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Donnerkeil bis Dónnerwáche (Bd. 1, Sp. 1517 bis 1518)
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Artikelverweis Der Donnerkeil, des -es, plur. die -e. 1) Im gemeinen Leben, der Blitz, doch nur so fern derselbe in Gestalt zackiger Strahlen dem Jupiter, in dessen Abbildungen in die Hand gegeben wird. 2) Ein zugespitzter keilförmiger Stein, welcher zuweilen in der Erde gefunden wird, und von welchem die Einfalt des großen Haufens glaubt, daß er mit dem Blitze auf die Erde falle. Einige solcher Steine, besonders diejenigen, welche rund und zugespitzt sind, sind versteinerte Belemniten, S. dieses Wort. Andere sind steinerne Streitäxte, deren sich das Alterthum bedienete, und diese werden im gemeinen Leben Donneräxte genannt. Beyde Arten heißen bey dem großen Haufen auch Donnersteine, Strahlsteine, Donnerpfeile, Schoßsteine, Alpschosse, Pfeilsteine u. s. f.
 
Artikelverweis Das
Donnerkraut, des -es, plur. inus. S. Adelung Donnerbohne.
 
Artikelverweis 
Donnern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und so wohl unpersönlich, als auch persönlich gebraucht wird. 1. Unpersönlich ist dieses Wort im gemeinen Leben am üblichsten, da es denn eigentlich von demjenigen langsamen dumpfigen Getöse gebraucht wird, welches man nach der Entzündung eines Blitzes in der Luft höret. Es donnert. Es hat gedonnert. Es wird bald donnern. Und der Herr ließ donnern und hageln, 2 Mos. 9, 23. 2. Persönlich ist es der höhern Schreibart vorzüglich eigen, und wird alsdann, 1) so wohl eigentlich gebraucht, den Donner hervor bringen. Die Wolken donnerten, Ps. 77, 18. Zwar kommen donnernde Wolken im segenvollen Sommer, Geßn. Der Herr donnert vom Himmel, 2 Sam. 22, 14. Gott donnerte, da floh der Feind, Gleim. Als auch, 2) figürlich. (a) Einen fürchterlichen, dem Donner ähnlichen Schall von sich geben. Fallende Häuser donnern hier über unsern Häuptern, Dusch. Das wüste Geschrey des erschrockenen Pöbels läuft durch die Gassen und donnert gen Himmel, ebend. Eine donnernde Stimme.
   Weil noch der Freyheit Ruf nicht in ihr Ohr
   Gedonnert hat,
   Weiße.
   Vom donnernden Lärm erbebte das Zimmer,
   Zach. Die Kanonen donnern. (b) Mit Eifer und Nachdruck reden, Wider jemanden donnern, Less. d. i. fürchterlich eifern.
   Hier hat Demosthenes gedonnert und geblitzt,
   Opitz.
   Der arme Liebling stand wie angedonnert da,
   Wiel. Anm. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort dunnern, bey dem Notker toneron, in Schlesien donnern, im Dän. dundre, im Engl. thunder, im Holländ. dondern, im Franz. tonner, im Latein. tonare, im Angels. dunnan. Es ist unstreitig ein Intensivum oder Iterativum von tönen, und ahmet besonders den erschütternden Schall des Donners nach. Die Franken und Schwaben haben dafür ein anderes Zeitwort, welches thurnen, thornen, doren, lautet, und gleichfalls eine Nachahmung des Schalles ist, aber auch vermuthlich zu der Benennung des Gottes Thor in dem heidnischen Alterthume Gelegenheit gegeben hat. Grummeln, grommen, grommeln, ist ein Nieders. Verbum, welches gleichfalls donnern bedeutet, und mit dem Wendischen grame überein kommt. S. Adelung Donner. Das Hauptwort der Donnerer wird zuweilen von den Dichtern für den Jupiter gebraucht.

[Bd. 1, Sp. 1518]



 
Artikelverweis Die
Donnernêlke, plur. die -n, eine Art wilder Nelken, welche auf den Wiesen Europens wächset, und einzelne Blumen mit zwey lanzettförmigen Kelchschuppen und gekerbten Kronenblättern hat; Dianthus deltoides, L. Weil sie roth aussiehet, wird sie auch Blutnelke oder Blutnägelein, sonst aber auch Steinnelke genannt.
 
Artikelverweis Die
Donnerrêbe, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme derjenigen Pflanze, welche an andern unter der Benennung des Gundermannes, der Gunderrebe, des Erdepheues, Glecoma, L. bekannter ist; S. diese Wörter.
 
Artikelverweis Der
Donnerschlag, des -es, plur. die -schläge, der laute Knall eines entzündeten Blitzes. Es geschahe ein Donnerschlag. Donnerschläge krachten von jeder Gegend des Himmels siebenfach wieder, Dusch. Das war ein rechter Donnerschlag in seinen Ohren, eine fürchterliche, schreckliche Nachricht. Ach, ich Unglückliche, das wäre ein Donnerschlag für mich! Ach, welch ein schrecklicher Donnerschlag wird einst diese Verblendung zerstreuen!
   Anm. Donnerslag kommt schon bey dem Stryker, und Durnschlag, um das Jahr 1477 in Schwaben vor. Außerdem ist in Oberdeutschland auch Donnerklapf in eben dieser Bedeutung üblich.
 
Artikelverweis Der
Donnerstag, des -es, plur. die -e, der fünfte Tag in der Woche, der nach dem Muster der Lateiner, die ihn nach dem Jupiter benannt hatten, dem nordischen Jupiter, dem Thor, zu Ehren benannt worden, welcher von einer seiner merklichsten Wirkungen auch der Donnerer, Donner, Thunder genannt wurde. S. Adelung Donner. Der grüne Donnerstag, der Donnerstag in der Charwoche, im Oberdeutschen der große, der hohe Donnerstag, im Nieders. der gute Donnerstag. Grün soll in dieser Benennung aus carème, quadragesima, entstanden seyn, welches ehedem caren, karin ausgesprochen worden; S. Grün. Im Oberdeutschen heißt der grüne Donnerstag der Antlaßtag, oder Antlaßpfingsttag, S. Ablaß, im Schwed. aber Skärdorstag, von skära, reinigen. S. Char. In der Römischen Kirche ist auch der feiste Donnerstag, Französ. Jeudi gras, bekannt, welches der Donnerstag nach Aschermittwoch ist, wo noch Kuchen und Butter zu essen erlaubt ist.
   Anm. Im Nieders. lautet der Donnerstag, Donnerdag, Dunnerdag, bey dem Notker Toniristac, im Oberdeutschen auch Dornstag, im Engl. Thursday, im Schwed. Torsdag. In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. im Österreichischen heißt der Donnerstag noch jetzt Pfinztag, Pfinsttag, welche Benennung schon alt ist, und dem Dieterich von Stade zu Folge, von πεντε, fünf, abstammen soll, weil dieser Tag der fünfte in der Woche ist, daher die Russen ihn auch Poeatnik nennen; oder wie Cluver, Leibnitz, und Eckard wollen, von dem alten Gotte Pen, Penin, der bey den südlichen Deutschen die Stelle des Jupiters oder Thors vertreten haben soll.
 
Artikelverweis Der
Donnerstern, des -es, plur. die -e, S. Adelung Donnerkeil. Auch der Echinit wird zuweilen von dem großen Haufen mit diesem Nahmen belegt, weil er bey einem Gewitter unter dem Hagel mit vom Himmel fallen soll.
 
Artikelverweis Die
Donnerstimme, plur. die -n, figürlich, eine fürchterliche, schreckliche Stimme.
 
Artikelverweis Der
Donnerstrahl, des -es, plur. die -en, der Blitzstrahl, so fern er von einem lauten Donner begleitet wird.
 
Artikelverweis Die
Dónnerwáche, plur. die -n, bey den Truppen, eine Wache, welche sich bey einem Gewitter in dem Hause des Hauptmannes und Obersten einfinden muß, die Montirungs-Kammer und Fahnen im Nothfalle zu retten.

[Bd. 1, Sp. 1519]


 

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