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Doppelsinn bis Dörfen (Bd. 1, Sp. 1521 bis 1523)
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Artikelverweis Der Doppelsinn, des -es, plur. inus. der doppelte Verstand einer Schrift oder Rede, die Zweydeutigkeit; ein im Hochdeutschen wenig gebräuchliches Wort, so wie das Bey- und Nebenwort doppelsinnig, für zweydeutig.
 
Artikelverweis Der
Doppelspath, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, Isländischer Krystall, welcher die Gegenstände doppelt darstellet.
 
Artikelverweis Das
Doppelspiel, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, das Würfel- oder Kartenspiel. S. 2 Doppeln.
 
Artikelverweis Die
Doppelspritze, plur. die -n, eine Art kleiner Handspritzen, mit einem Druckschwengel.
 
Artikelverweis Der
Doppelstein, des -es, plur. die -e, S. 2 Doppeln.
 
Artikelverweis 
Doppelt, adj. et adv. zweyfach, zwey Mahl genommen. 1. Eigentlich. Doppelten Gold bekommen, noch Ein Mahl so viel als gewöhnlich. Lege es doppelt. Ich habe dieses Buch doppelt, zwey Mahl. Eine doppelte Mauer. Er muß doppelt bezahlen. Jede Freude wird doppelt empfunden, wenn sie mitgetheilet wird, Dusch. Ingleichen, ein gewisses bestimmtes Individuum zwey Mahl in sich enthaltend. Ein doppelter Ducaten oder Doppel-Ducaten, eine Goldmünze, welche zwey Ducaten gilt. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Woran

[Bd. 1, Sp. 1522]


ein oder mehrere Theile sich zwey Mahl befinden. Der doppelte Adler, der Adler mit zwey Köpfen. Eine doppelte Flinte, oder Doppelflinte, welche zwey Läufe hat. 2) Was mehr Güte und Stärke hat, als ein anderes von gleicher Art, besonders in den Zusammensetzungen, Doppelbier, Doppeltaffet. Ingleichen, was größer ist, als andere Dinge seiner Art, wie in den Zusammensetzungen Doppellerche, Doppelschnepfe. 3) Gefüllt, von Blumen, im gemeinen Leben. Doppelte Narzissen, Levkojen u. s. f. 4) Mehr, sehr, als ein bloßes Bey- und Nebenwort der Vergrößerung. Deine Briefe haben mich doppelt vergnügt. O, sie entschuldigen ihn? So hat er doppelt Unrecht, daß er ihnen nichts gesagt hat, Schleg.
   Der Rundtrunk muß der Stimmen Bund beleben;
   So schmeckt der Wein uns doppelt schön,
   Haged. 5) Zuweilen wird es auch für Mahl, fältig, fach, gebraucht. Daher höret man im gemeinen Leben oft dreydoppelt, vierdoppelt u. s. f. für dreyfach, vierfach u. s. f. welches aber fehlerhaft ist, weil dreydoppelt der Schärfe nach sechsfach, und vierdoppelt achtfach bedeuten würde. In dem dreydoppeln Amt, Opitz.
   Anm. Dieses Wort lautet im Nieders. dubbelt, im Dän. dobbelt, im Schwed. dubbel, im Engl. und Franz. double, im Wallis. dubl, dyblyg, im Ital. doppio, im Latein. duplus, und im Griech. διπλοος, διπλους, zweyfach. Da die Deutsche Mundart fast die einzige ist, welche in diesem Worte ein t hat, so scheinet es, daß dieses ein bloßes t euphonicum sey, zumahl da es in den Zusammensetzungen wegfällt, und auch einige Oberdeutsche doppel für doppelt sagen, wie aus der vorhin angeführten Stelle aus dem Opitz erhellet. Doppelt kann in den oben angeführten Bedeutungen mit allen Hauptwörtern zusammen gesetzet werden, die deren nur fähig sind. Man hat auch wirklich eine große Menge Zusammensetzungen, die hier nicht alle einzeln angeführet werden können. Aus den wenigen, die im vorhergehenden und nachfolgenden beygebracht sind, siehet man schon, wie man sie erklären müsse. S. auch Gedoppelt.
 
Artikelverweis Der
Doppeltaffet, des -s, plur. von mehrern Arten, die -e, ein doppelter Taffet, d. i. der stärker ist und fleißiger gearbeitet worden, als der gewöhnliche.
 
Artikelverweis 
Doppelzüngig, adj. et adv. eine gedoppelte Zunge habend, d. i. nicht bey einerley Rede bleibend, sich gern widersprechend. Daher die Doppelzüngigkeit. Logau hat auch das Hauptwort ein Doppelzüngler.
 
Artikelverweis Der
Dōrant, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, eine Benennung derjenigen Pflanze, welche sonst auch Hundskopf, Löwenmaul u. s. f. genannt wird; Antirrhinum, L. S. diese Wörter. Frisch glaubet, daß der Deutsche Nahme aus dem jetzt gedachten Lateinischen oder vielmehr Griechischen Nahmen verderbt worden. Im Norwegischen heißt der Dorant Thorskastab. S. auch Orant. Für Dorant ist in einigen gemeinen Mundarten auch Dragut üblich.
 
Artikelverweis Das
Dorf, des -es, plur. die Dörfer, Diminut. das Dörfchen, Oberdeutsch das Dörflein, eine Sammlung mehrerer Häuser bey einander, ohne Ringmauern und Stadtrecht, welche von Ackerleuten oder Bauern bewohnet wird. Von Dorf zu Dorfe gehen, von einem Dorfe zu dem andern. Ein Kirchdorf, in welchem sich eine Kirche befindet. Ein Pfarrdorf, in welchem ein Pfarrer wohnet, u. s. f. Das sind ihm Böhmische Dörfer, sagt man, wenn jemanden eine Sache fremd, sonderbar vorkommt, vielleicht von den Nahmen der Böhmischen Dörfer, welche einem Deutschen seltsam und ungewöhnlich klingen. Das schmeckt nach dem Dorfe, nach der ungekünstelten Einfalt, die sich noch auf den Dörfern erhalten hat. Die Frau schmeckt gewiß nach dem Dorfe, die ihrem Manne treu bleibt, Weiße. Oft bedeutet

[Bd. 1, Sp. 1523]


Dorf auch so viel als das Land, im Gegensatze der Stadt. Auf dem Dorfe wohnen, d. i. auf dem Lande. Wird ein individuelles Dorf verstanden, so wohnet man in dem Dorfe.
   Anm. Dorf lautet bey dem Tatian Thorp und Thorf, bey dem Ottfried Thorf, bey dem Willeram Dorf, im Nieders. Dörp, im Dän. Dorp, im Angels. Dorpe, im Altengl. Thorpe, im Schwed. Torp, im Isländ. Thorp. Unter den vielen Ableitungen, welche man versucht hat, ist diejenige noch immer die wahrscheinlichste, die es von Trupp, ein Haufe, eine Sammlung mehrerer Dinge Einer Art abstammen lässet. Das Schwedische Torp hat diese Bedeutung gleichfalls gehabt; im Isländischen bedeutet Thyrpa eine Vereinigung, und thyrpast versammeln, und im Wallisischen ist Torf eine Menge, womit auch das Lat. Turba und Griech. δορυβος überein kommen. In Westphalen bedeutet Dorf ein mit einer Kirche versehenes Dorf, ein Kirchdorf, dagegen ein Dorf ohne Kirche daselbst eine Bauerschaft heißt. Das Hauptwort der Dörfer, ist nur in den zusammen gesetzten eigenthümlichen Nahmen üblich. Ein Hermannsdörfer, der aus Hermannsdorf gebürtig ist. Im Schwedischen hingegen bedeutet Torpare einen jeden Einwohner eines Dorfes. Man hat viele Zusammensetzungen mit diesem Worte. Diejenigen, welche ohne Mühe verstanden werden können, wie Dorfpfarrer, Dorfgeistlicher, Dorfprediger, Dorfküster, Dorfschulmeister, Dorfbäcker, Dorffleischer, u. s. f. habe ich übergehen zu können geglaubt, und nur einige angeführet, deren Bedeutung nicht gleich bey dem ersten Anblicke in die Augen fällt.
 
Artikelverweis 
Dörfen, S. Adelung Dürfen.

 

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