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3. Die Docke bis Dohle (Bd. 1, Sp. 1508 bis 1509)
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Artikelverweis  3. Die Docke, plur. die -n, Diminut. das Döckchen, Oberd. das Döcklein, überhaupt eine jede kurze dicke Säule. 1. Eigentlich, da dieses Wort in verschiedenen Handwerken und Lebensarten sehr häufig gebraucht wird, gewisse kurze dicke Säulen zu benennen, sie mögen nun viereckt, oder gedrechselt seyn. So werden in den Bergwerken diejenigen Hölzer, welche an beyden Seiten des Baumes hangen, der quer durch die Spindel geht, bey den Tuchmachern die kleinen Säulen an dem Spinnrade, worin die Spindel gehet, bey den Tischlern die starken Stücke Holz zu den Seiten der Gestühle, bey den Drechslern die kurzen Säulen, zwischen welchen das Holz, welches gedrechselt werden soll, eingespannet wird, (S. auch Hohldocke,) in den Fischteichen die Zapfen oder Schlägel, in den Schmelzhütten die zwey hölzernen Säulen, zwischen welchen der Schämel des Blasebalges auf und nieder beweget werden kann, an den Wagen an einigen Orten die Rungen oder Bockhölzer, in der Baukunst kleine Säulen, Stollen oder Figuren an den Geländern, Docken genannt. Bey den Messerschmieden ist die Docke ein dünnes vierseitiges Eisen in dem Amboßklotze, mit einem Loche, die Messerklingen einzunehmen, wenn man den Absatz daran schlagen will. Die Schlösser nennen diejenigen Stücke gestähltes Eisen von allerley Gestalt, welche sie in den Schraubstock spannen, allerley Zierathen darauf auszutiefen, nicht nur Untersätze, sondern auch Docken. 2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit, 1) ein zusammen gelegtes Bund Schnüre, oder anderer biegsamer Körper. So heißt bey den Jägern ein zusammen gelegtes Bund Schnüre, Leinen u. s. f. eine Docke. S. Aufdocken und Ausdocken. Im gemeinen Leben führen diesen Nahmen kleine zusammen gedrehete Bündel Seide oder Garn. Die kleinen Bündlein Stroh, welche zuweilen zwischen die Fugen der Dachziegel oder Schindeln gesteckt werden, das Regenwasser abzuhalten, werden gleichfalls Docken genannt. In den Tobaksfabriken führen diesen Nahmen zusammen gebundene Bündel getrockneter Tobaksblätter, welche etwa ein halbes Pfund am Gewichte halten. 2) Eine Puppe; doch mehr im Oberdeutschen und Niedersächsischen, als im Hochdeutschen. Das Kind spielt noch mit der Docke. Sie hat sich geputzt, wie eine Docke. Daher der Dockenmacher, der Docken und andere Spielsachen für Kinder verfertiget, die Dockenwaare, der Dockenkrämer, der

[Bd. 1, Sp. 1509]


Dockenschrank u. s. f. 3) Eine Art des Kopfputzes des andern Geschlechtes.
   Anm. Auch dieses Wort ist von den Sprachforschern bisher sehr vernachlässiget worden. Die meisten sehen die Bedeutung einer Puppe als die erste eigentliche an, und fallen daher entweder auf das Holländ. tocken, spielen, so doch erst von Docke abstammet, oder mit Wachtern auf das Griech. τευχω, ich schmücke, bereite zu. So fern dieses Wort eine Puppe bedeutet, lautet es im Oberdeutschen Tocke, im Niedersächsischen Dokke, im Schwedischen Docka. Es ist sehr glaublich, daß diese Bedeutung nur eine Figur von der Bedeutung einer kurzen Säule ist, und da kommt dieses Wort sehr genau mit Stock überein, welches bloß vermittelst des vorgesetzten Zischlautes aus Docke geworden, S. Stock. Wird doch Stock im gemeinen Leben auch sehr häufig gebraucht, einen kurzen, dicken Körper auszudrucken; z. B. der Stock eines abgehauenen Baumes, der Stock, d. i. der Rumpf, eines Hemdes u. s. f. Das mittlere Latein. Docarium und Griech. δοκος, ein Balken, gehören gleichfalls hierher.
 
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4. Die Docke, plur. die -n, an den Clavieren, ein Tangent, S. Adelung Tocke.
 
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Docken, verb. reg. 1. Activum, so fern Docke ein zusammen gelegtes Bund Schnüre u. s. f. bedeutet, zu einer Docke machen, aufwickeln; doch nur in den Zusammensetzungen aufdocken, ausdocken, S. diese Wörter. 2. Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, mit der Puppe spielen, Puppen machen. Das Kind will docken. Nieders. dokken, Oberd. tocken, Holländ. tocken.
 
Artikelverweis Das
Dockengeländer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein Geländer, welches aus Docken, d. i. kurzen, meisten Theils gedrechselten Säulen, bestehet.
 
Artikelverweis Der
Dockenstämpel, des -s, plur. ut nom. sing. in den Stampfmühlen, ein Stämpel, etwas damit zu zerstampfen, oder zu zerstoßen.
 
Artikelverweis Der
Dockenstock, des -es, plur. die -stöcke, bey den Drechslern, ein Stock, d. i. hölzerne Docke, worin die eiserne Docke befindlich ist, und die wie ein Reitstock beweglich ist.
 
Artikelverweis Die
Dockforme, plur. die -n, S. 2 Docke.
 
Artikelverweis Der
Dóctor, des -s, plur. die Doctōres, oder Doctōren, aus dem Latein. Doctor, ein Lehrer, ein Ehrennahme dessen, der die höchste Würde in der Theologie, Rechtsgelehrsamkeit, Arzeneykunde und Weltweisheit erhalten hat. Daher die Doctor-Würde, das Doctor Diplom, der Doctor-Hut u. s. f. Im gemeinen Leben wird ein mit dieser Würde begabter Arzt nur κατ' εξοχν ein Doctor genannt, und in weiterer Bedeutung gibt hernach der Pöbel auch einem jeden, der sich, berufen oder unberufen, mit Heilung menschlicher Gebrechen abgibt, diesen Nahmen.
 
Artikelverweis * Der
Dod, des -en, plur. die -en, Fämin. die Dod, plur. die -en, ein nur im Oberdeutschen übliches, im Hochdeutschen aber völlig unbekanntes Wort, einen Pathen oder eine Pathe zu bezeichnen, in allen Bedeutungen dieses Wortes. In Schwaben lautet dieses Wort in dem weiblichen Geschlechte Toda. In andern gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes ist Tata bey den Kindern noch jetzt so viel als Vater, oder Mutter. Im Böhmischen bedeutet Ded den Großvater. S. Adelung Deutsch, Atte und Vater.
 
Artikelverweis Die
Dogge, ein Hund, S. 1 Docke.
 
Artikelverweis 1. * Die
Dohle, plur. die -n, ein im Hochdeutschen unbekanntes, in den gemeinen Mundarten Ober- und Niederdeutschlandes aber sehr häufiges Wort, einen Canal, einen Graben, zur Ableitung des Wassers und anderer Feuchtigkeiten, eine Abzucht, anzudeuten. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort Dole, Dolle, Tole. In den Monseeischen Glossen wird Dolun durch cloacas erkläret. Im Nieders. ist Dole eine kleine Grube, welche als ein Merkmahl

[Bd. 1, Sp. 1510]


auf den Äckern aufgeworfen wird. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dieses Wort männlichen Geschlechtes, der Dohl. Im Wallisischen ist Twll, ein Loch, eine Grube, welche Bedeutung auch das Goth. Daly, das Schwed. Tull, das Pohln. Dol, das Böhm. Dulek und das Engl. Till hat. S. Adelung Dille. Im mittlern Lateine kommt Dola für einen niedrigen am Wasser gelegenen Acker vor, und auf dem Lande um Leipzig und in Meißen ist Dölle oder Tölle, eine niedrige Stelle in einem Acker, in welcher sich in nassen Jahren das Wasser sammelt; S. Thal und Teller. Du Fresne führet bey dem Worte Dolium folgende Stelle aus einer Urkunde von 1191 an: Decretum est quod Domini de Vico habeant in perpetuum medietatem pulmenti, et quod Praepositio et ecclesiae Magalonensi remaneat salvum in perpetuum totum pulmentum, seu usaticum dolii Gradus; quod dolium ita interpretatur, quantum durant undique littora maris, id est, quantum durat canalis a mari usque ad stagnum. Er weiß dabey nicht, was er aus dem Worte dolium hier machen soll, und möchte es gern für einen Fehler des Abschreibers halten, der dolium für Dnium, d. i. Dominium, gelesen. Allein es ist deutlich genug, daß es unser Wort Dohle ist.

 

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