Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Dohle bis Doll (Bd. 1, Sp. 1509 bis 1511)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis 1. * Die Dohle, plur. die -n, ein im Hochdeutschen unbekanntes, in den gemeinen Mundarten Ober- und Niederdeutschlandes aber sehr häufiges Wort, einen Canal, einen Graben, zur Ableitung des Wassers und anderer Feuchtigkeiten, eine Abzucht, anzudeuten. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort Dole, Dolle, Tole. In den Monseeischen Glossen wird Dolun durch cloacas erkläret. Im Nieders. ist Dole eine kleine Grube, welche als ein Merkmahl

[Bd. 1, Sp. 1510]


auf den Äckern aufgeworfen wird. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dieses Wort männlichen Geschlechtes, der Dohl. Im Wallisischen ist Twll, ein Loch, eine Grube, welche Bedeutung auch das Goth. Daly, das Schwed. Tull, das Pohln. Dol, das Böhm. Dulek und das Engl. Till hat. S. Adelung Dille. Im mittlern Lateine kommt Dola für einen niedrigen am Wasser gelegenen Acker vor, und auf dem Lande um Leipzig und in Meißen ist Dölle oder Tölle, eine niedrige Stelle in einem Acker, in welcher sich in nassen Jahren das Wasser sammelt; S. Thal und Teller. Du Fresne führet bey dem Worte Dolium folgende Stelle aus einer Urkunde von 1191 an: Decretum est quod Domini de Vico habeant in perpetuum medietatem pulmenti, et quod Praepositio et ecclesiae Magalonensi remaneat salvum in perpetuum totum pulmentum, seu usaticum dolii Gradus; quod dolium ita interpretatur, quantum durant undique littora maris, id est, quantum durat canalis a mari usque ad stagnum. Er weiß dabey nicht, was er aus dem Worte dolium hier machen soll, und möchte es gern für einen Fehler des Abschreibers halten, der dolium für Dnium, d. i. Dominium, gelesen. Allein es ist deutlich genug, daß es unser Wort Dohle ist.
 
Artikelverweis 
2. Die Dohle, plur. die -n, ein Waldvogel, mit einem zusammen gedrückten und gewölbten Schnabel, welcher zu den Krähen gehöret, und vorn drey und hinten Eine Zehe, einen grünen Hinterkopf, eine schwarze Stirn, schwarze Flügel und einen schwarzen Schwanz hat.
   Anm. In den gemeinen Mundarten lautet dieses Wort Dahle, Duhle, Thole, welches ohne Zweifel eine Nachahmung seines natürlichen Geschreyes ist, womit auch hier die letzte Hälfte des Latein. Nahmens Monedula überein kommt. In Liefland und andern Gegenden ist das Diminut. Thalken üblich. In dem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Ital. Vocabulario wird das Ital. Tatula durch Tul erkläret. Von seinem Geschreye hat dieser Vogel so wohl im Deutschen als in den fremden Sprachen noch verschiedene andere Nahmen bekommen. In den Graubünden heißt er Been; in der Schweiz Alprabe, Alpkachle; in Steiermark Däche; in Wien Dächer; in Schwaben Dule; in andern Oberdeutschen Gegenden Gauch, Jacke, Schneegäcke; im Nieders. Gakke, Älke; im Engl. Chough, Jay, Daw, Jackdaw; im Französ. Gay, Choucas; um Osnabrück Kae, um Bremen Kakkreie, an andern Orten Kayken; im Dän. Kaae, Alleke; im Holländ. Kaw, Kae; in der Mark Brandenburg Krucke, Klas, Kläs; im Griech. Κολοιος; im Russischen Galka, Pliza; im Böhmischen Kawka, Wrana; im Norweg. Allike, Kaa, Kaye, Raage.
 
Artikelverweis Die
Dohne, plur. die -n, ein größten Theils Niedersächsisches Wort, diejenigen, meisten Theils mit hölzernen Bügeln versehenen Schlingen auszudrucken, worin man zur Herbstzeit Drosseln und andere kleine Vögel zu fangen pfleget, und welche sonst auch Sprenkel, im Oberdeutschen Schneiden, Schneißen, am Rheinstrome Baumgerichte, und in Niedersachsen auch Snirren genannt werden. Dohnen legen, stellen.
   Anm. Bey dem Plautus kommt Tenus schon in eben derselben Bedeutung vor:
   Nunc ab transenna turdus lubricum petit:
   Pendebit hodie putore, ita intendi tenus. Das Schwed. Dåna bedeutet gleichfalls eine solche Vogelschlinge. Leibnitz leitet es von dehnen, Wachter von dem Angels. Tan, bey dem Ulphilas Taino, ein dünner Zweig, Reiß, eine Ruthe, (S. Adelung Zaun,) Ihre aber von dem Gothischen Than, eine Sehne, her; S. Sehne.

[Bd. 1, Sp. 1511]



 
Artikelverweis Der
Dohnenfang, des -es, plur. inus. der Vogelfang vermittelst der Dohnen, und das Recht, Dohnen legen zu dürfen; ohne Plural.
 
Artikelverweis Der
Dōhnenstrích, des -es, plur. die -e, die Reihe der in einem Walde aufgestellten Dohnen; der Dohnensteig, im Oberdeutschen das Schnaid, oder Schnaat, S. Adelung Schneide.
 
Artikelverweis Der
Dolch, des -es, plur. die -e, die kürzeste Art der Stoßdegen, welche in Italien sehr häufig, bey uns aber selten gebräuchlich ist. Die Hand eines Freundes drückte ihm den Dolch in die Brust. Die Worte sind in meiner Seele Dolche, Schleg. Nenne mir diesen Nahmen nicht; er ist ein Dolch in meiner Seele. Oft mit Dolchen bewehrt, Zachar.
   Anm. Dieses Werkzeug lautet im Dän. Dolk, im Schwed. Dolk, im Pohln. und Böhm. Tulich. Es scheinet eine Ableitung von einem Worte Dol, oder Tol zu seyn. Das Latein. Telum war wirklich eine allgemeine Benennung aller solcher tödtlichen Werkzeuge; ja bey den Römern kommt schon Dolo, und bey den Griechen δολων und δολωνα in der Bedeutung eines kleinen in einem Stabe verborgenen Degens vor; S. Adelung Ihre Glossar. v. Dölja. Der gelehrte Schwede hält das Schwed. dölja, Angels. digelan, verbergen, für das Stammwort. In unsern alten Deutschen Denkmählern kommt Dolch in der heutigen Bedeutung nicht vor; desto häufiger aber findet sich Dolg, Dolk, Tolc, von den Zeiten des Kero an, für eine Wunde, so wie auch das Angels. tholigen, für tödten, ermorden, bekannt ist; daher dieses Wort eine bequemere Abstammung an die Hand gibt, als dölja, verbergen. Die Niedersachsen nennen einen Dolch theils Steekmest, Stechmesser, Schwed. Stekametz, theils Pook, welches mit dem Holländ. Pook, und Latein. Pugio überein kommt, und von pooken, stecken, abstammt. Pook bedeutet aber gleichfalls einen Stich, eine Wunde.
 
Artikelverweis Die
Dolde, plur. die -n, ein im Hochdeutschen beynahe veraltetes Wort, welches den Gipfel einer jeden Sache, besonders aber den Gipfel eines Baumes, ingleichen den büschelartigen Gipfel einer Pflanze bedeutet. Einige neuere Schriftsteller des Pflanzenreiches haben dieses Wort wieder eingeführet, diejenigen Arten der Blüthen zu bezeichnen, deren Stängel aus einem gemeinschaftlichen Mittelpunkte, wie Linien aus der Spitze eines stumpfen Kegels, entspringen; dergleichen Blüthen z. B. die Dille hat. Im Latein. heißt eine solche Blume Umbella.
   Anm. Dieses Wort ist so wohl im Oberdeutschen, als im Niedersächsischen üblich. In der erstern Mundart ist es männlichen Geschlechtes, der Dold, Tolder, oder Dolle in der letztern lautet es gleichfalls Dolle. In der Paraen. Tyrolis kommt der Tolden schon für den Gipfel eines Baumes vor. Das Schwed. Tull hat gleiche Bedeutung. Ihre ziehet auch das Griechische τελος, das Ende, hierher. In Preußen ist Tolle, ein kleiner Quast.
 
Artikelverweis Die
Doldenblume, plur. die -n, eine Blume in Gestalt einer Dolde, bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches.
 
Artikelverweis Die
Doldenêrbse, plur. die -n, eine Abänderung der gewöhnlichen Erbsen, welche auch Rosenerbse genannt wird; Pisum unbellatum, L. weil ihre Blüthen in Gestalt der Dolden entspringen.
 
Artikelverweis Der
Dolden-Isopp, des -es, plur. inus. in den Gewächshäusern, eine Art Isoppes, dessen Blätter an dem Gipfel in der Gestalt einer Dolde nahe zusammen stehen.
 
Artikelverweis 
Doll, S. Adelung Toll.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: