Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Der Döbel bis 1. Die Docke (Bd. 1, Sp. 1504 bis 1507)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  1. Der Döbel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art eßbarer Weißfische mit einem dicken Kopfe und breiten silberfarbenen Schuppen; Cyprinus Dobula, L. S. Adelung Alant. In Meißen und Brandenburg lautet dieser Nahme mehrentheils Diebel. An einigen Orten heißt dieser Fisch auch Mauser oder Mäuser, weil er Mäuse essen soll, an andern Dickkopf, Bratfisch. Sein Böhmischer Nahme ist Tlausst.

[Bd. 1, Sp. 1505]



 
Artikelverweis 
2. Der Döbel, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Zapfen, ein Pflock. So nennen die Mäurer und andere Arbeitsleute den hölzernen Pflock, welcher in die Mauer getrieben wird, etwas darin zu befestigen, einen Döbel. Bey den Faßbindern sind es stumpfe hölzerne Nägel, womit die Bodenstücke an einander gefüget werden, bey den Steinmetzen eiserne Bolzen, mit welchen auf ähnliche Art die Steine an einander gefüget werden, bey den Wagnern hölzerne Pflöcke, die Felgen eines Rades an einander zu befestigen, bey den Schlössern, ähnliche eiserne Zapfen, welche durch zwey Stücke gehen, die man mit einander vereinigen will, u. s. f. In den gemeinen Mundarten wird dieses Wort bald Debel, bald Diebel, bald aber auch Dobbel ausgesprochen. Vermuthlich gehöret dieses Wort zu einem alten Stamme, der ehedem schlagen bedeutet hat, wie das Griechische τυπτειν und von welchem dupfen, und rüpfen, stopfen, Fußstapfen u. a. m. noch als Intensiva übrig sind. S. auch Dubhammer, Dobber und Dāube. Das Nieders. Tappen, im Hoch- und Oberdeutschen ein Zapfen, scheinet gleichfalls hierher zu gehören, und auch ein Intensivum von dobben, dubben, stechen, stoßen, schlagen, zu seyn.
 
Artikelverweis 
3. Der oder das Döbel, des -s, plur. car. bey den Landleuten in Obersachsen, eine Art Unkrautes, welches unter dem Getreide, besonders aber unter der Gerste und dem Hafer wächset, und einen dünnen Halm mit einer zweyzeiligen langen Ähre hat.
 
Artikelverweis Der
Döbelboden, des -s, plur. die -böden, im gemeinen Leben, der Fußboden zwischen zwey Stockwerken, wo der Raum zwischen zwey Hauptbalken mit dicht an einander gelegten Balken ausgefüllet ist, welche mit zur Seite eingebohrten Döbeln verbunden werden. So fern ein solcher Boden dem untern Zimmer zur Decke dienet, heißt er auch eine Döbeldecke.
 
Artikelverweis 
Döbeln, verb. reg. act. mit Döbeln verbinden. Ein Faß, oder den Boden eines Fasses döbeln, bey den Faßbindern, die Bodenstücke durch Döbel an einander fügen.
 
Artikelverweis *
Doberig, adj. et adv. ein Meißnisches Provinzial-Wort, welches von einer dicken, warmen und dabey windstillen Luft gebraucht wird, und so viel als das Hochdeutsche schwühl ist. Doberiges Wetter. Die Abstammung ist mir unbekannt; vielleicht ist es noch ein Überbleibsel der Slavisch-Serbischen Mundart, dergleichen es in den untern Classen in Meißen mehrere gibt.
 
Artikelverweis 
Doch, eine Partikel, welche eigentlich für den Nachsatz gehöret, und überhaupt betrachtet, eine Bejahung andeutet, obgleich diese Bejahung gemeiniglich mit allerley Nebenbegriffen verbunden ist. In den sieben ersten Bedeutungen hat sie die Gestalt eines Bindewortes; allein in der letzten kann sie zuweilen für ein bloßes Nebenwort gelten. Sie dienet,
   1. Einem Satze zur Begleitung, welcher dem Vordersatze zu Folge eigentlich nicht Statt finden sollte, wie dennoch. Ob du mir gleich viel vorgeplaudert hast, so habe ich doch nichts verstanden. Ungeachtet er mich sahe, so redete er mich doch nicht an. Wenn der Vordersatz sich mit keinem Bindeworte anfänget, so stehet doch am liebsten hinter dem Verbo finito, so daß dieses den Nominativ vor sich hat. Zanken sie immer; ich weiß doch, daß sie mich lieb haben. Gehen sie immer sauer aus; sie meinen es doch gut mit mir. Man beleidiget mich täglich; aber ich werde doch nicht müde, Gutes zu thun. Ich verboth es ihm; aber er that es doch. Du redest fast so klug, wie mein Bruder, und hast doch nicht studiret, Gell. Im gemeinen Leben läßt man das doch den Nachsatz zuweilen anfangen; alsdann tritt der Nominativ hinter das Zeitwort. Die Sache war richtig; doch wollten sie nicht daran. Minder hart klingt es, wenn und vorher gehet. Die Sache war richtig, und doch wollten sie nicht daran. Zuweilen ist der Satz, worauf

[Bd. 1, Sp. 1506]


sich doch beziehet, versteckt, und weit vorher zu suchen. Gutes Kind, du wirst doch denken, daß ich ihn zu deinem Vergnügen habe herbitten lassen, Gell. Es ist doch ein unerträglicher Stolz, daß er mich verläßt, ebend. Zuweilen wird er auch in dem Nachsatze eingeschaltet. Dieß kann ich, so alt ich bin, doch wohl leiden, ebend. S. Adelung Dennoch.
   2. Bezeichnet sie auch einen Gegensatz dessen, was im Vorhergehenden gesagt worden, wie aber; da sie denn den Nachsatz alle Mahl anfängt. Du polterst und drohest nur immer; doch ich habe gelindere Mittel. Er hatte versprochen zu kommen; doch er kam nicht.
   3. Eine Compensation dessen, was in dem Vordersatze war gesagt worden, da sie denn gleichfalls für aber, und auch zu Anfange eines Nachsatzes stehet. Er spricht schlecht; doch er schreibt gut. Du hättest alles erhalten, wo nicht mit Gewalt, doch mit Güte.
   Leicht läßt sich die Vernunft, doch schwer das Herz betriegen,
   Gell. 4. Eine Einschränkung des Vordersatzes, auch wie aber; da es gleichfalls den Nachsatz anfängt. Ich erlaube dir viel, doch nicht zu viel.
   Zwar lehren wir und lernen beyde;
   Doch unsre Wissenschaft ist Freude,
   Und unsre Kunst Gefälligkeit,
   Haged.
   Apoll vergaß bey muntern Chören,
   Wenn ihm ein holder Mund gefiel,
   Die stolze Harmonie der Sphären;
   Doch nicht sein sanftes Saitenspiel,
   Haged. 5. Einen Einwurf; immer noch wie aber, und auch zu Anfange des Satzes. Es ist freylich nicht erlaubt; doch er kann nicht gewußt haben, daß es verbothen ist. Die Natur ist hier schön; doch wird sie es auch für mich seyn?
   6. Eine Bedingung, in der vertraulichen Sprechart. Morgen erwarte ich sie; doch daß sie mir das Bewußte mitbringen. Ich will es ihnen sagen; doch müssen sie mir versprechen, daß sie mich nicht verrathen wollen. Auch hier kann es durch das Bindewort aber ersetzet werden.
   7. Oft dienet es bloß, eine vorher angefangene Rede abzubrechen, welchen Gebrauch es mit dem aber gleichfalls gemein hat. Es wäre viel davon zu sagen; doch wir wollen hier keine Untersuchung anstellen. Es ist freylich nicht recht; doch wir wollen davon abbrechen.
   8. Noch öfter werden die bisher bemerkten Bedeutungen, und die Beziehung auf das Vorhergehende unkenntlich, und da hat diese Partikel eine intensive Kraft, durch ihre bejahende Bedeutung den Nachdruck zu erhöhen, oder doch wenigstens die Vollständigkeit und die Nünde der Rede zu befördern. Sie stehet in diesem Falle alle Mahl hinter einem oder mehrern Worten. Sie begleitet alsdann, 1) eine einfache Bejahung oder Verneinung. Ja doch! Nein doch! Nicht doch! wo die Partikel zugleich einigen Unwillen verräth. 2) Einen bejahenden Satz. Auf diese Art weiß man doch, worauf man sich zu verlassen hat, Gell. Wir müssen doch mit ihr reden. Ich möchte doch wissen, was sie mir zu sagen hätte, ebend.
   Die Alte sollte sich doch schämen,
   Die Mannsperson mir zu entziehn,
   Haged. Zuweilen kann durch eine Inversion, welche in der vertraulichen Sprechart ihre Anmuth hat, der Nominativ hinter das Zeitwort gesetzet werden. Bricht mir doch der Angstschweiß darüber aus, für es bricht mir doch u. s. f. Ist mirs doch recht lieb, daß ich sie hier sehe. Wäre ich doch vorhin bald eben so leichtgläubig gewesen. Hätte ich doch nicht gedacht, daß du

[Bd. 1, Sp. 1507]


so verliebt wärest! Gell. Sieht sie doch so freundlich aus, als wenn u. s. f.
   Verlier ich doch, so mächtig ich auch bin,
   An dir den Ruhm der größten Zauberinn,
   Gell. Hast du mich doch erschreckt, daß ich beynahe die Blumen verschüttet habe! Weiße. 3) Einen Imperativ, wo doch oft einigen Unwillen verkündiget. Wirf mir doch das nicht vor. Laß mich doch zufrieden. So höre doch. Ach gehe doch. Oft hat es auch nur die Gestalt einer Bitte. Sage mir es doch. Folgen sie mir doch. Wo ist er denn? O, zeiget mir ihn doch, Gell. Aber auch in dieser letzten Gestalt setzt es Vertraulichkeit voraus, daher man es in dieser Bedeutung gegen Personen, denen man Ehrerbiethung schuldig ist, nicht gebrauchen darf. 4) Eine Frage. Sie haben es doch? Es ist doch wohl nichts Böses? Sie wird doch nicht Tag und Nacht bethen? Das will ich nicht hoffen, Gell. Camilla? doch wohl nicht die Schwester des Lälio? Es ist doch Weiberlehn?
   Seht, was ich fand, ihr habts doch wohl verloren?
   Gell. Auch wenn diese Frage einen Verweis, einen Unwillen enthält. Was reden sie doch? Du wirst doch nicht schon wieder sitzen? Wie können sie sich doch ohne Noth traurig machen? Gell. Du wirst doch wissen, ob du ihm gut bist? Sie werden mir doch nicht zumuthen, daß ich in ihre Seele reden soll? 5) Einen Ausruf, einen Wunsch. O, daß doch mein Vater käme! O, könnte er doch nur lieben! Ingleichen eine Klage. Die Zeiten sind doch gar zu schlecht! O, daß ihr Leute doch allenthalben Widersprüche findet!
   Anm. Im Nieders. lautet diese Partikel doch, dog, bey dem Ulphilas thau, bey dem Ottfried thoh, bey dem Willeram doh, im Angels. deah, im Holländ. doch, im Engl. though, im Dän. dog, im Schwed. dock. Sie scheinet aus da auch zusammen gesetzet zu seyn, welches wenigstens mit ihren Bedeutungen sehr gut überein kommt. Die Alten gebrauchen sie auch im Vordersatze für obgleich, und so gebraucht schon Kero sein dohdoh. S. Adelung Dennoch und Jedoch.
 
Artikelverweis Der
Docht, des -es, plur. die -e, derjenige brennbare Körper in einem Lichte oder einer Lampe, welcher das Fett oder Öhl zuführet, so die Flamme eigentlich unterhalten muß. Des Lebens Docht, eine schon sehr abgenutzte Figur, das Leben zu benennen.
   Anm. Man leitet dieses Wort von ziehen, Nieders. tehen her, und da ist die Oberdeutsche Mundart, welche dieses Wort Tocht und Tacht spricht und schreibet, der Abstammung freylich getreuer geblieben, als die Hochdeutsche. Indessen findet sich schon bey dem Opitz Docht. In der Niedersächsischen und gemeinen Obersächsischen Mundart lautet dieses Wort Dacht. Im Oberdeutschen ist es zugleich ungewissen Geschlechtes, das Tocht, welches auch in der Deutschen Bibel beybehalten worden: ein glimmendes Tocht.
 
Artikelverweis Die
Dochtbank, plur. die -bänke, bey den Lichtziehern, eine Bank, auf welcher die Dochte zu den Lichtern verfertiget werden.
 
Artikelverweis Das
Dochtgarn, des -es, plur. inus. das Garn, aus welchem die Dochte zubereitet werden; Lichtgarn.
 
Artikelverweis 
1. Die Docke, plur. die -n, eine Art großer Hetzhunde, dergleichen besonders diejenigen sind, welche aus England und Irland zu uns kommen. Eine Englische Docke. Der Nahme ist aus dem Englischen Dog, ein Hund, wovon die Franzosen auch ihr Dogue und die Dänen ihr Dogge entlehnet haben. Im Hannöverischen bedeutet Tacche eine jede Hündinn. S. Adelung Petze, ingleichen Zauche. Freylich sollte dieses Wort billig Dogge geschrieben

[Bd. 1, Sp. 1508]


werden; aber da die Hochdeutschen das ck sehr deutlich hören lassen, so wird es auch gemeiniglich mit demselben geschrieben.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: