haufen der fliegende Drache genannt, von welchem der Aberglaube eine Menge thörichter Mährchen zu erzählen weiß. 3) Eine veraltete Art des groben Geschützes, welche zwey und dreyßig bis vierzig Pfund Eisen schoß, und sieben tausend Pfund wog. 4) Der Teufel, doch nur in der biblischen Schreibart, wo er mehrmahls der große, der alte Drache genannt wird. 5) In den niedrigen Sprecharten, eine Benennung einer zornigen, zänkischen Person. 6) Ein langer Streifen Papier, welchen die Kinder in der Luft fliegen lassen. 7) Eine Art Fische, S. Adelung Drachenfisch.
   Anm. Bey dem Ottfried lautet dieses Worte Draccho, bey dem Notker Traccho, bey dem Stryker Track, im Nieders. Drake, im Angels. Draca, im Engl. Dragon, im Wallisischen Draig, im Dän. Drage, im Schwed. Drake, im Böhmischen Drak, im Russ. Drakon, im Franz. Dragon, im Ital. Dracone,

[Bd. 1, Sp. 1532]


welche, wie es scheinet, insgesammt von dem Latein. Draco und Griech. δρακων abstammen.
 
Artikelverweis Der
Drachenanker, des -s, plur. ut nom. sing. S. 2 Drache.

 

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