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Dose bis Dotterblume (Bd. 1, Sp. 1529 bis 1530)
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Artikelverweis Die Dose, plur. die -n, eine Büchse, doch nur von denjenigen zierlich gearbeiteten Büchsen, welche man zur Verwahrung des Rauch- und Schnupftobaks gebraucht. Eine Dose, eine Tobaksdose, eine Rauchdobaksdose, Schnupftobaksdose. Zunächst ist dieses Wort aus dem Franz. Dose entlehnet, von welchem auch die Engländer ihr Dose, die Schweden ihr Dosa, die Isländer ihr Dos, Taus, und die Niedersachsen ihr Döse haben, alle in der jetzt gedachten Bedeutung. Indessen ist es sehr wahrscheinlich, daß das folgende Döse das Stammwort des Französischen ist.
 
Artikelverweis Die
Döse, plur. die -n, in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes, eine Art eines runden hölzernen Gefäßes, welches gemeiniglich auf drey verlängerten Dauben stehet und unten etwas weiter als oben ist. Nach der Verschiedenheit seines Gebrauches entstehen die zusammen gesetzten Benennungen Backdöse, Waschdöse u. s. f. An einigen Orten hat man auch in den Brauhäusern Kühldösen, das Bier darin abkühlen zu lassen, welche nicht nur keine Füße haben, sondern auch oben weiter als unten sind. In einigen nach der alten Art gebaueten Salzkothen, wo das Dach auf der einen Seite bis auf die Erde gehet, heißt der Boden, auf welchem die Salzstücke getrocknet werden, eine Tehse, welches Wort Frisch sehr gezwungen von Dach ableitet.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort Teuse, Teusse, im Nieders. aber Döse, Dese. Im Böhmischen bedeutet Dize, so wohl einen Milchkübel, als auch einen Handkorb, eine Mulde. In Zürch ist die Tause eine Butte, worin der Communion-Wein zur Kirche getragen wird.
 
Artikelverweis Der
Dosenbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Adelung Alpenkiefer und Fichte.
 
Artikelverweis Das
Dosenstück, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein Gemählde in einer Schnupftobaksdose. Wenn ihr Gesicht

[Bd. 1, Sp. 1530]


gleich nicht mehr so schön ist, so verdient es doch, ein Dosenstück abzugeben, Gell.
 
Artikelverweis Der
Dost, des -es, oder der Dosten, plur. inus. eine Pflanze, Origanum, L. Linné rechnet den Kretischen Diptam, den Spanischen Hopfen, den gemeinen Wohlgemuth und den Majoran zu dem Geschlechte des Dosten. Im gemeinen Leben wird nur der Wohlgemuth, Origanum vulgare, L. mit diesem Nahmen belegt. Der Hirschklee, Eupatorium, L. wird in einigen Gegenden auch Wasserdost und Dostenkraut genannt. Im Dänischen und Norwegischen heißt der Dost gleichfalls Tost.
 
Artikelverweis Das
Dostenkraut, des -es, plur. inus. S. das vorige.
 
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1. Der Dotter, des -s, plur. inus. an einigen Orten, ein Nahme der Trespe, welcher vermuthlich aus Dort oder Dorten verderbt ist. S. der Dort.
 
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2. Der Dotter, des -s, plur. inus. in einigen gemeinen Mundarten, ein Nahme des Stechapfels, der unstreitig aus der Lateinischen Benennung dieser Pflanze Datura gemacht ist. S. Adelung Stechapfel.
 
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3. Der Dotter, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, diejenige Pflanze, welche am häufigsten Flachsseide, Cuscuta, L. sonst aber auch Flachsdotter, Leindotter, Filzkraut genannt wird. S. Adelung Flachskraut. Da sie einen gelben Samen hat, welcher der Farbe des Eydotters gleicht, so haben einige behaupten wollen, daß diese Ähnlichkeit Anlaß zu der Benennung gegeben. Stinner leitet hingegen den Nahmen von dem Holländischen touteren, zittern, her, weil diese schwache Pflanze von jedem Lüftchen beweget wird. Im Englischen heißt sie gleichfalls Dodder und Dodder-grass. S. das folgende.
 
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4. Der Dotter, des -s, plur. ut nom. sing. das Gelbe in einem Eye, welches bestimmter ein Eydotter genannt wird.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort Totter, Toter, im Ital. aber Tuorto, welches Ferrarius auf eine sehr unwahrscheinliche Art von Toralus, der Kern des Holzes, ableitet. Den meisten Niedersachsen ist dieses Wort unbekannt. Der Dotter heißt bey ihnen Döl. Beyder Abstammung ist ungewiß. Da im Schwed. taet, und im Isländ. thiettr, dicht, thietta in der letztern Sprache aber verdicken, und Thiette dicke Milch, coagulum, bedeutet, so stehet es dahin, ob nicht der Dotter davon benannt worden, da er doch in Vergleichung mit dem Weißen, ein coagulum ist. In den niedrigsten Sprecharten wird auch der verdickte Auswurf aus der Nase ein Dotter genannt. Da das Labkraut, Galium, L. im Schwedischen Taetgraes heißt, weil es die Milch gerinnen macht, so würde dieses Wort alsdann auch eine bequeme Ableitung für den Deutschen Nahmen der Cuscuta an die Hand geben, wenn nur ihre coagulirende Kraft erst erweislich wäre. S. 3 Dotter.
 
Artikelverweis Die
Dotterblume, plur. die -n, ein Nahme, welchen vornehmlich zwey Arten gelber Blumen haben, und die Pflanzen, die sie hervorbringen. 1) Die Caltha palustris, L. welche auch Wiesenblume, Bachblume, Kühblume, Mattenblume, Ringelblume, Butterblume, Schmalzblume u. s. f. genannt wird. 2) Das Leontodon Taraxacum, L. welches sonst auch Löwenzahn, Mönchskopf, Butterblume, Schmalzblume genannt wird. Beyde Pflanzen haben wohl von ihren gelben Blumen, die der Farbe des Eydotters gleich kommen, den Nahmen.

 

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