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Doldenêrbse bis Dōm-Capītel (Bd. 1, Sp. 1511 bis 1513)
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Artikelverweis Die Doldenêrbse, plur. die -n, eine Abänderung der gewöhnlichen Erbsen, welche auch Rosenerbse genannt wird; Pisum unbellatum, L. weil ihre Blüthen in Gestalt der Dolden entspringen.
 
Artikelverweis Der
Dolden-Isopp, des -es, plur. inus. in den Gewächshäusern, eine Art Isoppes, dessen Blätter an dem Gipfel in der Gestalt einer Dolde nahe zusammen stehen.
 
Artikelverweis 
Doll, S. Adelung Toll.
 
Artikelverweis 
Dölle, plur. die -n, eine niedrige Stelle in einem Acker, S. 1 Dohle.
 
Artikelverweis Der
Dolmêtsch, des -en, plur. die -en, S. Adelung Dolmetscher.
 
Artikelverweis 
Dolmêtschen, verb. reg. act. aus einer unbekannten Sprache in eine bekannte übersetzen. Daher die Dolmetschung, so wohl für die Verrichtung des Dolmetschers, als auch für die Übersetzung,

[Bd. 1, Sp. 1512]


oder Erklärung einer unbekannten Sprache in einer bekanntern. S. das folgende.
   Anm. Ich habe dieses Wort zuerst bey dem Heinrich Frauenlob zu Anfange des 14ten Jahrh. in der Manessischen Sammlung Th. 2, S. 215, gefunden, wo es heißt: Tolmetsch vernims wilt tu uns Tiutsch verdolchen u. s. f. wo auch verdolchen so viel als verdolmetschen ist. Bey dem Hornegk heißt ein Dolmetscher Tulmach. Die Abstammung dieses Wortes ist noch ungewiß. Frisch läßt es von dem veralteten Tale, die Sprache, und miscere, mixtus, oder mischen, abstammen, welches wenigstens in Ansehung der letzten Hälfte des Wortes unwahrscheinlich ist. Wachters Vermuthung, der es aus dem Pohlnischen tlumatcze, in der gemeinen Sprache erklären, ableitet, würde daher immer noch die wahrscheinlichste bleiben, wenn sich erweisen ließe, daß dieses Wort an den morgenländischen Höfen und besonders an dem Türkischen zuerst üblich geworden, wo dergleichen Dolmetschen und Dolmetscher am nöthigsten gewesen, und es auch noch sind. Das Ital. Turcimanno und Franz. Trucheman, ein Dolmetscher, sind von dem vermuthlich Türkischen Drogeman. Die Niedersachsen nennen einen Dolmetscher Tolke, die Dänen Tolke, die Schweden Tolk, die Isländer Tulkr, die Russen Tolk, und dolmetschen heißt im Nieders. tolken, vertolken, und im Schwed. tolka. Dieses stammet ohne Zweifel von dem gedachten Worte Tal, die Sprache, ab, von welchem bey den Engl. noch jetzt to talk und to tell für sprechen, und Tale, eine Rede, Erzählung, üblich ist; und es kann seyn, daß die erste Hälfte des Wortes Dol auch dahin gehöret. Im Holländ. heißt ein Dolmetscher Taelmann, Taelspreker.
 
Artikelverweis Der
Dolmêtscher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Dolmetscherinn, plur. die -en, ein Wort, welches gleichfalls nur noch von denjenigen Personen gebraucht wird, welche in den fremden Ländern eine in einer unbekannten Sprache vorgetragene Rede mündlich in eine bekanntere übersetzen. Ehedem gebrauchte man es von einem jeden Übersetzer. Zuweilen kommt es auch figürlich vor. Ich habe mir einen Vorwurf zu machen, daß ich ihn zum Dolmetscher meiner Absichten gemacht, Weiße. Ehedem lautete dieses Wort nur der Dolmetsch, des -en, plur. die -en, welche Form aber veraltet ist. S. das vorige.
 
Artikelverweis Der
Dom, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, eine Art eines runden, hohen Daches, welches man noch häufiger eine Kuppel zu nennen pfleget, S. dieses Wort. Eine Kirche mit einem prächtigen Dome. Diese Bedeutung ist zwar im Hochdeutschen selten, allein im Oberdeutschen kommt sie noch zuweilen vor. 2) Figürlich, eine Kirche mit einem Dome, und weil nur die bischöflichen Kirchen ehedem auf diese Art gebauet wurden, eine Kirche, an welcher sich ein Hochstift befindet, eine Kathedral-Kirche, oder die Hauptkirche eines Erzbischofes oder Bischofes; eine Domkirche. In dieser Bedeutung ist das Wort heut zu Tage, besonders im Hochdeutschen, noch am üblichsten. In weiterer Bedeutung wird zuweilen im gemeinen Leben auch eine jede Stiftskirche, eine Collegial-Kirche, ein Dom, oder eine Domkirche genannt, wie z. B. von dem Dome zu Erfurt bekannt ist, obgleich auch dieser anfänglich zu einer bischöflichen Kirche gestiftet worden.
   Anm. Im Deutschen kommt dieses Wort wohl am ersten in den Monseeischen Glossen vor, wo Tuom, durch matrix, d. i. eine Mutterkirche, oder Kathedral-Kirche, erkläret wird. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort noch jetzt Thum. Der Mangel der Kenntniß der eigentlichen Bedeutung hat Wachtern und viele andere verführet, dieses Wort von dem veralteten Duom, Thuomo, Gericht, Gewalt, abzuleiten, S. Adelung Thum, welcher Ableitung selbst ein sonst so scharfsichtiger Ihre beypflichtet, welcher glaubet,

[Bd. 1, Sp. 1513]


die Domkirchen hätten von der mit denselben verbundenen geistlichen Gerichtsbarkeit den Nahmen. Allein δωμα, in dem mittlern Lateine Doma, bedeutete anfänglich einen Altan, hernach eine Kuppel, welche Bedeutung das Franz. Dome noch jetzt hat. S. du Fresne Gloss. v. Doma. Domo, Duomo, ist im Ital. gleichfalls eine Kathedral-Kirche, und es ist glaublich, daß die Deutschen das Wort aus dieser Sprache entlehnet haben. Wäre diese Ableitung nicht vorzüglich wahrscheinlich, so würde das Lat. Domus alle Mahl eine bessere Abstammung an die Hand geben, als das veraltete Duom, Gericht; indem die Kirchen in den mittlern Zeiten sehr oft ein Haus, domus, desjenigen Heiligen genannt werden, zu dessen Ehre sie gestiftet waren. S. auch Münster.
 
Artikelverweis Die
Domǟne, plur. die -n, oder das Domänen-Gut, des -es, plur. die -Güter, aus dem Franz. Domaine, und dieß aus dem mittlern Latein. Domanium, ein Gut, welches zu dem Unterhalte des Landesfürsten und dessen Familie, und andern landesfürstlichen Ausgaben gewidmet ist; ein Kammergut, Tafelgut, Krongut, wenn der Landesfürst eine Krone träget. Daher die Domänen-Kammer, ein Collegium, welches die höchste Aufsicht über die Verwaltung der Domänen hat, und zuweilen auch nur schlechthin die Kammer genannt wird, der Domainen-Rath u. s. f.
 
Artikelverweis Der
Domback, des -es, plur. inus. außer wenn mehrere Arten dieses Metalles angedeutet werden sollen, die -e, ein durch die Kunst gemachtes Metall, welches am häufigsten aus Kupfer und einem Zusatze von Zink, oder Galmey, sonst aber auch aus andern Mineralien verfertiget wird, und wenn es sein ist, dem Golde nicht unähnlich siehet. Es soll den Nahmen von einem Engländer Nahmens Domback haben, der es am ersten als eine Waare in den Gang gebracht, denn schon lange vor ihm hatte man es unter dem Nahmen des Auri sophistici gekannt. Allein da Tombago im Malayischen Kupfer bedeutet, und das feinste Kupfer von dieser Halbinsel kommt, so stehet es dahin, ob es nicht vielmehr von diesem Worte den Nahmen hat. Alsdann aber würde auch die Schreibart mit einem T die richtigere seyn.
 
Artikelverweis Das
Dōm-Capītel, des -s, plur. ut nom. sing. alle an einer Domkirche befindliche Domherren, als ein Ganzes betrachtet; ingleichen deren Versammlung, und der Ort, wo sie sich versammeln; ehedem die Thumerey. S. Adelung Capitel 3.

 

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